Die Belagerung von Fredericia in Dänemark durch die schleswig-holsteinische Armee begann am 9. Mai 1849 und endete am 6. Juli 1849 mit einer Ausbruchssschlacht durch die dänischen Verteidiger.

Die Belagerung war Teil der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, der politischen und militärischen Auseinandersetzung der deutschen Nationalbewegung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein mit dem Königreich Dänemark, die Dänemark trotz der Unterstützung der Schleswig-Holsteiner durch weitere deutsche Bundesstaaten schließlich für sich entscheiden konnte.

Hintergrund Nach der Kündigung des Waffenstillstands von Malmö am 22. Februar durch Dänemark flammte der Krieg im April 1849 wieder auf. Die Provisorische Zentralgewalt der Frankfurter Nationalversammlung setzte im März 1849 eine Statthalter-Regierung ein und führte den Krieg weiter, wobei die Ausführung in erster Linie in preußischen Händen lag. Es taten sich auch die Fürsten Thüringens hervor. Nach dem Gefecht bei Eckernförde am 5. April 1849 und den Gefechten bei Kolding am 20. und 23. April 1849 erfolgte der deutsche Vorstoß nach Dänemark hinein.

Auf der Seite des deutschen Bundes standen dem preußischen General Prittwitz insgesamt 61.000 Mann zur Verfügung, davon 46.000 deutsche kaiserliche Truppen in drei Divisionen, eine kursächsisch-bayerische (1. Division), eine hannoversche (2. Division), eine preußische (3. Division) und die von General Eduard von Bonin geführte schleswig-holsteinische Armee mit 16.000 Mann.

Der Rückzug der dänischen Armee nach Nordjütland Die dänische Armee bestand nur noch aus 41.000 Mann und musste sich aufgrund der Übermacht nach Alsen und Fredericia zurückziehen. Der Rückzug war notwendig, um die wichtigsten Gebiete Dänemarks verteidigen zu können. Die Dänen wollten den nördlichen Teil Jütlands schützen und sowohl Alsen mit einem Brückenkopf bei Sundeved (Düppel) als auch Fünen mit einem Brückenkopf bei Fredericia verteidigen. Die deutsch-schleswig-holsteinische Armee musste den Bewegungen der dänischen Armee folgen, wenn sie Jütland besetzen und gleichzeitig die Nachschublinien offen halten wollte.

Gemäß dem dänischen Plan zog sich General De Meza mit etwa 15.000 Mann nach Als zurück, das nur durch eine schmale Meerenge von Jütland getrennt ist. Der Brückenkopf bei Sundeved wurde in der Folge von den Deutschen besetzt. Um hier der Bedrohung seiner Nachschublinien entgegenzuwirken, ließ General Prittwitz 20.000 deutsche Reichssoldaten dort zurück. Der Rest der deutsch-schleswig-holsteinischen Armee folgte der sich zurückziehenden dänischen Armee. In der befestigten Stadt Fredericia ließen die Dänen eine weitere Garnison von 7000 Mann unter dem dänischen Oberst Lunding sowie eine Reserve auf Fünen zurück. Hier erhielt General Bonin mit seinen schleswig-holsteinischen Truppen den Auftrag, die Dänen an einem Angriff von der Festung Fredericia aus zu hindern, was die Flanke der deutschen Armee hätte bedrohen können.

General Rye lockte die verbliebene deutsche Streitmacht durch Ausweichmanöver weiter nach Jütland und gelangte schließlich auf die Halbinsel Helgenæs südlich von Mols.

Die Dänen hatten in dieser Situation alle Vorteile, da die deutsch-schleswig-holsteinische Armee nunmehr in drei Teile gespalten war, die mehrere Tagesmärsche voneinander entfernt lagen. Mit Hilfe ihrer Marine war es den Dänen möglich, ihre einzelnen Kontingente schnell zu verlegen und den Hauptteil der Armee gegen den Teil der deutschen Truppen zu konzentrieren, der für sie vorteilhaft schien.Michael H. Clemmesen, Ole L. Frantzen, Thomas Wegener Friis: Danmarks krigshistorie. Gad. Kobenhagen. 2010. ISBN 978-87-12-04579-3. S. 507.

Die Festung Fredericia mini|Fredericia mit Befestigungsanlagen (ca. 1900). Fredericia liegt an der Süd- und Ostküste Jütlands und ist östlich und südlich vom dort recht schmalen Kleinen Belt umgeben. Die Entfernung von Fredericia zum Fährhafen Strib auf Fünen beträgt nur etwa 1300 Meter. Die Befestigungen bestanden aus einem Wall mit neun Bastionen und einem zehn Meter breiten und fünf Meter tiefen Graben. Kommandant der Anfang 1849 7000 Mann starken Garnison war Oberst Lunding.

