Ralf Guido Herrtwich (* 9. Juli 1962 in Berlin) ist ein deutscher Informatiker und Honorarprofessor an der TU Berlin. Er begann seine Forschungstätigkeit im Bereich Rechnernetze, wo er sich vor allem mit der Audio- und Videoübertragung im Internet beschäftigte. Sein Weg führte über Managementfunktionen in Forschung und Entwicklung der IT- und Telekommunikationsindustrie zur Fahrzeuginformationstechnik, wo er sich bis heute mit der Anwendung künstlicher Intelligenz für das autonome Fahren beschäftigt.

Wirken Herrtwich studierte Informatik an der TU Berlin und promovierte dort 1987 zum Thema Software-Rollout in verteilten Systemen.R.G. Herrtwich: Fernwartung verteilter Applikationen im Masseneinsatz. Dissertation, Fachbereich Informatik, Technische Universität Berlin, 1987. Seine begleitende Lehrtätigkeit mündete in ein deutsches Standardwerk zur Programmierung nebenläufiger Systeme (s. Publikationen).

Ab 1998 arbeitete Herrtwich bei Daimler (damals DaimlerChrysler) und übernahm dort den Forschungsbereich Infotainment und Telematik. In dieser Zeit entstanden die ersten vernetzten Fahrzeuganwendungen bei Mercedes-Benz. 2009 übernahm er den Forschungs- und Vorentwicklungsbereich Fahrwerk- und Fahrerassistenzsysteme, später auch den Mercedes-Benz-Fahrsimulator.

mini|Ralf Herrtwich während der Arbeit am Mercedes-Benz S500 Intelligent Drive Nachdem frühere Arbeiten zum autonomen Fahren bei Mercedes nach dem Projekt Prometheus eingestellt worden waren, gelangte das Thema nun wieder auf die Entwicklungsagenda der Firma. Sichtbarer Ausdruck der Arbeiten seiner Forschungsgruppe war die 2013 auf der IAA in Frankfurt bekannt gemachte autonome Fahrt einer Mercedes-Benz S-Klasse auf der historischen Bertha-Benz-Route von Mannheim nach Pforzheim. Heute sind IntelligentDrive- und DrivePilot-Systeme in unterschiedlichen Automatisierungsstufen für nahezu alle Mercedes-Fahrzeuge verfügbar.

Seit 2019 ist Herrtwich bei NVIDIA mit der Entwicklung autonomer Fahrsysteme beschäftigt. Dabei gilt das Augenmerk dem Einsatz großer KI-Modelle für Fahrerunterstützung und -ersatz. NVIDIA steuert seit 2025 Hardware und Software für die Fahrerassistenzsysteme bei Mercedes-Benz bei.

Publikationen Herrtwich hat an etlichen wissenschaftlichen Publikationen mitgewirkt, darunter folgender Auswahl: R.G. Herrtwich (Hrsg.): Network and Operating System Support for Digital Audio and Video. Lecture Notes. in: Computer Science 614, Springer-Verlag 1991 Mit G. Hommel: Kooperation und Konkurrenz: Nebenläufige, verteilte und echtzeitabhängige Programmsysteme. Springer-Verlag, 1989 (2. Auflage: Nebenläufige Programme. 1994) R. Vogel, R.G. Herrtwich, W. Kalfa, H. Wittig, L.C. Wolf: QoS-Based Routing of Multimedia Streams in Computer Networks. IEEE Journal on Selected Areas in Communication, Vol. 14, No. 7, IEEE Press 1996 R.G. Herrtwich: Fahrzeuge am Netz. Total vernetzt – Szenarien einer informatisierten Welt, Konferenz der Gottlieb-Daimler-und-Karl-Benz-Stiftung, Berlin in F. Mattern (Ed.): Total vernetzt. Springer-Verlag 2003 R.G. Herrtwich: Communicating Vehicles – Communicating Roadways: New Approaches to Driver Information and Road Safety. IEEE Conference on Intelligent Transport Systems, Vienna, IEEE Press 2005 Mit J. Eberspächer, H. Arnold (Hrsg.): Das vernetzte Automobil – Mehr Sicherheit und Effizienz durch Informations- und Kommunikationstechnik. Hüthig-Verlag 2009

Auszeichnungen 2019 Fellow der Gesellschaft für Informatik 2023 ADAS Award des Uni-DAS e.V.

Weblinks #10 - NVIDIA Automotive: Wie KI das Fahren verändert. (Podcast) In: podcast.de.

Einzelnachweise

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