Der Lincoln Town Car der Modelljahre 1981 bis 1989 ist ein Oberklassefahrzeug des US-amerikanischen Ford-Konzerns, das unter der Marke Lincoln verkauft wurde. Er ist Nachfolger des 1980 vorgestellten Lincoln Continental, mit dem er in den ersten Jahren nahezu vollständig übereinstimmte. Diese Baureihe ist die erste von insgesamt drei Town-Car-Generationen. Ein teureres und wesentlich besser ausgestattetes Schwestermodell verkaufte Lincoln bis 1983 unter der Bezeichnung Continental Mark VI. Technisch ist der Town Car außerdem eng mit den zeitgenössischen Ford LTD Crown Victoria und Mercury Grand Marquis verwandt.

Entstehung und Marktpositionierung mini|Baugleicher Vorgänger aus dem Modelljahr 1980: Lincoln Continental Fords Spitzenmarke Lincoln hatte bis in die 1970er-Jahre hinein ausschließlich Autos aus dem Full-Size-Segment im Programm, deren Modellbezeichnung meist Continental lautete. Die Continental der Modelljahre 1970 bis 1979 gehörten zu den größten und schwersten Serien-Pkw aus US-amerikanischer Fertigung.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 433. Mit Blick auf die Auswirkungen der Ölpreiskrise und daran anknüpfende verbrauchsreglementierende Vorschriften des StaatesDie Vorgaben verlangten einen Flottendurchschnittsverbrauch von 18 miles per gallon (mpg) (13,0 Liter/100 km) im Jahr 1978, 19 mpg (12,4 Liter/100 km) im Jahr 1979 und 20 mpg (11,8 Liter/100 km) im Jahr 1980. Vgl. Albert R. Bochroch: American Cars of the Seventies. Warne’s Transport Library, London 1982, ISBN 0-7232-2870-1, S. 33. begannen die drei großen Konzerne in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts Ende der 1970er-Jahre ein Downsizing-Programm, das auch die Spitzenmarken der Konzerne erfasste. Für Lincoln bedeutete das zunächst 1977 die Einführung des vom Ford Granada abgeleiteten Mittelklassemodells Lincoln Versailles, und zum Modelljahr 1980 erschien die deutlich verkleinerte sechste Continental-Generation, die auf Fords Panther-Plattform basierte und technisch eng mit dem wesentlich preiswerteren, ein Jahr zuvor erschienenen vierten Ford-LTD-Generation verwandt war.

Zum Modelljahr 1981 strukturierte Lincoln seine Modellpalette um: Der große Continental erhielt, ohne dass damit technische oder optische Änderungen verbunden waren, die Bezeichnung Town Car, die bislang nur für eine besonders hochwertige Ausstattungsvariante des Continental verwendet worden war. Der Begriff Continental hingegen wurde im Wege des Badge Shiftings (Verschiebung der Marken) auf ein neues Mittelklassemodell übertragen, das ab 1982 den erfolglosen Versailles ersetzte. Der ab 1981 als Town Car bezeichnete Full-Size-Lincoln blieb bis 1989 in dieser Form im Programm. Parallel zum Town Car und zum kleinen Continental gab es bis 1983 den Continental Mark VI, der eine besonders hochwertig ausgestattete Variante des Town Car war; danach kam der Continental Mark VII ins Programm, der als zweitüriges Coupé den viertürigen kleinen Continental ergänzte.

Bis 1984 konkurrierte der Town Car auf dem nordamerikanischen Markt vor allem mit dem annähernd gleich großen DeVille der GM-Marke Cadillac. Nachdem Cadillac zum Modelljahr 1985 eine deutlich verkleinerte DeVille-Reihe mit Frontantrieb herausgebracht hatte, trat der Lincoln gegen den Cadillac Brougham an, der das Downsizing-Programm nicht mitgemacht hatte. Der Chrysler-Konzern hatte nach der Einstellung des hinterradgetriebenen New Yorker 1981 keinen Wettbewerber im Full-Size-Segment mehr im Programm.

Modellbeschreibung

Chassis und Fahrwerk Grundlage des Lincoln Town Car ist ein Kastenrahmen mit Traversen, der auch bei den Schwestermodellen von Ford und Mercury verwendet wird. Vorn hat er Einzelradaufhängung an oberen und unteren Trapez-Dreiecksquerlenkern mit Schraubenfedern, hinten eine Starrachse mit unteren Längslenkern, oberen Schräglenkern und Schraubenfedern.Roger Gloor: Alle Autos der 80er Jahre. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03144-9, S. 299.