Die Festung Fredericia war bei Kriegsbeginn 1848 noch in schlechtem Zustand und die militärische Ausrüstung war veraltet. An mehreren Stellen auf dem Wall fehlten Erdbefestigungen, es gab zu wenig Platz, um Kanonen aufzustellen, und zu wenige Soldaten. Dies führte dazu, dass Fredericia im ersten Kriegsjahr von den schleswig-holsteinischen Truppen unter der Führung des preußischen Generals Wrangel kurzzeitig eingenommen werden konnte.

Über den Winter, etwa ab Februar 1849, begann man, Fredericia wieder verteidigungsfähig zu machen. Dies geschah mit Hilfe der Arbeiter und Soldaten der Stadt unter der Leitung des Festungskommandanten Lunding. 30 Batterien und Schützengräben wurden angelegt und die alten Schanzen wurden verstärkt. Die alte Artillerie wurde ausgetauscht und neue Artillerie wurde angeschafft. Außerdem wurden ein neuer Wall und ein Graben angelegt.

Die Belagerung mini|Fredericia unter Belagerung. Ölbild von C.O Zeuthen (1850). Fredericia wurde ab dem 9. Mai 1849 von der schleswig-holsteinischen Armee unter General Bonin belagert.

Die Belagerer errichteten zunächst vier Schanzen (Nr. 1–4), deren Zweck es war, von dort aus die Stadt zu beschießen und die schleswig-holsteinische Armee gleichzeitig vor einem Ausbruch der Garnison zu schützen. Am 13. Mai gelang der Garnison ein solcher erster Ausbruch, um den Bau von Schanze 3 zu verhindern. Der Angriff wurde jedoch abgewiesen und die Schanze am 15. Mai fertiggestellt. Ab dem 16. Mai um 5 Uhr morgens beschoss die schleswig-holsteinische Armee die Stadt zunächst vier Tage lang. Die ersten Schüsse wurden vom ersten Schanzenwerk, an der sog. Prinzen-Bastion, abgegeben. Die Bevölkerung wurde zum Teil nach Fünen evakuiert.

Vier der am dichtesten besiedelten Stadtteile wurden getroffen und 427 Häuser zerstört. Da das Feuer jedoch schnell gelöscht wurde und die Innenstadt außerhalb der Wälle nicht einsehbar war, schätzte General Bonin die Schäden an der Stadt als unbedeutend ein.

Die Schleswig-Holsteiner hatten die Stadt bis dahin allerdings nicht vollständig abgeschnitten. Die dänische Garnison konnte daher mehrmals durch auf Fünen stationierte Truppen abgelöst werden. Bonin beschloss daraufhin, den Zugang zwischen Fredericia und Fünen zu sperren und ordnete er den Bau zweier weiterer Schanzen in Strandnähe nördlich der Festung – Schanze Nr. 5 (Treldeskansen, : Trelde-Schanze) und Schanze Nr. 6 (die nie fertiggestellt wurde), an. Von diesen Schanzen sollte die Seeverbindung nach Fünen wirksam unterbrochen werden, was allerdings nicht gelang. Wegen der auseinandergezogenen Aufstellung und der verhältnismäßig geringen Truppenstärke der Schleswig-Holsteiner konnte keine Tiefe in der Aufstellung und bei den Artillerie-Besatzungen erreicht werden.Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. 1996, ISBN 3-88042-769-0. S. 133.

In der Folge herrschte während des gesamten Monats Juni eine Art inoffizieller Waffenruhe, da es Bonin untersagt worden war, die Stadt anzugreifen. Die Schleswig Holsteiner sollten lediglich Offensivaktionen der Dänen aus der Festung heraus verhindern.

Ausfall am 30. Juni Am 30. Juni 1849 ließ Festungskommandant Lunding auf dänischer Seite einen Scheinangriff durchführen. Der Ausfall fand kurz nach 15 Uhr am Nachmittag statt, als die Truppen aus den Festungstoren und über die Wälle ausrückten. Die Kämpfe dauerten etwa zwei Stunden, danach zogen sich die dänischen Truppen zurück.

Anfang Juli nahm Bonin das Bombardement der Stadt wieder auf. Es gab Schäden und Tote unter den Zivilisten. Oberst Lunding bat daher seine Vorgesetzten, einen Ausbruch nicht mehr lange hinauszuzögern.

