Die deutschen Kriegsverbrechen in Jugoslawien wurden von den deutschen Streitkräften (Wehrmacht und Waffen-SS) während des Zweiten Weltkrieges im Zeitraum 1941 bis 1945, nach der Besetzung Jugoslawiens im Balkanfeldzug sowie während des Partisanenkriegs im besetzten Jugoslawien begangen. Hierbei wurden die meisten Verbrechen von Deutschen begangen, aber auch slawische Hilfstruppen (Kroatische Legion, 13. SS-Division, Serbisches Freiwilligen-Korps) unter deutscher Flagge begingen Kriegsverbrechen in Jugoslawien.
Gesamttendenzen
Sühnequoten
Am 28. April 1941 befahl Generaloberst Maximilian von Weichs die Tötung von 100 Zivilisten für jeden bei Partisanenangriffen geschädigten deutschen Soldaten. Dieser Befehl wurde im September von Generalfeldmarschall Keitel im Sühnebefehl des OKW bestätigt und präzisiert. Diesen Befehl, der in der Nachkriegsliteratur häufig als Beweis der deutschen Brutalität herangezogen wurde, übertrafen einzelne deutsche Einheiten sogar noch: Obwohl sie nur einen Gefallenen erlitten hatte, tötete die 342. Infanterie-Division in ihrem Zuständigkeitsbereich bis zum 30. September statt den befohlenen 100 insgesamt 830 Menschen in Massenerschießungen, woraufhin die Feindlageoffiziere der Division ihre Truppenführer darauf hinwiesen, dass durch Massenexekutionen stets auch verwertbare Informationen verloren gehen.
Am 22. Dezember 1943 erging ein Erlass des Oberbefehlshabers Südost, der in Serbien die bisherigen Sühnequoten aufhob und den deutschen Befehlshabern vor Ort erstmals Ermessensspielraum für Repressalien und Geiselerschießungen gab. Dieser von Hermann Neubacher betriebene Deeskalationskurs trug dazu bei, zum Jahreswechsel 1943/44 die Krise in Serbien etwas zu entspannen. Jeder Versuch, die gleiche Politik auf dem Territorium des NDH-Staats durchzusetzen, war jedoch aufgrund der stärkeren Position der Volksbefreiungsarmee, der schwächeren Position der Tschetniks und der unnachgiebigen Härte der Ustascha-Regierung zum Scheitern verurteilt.
Entspannungs- und Radikalisierungszyklen deutscher Besatzungspolitik
Während der ersten Phase der deutschen Besatzung in Jugoslawien (April/Mai 1941) gab es nur wenige Zusammenstöße zwischen den Besetzten und der Besatzungsmacht; die deutschen Stellen erkannten zwar die ersten Widerstandsbewegungen, analysierten diese aber primär als Reaktion auf die brutale Gewaltherrschaft der mit Deutschland verbündeten Ustascha-Milizen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Die deutsche Besatzung Serbiens stellte in dieser Anfangsphase sogar einen Stabilisierungsfaktor dar, da die Truppen der Wehrmacht den Zugriff der Ustascha-Milizen zumindest auf Gebiete außerhalb des NDH-Staats abblockten.
Während des Aufstands in Serbien (September – Oktober 1941) stieg die Anzahl deutscher Massaker und Gewaltakte gegen die Zivilbevölkerung erstmals drastisch an. Besonders bekannt wurden die Massaker von Kraljevo und Kragujevac, in denen über 4.000 Zivilisten ermordet wurden. Die Massaker machten besonders aus Kragujevac ein Symbol des serbischen Widerstands (ähnlich der Rolle, die später Lidice und Oradour-sur-Glane spielen sollten) und heizten den Wehrwillen der serbischen Bevölkerung weiter an. Sowohl Harald Turner als auch Felix Benzler mahnten eine Mäßigung der deutschen Fronttruppen an; als Franz Reith die Unterstützung der Wehrmacht für Massenexekutionen im Banat anfragte, lehnte Turner dies ab.