Karosserie mini|Town Car Signature (1984) Lincoln hatte den Town Car in den Modelljahren 1981 bis 1989 durchgängig als viertürige Stufenhecklimousine im Programm. 1981 gab es außerdem ein zweitüriges Coupé auf gleichem Radstand, dessen Produktion nach nur einem Jahr eingestellt wurde. Danach gab es eine zweitürige Variante – allerdings mit kürzerem Radstand – nur noch beim Continental Mark VI.Der Radstand des Mark-VI-Coupés ist gegenüber dem des Viertürers um 76 mm kürzer; damit entspricht der zweitürige Mark VI zweitürigen Versionen des Ford LTD und des Mercury Grand Marquis. Das Town Car Coupé baute dagegen auf dem längeren Radstand der Limousine auf und hatte in dieser Form keine Entsprechung bei Ford und Mercury.

Grundentwurf Der Aufbau besteht aus gepresstem Stahlblech. Das Design wurde unter der Leitung von Gale Halderman entwickelt. Die Karosserie ist von „eckig-kantigen“ Elementen geprägt. Stilistisch entspricht sie der des 1980 als Lincoln Continental verkauften Autos. Kein äußeres Blechteil ist mit den Aufbauten der preiswerteren Schwestermodelle von Ford und Mercury identisch. Beim Lincoln Town Car ist vorn eine senkrechte, entfernt an einen Rolls-Royce-Kühler erinnernde Kühlermaske aus Edelstahl installiert; rechts und links davon gibt es jeweils rechteckige Doppelscheinwerfer.

Unterschiede zum Mark VI

Die Designunterschiede zum teureren Mark VI beschränken sich auf Details: Während die Scheinwerfer beim Town Car unverdeckt sind, liegen sie beim Mark VI hinter einer in Wagenfarbe lackierten Klappe. Die C-Säule des Town Car hat ein schmales senkrechtes Seitenfenster; beim Mark VI ist hingegen ein ovales Opera window eingebaut. Der Town Car hat am Heckabschluss ein über die gesamte Wagenbreite reichendes Leuchtband, das beim Mark VI fehlt. Der Mark VI trägt im Gegensatz zum Town Car eine stilisierte Reserveradabdeckung in der Kofferraumklappe. Schließlich hat der Mark VI anders als der Town Car imitierte Lüftungsöffnungen in den vorderen Kotflügeln.

Facelift 1985

1985 wurde eine äußerlich überarbeitete Version des Town Car eingeführt. Das Facelift hatten die Ford-Designer Ed Golden und Victor Nacif 1983 gestaltet. Ziel war es, den Town Car bei tatsächlich unveränderten Abmessungen optisch kleiner erscheinen zu lassen. Dazu wurden die Stoßfänger und ihre Einpassungen vorn und hinten neu gestaltet. Außerdem erhielt der Town Car eine neue, leicht schräg gestellte Heckabschlussmaske. Rückleuchten und Kofferraumdeckel verlaufen nun bündig; die bisherigen Vorsprünge im Bereich der Rückleuchten entfielen. Außerdem wurden einige Kanten in der Frontmaske abgerundet. Die übrigen Blechteile sowie die Verglasung und die Kühlermaske blieben unverändert.

Antriebstechnik Der Lincoln Town Car wird von einem Achtzylinder-V-Ottomotor aus Fords Windsor-Reihe angetrieben. Erhältlich war in allen Modelljahren ausschließlich eine 4942 cm³ (302 cui) große Variante mit Benzineinspritzung, deren Leistung von 1981 bis 1989 schrittweise von 130 auf 160 SAE-PS angehoben wurde. Die 5,8 Liter große Variante des Windsor-Motors, die 1980 im Continental wahlweise gegen Aufpreis erhältlich war, gab es im Town Car nicht mehr. Die Kraftübertragung übernimmt regelmäßig eine Viergangautomatik. Die größte technische Änderung gab es zum Modelljahr 1986, als Lincoln die Einspritzanlage von einer Centralpoint- auf eine Multipoint-Einspritzung umstellte.

Übersicht über die Motorisierungen auf dem US-amerikanischen MarktDaten nach automobile-catalog.com (abgerufen am 26. August 2025).Auf einzelnen Märkten waren zeitweise abweichende Versionen erhältlich. Insbesondere in Kanada gab es bis 1985 wahlweise Doppelvergaser anstelle der Benzineinspritzung. Dadurch kam es zu abweichenden Leistungsdaten. Bauart Achtzylinder-V-Ottomotor Hubraum cui 302 cm³ 4942 Bohrung × Hub mm 101,6 × 76,2 Leistung hp 130 134 140 145 150 157 160 PS 132 136 142 147 152 157 162 kW 97 100 104 108 112 116 119 Modelljahr 1981 S – – – – – – 1982 – S – – – – – 1983 – – – S – – – 1984 – – S – – O – 1985 – – S – – O – 1986 – – – – S – O 1987 – – – – S – O 1988 – – – – S – O 1989 – – – – S – O S=Serienausstattung, O=Sonderausstattung gegen Aufpreis

Ausstattungslinien

Basis Die Basisversion des Town Car stand in allen Modelljahren ohne weiteren Namenszusatz im Programm.

