Der Aufstand in Serbien im Spätsommer und Herbst 1941 richtete sich im besetzten Jugoslawien gegen die deutsche Besatzungsherrschaft und ihre Kollaborateure in Serbien.

Hintergrund

Balkanfeldzug und Besetzung Jugoslawiens Die Achsenmächte unter Führung des nationalsozialistischen Deutschland hatten ab dem 6. April 1941 im Balkanfeldzug die Staaten Jugoslawien und Griechenland besetzt. Zagreb wurde am 11. April und Belgrad am 12. April besetzt, die jugoslawische Armee kapitulierte am 17. April.

Die Entwaffnung der jugoslawischen Armee durch die siegreichen Achsenmächte wurde aufgrund des schlechten Vorbereitungsgrads der Sieger oberflächlich und unvollständig durchgeführt. Zahlreiche Waffendepots blieben unentdeckt. Im Juni 1941 schätzten die Deutschen, dass sich allein in Serbien knapp 300.000 Veteranen der königlich-jugoslawischen Armee auf freiem Fuß befänden. Viele der Veteranen schlossen sich in der Folge den Widerstandsbewegungen an. mini|Besatzungszonen der Achsenmächte in Jugoslawien: das Gebiet des heutigen Serbien wurde in mehrere Teilgebiete zerstückelt. Das besetzte Gebiet wurde zwischen den Deutschen Reich, dem Königreich Italien, dem Königreich Ungarn und dem Königreich Bulgarien aufgeteilt; weite Teile gingen an den neugeschaffenen Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) der faschistischen Ustascha. Das Staatsgebiet des heutigen serbischen Staates wurde ebenfalls geteilt; die Batschka ging an Ungarn, Syrmien an den NDH-Staat, das Banat bildete eine zivile Sonderverwaltungszone, der Kosovo und der Sandžak wurden den von Italien kontrollierten Gebieten Albanien bzw. Montenegro zugeschlagen, kleine Teile Südostserbiens gingen an Bulgarien. Im serbischen Rumpfgebiet („Altserbien“) diente Deutschland als Besatzungsmacht und richtete das Militärverwaltungsgebiet Serbien ein. Die Deutschen stellten für Serbien vier Feldkommandanturen auf (Nr. 599 in Belgrad, Nr. 610 in Pančevo, Nr. 809 in Niš, Nr. 816 in Šabac) und setzten den ehemaligen jugoslawischen Ministerpräsident Milan Aćimović als Regierungschef einer kommissarischen Kollaborationsregierung ein.

Aufstandsvorbereitungen, Mai bis Juli Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion (22. Juni 1941) sorgte nachfolgend für die Verlegung kampfstarker deutscher Divisionen an die Ostfront. Ende Mai war die deutsche Truppenstärke in Serbien auf drei Divisionen geschrumpft. Der Kriegsausbruch zwischen Deutschland und der UdSSR erzeugte unter der serbischen Zivilbevölkerung große Hoffnungen auf eine baldige sowjetische Gegenoffensive, da die Serben kulturelle Sympathien für die Russen hegten. Die Besatzungsmacht in Serbien stellten in der Folge zunächst nur zweitklassige deutsche Großverbände (Divisionen 704, 714, 717).

Bereits seit Mai bildeten sich besonders im NDH-Staat erste Widerstandsbewegungen gegen die völkermörderische Gewaltherrschaft der kroatischen Ustascha. Im Juli erfolgte jedoch vor dem Hintergrund des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion der Aufruf der Kommunistischen Internationale an die Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ) unter Josip Broz Tito, sofort den Partisanenkampf gegen die deutschen Besatzer aufzunehmen, wozu sich die KPJ am 4. Juli formell entschied. Die KPJ befahl die Aufstellung von Partisanenabteilungen. Nach ihrem Entschluss zum Partisanenkampf vom 4. Juli rief die KPJ-Führung am 12. Juli und erneut am 25. Juli zum nationalen Freiheitskampf an der Seite der Sowjetunion auf. Am 10. August erlaubte die KPJ explizit auch die Aufnahme von Nichtkommunisten in die Partisanenbewegung.

Neben den kommunistischen Tito-Partisanen formierten sich serbisch-nationalistische Tschetnik-Verbände, die verschiedentlich den Schutz der serbischen Minderheit vor den Ustascha, die Befreiung Jugoslawiens von den Achsenmächten oder die Bekämpfung der Kommunisten verfolgten. Unter den Tschetniks setzte der ehemalige jugoslawische Heeresoffizier Draža Mihailović im Verlauf des Jahres 1941 seinen Führungsanspruch durch.

