Hermann Robert Schirmer (* 11. Juli 1850 in Berlin;Luisenstädtische Kirche Berlin, Taufen 1847–1851, Seitennummer 341, Nr. 581 † 23. September 1923 ebenda) war ein deutscher Bildhauer.
Leben Robert Schirmer war ein Sohn des Tischlermeisters und Bildhauers Albert Reinhard Hermann Schirmer (1822–1885),Standesamt Berlin VI, Sterbe-Register 1885, Urkunde-Nr. 2091 der in Berlin Inhaber einer „Möbelfabrik und Holzschnitzerei“ war. Nach seiner Ausbildung zum Bildhauer begann er bei der Königlichen Porzellanmanufaktur und nach Studien an den Schlössern des preußischen Königshauses und bei den Ornamentisten des 18. Jahrhunderts gründete er um 1879 eine eigene Werkstatt, die in den Jahren 1880 bis 1914 in höchster Blüte stand. An der Spitze seiner für seine Werkstatt arbeitenden Bildhauer stand Otto Markert. Schirmers Werkstatt stattete einen großen Teil der in diesen Jahren entstandenen staatlichen und städtischen Gebäude und viele Privatbauten mit ornamentalem Schmuck aus. Auftraggeber waren u. a. die Architekten A. F. M. Lange, Kritzler & Tischer, Cremer & Wolffenstein, Karl Richard Henker, Alfred J. Balcke, Alfred Grenander. 1879 beteiligte sich Schirmer an einer Preisausschreibung des Dresdner Kunstgewerbevereins und erhielt ein Ehrendiplom. Ein Hauptarbeitsfeld waren für ihn die großen Ausstellungen, zu deren Ausschmückungen er z. T. vom Reichskommissar beauftragt war.
Schirmer führte seine Werke nach den Wünschen seiner Auftraggeber aus, wie an seiner Angabe „Atelier für Bau- u Kunstgewerbe, Spez: angetragener Stuck im Barock- u Roccoco-Style, Stuck- und Cementgießerei“ zu sehen ist. Seine eigenen Entwürfe entsprachen aber dem Jugendstil. Seine Werkstatt befand sich ab 1893 in der Schaperstraße 32. Um 1902 erwarb er auch das Haus Berliner Straße 163/164 in Wilmersdorf und um 1909 das Nachbargrundstück Babelsberger Straße 52. Um 1913 ließ er auf beiden Grundstücken Neubauten errichten.
Ab 1909 war Schirmer auch als gerichtlicher Sachverständiger im Bezirk des Kammergerichts und Landgerichts I, II und III tätig.
Familie Schirmer heiratete 1880 Lucie Victoria Margarethe Funck.Standesamt Berlin II, Heirats-Register 1880, Urkunde Nr. 441 Der Sohn Max wurde Architekt und Regierungsbaumeister in Breslau.
Ausstellungen mini|Portal zur Jubiläumsausstellung des Vereins für deutsches Kunstgewerbe mini|Stuckelemente in der Jubiläumsausstellung des Vereins für deutsches Kunstgewerbe 1896: Berliner Gewerbeausstellung 1900: Weltausstellung Paris 1902: Jubiläums-Ausstellung des Vereins für deutsches Kunstgewerbe: Portal zur Ausstellung nach Entwurf von A. Grenander ausgeführt, sowie Stuckornamente 1903: Ausgestaltung des Repräsentationssaales der Großen Berliner Kunstausstellung (Architekt A. F. Balcke, Mitwirkung von Markert) 1904: Weltausstellung St. Louis: Bildhauerarbeiten im Auftrag des Architekten Bruno Möhring 1906: Dritte Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden: Gestaltung einer Galerie, gemeinsam mit A. GrenanderDigitalisat in Arcinsys 1907: Große Berliner Kunstausstellung: Ausstattung eines ovalen Raumes in einem Gartenhaus (zusammen mit Markert). Der Architekt war Architekt Alfred J. Balcke.
