Maximianopolis (meist Maximianupolis, Maximianoupolis, ) war eine antike Siedlung in Pamphylien in der heutigen Südwest-Türkei. Sie wird mit Ruinen beim Dorf Kovanlık im Landkreis Döşemealtı (Provinz Antalya) identifiziert.

Die Identifikation der Ruinenstätte mit Maximianupolis geht auf Hansgerd Hellenkemper und Friedrich Hild zurück, dieser Identifikation widersprach jedoch Stephen Mitchell.Stephen Mitchell u. a. Roman Archaeology in a South Anatolian landscape. The Via Sebaste, the Mansio in the Döşeme Boğazi, and regional transhumance in Pamphylia and Pisidia. Koc University Press, Istanbul 2021, ISBN 978-605-7685-72-8, S. 49–50.

Die spätantike Siedlung mit Raststation (Mansio) und Domänenbau im Südeingang zum Engtal Döşemeboğazı nordnordwestlich von Kovanlık (Döşemealtı, Antalya) in Westpamphylien wird mit der antiken Wegtrasse der Via Sebaste in Verbindung gebracht.

Lage und Erreichbarkeit 250x250px|mini|In der trockenen Jahreszeit sind die Ruinen von Maximianupolis problemlos mit einem Pkw erreichbar. links|mini|Blick aus der byzantinischen Kaserne von Maximianupolis nordwärts in die Talkerbe des Döşeme Boğazı, dem Verauf der Via Sebaste. Die Ruinen von Maximianupolis liegen knapp 40 km nördlich von Antalya, dem antiken Attaleia, beim Dorf Kovanlık im Landkreis Döşemealtı (Provinz Antalya) bei den Koordinaten 37°10’22.50‘‘ Nord – 30°36’05.55 Ost am Südwestfuß des Sıradağ Tepesi (1079 m, Westtaurus) in einer Höhe von etwa 360 m. Man erreicht den Ort von Antalya aus über die Staatsstraße D 650 Richtung Burdur/Isparta und über einen Abzweig kurz vor den Taurusbergen nach rechts in Richtung nach Kovanlık bzw. „Antikyol“ (ausgeschildert 5 km), danach hinter dem Dorf Kovanlık vor der Kanalbrücke auf einem Fahrweg nach links (noch 3,5 km) entlang des Kanals.

Geschichte links|mini|250x250px|Die Ruinen der antiken Stadt Maximianupolis werden mit der antiken Wegtrasse der Via Sebaste (Antik Yol) in Verbindung gebracht. Hier der Blick entlang der alten Pflasterstraße nach Süden auf die Ruinen in der Ebene von Kovanlık. Der Ort wurde im 6. Jahrhundert von Hierokles in seinem Synekdemos in einer Auflistung von Orten in der Provinz Pamphylia nach Ariassos und vor Salamara genannt: Μαξιμιανούπολις κτῆμα Μαξιμιανουπόλεως. Siehe Danach war der Ort Stadt (πόλις) und zugleich Ktēma (κτήμα, Landgut, Domäne). Er war offenbar nach Kaiser Maximianus benannt, der 305 Augustus für die Donauprovinzen und Kleinasien wurde. Der Ortsname weist auf kaiserlichen Landbesitz hin, möglicherweise auch darauf, dass eine Siedlung im Bereich kaiserlicher Güter zur Polis erhoben wurde. Ob es in der Spätantike zwei rechtlich getrennte Siedlungsbereiche gab, oder es sich nur um eine historische Reminiszenz handelt, ist nicht zu entscheiden.

Erstmals erwähnt wird der Bischofssitz 325, als der dortige Bischof Patrikios am Konzil von Nikaia teilnahm. Bischof Theosebios von Maximianupolis signierte 458 einen Brief des Metropoliten von Perge an Kaiser Leo I. mit.: Theosebius episcopus Maximianupolis. Maximianupolis wurde bis ins 12. Jahrhundert als Bistum der Pamphylia II (Metropolis Perge) verzeichnet.

