Geld Geld Geld – Zwei Milliarden gegen die Bank von England ist der sechste Film der achtteiligen Reihe Interpol (1963–1967) und ist ein Dokumentarfilm mit Spielhandlung. Sie war eigentlich, wie Ich war Cicero für die eigenständige Filmreihe Streng geheim vorgesehen und wird im siebten Teil der Filmreihe mit Geld kennt keine Grenzen fortgesetzt.
In der Folge sind auch Archivaufnahmen u. a. von Ernst Kaltenbrunner eingearbeitet.
Handlung Zweiter Weltkrieg: Beide Seiten kämpfen auch mit subversiven Mitteln, um die Wirtschaft des Gegners zu schädigen. Nachdem die Briten es mit schlecht gefälschten Lebensmittelkarten versucht hatten, kommt der SS-Sturmbannführer Addi Naumann auf die Idee, gefälschtes Geld in Umlauf zu bringen. Einerseits soll auf diese Weise die gegnerische Wirtschaft angegriffen werden, anderseits wäre das eine Methode, den Krieg zu finanzieren.
Vorspann und Rahmenhandlung Der Vorspann besteht aus historischen Archivaufnahmen von den Nürnberger Prozessen, die von einer Off-Line-Stimme kommentiert werden. Insbesondere ist Ernst Kaltenbrunner zu sehen und die Off-Line-Stimme bemängelt, dass ihm keine Fragen dazu gestellt wurden, wie das devisenarme Dritte Reich bei seinen Geheimdienstoperationen offensichtlich in Devisen schwamm. Die Stimme behauptet nun, dass parallel zu den Prozessen ein Treffen von drei Herren in der Bank von England in London stattgefunden habe, die über den Umgang mit den immer noch im Umlauf befindlichen gefälschten Pfundnoten beraten. 150 Millionen Pfund seihen weiter als Falschnoten im Umlauf und nicht von echten zu unterscheiden.
Die Herren werden vorgestellt als hochrangiger (unbenannter) britischen Geheimdienstchef, Gastgeber Sir Anthony und (unbenannter) US-amerikanischer Jurist. Der US-Amerikaner, welcher maßgeblich an der Vorbereitung und Form des Prozesse in Nürnberg mitgearbeitet haben soll, wundert sich, warum es zu keiner Anklage kommt. Die beiden Briten argumentieren, dass das Verschwinden des Vertrauen in die britische Währung ein zu großer Schaden wäre und die Bank den Verlust (durch den quasi Rückkauf) verschmerzen könne. Außerdem hätten die Briten selber gefälschte Lebensmittelkarten über Deutschland per Flugzeug abgeworfen, womit die eigentliche Kernhandlung des Films als Rückblende beginnt. So ist ein SD-Beamter zu sehen, dem ein Ehepaar vorgeführt wird, welches mit einer gefälschten Lebensmittelkarte erwischt worden war. Die Begründung fünf Kinder zu haben und dadurch in Not zu sein, lässt der SD-Beamte nicht gelten, und inhaftiert das Ehepaar unter Androhung der Todesstrafe.
Am Ende Films ist dann wieder die Herrenrunde in London zu sehen, wie sie den Beschluss fasst, die ganze Angelegenheit weiter geheim zu halten.
Die Geldfälschung SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich sitzt an seinem pompösen Schreibtisch, als SS-Sturmbannführer Addi Naumann unter Protest des Vorzimmers eintritt. Naumann genießt offenbar Sonderrechte bei Heydrich; so legt er seine Aktentasche einfach auf dessen Schreibtisch und klopft diesem vertraulich auf die Schulter. Beide kennen sich offenbar aus alten Straßenschlacht-Zeiten in Kiel. Naumann ist Chef der Abteilung 6F und unterbreitet Heydrich den Vorschlag Banknoten anderer Nationen im großen Stil zu fälschen. Dazu hat er eine Denkschrift verfasst, welche dem Führer Adolf Hitler zwecks Genehmigung überreicht werden soll.
Der Führer stimmt später zu; allerdings sollen keine US-Dollar-Noten gefälscht werden, da man sich noch nicht im Krieg mit den USA befinde. Zudem ändert Heydrich den Plan ab; statt Falschgeld über London abzuwerfen, will er die Fälschungen für Geheimdienstoperationen nutzen.
Naumann erhält nun alle Vollmachten für den Plan und beginnt mit der Rekrutierung von geeigneten Fachkräften: Otto Kachube, ein verurteilter Geldfälscher wird aus dem Gefängnis in Plötzensee geholt. Jacob Bernstein, der ehemalige jüdische Bankdirektor war im KZ Dachau. Dr. Kollmann, der Chemiker hat eine halb-jüdische Ehefrau, was ihn erpressbar macht. Meister Pietsch: der Chefgrafiker wird direkt per Telefon zwangsverpflichtet. Hans Komorowsky, ein Künstler und Grafiker.