Werke in Berlin mini|Iguanodon vor dem Aquarium mini|Löwentor am Zoologischer Garten mini|Generalfeldmarschall Gottlieb Graf von Haeseler als Roland am neuen Bahnhof in Metz. Gestaltet vom Berliner Bildhauer Robert Schirmer, 1908 Die Werke entstammen seiner Werkstatt. Der eigene Anteil an den Ausführungen ist nicht immer eindeutig zuzuordnen.
1890: Figürliche und ornamentale Ausstattung des Zuschauerraums beim Umbau des Concordia-Theaters (ab 1892 Apollo-Theater), Friedrichstraße 218 (im zweiten Weltkrieg zerstört)Deutsche Bauzeitung, 1891, Nr. 75, S. 453f. 1894: Stuckarbeiten im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm. 1896–1904: Figürliche und ornamentale Bildwerke des Giebelfeldes und der Fensterverdachungen, Schlußsteinmasken und Konsolen beim Neubau des Kammergerichts (insbesondere durch Otto Markelt geschaffen). 1897–1898: Stuckverzierungen im Berliner Künstlerhaus, Architekt Karl Hoffacker. (im zweiten Weltkrieg zerstört) 1898–1902: Hochschule für bildende Künste, Hardenbergstraße 33 (Denkmalschutz) 1899: Reliefs am ehemaligen Verwaltungsgebäude der Deutschen Tiefbau-Gesellschaft, Babelsberger Straße 14–16, Waghäuseler Straße 11–12 (Denkmalschutz) 1899–1900: Kinderfries an der Villa Herter, Uhlandstraße 6 (Ausführung nach Entwurf von Ernst Herter) 1901–1902: Eingangsfassade vom Logenhaus (heute Synagoge), Joachimsthaler Straße 13 (Denkmalschutz) 1901–1902: Reliefs am Gemeindehaus der Sophiengemeinde, Große Hamburger Straße 28 (Denkmalschutz) 1902: Trianon-Theater, Georgenstraße (nicht erhalten) 1902–1903: Figürliche Kapitelle am Mietshaus Meinekestraße 12 (Denkmalschutz) 1902–1903: Vorwärts-Buchdruckerei und Parteizentrale der SPD, Lindenstraße 69. Architekten Kurt Berndt und A. F. M. Lange (nicht erhalten) 1902–1904: Industriepalast, Lindenstraße 3. Architekten Kurt Berndt und A. F. M. LangePunktgerasterter Druck einer um 1904 aufgenommenen Fotografie aus einer mehrsprachigen Architekturzeitschrift (1962 abgerissen) 1902–1905: Vier Atlanten am Pelikan-Haus, Ritterstraße 9–10 (zusammen mit Markert, Denkmalschutz) 1903–1904: Wohnhaus Maaßenstraße 36 (nicht erhalten). 1903–1904: Arbeiten im Festsaal des Dienst- und Wohngebäudes für den Handelsminister, Leipziger Platz 11a (Bildhauer Markert) (nicht erhalten). Nach 1903: Allegorische Fassadenfiguren für die Königliche Bibliothek (Staatsbibliothek) Unter den Linden 1904: Terrassen am Halensee (zusammen mit Carl Caspary, 1910 zum Lunapark umgebaut und 1935 abgerissen). 1905: Modellier- u Bildhauerarbeiten für die große Halle und den Plenarsaal des Amtsgerichts 1905–1907: Oberverwaltungsgericht, Hardenberstraße 31 (Otto Markert, Werkstatt Schirmer, Denkmalschutz) 1905–1910:Türverdachung der Kaiser-Wilhelm-Akademie, Invaliden-/Ecke Scharnhorststraße (Denkmalschutz) 1906–1907: Friese am Kaufhaus Hackescher Hof, Architekt A. F. M. Lange 1906–1907: Umbau Weinhaus M. Kempinski, Leipziger Straße 21 (nicht erhalten) 1907–1908: Internationale Schlafwagengesellschaft, Unter den Linden 40. Architekten Kurt Berndt und A. F. M. Lange (Denkmalschutz) 1907–1909: Modelle für die Zierteile des Dienstgebäudes für die Baupolizei, Magazinstraße 3–5 (Denkmalschutz) 1908: Pfosten mit Wildschweinköpfen im Zoologischen Garten (Zuschreibung) 1908–1910: Paul-Gerhardt-Kirche in (Berlin-)Schöneberg (Denkmalschutz) 1908–1910: Türverdachung und Medaillons für die Festsäle des Brüdervereins, Kurfürstenstraße 115/116, Architekten Kritzler & Tischer. (1964 abgerissen). 