Stadtstruktur 300x300px|mini|Kartenskizze mit der Lage von Maximianupolis beim Dorf Kovanlık im Landkreis Döşemealtı (Provinz Antalya) an der römischen Straße Via Sebaste. links|mini|Ruine eines mehrgeschossigen Wohnhauses im Südostflügel des städtischen Siedlungsgeländes von Maximianupolis. Von den Gebäuden der Siedlung Maximianupolis sind nicht viele erhalten. Auffällig ist, dass vor allem leicht zugängliche Bauten, vornehmlich aus römischer Zeit, fast gänzlich abgetragen wurden. Die exakt behauenen Steine eigneten sich offenbar hervorragend für den Bau neuerer Häuser. Der Archäologe David H. French hat aufgrund seiner Untersuchungen 1993 konstatiert, dass sich hinsichtlich der Ruinen in Maximianupolis aufgrund ihrer strukturellen Merkmale mindestens zwei Gebäudegruppen unterscheiden lassen. Demnach repräsentieren dicke Mauern aus großen Steinblöcken, für die wenig Mörtel aber eine größere Anzahl von Ziegeln verwendet wurden, eher die Frühzeit der Siedlung aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., während in der Spätzeit der Stadt – insbesondere Bauten aus dem 5. und 6. Jahrhundert – mehr mit dünnen Mauern aus viel Mörtel, kleinen Steinen und zahlreichen Ziegelfragmenten gebaut wurden. Badehäuser z. B. und auch sehr viele ältere Gebäude wurden offenbar solide errichtet, während alle Kirchenbauten und auch die kaiserliche Herberge weniger stabiles Mauerwerk aufweisen. Die kaiserzeitlich-frühbyzantinische Siedlung mit teilweise noch erkennbaren innerörtlichen Straßen und wohl mehr als 100 verfallenen Häusern dehnt sich von Nordnordwest nach Südsüdost überwiegend westlich der Hauptstraße (Via Sebaste) in leichter Hanglage. Die Ruinen von mindestens vier Kirchen, alle durchweg dreischiffige frühbyzantinische Pfeiler- oder Säulenbasiliken aus Bruchsteinmauerwerk, und ehemaligen blockhaften, zweigeschossigen Gebäuden aus polygonalen, teils kleinformatigen Bruchsteinen mit gelegentlich Tonnenwölbungen über kleinen Räumen beherrschen ebenso wie zahlreiche große und tiefe birnenförmige, teils noch genutzte Zisternen das Siedlungsgebiet. links|mini|Ruinen einer einfachen Basilika mit halbrund hervortretender Apsis und Narthex in Maximianupolis. mini|Ruine der Ostkirche am Osthang von Maximianopolis.

Eine dieser Kirchen mit hervortretender runder Apsis und Spuren eines Narthex sowie einem rechteckigen Pastophorion am Ende des südlichen Seitenschiffes und kleiner halbrunder Apsis am nördlichen Seitenschiff, erhob sich an der Südseite der Hauptstraße. Zum anderen liegen Im Stadtgebiet die Ruinen einer einfachen Basilika mit halbrund hervortretender Apsis und Narthex. Eine weitere frühbyzantinische Kirche am Südrand der Siedlung mit Spuren von Innenputz hatte drei Türen mit gemauertem Entlastungsbogen im Kultraum und eine runden Apsis. Sie zeigt einen im Westen angesetzten Narthex mit zwei Türen, zudem eine Tür zu einem angesetzten rechteckigen Pastophorion im südlichen-Seitenschiff und Ansätze von zwei Reihen zu je 5 Pfeilerpostamenten. Auf einer Felsstufe am Nordhang stehen die Reste eines weiteren frühbyzantinischen Kirchenbaus mit dem nördlichen Seitenschiff auf einer innerer Felsstufe, ohne Narthex und Pastophorien, aber mit einer kleinen Apsis mit Doppelfenstern im Osten und hoch angesetzten Fenstern in der Südwand, zwei Eingängen im Westen sowie einem Nebenausgang in der Ostmauer des südlichen Seitenschiffs.mini|Vermutliches antikes Zollgebäude an der Via Sebaste am Nordende der Ruinen von Maximianupolis. Die Stadt hatte sich vermutlich aus der Notwendigkeit entwickelt, vor der Überquerung der Berge nach Inneranatolien Waren zu sammeln und Karawanen zusammenzustellen. Mit ziemlicher Sicherheit wurden für die Nutzung der Via Sebaste Zollabgaben fällig. Deshalb vermutete man im letzten Gebäude an der Straße nordwärts ein ehemaliges Zollgebäude, das 2022 allerdings als Mansio (Rastplatz, Herberge) angesprochen wurde. Der Komplex mit einem etwa 70 Metern tiefen antikem Brunnen im Innenhof soll als römisches Staatsgästehaus gedient haben, in dem Beamte, Soldaten und Kaiser auf Reisen aus Sicherheitsgründen übernachteten. Am südlichen Ende der zentralen Pflasterstraße befinden sich ähnliche derartige römische „mansiones“, ihnen gegenüber zahlreiche Überreste von Geschäften. Demnach hatte sich im Umfeld solcher Bauten im Laufe der Zeit ein Sommerresort entwickelt: Wohlhabende römische Küstenbewohner, die der dortigen sommerlichen Hitze entfliehen wollten, hatten sich im höher gelegenen Hinterland an den Hängen der Taurus-Vorberge Villen errichten lassen, woraus sich nach und nach eine Siedlung mit Geschäftsviertel entwickelte, das zu Ehren Kaiser Maximian als Maximianupolis bekannt wurde.