Ausfall aus der Stadt Vorbereitungen Am 4. Juli 1849 wurde im Pfarrhaus von Vejlby auf Fünen ein Kriegsrat abgehalten, an dem alle dänischen Oberkommandierenden teilnahmen. Verschiedene Angriffsszenarien wurden besprochen, um den Feind bei Fredericia zu schlagen. Letztlich erhielt General Frederik Rudbek Henrik von Bülow, unter dessen Oberbefehl die dänischen Truppen standen, die Zustimmung für seinen Plan eines gemeinsamen Ausfalls aus der Festung.

Bis in die Tage vor dem 6. Juli befanden sich allerdings nur rund 5000 dänische Soldaten in Fredericia. Viel zu wenige im Vergleich zu den rund 14.000 schleswig-holsteinischen Soldaten, die die Festungsstadt außerhalb der Stadtmauern Fredericias eingeschlossen hatten.

In den Tagen vor dem 6. Juli gelang es den Dänen, unbemerkt vom Feind, rund 20.000 Soldaten über Fünen in die Festungsstadt zu transportieren. Generalmajor Rye brachte mit Hilfe der dänischen Marine 4000 seiner Soldaten aus Helgenæs zunächst nach Fünen. Generalmajor de Meza unternahm ein ähnliches Manöver mit 5000 Mann seiner Truppen aus Alsen.

Von hier aus wurden die Truppen von Strib bei Middelfart den kurzen Weg über den Kleinen Belt nach Fredericia transportiert, wo sie innerhalb der Stadtmauern – also mitten in der Stadt und außer Sichtweite der Schleswig-Holsteiner – an Land gingen.

Bülow wurde am Abend des 5. Juli ebenfalls mit seinem Stab nach Fredericia verlegt, um einen letzten Kriegsrat im Haus des Festungskommandanten abzuhalten. In den Straßen von Fredericia und entlang des Oststrandes standen nun etwa 20.000 Soldaten bereit, um den Ausfall auszuführen.

Planung des Angriffs De Mezas 6. Brigade bildete die Vorhut. Sie stand bereit, als Erste auf das Schlachtfeld vorzurücken, mit dem Auftrag, einen etwa einen Kilometer breiten Korridor im Gelände zwischen Egeskovvej und der Treldevej-Schanze zu besetzen und zu halten.

Schleppegrells 3. Brigade war im nordwestlichen Teil der Stadt aufgestellt und sollte die zweite Linie bilden und demnach nach der Avantgarde auf das Schlachtfeld vorrücken. Schleppegrell sollte dann eine Schwenkung nach Westen durchführen, um den Feind in der Flanke anzugreifen.

Ryes 5. Brigade war entlang des Oststrandes aufgestellt und hatte den Auftrag, am Strand entlang vorzurücken, die Küstenstellungen am Hyby Fælled inklusive der Trelde-Schanze, zu erobern und weiter in Richtung Kirstinebjerg Skov vorzustoßen.

Moltkes 4. Brigade befand sich im südwestlichen Teil der Stadt und bildete die Reserve.

Gleichzeitig sollten zwei Flotten mit jeweils 22 Schiffen (jeweils 1 Dampfer, 4 Kanonenboote, 5 Transporter und 12 Segelschiffe) nördlich und südlich von Fredericia Truppenanlandungen durchführen, um feindliche Truppen zu täuschen und zu binden.

Die Schlacht hätte am 5. Juli beginnen sollen, doch eine der dänischen Brigaden erhielt ihren Befehl nicht rechtzeitig. Stattdessen wurde vorgeschlagen, dass die Armee am 6. Juli um 1:00 Uhr angreifen sollte. Dies war eine für die Dänen glückliche Entscheidung, da die gesamte schleswig-holsteinische Armee am 5. Juli den ganzen Tag in den Erdwerken auf einen Angriff gewartet hatte, der nicht erfolgte. Als sich die dänischen Truppen in der Nacht zum 6. Juli zum Angriff aufstellten, schliefen die schleswig-holsteinischen Truppen in ihren Lagern.

Das Wetter hatte von kalt und regnerisch zu warm und windstill mit klarem Himmel gewechselt. Dichter Nebel verbarg die Bewegungen der dänischen Truppen, während sie sich bewegten. Stroh auf den Straßen und das Rauschen des Windes dämpften den Lärm zusätzlich, den sie auf ihrem Weg durch Fredericia verursachten, sodass ihr Aufmarsch nicht entdeckt wurde.

Die Ausfallschlacht am 6. Juli