Bereits seit Juni gingen die ersten bewaffneten Gruppen ethnischer Serben und Bosniaken im heutigen Kroatien und Bosnien-Herzegowina zur offenen Rebellion gegen die Terrorherrschaft der Ustascha. Im Juli begann auch im italienisch besetzten Montenegro ein Aufstand.

Im Sommer 1941 erschien sowohl den Partisanen als auch den Tschetniks der Übergang zu einem erfolgversprechenden Territorialkampf gegen die Besatzer noch weit entfernt, sodass sich beide Fraktionen mit größeren Aktionen zurückhielten. Am 3. August konnte der Befehlshaber Serbien Heinrich Danckelmann sogar nach Berlin melden, dass eine Verstärkung seiner Besatzungstruppen für die nächste Zeit nicht nötig sei. Wenige Tage später, am 11. August, befahl er jedoch dem ihm unterstellten Höheren Kommando LXV von Paul Bader, unverzüglich gegen die kommunistischen Partisanen in die Offensive zu gehen.

Verlauf Erste Unruhen, Juni – August 1941 mini|hochkant|Die tödlichen Schüsse, die Živorad Jovanović am 7. Juli 1941 in Bela Crkva auf zwei serbische Gendarme abfeuerte, wurden von den jugoslawischen Kommunisten zum Beginn des Aufstands in Serbien hochstilisiert. Angehörige der KPJ sowie der kommunistischen Jugend SKOJ führten am 23./24. Juni, unmittelbar nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, erstmals Sabotageakte entlang der für die Achsenmächte äußerst wichtigen Eisenbahnlinie Zagreb–Belgrad durch. In Belgrad verübten SKOJ-Mitglieder kleinere Attacken auf Verkaufsstände regierungstreuer Zeitungsverlage.

Kurz nach dem formellen Entschluss der KPJ-Führung zum Partisanenkrieg kam es am 7. Juli in Bela Crkva zu einem Zusammenstoß zwischen der serbischen Gendarmerie und einer kommunistischen Ortsgruppe, bei der zwei Gendarme getötet wurden. Der Todesschütze Živorad Jovanović wurde später ein Held der Partisanenbewegung. Die tödlichen Schüsse bei Bela Crkva wurden später von der kommunistischen Bewegung zum Beginn des serbischen Aufstands umgedeutet.

mini|links|Erhängte auf dem Terazije in Belgrad, August 1941 Die Wehrmacht wurde im Sommer und Herbst 1941 in Jugoslawien erstmals mit einer asymmetrischen Kriegsführung konfrontiert, mit der sie bisher fast keine Erfahrungen gemacht hatte. Vorstöße und Strafaktionen in Regiments- und manchmal Divisionsstärke gingen üblicherweise völlig ins Leere, da die leicht bewaffneten Kleingruppen der Partisanen sich nach Terrorangriffen sofort ins unwegsame Terrain der Wald- oder Bergregionen zurückzogen. Als die Deutschen etwa am 3. August neun Kompanien im Raum Banjica zum Angriff führten (Unternehmen „Victoria“), konnten nur zwei Partisanen aufgespürt und getötet werden. Als 3000 Wehrmachtssoldaten sich zwischen dem 7. und 9. August auf eine dreitägige Jagd nach Partisanen machten (Unternehmen „Kosmaj“), beschwerte sich der Gesandte Benzler in einem Schreiben ans Auswärtige Amt über die mangelnde Effizienz der Deutschen. Im August häuften sich außerdem Gewaltakte frustrierter Wehrmachtssoldaten gegen die Zivilbevölkerung, die General Bader am 23. August dazu brachten, seine Soldaten in einem Grundsatzbefehl auf die Kontraproduktivität ungelenkter Repressalien aufmerksam zu machen. Stattdessen ging die Wehrmacht zunächst dazu über, Jagdkommandos von etwa 30 bis 50 Soldaten zu bilden, die mobiler waren und auf Angriffe der Partisanen schneller reagieren und diese agiler verfolgen konnten. Diese Praxis wurde später am 12. September untersagt, da die Partisanengruppen zu stark wurden.

Am 29. August setzten die Deutschen den ehemaligen jugoslawischen Kriegsminister Milan Nedić anstelle von Milan Aćimović als neues Oberhaupt der Kollaborationsregierung in Serbien ein.

