The Tower That Ate People ( für „Der Turm, der Menschen verschlang“) ist ein Lied des britischen Pop-Rock-Musikers Peter Gabriel aus dem Jahr 2000.

Entstehung und Veröffentlichung Der Song ist der siebte Titel auf Gabriels Soundtrack-Album OVO (bzw. der sechste auf der The Millennium Show-Ausgabe), das am 12. Juni 2000 als Auftragswerk für die Millennium Dome Show veröffentlicht wurde. Während mehrere Songs auf OVO von verschiedenen Sängern gesungen wurden, ist The Tower That Ate People einer der wenigen Songs auf dem Album, bei denen Gabriel den Hauptgesang übernahm.

Seit der Veröffentlichung hat Gabriel The Tower That Ate People auf mehreren Konzerttourneen gespielt, erstmals auf der Growing Up Tour, wo das Lied jedoch in der Form des Soundtracks des Science-Fiction-Films Red Planet von Antony Hoffman nur beim ersten Konzert am 3. November 2002 in Mexiko-Stadt gespielt wurde. Auf der anschließenden Still Growing Up Tour 2004 war der Song ständiger Teil der Setlist. Die Aufführungen des Liedes wurden mit acht Martin Atomic 3000-Scheinwerfern beleuchtet, die auch Stroboskopeffekte erzeugten.

Im März 2009 war der Song auch bei der Latin American Tour – Live 2009 wieder im Programm.

Bei der Back to Front Tour von 2012 bis 2014 wurde The Tower That Ate People immer als Teil der Zugabe als vorletztes Lied vor Biko gespielt. Dabei wurde Gabriel gegen Ende des Songs von einem sich herabsenkenden „Tower“ verschluckt, der sich dann entfaltete, verfärbte und wieder in sich zusammenfiel. Stuart Arnold, der Gabriels Auftritt 2014 in Glastonbury für die Regionalzeitung The Northern Echo aus Darlington rezensierte, hob die Lichteffekte hervor und lobte dessen „spektakuläre Inszenierung, bei der der Musiker vor unseren Augen verschwindet und wieder auftaucht“.

Bei der i/o The Tour 2023 wurde das Lied bei dem zweiten Teil der Tournee in Nordamerika ab dem 25. September 2023 als ständiger Programmpunkt gespielt. Teilweise wurde es aber auch bei manchen Konzerten als erste Zugabe gespielt.

Das Lied wurde in der Version des Red Planet-Soundtracks von 2000 in dem Remix von Steve Osbourne auch auf den Kompilationsalben Hit von 2003 und Flotsam and Jetsam von 2019 veröffentlicht. Dieser Remix war auch auf dem Promo-Sampler enthalten, der auf einer 12-inch-Schallplatte veröffentlicht wurde.

Live-Aufnahmen wurden zuerst 2005 mit dem Konzertfilm Still Growing Up: Live & Unwrapped veröffentlicht. Eine weitere Veröffentlichung erfolgte 2014 mit dem Konzertfilm Back to Front: Live in London als Video und als Audio-Aufnahme, der in der O2 Arena in Greenwich, London aufgenommen wurde. Außerdem wurde von jedem Konzert der Tournee auch ein eignes Live-Album in den Encore-Series veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen waren nur in limitierter Auflage und ausschließlich über Gabriels offizielle Website erhältlich.

2025 wurde eine Live-Aufnahme von einem Fan-Konzert mit 100 Mitgliedern von Peter Gabriels Full Moon Club in dem größten Aufnahmeraum Big Room in den Real World Studios mit dem Livealbum In the Big Room veröffentlicht. Zuvor wurden bereits Aufnahmen dieser Veranstaltung 2004 auf der von Gabriel mitinitiierten Musik-Download-Plattform OD2 in The Big Room Session und 2024/2025 in Lunatics in the Big Room für Gabriels Bandcamp-Abonnenten veröffentlicht.

Am 20. November 2025 wurde für die Abonnenten des Bandcamp-Kanals von Peter Gabriel ein Remix von Stephen Hague The Tower That Ate People unter dem Namen Tower (Remix) mit der Spielzeit 5:18 veröffentlicht. Dieser Remix erschien zuvor bereits im Sommer 2002 auf der Promo-CD Moon mit 12 Titeln, die eine Auswahl von Songs aus Gabriels Solo-Katalog, wie Shock the Monkey, Sledgehammer, Here Comes the Flood, Zaar und Cloudless sowie einer Mondkarte des Kartographen George Philip umfasste. Diese CD wurde an die Teilnehmer von Listening Events für das zu diesem Zeitpunkt bevorstehende Album Up verteilt.

