mini|Ermenegildo Peverada, um 1898 Ermenegildo Degiorgi-Peverada (* 8. Juni 1866 in Loco; † 28. Januar 1900 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer.
Leben und Werk Er wurde 1866 in Loco im Onsernonetal geboren. Früh verlor er seinen Vater Antonio Degiorgi und kam mit seiner Mutter Severina Ferazini nach Turin, wo sie den bekannten Stuckateur Pacifico Peverada heiratete. Ermenegildo wurde von ihm adoptiert und nahm dessen Nachnamen an. Sein Stiefvater scheute keine Kosten und Mühen, um ihm die bestmögliche künstlerische Ausbildung angedeihen zu lassen. Ermenegildo debütierte 1884, kaum 18-jährig, auf einer Ausstellung in Turin mit einer Blumenstudie in Terrakotta unter dem Titel Im Garten (In giardino).Giulio Foletti: Ermenegildo Peverada. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870-1920). Armando Dadò Editore, Locarno 2001, S. 387–391. Vermutlich zwischen 1885 und 1890 studierte er bei Giulio Monteverde an der Turiner Accademia Albertina, wo ihm im August 1888 eine Silber- und eine Bronzemedaille für einen Kopf und ein Relief verliehen wurden.Ticinesi studiosi all'estero. In: Gazzetta Ticinese. 18. August 1888, S. 2 (online). Nach Abschluss seiner Studien begab sich Peverada nach Florenz und Rom, wo er eine Weile im Atelier seines ehemaligen Lehrers Monteverde arbeitete. mini|hochkant|links|Der Kuss an der Heiligen Pforte (1889) 1889 schuf Peverada die 60 cm hohe Bronzefigur Der Kuss an der Heiligen Pforte in Rom (Il bacio alla Porta Santa a Roma), einen Geistlichen mit zum Kuss vorgestreckten Lippen. Die karikatureske, antiklerikale Überzeichnung weist auf einen starken Einfluss des Verismus Vincenzo Velas hin. Über Leonardo Bistolfi, mit dem er persönlich bekannt war, kam er wohl auch mit dem Symbolismus in Kontakt. 1891 stellte er die Figur zusammen mit der Gipsstatuette In den Bergen (In montagna) an der Accademia di Brera in Mailand aus.R. Accademia di belle arti di Brera. Prima esposizione triennale. Catalogo ufficiale illustrato. Arturo Demarchi, Mailand 1891, S. 25, 61 (PDF). Ebenfalls 1891 präsentierte er auf der 50. Turiner Kunstausstellung die Plastik Morgendämmerung auf dem Dachboden (Alba in soffitta) in patiniertem Gips.Marco Lessona: Alla 50 Esposizione di Belle Arti. In: Gazzetta Letteraria. Band 15, Nr. 23, 6. Juni 1891, S. 181 f. (Digitalisat). Das Werk stellt ein anmutiges Mädchen dar, das auf einem Stuhl über der unvollendeten Arbeit eingeschlafen ist. In Turin schuf er ausserdem Marmorstatuen der vier Evangelisten sowie von Petrus und Paulus für die Kirche San Bernardino da Siena und das Grabmal der Familie Chelini auf dem Friedhof.Carl Brun: Peverada, Ermenegildo. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Zweiter Band: H–R. Huber, Frauenfeld 1908, S. 536 (Digitalisat). Ferner war er Redaktor der Zeitschrift Helvetia, in der er 1895 und 1896 eigene Aufsätze veröffentlichte, darunter ein Enkomion auf Vincenzo Vela. 1896 zeigte er auf der Schweizerischen Landesausstellung in Genf die Bronzebüste Theodora, die in die Lotterie gewählt wurde,Exposition nationale. Loterie. In: La Tribune de Genève. 4me édition. Band 18, Nr. 187, 11. August 1896, S. 3 (online). sowie eine Aktstudie. Angeblich war auch seine Figurengruppe mit Wilhelm Tell und dessen Sohn Walter zu sehen.Noah Businger: Guglielmo Tell. In: Blog. Schweizerisches Nationalmuseum. 7. November 2023.
1897 eröffnete Peverada mit seinem Cousin Giuseppe in Bern ein Atelier für dekorative Skulptur, zunächst offenbar als Filiale des väterlichen Geschäfts. Gemeinsam dekorierten sie den Sitz einer Botschaft, und ihm wurden weitere Arbeiten des Bundes übertragen. Ab dem 5. Juni 1899 hatte die «Firma Peverada» ihren Sitz an der Laupenstrasse 1 und Ermenegildo Peverada war alleiniger Inhaber.Aus dem schweizerischen Handelsregister. In: Intelligenzblatt für die Stadt Bern. Zweites Blatt. Nr. 136, 10. Juni 1899, S. 3 (online). 1899 lieferte er, als Mitglied des Verschönerungsvereins, den Entwurf für die Gedenktafel für Niklaus Manuel in Bern; dieser sah ein Medaillon, Lorbeer und Rosetten in Bronze und eine rote Inschrift vor.Gedenktafel für Niklaus Manuel. In: Der Bund. Band 50, Nr. 108, 18. April 1899, S. 3 (online). Noch im selben Jahr führte er das Medaillon aus. Die fertige Tafel wurde nach seinem Tod im April 1900 an der Gerechtigkeitsgasse 72 eingesetzt.Verschönerungsverein. In: Der Bund. Band 51, Nr. 115, 26. April 1900, S. 2 (online). Ebenfalls 1899 entwarf Peverada Skizze und Maquette für ein neues Christophorusstandbild auf dem Christoffelbrunnen in der Spitalgasse.Christoffelbrunnen an der Spitalgasse. In: Der Bund. Band 50, Nr. 131, 12. Mai 1899, S. 2 (online). mini|hochkant|Peveradas Grabstein auf dem Friedhof von Loco Die Anstrengungen und das nördliche Klima setzten ihm indes zu, und er erkrankte schwer. Am 28. Januar 1900 starb er im Alter von nur 33 Jahren in seiner Geburtsgemeinde Loco.Una famiglia di artisti. In: L'Eco di Locarno. 19. Dezember 1939, S. 2 (online). Seine Firma wurde von Giuseppe weitergeführt.
Das Museo Onsernonese in Loco bewahrt einige von Peveradas Werken auf. 1965 wurde seine Tellgruppe auf dem Stock des Dorfbrunnens platziert und ist so bis heute neben Velas Telldenkmal in Lugano das einzige öffentliche Telldenkmal im Kanton Tessin.
Vom 24. April bis zum 31. August 2007 widmete das Museo Vincenzo Vela Peverada eine Sonderausstellung.
Werke
Literatur
Eigene Schriften Ermenegildo Peverada: Arte ed artisti ticinesi a Torino. In: Helvetia di Torino. 1896.
Sekundärliteratur Carl Brun: Peverada, Ermenegildo. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Zweiter Band: H–R. Huber, Frauenfeld 1908, S. 536 (Digitalisat). Una famiglia di artisti. In: L'Eco di Locarno. 19. Dezember 1939, S. 2 (online). Giulio Foletti: Ermenegildo Peverada. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870-1920). Armando Dadò Editore, Locarno 2001, S. 387–391. Gianna A. Mina (Hrsg.): Ermenegildo Degiorgi-Peverada (1866–1900). Scultore onsernonese. Materiali per una rivalutazione. Museo Vela, Ligornetto 2007 (Ausstellungskatalog). Noah Businger: Guglielmo Tell. In: Blog. Schweizerisches Nationalmuseum. 7. November 2023.
Weblinks
Einzelnachweise
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