Koalitionsoffensive der Partisanen und Tschetniks, September – Oktober 1941 mini|Aufstandsgebiete in Jugoslawien, September 1941 Am 31. August eroberten Tschetnik-Verbände die Ortschaft Loznica, die damit als erste größere Ortschaft im besetzten Europa zeitweise von der Besatzung der Achsenmächte befreit werden konnte.

Seit dem 1. September kam es in Nordwestserbien zu spontaner Zusammenarbeit zwischen Mihailović-Tschetniks und Tito-Partisanen, die gemeinsam deutsche Stellungen attackierten und damit auch bei der serbischen Gendarmerie den Eindruck einer pan-serbischen Widerstandsbewegung erweckten, welche die Polizisten nicht bekämpfen wollten. Mihailović, der unter zunehmendem Druck seiner Gefolgsleute stand, endlich gegen die Besatzer tätig zu werden, sah sich zunächst außer Stande, seinen Tschetniks die Zweckallianz mit dem Kommunisten zu verbieten.

Anfang September erlitt die Wehrmacht bei Krupanj, welches sie am 6. September evakuieren mussten, eine schmerzhafte Niederlage, bei der 175 Wehrmachtssoldaten von den Partisanen gefangen genommen wurden. Der wichtigste Stützpunkt der Wehrmacht in Westserbien in der Nähe der Grenze zum NDH-Staat war damit verloren gegangen, woraufhin Generalfeldmarschall Wilhelm List Befehl an das LXV. Korps gab, Ortschaften nicht mehr schwächer als mit Bataillonen zu besetzen. Am 13. September folgte der nächste Rückschlag, als sich Einheiten der Serbischen Gendarmerie weigerten, im Raum Šabac zum Angriff überzugehen, woraufhin sie von deutschen Truppen entwaffnet werden mussten. mini|Die Partisanen proklamierten im September 1941 im von ihnen kontrollierten Gebiet einen eigenen Staat, die Republik Užice. Das Gebiet der Partisanenrepublik wurde bis Ende November von der Wehrmacht zurückerobert. Die Rebellen setzten ihren Eroberungskurs zunächst fort. Die Partisanen eroberten Užice (21. September) und Čačak (1. Oktober). Die Partisanen proklamierten Ende September in dieser Region sogar einen unabhängigen Staat, die „Republik Užice“. Die Tschetniks eroberten Bogatić (1. September) und Gornji Milanovac (29. September). Am 22. September versuchten die Tito-Partisanen außerdem die Eroberung von Kruševac in einem für sie bis dahin untypischen Tagangriff, der ihr stark gewachsenes Selbstvertrauen unter Beweis stellte. Der Angriff wurde von der Wehrmacht, die 23 Tote zu beklagen hatte, abgewehrt. Außerdem umzingelten die Partisanen Ende September Truppen der deutschen 704. Infanterie-Division in Valjevo.

Deutsche Gegenschläge, September – November 1941 Als Reaktion auf die Unabhängigkeitserklärung der Republik Užice begannen die Deutschen ab Ende September 1941 mit einer Reihe von Gegenangriffen. Diese Phase des Krieges wurde in der jugoslawischen Nachkriegshistoriographie als die „erste feindliche Offensive“ bekannt. Am 19. September traf Franz Böhme, der Bevollmächtigte Kommandierende General in Serbien, an der Spitze seines XVIII. Armeekorps in Belgrad ein, um den Aufstand in Serbien niederzuschlagen. Mit der 342. Infanterie-Division und dem Infanterie-Regiment 125 kamen im September neue deutsche Verstärkungen in Serbien an, die bei der Bekämpfung des Aufstands unterstützen sollten. Um dem Aufstand Herr zu werden, konzentrierte sich die Wehrmacht auf den Westteil des Landes und überließ die Gebiete östlich der Kolubara nach einer Übereinkunft zwischen Böhme und Nedić vom 28. September hauptsächlich den Truppen der Nedić-Regierung und den Pećanac-Tschetniks. Die Fortschritte der Partisanen waren für die Offiziere der Wehrmacht so überraschend, dass Oberst Hermann Foertsch am 6. Oktober sogar den allgemeinen Rückzug der deutschen Truppen aus einem Großteil Südwestserbiens vorschlug. Dieser Plan wurde aber vom Wehrmachtbefehlshaber Südost abgelehnt.