Hintergrund Musik Die Grundlage für The Tower That Ate People bildete ein von Gabriel entwickelter Groove. Der Arbeitstitel lautete 100 Days to Go und erschien erstmals in der Reihe Real World Notes, einer Publikation mit Multimedia-CDs, die von Real World Records von Ende der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre vertrieben wurde und erneut für Abonnenten 2024 auf Bandcamp veröffentlicht wurde.

Der dreitönige Riff des Songs stammt ursprünglich von einer Flöte, die später mit einem Verzerrer bearbeitet wurde, um wie eine E-Gitarre zu klingen. Musikalisch enthält der Song Elemente aus der Industrial-Musik und zeichnet sich durch eine laute Dynamik und einen umfangreichen Einsatz von Loops aus. Die Bridge des Songs ist vergleichsweise leiser und zurückhaltender.

Mit Ausnahme der Bridge und der Textzeile „we’re building up and up“ (=„Wir bauen weiter und weiter auf.“), die Gabriel in der Aufnahme auf dem Album OVO viermal singt, wurden die meisten übrigen Gesangspassagen mit einem Fuzz und einem Verzerrer bearbeitet.

Liedtext Der Name des Songs leitet sich aus der Handlung des Comics The Story of OVO ab. Diese erzählt die Geschichte der drei Stufen der menschlichen Evolution durch das Leben von drei Generationen einer Familie im Übergang von einer Agrargesellschaft zu einer Industriegesellschaft. In der Handlung lässt der technikbegeisterte Ion vom Volk der „Erdmenschen“ einen gewaltigen Turm bauen, der eine Stadt enthält, in die alle Menschen seines Volkes ziehen, negativ betrachtet wurden sie von ihm „verschluckt“. Dort sind sie vor den Gefahren der Natur außerhalb des Turmes geschützt, aber gleichzeitig in dessen technisierter Umgebung gefangen und von der Natur, mit der sie zuvor in Einklang lebten, entfremdet.

Der Liedtext des Songs bezieht sich auf die Verflechtung von Technik und Zivilisation. Diese Themen sind mit der Handlung der Millennium Dome Show und des Comics The Story of OVO verbunden, die sich um einen Streit zwischen den fiktiven Wesen der flugfähigen Skypeople dreht, die als „Himmelsmenschen“ bekannt sind, und den „Erdmenschen“, die auf dem Erdboden leben. Im Kontext der OVO-Geschichte erscheint The Tower That Ate People im zweiten Akt, der in den Liner Notes des Soundtrack-Albums als die industrielle Periode der Handlung beschrieben wird. Gabriel übernahm die Rolle des Ion in der Geschichte, den er als „industriellen Größenwahnsinnigen“ beschrieb. Ions Hauptziel in der Geschichte ist es, ein Industrie-Imperium aufzubauen, um Menschen zu versklaven. Um die Stimme von Ion zu imitieren, sprach Gabriel seine Textzeilen mit einer mit einem Verzerrer verfremdeten, bluesigen Stimme, die er mit dem Werk von Dr. John verglich.

Einige Aspekte des Liedtextes von The Tower That Ate People spiegeln konzeptionell den Turm zu Babel wider, ein Bauwerk aus den biblischen Erzählungen des Alten Testaments der christlichen Theologie , das von Jahwe zerstört wurde, um die Menschheit für ihren Versuch zu bestrafen, ein Gebäude zu errichten, das bis in den Himmel reichen könnte, um damit Gott gleichzukommen. In der biblischen Geschichte wird jedoch der Turmbau von Gott durch eine Sprachverwirrung zum Stillstand gebracht . In The Story of OVO wird der vollendete „Tower“ von den Skypeople zerstört. In beiden Fällen wird jedoch die Überheblichkeit der Urheber bestraft.

Mitwirkende (Quellen:)

Musiker Peter Gabriel – Hauptgesang, Keyboards, Bass-Synthesizer Manu Katché – Schlagzeug Tony Levin – Bassgitarre David Rhodes – E-Gitarre

Technisches Personal David Bottrill – Mixing Richard Chappell – Schlagzeug-Programmierung, Loops, End-Toms, Bearbeitung Peter Gabriel – Treatments Brian Transeau – Musikprogrammierung, Fills, Gitarren-Chorus

Rezeption Die Website Pitchfork beschrieb The Tower That Ate People als „Gabriels funkigsten Track seit Sledgehammer, mit knurrendem Gesang, Phaser-Gitarren, übersteuerter Orgel und einer wunderschön eindringlichen Bridge-Melodie.“ Ryan Reed von der US-amerikanischen Musikzeitschrift Rolling Stone bezeichnete den Song als „summendes Industrial-Rock-Epos“, das „eines von Gabriels mitreißendsten Arrangements nach dem Album So bleibt.“

Siehe auch Liste der Lieder von Peter Gabriel

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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