Signature Series In allen Modelljahren war neben der Basisversion eine besser ausgestattete Signature-Series-Linie erhältlich. Äußerlich unterscheiden sich die beiden Linien vor allem durch die Gestaltung des Dachs. Der Basis-Town-Car wurde ab Werk mit einem komplett mit Vinyl bezogenen Dach ausgeliefert. Bei der Signature Series hingegen hat nur der hintere Teil des Dachs einen Vinylüberzug; das Vinyldach ist meist durch einen imitierten Überrollbügel aus Edelstahl vom vorderen, in Wagenfarbe lackierten Dachteil abgegrenzt.

Cartier Lincoln hatte zum Modelljahr 1976 begonnen, die Coupés der Mark-Serie in besonderen Ausstattungsvarianten anzubieten, die mit den Namen internationaler Mode- oder Schmuckdesigner verbunden waren. Die Idee spezieller Designer-Varianten geht auf die American Motors Corporation zurück, die 1971 einen Hornet „Gucci“ eingeführt hatte.Albert R. Bochroch: American Cars of the Seventies. Warne’s Transport Library, London 1982, ISBN 0-7232-2870-1, S. 19. Lincoln hatte beim Mark IV und seinen Nachfolgern Mark V und Mark VI jeweils Versionen von Bill Blass, Cartier, Hubert de Givenchy und Emilio Pucci im Programm. Zum Modelljahr 1982 verschob Lincoln die Cartier-Reihe vom Mark VI auf den Town Car. Hier blieb die Cartier-Version dauerhaft bis 1989 im Angebot. Sie war die teuerste der drei regulären Ausstattungsstufen. Die Cartier-Town-Cars waren in exklusiven, nur in dieser Linie erhältlichen Lackierungen in Weiß-, Grau- oder Silbertönen erhältlich. Bis 1983 waren die Cartier-Versionen mit einem das gesamte Dach umfassenden Vinylbezug ausgestattet,Abbildung eines Town Car Cartier in der Verkaufsbroschüre von 1983 (abgerufen am 26. August 2025). danach mit dem Landau-Dach, das auch in der Signature-Series erhältlich war.

Besondere Serien mini|Town Car Sail America Commemorative Edition (1987) Zusätzlich zu den drei regulären Ausstattungslinien Basis, Signature und Cartier, die von 1981 bis 1989 durchgängig erhältlich waren, legte Lincoln ab 1987 einige Sonderserien auf: Im Modelljahr 1987 gab es eine Sail America Commemorative Edition. Sie nahm Bezug auf die 26. Ausgabe des America’s Cup, einen Segelwettkampf, der von Ford gesponsert wurde und den Dennis Conner mit der der Ford Corporation gehörenden Yacht Stars & Stripes 87 gewann. Die Autos dieser Sonderserie sind weiß lackiert und haben einen dunkelblauen, den gesamten Dachbereich abdeckenden Vinylüberzug im Stil eines Cabriolets. Auch die Sitze sind weiß mit blau abgesteppten Nähten. Die Sail America Commemorative Edition war nur in diesem Jahr erhältlich. Lincoln baute insgesamt 1800 Fahrzeuge mit diesem Ausstattungspaket.Aufstellung des Produktionsumfangs auf caaarguide.com (abgerufen am 27. August 2025). Eine der Sail America Commemorative Edition sehr ähnliche Ausstattungslinie stand 1988 unter der Bezeichnung Signature Series Special Edition im Programm. Der Aufpreis gegenüber der herkömmlichen Signatur Series betrug 2.461 US-$.

In seinem letzten Modelljahr war ein als Signature Series Gucci Edition bezeichnetes Ausstattungspaket die teuerste und umfangreichste Variante des Town Car. Auch sie lehnte sich optisch an die Sail America Commemorative Edition an, hatte aber zusätzliche Gucci-Embleme an verschiedenen Stellen der Karosserie.

Produktion Der Lincoln Town Car wurde wie schon die vorangegangenen Generationen von Lincolns Full-Size-Modellen in Fords Wixom Assembly Plant in Wixom, Michigan, gebaut. Der Town Car war das einzige Mitglied der Panther-Familie, das hier entstand.