1908–1910: Reichsmilitärgericht, Witzlebenstraße 4–5 in Charlottenburg (Denkmalschutz) 1908–1910: Bauplastiken für die Höhere Mädchenschule (Cecilien-Lyzeum) in Lichtenberg, Architekten Johannes Uhlig und Wilhelm Grieme (Denkmalschutz) 1909: Löwen am Löwentor des Zoologischen Gartens (Denkmalschutz) 1910: Wandfüllungen für das Hohenzollern-Kunstgewerbe-Haus Friedmann & Weber, Königgrätzerstraße 8, Architekt Hermann Dernburg (nicht erhalten). 1910: Großer Fries, Ornamente und Bärenfiguren am Kerkau-Palast, Behrenstraße 48. Architekt A. F. M. Lange (nicht erhalten). 1910: Plastischer Schmuck am Admiralspalast 1910: Aula der alten Königlichen Bibliothek (nicht erhalten) 1910–1911: Römischer Hof, Unter den Linden, Architekt A. F. M. Lange (Denkmalschutz) 1910–1911: Bauplastiken für die Höhere Knabenschule in Lichtenberg, Architekten Johannes Uhlig und Wilhelm Grieme (Denkmalschutz) Um 1911: Reliefs für den Erweiterungsbau des Kaufhauses Tietz (Halle für Nahrungsmittel) am Alexanderplatz. Architekten Cremer & Wolffenstein (nicht erhalten) 1912: Saurierreliefs, Schlusssteine und Portalgestaltung am Berliner Aquarium (Ausführung nach Entwurf von Heinrich Harder unter Mitwirkung von Markert) 1912: Iguanodon-Skulptur vor dem Aquarium (Ausführung nach Entwurf von Heinrich Harder unter Mitwirkung von Markert) 1912: Deutsches Opernhaus, Bismarckstraße (nicht erhalten) 1914–1916: Stadtansichten an der Schleusenbrücke (zusammen mit Markert, Denkmalschutz) 1915–1916: Buttbrunnen, Bodestraße, an der Eisernen Brücke (Denkmalschutz) 1917: Thielenbrücke (mit Markert) (Denkmalschutz)
Werke außerhalb Berlins 1901: Ornamente für den Ratskeller Danzig (Entwürfe auf der Weltausstellung Paris gezeigt) 1904: Altar für die Erlöserkirche in Breslau (im zweiten Weltkrieg zerstört) 1908: Statue des Generalfeldmarschalls Gottlieb Graf von Haeseler als Roland am Bahnhof Metz Bahnhof Husum, Bahnhof Görlitz, Standesamt und Sparkasse in Essen
Publikationen 1888/1889: Entwürfe im Barock- und Rokoko-Stile, E. A. Seemann, Leipzig 1890: Plastische Ornamente für Bau- und Kunstgewerbe, Max Spielmeyer, Berlin 1896–1900: Aus meiner Kunstwerkstätte (5 Serien), B. Hessling, Berlin 1903/1904: Decken und Deckenteile, B. Hessling, Berlin 1911:
Literatur
Deutsche Bauzeitung, 57. Jg. 1923, Nr. 84/85, S. 368
Weblinks
Schirmer, Robert. In: BiB Bildhauerei in Berlin. Abgerufen am 20. August 2025
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Berlin) Kategorie:Person (Reichsmilitärgericht) Kategorie:Person (Preußisches Oberverwaltungsgericht) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1850 Kategorie:Gestorben 1923 Kategorie:Mann