mini|Luftbild des Odenbacher Ortskernes mit der Kirche, 2009 Die Protestantische Pfarrkirche in Odenbach am Glan ist zu wesentlichen Teilen ihrer heutigen Bausubstanz ein spätbarocker bis klassizistischer Saalbau aus dem 18. Jahrhundert; Teile des Kirchturmes stammen schon aus dem Spätmittelalter. Nachgewiesen ist eine Kirche in Odenbach bereits in karolingischer Zeit; damit dürfte es sich um eine der ältesten Kirchen im Glantal handeln. Heute nach Süd-Westen ausgerichtet, war sie ursprünglich wahrscheinlich geostet. Es wird vermutet, dass der untere Teil des Kirchturmes im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Chor diente. Die Odenbacher Kirche liegt im Norden der Evangelischen Kirche der Pfalz. Derzeit ist sie wegen gravierender Baufälligkeit geschlossen.

Beschreibung Das Kirchenschiff der Odenbacher Kirche wurde von dem spätbarocken bis klassizistischen Architekten Philipp Heinrich Hellermann geplant. Es ist ein Saalbau mit einem Halbwalmdach. Er steht auf Quadersockeln, hat Eckpilaster, ein Traufgesims und an beiden Seitenwänden jeweils drei Rundbogenfenster mit Keilsteinen. Auf der Nordseite gibt es eine größere Kirchentür unter dem mittleren Fenster des Kirchenschiffs sowie ein kleineres, schlichtes Renaissance-Portal am Turm.

Der untere Teil des Kirchturms, der östlich an das Schiff anschließt, stammt aus dem Spätmittelalter und war lange Zeit wohl ein Chorturm. Er wird durch dreibahnige Maßwerkfenster im Stil der Gotik erhellt, deren Zahlensymbolik auf die Trinitätslehre hinweist, ebenso wie die jeweils drei Fenster an den Seiten des jüngeren Kirchenschiffs. Der Turm wurde zweimal im Lauf der Jahrhunderte aufgestockt und erhielt seine heutige Gestalt 1766, als er um sein drittes Stockwerk ergänzt und mit einer durch zwei Laternen gegliederten Welschen Haube bekrönt wurde.

Geschichte Mittelalter Bereits im Jahr 893 wurde im Prümer Urbar als eine unter zahlreichen Besitzungen, an denen die Reichsabtei Prüm Rechte anmeldete, auch eine Kirche in Odenbach erwähnt, zu der fünfzehn Tagwerke Land gehörten.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 362. Späteren Quellen zufolge war sie dem heiligen Petrus gewidmet; es dürfte sich um eine romanische Hallenkirche gehandelt haben, die deutlich kleiner war als das heutige Gebäude.

mini|hochkant|Aquarellskizze eines erhaltenen gotischen Maßwerkfensters im Odenbacher Kirchturm.

Im 13. Jahrhundert angefügt wurde ein Kirchturm an der Ostseite, der bis heute an seinen gotischen Maßwerkfenstern als ältester erhaltener Teil der Bausubstanz erkennbar ist.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 457. Manche Quellen datieren den Turm erst auf das 14. Jahrhundert. Im Laufe des Mittelalters ging die Erhebung des Odenbacher Kirchenzehnten vom Kloster Prüm auf andere über, möglicherweise in die Hände derer von Numagen, spätestens gegen Ende des 13. Jahrhunderts jedenfalls an die Grafschaft Veldenz und in Teilen an örtliche Ritter.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 363.

Zeitweise war die Odenbacher Kirche der Kirche im benachbarten Medard als Filialkirche unterstellt.Otto Dauber: Ortsgeschichte von Odenbach a/Glan. Digitalisiert, transkribiert und erläutert von Joachim Soffel. Westhofen, 2013, S. 73.

Auf Ersuchen des Grafen Heinrichs II. von Veldenz wurde der Odenbacher Kirche am 15. Juni 1367 ein Separationsbrief ausgestellt, der sie von der Kirche St. Medard löste und zu einer eigenen Pfarrkirche erhob.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 365. Da der Pfarrer von Medard zugleich Abt des Klosters Disibodenberg war, stand die Kollatur betreffend die Odenbacher Kirche weiterhin in Tradition der Medarder Rechte dem Abt vom Disibodenberg zu. Die Odenbacher Kirche war vor der Reformation mit mindestens zwei Altären ausgestattet. Der Hauptaltar war Petrus, ein weiterer dem heiligen Valentin gewidmet. Im Jahr 1508 wurde der Kirchturm um ein weiteres Stockwerk erhöht.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 458.