Diese Personen werden mit der Aufgabe betraut und unter Androhung der Todesstrafe vereidigt. Da weitere Hilfskräfte für die Massenfertigung benötigt werden, kommen weitere Häftlinge im KZ Sachsenhausen (Block B19) zum Einsatz und auch diesen wird die Geheimhaltung unter Todesstrafe auferlegt. Zur Demonstration wird ein aufmüpfiger Häftling aus dem Raum abgeführt und scheinbar erschossen. Im KZ soll auch die Technik für Massenfertigung angesiedelt werden.
Addi Nauman hat eine Affäre mit der Clubbesitzerin und Prostituierten Katja Schulz. Nicht nur das er sich auch ihr gegenüber respektlos über Heydrich äußert, er erzählt ihr auch von dem Fälschungsplan, bevor dieser vom Führer genehmigt worden war. Sie äußert den Wunsch Heydrich zu treffen, was Naumann ablehnt. Aber irgendwie gelingt Katja Schulz ein Vorsprechen bei Heydrich in dessen Büro zu bekommen. Sie will bemerkt haben, dass Naumann bei Besuchen bei ihr beschattet wurde und lädt ihn in ihren Salon ein. Heydrich durchschaut sie jedoch und macht sie wiederum insbesondere zu einem Spitzel gegen Naumann.
Die Vorbereitungen zur Massenfälschung schreiten voran: Bernstein löst das Rätsel der Seriennummern, Meister Pietsch hat jedoch immer noch ein Problem mit der richtigen Papiersorte, was aber auch gelöst werden kann, nachdem entdeckt wird, dass die Briten mit verschmutztem Leinen gearbeitet haben.
Katja Schulz hat inzwischen den Bezirk Wedding verlassen und damit begonnen, ein Edelbordell im schickeren Westen Berlins zu etablieren, welches auch geheimdienstlich genutzt werden soll. Naumann ist davon nicht begeistert und beschwert sich umgehend bei Heydrich, präsentiert dabei aber auch die ersten Fälschungen. Um diese zu testen, werden Bankexperten unter einem Vorwand zum Vergleich mit echten Pfundnoten gebeten. Danach werden Agenten damit beauftragt, die Noten im Ausland zu testen. Der Feldversuch mit 42 Agenten verläuft erfolgreich.
Heydrich besucht den neuen Salon von Katja, wo sich Naumann gerade fast bei dieser verplappert hat. Dabei wird klar, dass alle Zimmer des Hauses abgehört werden. Naumann bekommt nun den direkten Befehl, mit der Massenausbringung zu beginnen, dieser empfindet das Gespräch mit dem direkten Befehl von Heydrich als Provokation und verlässt wutentbrannt das Zimmer. Gegenüber Katja verliert der eifersüchtige Naumann die Kontrolle und bezeichnet Heydrich als Halbjuden, der den Grabstein seiner jüdischen Mutter aus Bamberg habe heimlich wegbringen lassen. Heydrich im Abhörraum hört alles mit an; damit ist das Schicksal von Naumann besiegelt.
Die Massenfälschung schreitet munter voran; die jüdischen Häftlinge sind dafür zuständig, aus den frischen Drucken gebrauchte Scheine zu machen. Dazu werden diese zum Teil auch beschädigt. Die Stimmung der Gruppe ist gekippt; die Häftlinge gehen davon aus, nach dem Ende der Aktion beseitigt zu werden. Naumann taucht in dieser Stimmungslage auf und verleiht einigen Beteiligten, darunter auch dem Juden Bernstein, das Kriegsverdienstkreuz bzw. die Kriegsverdienstmedaille.
Heydrich erfährt von dieser von ihm nicht genehmigten Aktion telefonisch, während er in seinem Büro gerade Besuch von Katja erhalten hat. Er befragt diese, aber sie verrät Naumann nicht, und auch als dieser angibt, nicht mehr der Freund von Naumann zu sein, begreift sie nicht, dass Heydrich reinen Tisch machen will. In Gegenwart von Katja ruft er Sepp Dietrich an und degradiert Naumann zum einfachen Schützen der Waffen-SS. Beim Verlassen des Büros wird auch Katja Schulz verhaftet und abgeführt. Ihr weiteres Schicksal wird im Film nicht aufgelöst.
Die Produktion im KZ wird beendet und die beteiligten Häftlinge im Unklaren über ihr Schicksal gelassen. Die Existenz von Naumann wird sogar verleugnet. Die letzte Szene der Rückblende ist die Befragung des inzwischen im Kampfeinsatz befindlichen Naumann. Man will wissen, wo er die letzten neun Tage verbracht habe. Da er nachweislich bei einem Einsatz zum Minenlegen war, kommt er als Täter nicht in Frage. Hintergrund: Heydrich ist in Prag einem Attentat zum Opfer gefallen und tot. Mit dem Bedauern Heydrich nicht selbst ermordet zu haben, tritt Naumann ab. Auch sein weiteres Schicksal bleibt damit unklar.
