Die deutsche 3,7-cm-Ballonabwehrkanone war das erste Flugabwehrgeschütz, damals noch als Luftballon-Geschütz, Ballongeschütz oder Ballonkanone bezeichnet.
Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wurde zwar der französische Kaiser bei Sedan gefangen, aber das Land kämpfte weiter – als Republik mit einer provisorischen Regierung. Ab Herbst 1870 begann die mehrmonatige Belagerung von Paris durch deutsche Truppen. In der französischen Hauptstadt wurden Ballone gefertigt, die mit einer „Pariser Ballonpost“ Personen und Nachrichten in das noch unbesetzte Frankreich brachten, um dort die Weiterführung des Krieges zu organisieren. Das deutsche Geschütz sollte diese Ballonfahrten unterbinden.
Entwicklung Um die Ballonflüge in mehreren hundert Meter Höhe zu verhindern oder zu erschweren und größere Flughöhen zu erzwingen, begann die Friedrich Krupp AG mit der Entwicklung eines Geschützes, welches mit einem geplanten Baulos von zwanzig Stück aufgelegt wurde. Daraus entstand die 3,7-cm-Ballonabwehrkanone. mini|Funktionsschema: Krupp’scher Rundkeil C/1866 Technische Beschreibung Das Geschützrohr dieser Ballonkanone war 1,96 m lang. Zusammen mit dem Kolbenverschluss ergab sich eine Länge von 2,37 m. Das Geschützrohr wurde auf einer Pivotlafette aufgestellt und konnte damit um 360 Winkelgrad gedreht werden. Die Pivotlafette stand auf einer 100 × 58,2 cm breiten Bodenplatte, die mit dem Wagen verschraubt war. Der Laffettensockel des ersten gelieferten Geschützes konnte zum Transport mittig umgeklappt werden. Ab dem zweiten Geschütz war der Gusssockel einteilig mit eingeschobener Drehgelenkstange für den Lafettenkopf. Die 3,7-cm-Ballonabwehrkanone stand auf einem speziellen zweiachsigen Kutschenwagen, von dem alle Wände entfernt wurden. Lediglich am hinteren Ende gab es zwei Sitzplätze für einen Teil der Bedienmannschaft.
Einsatz mini|hochkant| „Pariser Ballonpost“: Der Ballon Le Neptune während der Belagerung von Paris 1870 Die Erfolge dieser ersten Ballonkanonen waren mäßig. Als einziger großer Erfolg konnten der Abschuss des Ballons Le Daguerre am 12. November 1870 bei Ferrières und die Gefangennahme der Besatzung verbucht werden, weil dieser durch geringe Windgeschwindigkeiten sehr langsam und tief flog.Daten und Geschichte des Ballons Le Daguerre (abgerufen am 25. November 2013) Insgesamt kamen sechs der 3,7-cm-Ballonabwehrkanonen im Dezember 1870 bei Paris zum Einsatz.
Aus zwei Gründen konnte sich die Waffe technisch nicht überzeugend bewähren. Zum einen war der Wagen, bespannt mit Zugtieren, nicht schnell genug, um die Ballons zu verfolgen. Außerdem waren die Kanonen nicht leistungsfähig genug, um größere Flughöhen der Ballons zu erreichen. Dennoch war die Anwesenheit der Ballonabwehrkanone ein moralischer Erfolg. Der General Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen schrieb in seinem Buch Aus meinem Leben:
Als Treibladungspulver für Geschütze war bis zum Ende der 1880er-Jahre noch Schwarzpulver gebräuchlich. Nach der Einführung von rauchschwachen Pulvern wie Ballistit und Kordit wurden Geschütze technisch wesentlich weiter entwickelt, was unter anderem für Flugabwehrgeschütze größere Leistungen bei Höhen und Reichweiten ermöglichte.
Verbleib mini|hochkant|3,7-cm-Ballonkanone im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr Bis zum Jahr 1940 waren noch vier Exemplare an folgenden Stellen dokumentiert: a) Bayerisches Armeemuseum München, b) Staatliches Zeughaus Berlin, c) Sächsisches Armeemuseum Dresden und d) im Bestand der Krupp-Werke. Im 21. Jahrhundert sind noch zwei Exponate bekannt: a) im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden und b) im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt.
Weblinks
Ballonkanone rechte Seitenansicht bei MHM-Dresden (zoombares Großbild). Ballonkanone linke Seitenansicht bei Bayerisches Armeemuseum (zoombares Großbild).
Literatur
Einzelnachweise bei MHM-Dresden. bei Bayerisches Armeemuseum.
Kategorie:Geschütz Kaliber bis 50 mm Kategorie:Flugabwehrkanone (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Ballonfahren