Reformationszeit

Über die Odenbacher Verhältnisse in der frühen Reformationszeit ist wenig bekannt. Bereits 1533 im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken auf Landesebene eingeführt, dürfte die tatsächliche Umsetzung in den Ortsgemeinden ein langsamer Prozess gewesen sein. Für die Odenbacher Kollatur war mit dem Abt des Klosters Disibodenberg noch immer die althergebrachte kirchliche Stelle zuständig. Bei Weitem radikaler als der proreformatorisch eingestellte Herzog Wolfgang widersprachen auch Geistliche der Region, darunter der Odenbacher Pfarrer Maximus Irsch, ebenso wie seine Amtskollegen im benachbarten Meisenheim und Medard, dem Augsburger Interim von 1548 entschieden – lieber wollten sie freiwillig ihre Pfarrstellen aufgeben als das Interim anzunehmen – wohingegen der Herzog im Zwiespalt zwischen Rechtgläubigkeit und Staatsräson einen Kompromiss suchte.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 378–383. Einem Kirchenvisitationsprotokoll von 1553 zufolge legte der Odenbacher Pfarrer Irsch bei der Taufe im Wesentlichen den Katechismus Luthers zugrunde.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 384. Zudem war Irsch verheiratet.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 410. 1557 erließ Herzog Wolfgang schließlich eine neue Kirchenordnung, deren Beachtung er mit regelmäßigen Visitationen zu überwachen versuchte.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 384–385.

1575 wurde Becherbach der Odenbacher Pfarrei unterstellt.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 387.

1584 baten die Kirchenältesten Herzog Johann I. um eine neue Glocke und dachten dabei schon an die Brauchbarkeit für eine Turmuhr.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 481. Im selben Jahr noch sollten zwei neue Glocken in den Kirchturm gehängt werden, wobei jedoch eine abstürzte und zerbrach; ein Unfall, der fast anderthalb Jahrhunderte lang Folgen zeigte: Die Obrigkeit wurde von den Kirchenältesten um Ersatz gebeten, worauf die Antwort war, man sollte andernorts nach einer überzähligen Glocke Ausschau halten. Man nahm schließlich die Glocke der Hirsauer Kirche, als deren Pfarrstelle vakant war – sodass Einwohner des Eßweiler Tales mit den Odenbachern eine Rechnung offen hatten.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 473.

Nachdem Herzog Johann I. sich im Jahr 1588 dem Calvinismus zugewandt und am 25. März 1592 eine entsprechende Synodalordnung erlassen hatte, wurde auch die vormals lutherische Kirchengemeinde Odenbach zunehmend calvinistisch bzw. reformiert geprägt.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 391. Dennoch gab es weiterhin bekennende Lutheraner in Odenbach und Umgebung, die lange Zeit eigene Gemeinden bildeten und einer von der reformierten unabhängigen Kirchenverwaltung unterstanden.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 393.

Zustand und Baufälligkeit im 17. Jahrhundert Schon 1608 klagte Pfarrer Johann Jacob Renner, die Kirche sei in Teilen baufällig und notdürftig mit Stützen versehen. Aus dem folgenden Jahr gibt es ein Visitationsprotokoll, das auf die Zuständigkeiten hinweist – die Kollatur hatte nun der Landesfürst inne, aber „die Kirch bauet der Kirchenschaffner“ – und „das Chor in der Kirchen“ als „sehr gefährlich bawfellig“ erwähnt.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 461. Es gibt die Interpretation, dass das untere Stockwerk des Kirchturmes den Chor der Kirche bildete, in dem der Hauptaltar stand. Die Lage des Turmes mit dem seinerzeitigen Chor am östlichen Ende der Kirche spricht für diese Deutung als Chorturm, eine im Mittelalter regional häufig anzutreffende Bauform.

mini|Spinolaschnecke;Abbildung der fürnembsten Städt Schlosser und flecken in Teütschlant so seiner Ex. Marq. Spinola ergebn Ao. 1620 und 21

Die vielleicht älteste Abbildung Odenbachs und der Odenbacher Kirche ist ein Flugblatt aus dem Dreißigjährigen Krieg („Spinolaschnecke“), die neben anderen Orten auch Odenbach („Glan-Odenbach“) offenbar spiegelverkehrt darstellt. Der Kirchturm des Dorfes trägt auf dieser Abbildung noch ein spitzes Dach.

Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) liegen keine weiteren Zeugnisse vor. Erst 1661 ließ Herzog Friedrich Ludwig eine Bestandsaufnahme der Schäden an Kirchen und Pfarrhäusern machen. Über die Odenbacher Kirche wird darin von abgefaulten Balken, einer eingestürzten Treppe und notdürftigen Reparaturen mit Brettern berichtet, zudem seien die Fenster „frey“ (offenbar unverglast), weshalb sich die Odenbacher über Kälte beschwerten; viele würden im Winter die Predigt versäumen. Es wurde ein Wiederaufbau gefordert.

Die Trümmer der Jahrzehnte zuvor zerbrochenen Odenbacher Kirchenglocke, die in Meisenheim eingelagert waren, wurden 1644 schließlich verwendet, um die Hochzeitsreise und eine Kur des Herzogs Friedrich I. zu finanzieren.

1653 ging aus dem Eßweiler Tal eine Beschwerde ein, man möge die Hirsauer Glocke zurückgeben, da die Hirsauer Kirche nun wieder einen Pfarrer und an Festtagen mehr als zweihundert Gottesdienstfeiernde habe. Die Odenbacher wiesen das Ansinnen zunächst zurück, jedoch entschied die Zweibrücker Regierung zugunsten der Hirsauer Kirche, deren Pfarrer Franzenius anlässlich eines Todesfalles im nächsten Jahr die Wiedererlangung der großen Glocke dokumentierte.

Änderungen in der Kirchenverwaltung Becherbach wurde 1685 in der (reformierten) Kirchenverwaltung an Gangloff angegliedert, das seinerseits von 1533 bis 1758 der Pfarrei in Ransweiler angehörte. 1675 wurde die Pfarrei Medard nebst Adenbach, Ginsweiler und Cronenberg Odenbach unterstellt, wobei Medard und Cronenberg heute nicht mehr zur Kirchengemeinde Odenbach gehören.

Simultane Kirchennutzung während und nach der französischen Herrschaft Als das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken zur französischen Saarprovinz gehörte (1683–1697), wurde die Odenbacher Kirche anscheinend als Simultaneum der unterschiedlichen christlichen Konfessionen, auch der römisch-katholischen, genutzt. Zu derselben Zeit war der Herzog von Pfalz-Zweibrücken in Personalunion zugleich schwedischer König (Karl XI.), sodass die Region unterschiedlichen Obrigkeiten mit verschiedenen Konfessionen unterstand. Einer amtlichen Statistik aus dem Jahr 1688 zufolge waren von fünfzig Odenbacher Familien eine römisch-katholischen, 38 reformierten, 10 lutherischen und eine jüdischen Glaubens.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band III: Jüdisches Leben. Odenbach 2008, S. 8–9.

Provoziert durch den französischen König Ludwig XIV. brach in dieser Zeit der Pfälzische Erbfolgekrieg aus, mit dessen Ende mit dem Frieden von Rijswijk die simultane Kirchennutzung den Katholiken und Lutheranern verboten wurde.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 399. Weiterhin bemühten sich aber die Odenbacher Lutheraner um eine Mitnutzung der Kirche; eine solche Initiative gab es etwa 1718. Offenbar konnten sich die Lutheraner aber erst 1784 vollständig durchsetzen, als die Zweibrücker Obrigkeit die Reformierten ermahnte, man möge den Lutheranern nicht nur Abendmahls- und Kasualfeiern, sondern auch „die ein oder andere Bettagspredigt“ gestatten.Alfred Wendel: Chronik Odenbach. Band II: Odenbach im Zeitgeschehen. Odenbach 2008, S. 403.

Baufälligkeit und tiefgreifender Umbau im 18. Jahrhundert