Historischer Hintergrund Mit der Aktion Bernhard wurde eine Geldfälschungsaktion des Sicherheitsdienstes (SD) im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in der Zeit des Nationalsozialismus genannt. Sie ist die bislang größte bekannte Geldfälscheraktion der Geschichte. Im Film sind nur rund ein Dutzend Schauspieler zu sehen, welche die im KZ Sachsenhausen an der Fälschung Beteiligten darstellen; es waren aber etwa 140–144 Häftlinge. Reinhard Heydrich war ab August 1940 im Prinzip Chef der Interpol, da die kontinentale Organisation samt Archiv nach Berlin übergesiedelt und dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) unterstellt wurde. Nach dessen Tod durch ein Attentat des tschechoslowakischen Widerstands in Prag wurde zunächst Arthur Nebe Nachfolger des Reichskriminalpolizeiamtes, dann ab 1943 durch Nachfolgeschaft für Heydrich als Chef des RSHA SS-Obergruppenführer Ernst Kaltenbrunner. Die Gerüchte, Heydrich sei Halbjude gewesen, bestanden tatsächlich, waren aber schon zu seinen Lebzeiten widerlegt worden, was auch durch neuzeitliche Untersuchungen bestätigt wurde; siehe Reinhard Heydrich#Angebliche jüdische Abstammung. Die Figur des Addi Naumann ist nicht historisch. Sie ist offenbar hauptsächlich angelehnt an Alfred Naujocks, der 1934 Reinhard Heydrich zugeteilt worden war und in zahlreiche Aktionen bis zum Mord verstrickt wurde. Er hat die Aktion Andreas geleitet, den Vorläufer der Aktion Bernhard (nach Bernhard Krüger), und wurde 1941 aus dem SD ausgeschlossen und zur Waffen-SS überstellt; allerdings wegen Korruption und nicht wie die Filmfigur wegen der vorgeblich wahren Abstammung von Heydrich. Im Gegensatz zur Filmfigur wurde er 1943 für den SD reaktiviert und zum SS-Obersturmbannführer befördert. Im Film ist Naumann der Erfinder des Plans; in der Realität war es der Polizeibeamte Arthur Nebe. Im Film wird auch kein Unterschied zwischen den beiden Aktionen gemacht und Naujocks und Krüger wurden zur Figur Naumann verschmolzen. Dass Heydrich auch aktiv „alte Kameraden“ ausgeschaltet hat, ist historisch belegt. So wurde Erhard Heiden, Vorgänger von Heinrich Himmler, 1933 vom SD ermordet. Die Filmfigur Addi Naumann wurde eventuell neben Alfred Naujocks auch von dem SA-Führer Ernst Röhm inspiriert, der ebenfalls als burschikos und respektlos galt. Im sogenannten Röhm-Putsch wurde dann vor allem mit Hilfe der SS die SA entmachtet. Die im Film gezeigte Kombination von Prostitution und Spionage hat es eventuell tatsächlich gegeben. Der Salon Kitty war ein Bordell im Berliner Bezirk Charlottenburg, das 1939–1942 vom Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) und später dem Reichssicherheitshauptamt zu Spionagezwecken benutzt worden sein soll.
Andere Filme zum Thema Auch andere Filme, mit mehr oder weniger Dokumentationscharakter, haben sich mit der Thematik beschäftigt: 1959: Der Schatz vom Toplitzsee, Regie: Franz Antel, mit Joachim Hansen, Sabina Sesselmann und Gert Fröbe 2007: Die Fälscher, Regie: Stefan Ruzowitzky, mit Karl Markovics, August Diehl, Devid Striesow und Marie Bäumer, Das Drehbuch basiert auf dem Buch Des Teufels Werkstatt. Im Fälscherkommando des KZ-Sachsenhausen von Adolf Burger von 1989. 2008: Die echten Fälscher. Hitlers Fälscher, die Operation Bernhard, Regie: Christian Giesser, 45 min, Dokumentation mit Zeitzeugen wie den KZ-Überlebenden Wolfgang Löhde, Adolf Burger, Isaak „Jack“ Plapler, Hans Walter, Gerhard Zauner 2003: Ein jüdischer Naziagent in Tel Aviv, Recherche: Shraga Elam, Regie: Franz J. Halle, RAI
Weblinks
Interpol: Geld Geld Geld auf www.tv-krimis.info
Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmtitel 1965 Kategorie:Schwarzweißfilm