Umstritten ist die Funktion eines rechteckigen zweigeschossigen Hofhauses, einem ca. 40 × 30 m² großen Vierflügelbau aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquadern, Innenhof und Zisterne am Rand der Nekropole an der östlichen Hauptstraßenseite. Der Bau hatte zur Straße hin offenbar eine Pergola und drei Eingänge: zwei Türen und ein mittleres Tor unmittelbar zum Hof hin. Das Gebäude mit zumeist rechteckigen Räumen, zum Hof hin rechteckigen Fenstern und Schlitzfenstern nach außen im Untergeschoß sowie im Obergeschoß Rechteckfenster nach außen, trug Satteldächer über den Gebäudeflügeln. Seine unmittelbare Bindung an die Straße und der geschlossene Baukörper deuten ebenfalls hin auf eine Art kaiserzeitlicher Mansio (Herberge).; links|mini|Blick von Südosten auf die Reste des byzantinischen Garnisonsbau in Maximianupolis. mini|Blick ins Innere des byzantinischen Garnisonsbaus in Maximianupolis. Die auffälligste Ruine steht am Südrand der Siedlung unmittelbar südöstlich der Hauptstraßenachse mit teilweise noch hochstehenden zweigeschossigen fensterlosen Außenmauern. Dieser spätrömische, etwa 82 × 85 m² messende Großbau aus über 80 cm starkem Bruchsteinmauerwerk und Gewänden aus kaiserzeitlichen Spolien war – aufgrund von Fundamentspuren – ursprünglich eine Vierflügelanlage mit Innenhof und hatte zu allen vier Seiten doppelgeschossigen Kammerreihen sowie einen Torbau auf der Ostseite und einem Treppenaufgang an der inneren Südwand. Etwa in der Mitte der westlichen, südlichen und nördlichen Außenwände dienten rechteckige Wandtürme vermutlich zur Stabilisierung. Die Deutung dieses ungewöhnlichen Großbaus war unterschiedlich: zum einen als Kloster, was aber von niemandem aufgegriffen wurde, zum anderen als Militärlager oder als landwirtschaftlicher Nutzbau ohne Herrenhaus, aber vielleicht mit Verwaltersitz bzw. als Speichergroßbau für Getreide und Feldfrüchte, aber auch als Viehstall eines Großgrundbesitzes, z. B. einer ursprünglich kaiserlichen Domäne aufgrund des bei Hierokles überlieferten Namens „Ktēma Maximianupolis“. In verschiedenen Veröffentlichungen werden die noch heute imposanten Außenmauern der Kaserne fälschlicherweise auch als seldschukischer „Han“ (Karawanserei) bezeichnet. Mittlerweile ist man sicher, dass dieser große Komplex als byzantinische Kaserne zu deuten ist, denn gegen Ende der byzantinischen Ära wurde in Maximianupolis eine große byzantinische Garnison errichtet und wichtige Einheiten am Südende der Stadt stationiert. Eine entsprechend große Nekropole der Siedlung befindet sich im unteren und westlichen Teil der Stadt.

Via Sebaste („Antik Yol“) links|mini|Römische Pflasterstraße Via Sebaste bei Maximianupolis im unteren Teil der Enge von Derbent (Döşeme Boğazı) im Mai 1998. mini|Römische Pflasterstraße Via Sebaste am nördlichen Ortsende von Maximianupolis im September 1994. mini|Via Sebaste (Antik Yol) Pflasterstraße unterhalb von Ortaova (Döşeme Boğazı). links|mini|Römische Pflasterstraße Via Sebaste, zerstörtes Pflaster oberhalb von Maximianupolis; rechts die Senke des Döşeme Çayı.