Mit dem Unternehmen „Trio“ (April 1942) begann eine Übergangsphase bei den deutschen Kriegsverbrechen in Jugoslawien, bei der die Zahl von Geiselerschießungen und Häuserverbrennungen erstmals deutlich zurückgeschraubt wurde, um den Zulauf zu den Widerstandsbewegungen einzudämmen. Das während des Sommers 1942 geringe Interesse der NS-Führung erlaubte den Befürwortern einer milderen und kollaborationsförderlicheren Gangart gegenüber der Zivilbevölkerung, den Frontverbänden Restriktionen in der Anwendung von Repressalien aufzuerlegen. Sowohl Geiselerschießungen als Sühne als auch die Verbrennung von Behausungen und die Exekution von Überläufern wurden untersagt. Im September 1942 kam es erstmals zu einem Gefangenenaustausch zwischen der Wehrmacht und der Partisanenbewegung. Diese Entspannungsphase endete erst im September und Oktober 1942, durch eine Intervention Hitlers sowie durch den Kommandobefehl vom 18. Oktober.
Als am 18. Oktober 1942 von Hitler der Kommandobefehl erlassen wurde, versah der Oberbefehlshaber Südost Generaloberst Alexander Löhr ihn für Jugoslawien mit einer Zusatzinstruktion, die vermutlich auf die Besprechung vom 23. September im Führerhauptquartier zurückzuführen war: „Erst wenn jeder Aufständische weiß, daß er in keinem Falle mit dem Leben davonkommt, ist zu erwarten, daß die Besatzungstruppen Herr jeder Aufstandsbewegung werden.“ Durch diese Wiederanordnung von Exekutionen und härtestmöglichen Repressalien war die Arbeit, die General der Artillerie Paul Bader, Militärbefehlshaber in Serbien, und Generalmajor Johann Fortner, Kommandeur der im besetzten Jugoslawien eingesetzten 718. Infanterie-Division, seit März unternommen hatten, um die Partisanen und insbesondere die Tschetniks vom Kampf bis zum Tod abzuhalten und zum freiwilligen Überlaufen zu motivieren, zunichtegemacht. Die Entspannungsphase in der Besatzungspolitik der Wehrmacht war damit beendet.
Ab August 1943 zeichnete sich eine erneute Kursänderung in der deutschen Repressionspolitik ab, da die Führung der deutschen Besatzungsmacht nach der Reradikalisierung im September/Oktober 1942 jetzt erneut Restriktionen einführte, denen zufolge Aufständische nur noch unter besonderen Umständen zu erschießen seien. Am 18. August erfolgte ein entsprechender Befehl des OKW, nachdem am 6. August der Kommandierende General in Serbien, General der Infanterie Franz Böhme, befohlen hatte, Aufständische nur noch in Ausnahmefällen direkt zu erschießen. Diese „Neue Politik“ wurde in der Folge besonders von Neubacher, der ab dem 24. August der Sonderbevollmächtigte des Auswärtigen Amtes für den Südosten war, intensiv beworben. Durch die von Neubacher betriebene Drosselung der Zahl von Geiselerschießungen sollte besonders eine Verhandlungsbasis mit den Mihailović-Tschetniks geschaffen werden, sodass sich die deutschen Truppen mit diesen gegen die Volksbefreiungsarmee zusammenschließen konnten. Zum Jahreswechsel 1943/44 fanden Kriegsverbrechen der deutschen Truppen bei ihren eigenen Kommandeuren weite Beachtung, was eine Reduktion der Zahl der Massaker im Vergleich zur vorherigen Phase impliziert.
Eine einheitliche Durchsetzung der Neubacher-Politik war jedoch nicht gegeben; so hatte Generaloberst Lothar Rendulic als Kommandeur der 2. Panzerarmee in Kroatien ohne Rücksprache mit den NDH-Behörden oder dem Auswärtigen Amt einen Befehl herausgegeben, dass bei Sabotageakten 50 Geiseln zu erschießen seien. Die Zahl der Kriegsverbrechen und Massaker nahm bis Sommer 1944 aber wieder stark zu, da sich die deutschen Truppen mittlerweile auf dem Rückzug vor der erstarkten Volksbefreiungsarmee befanden.
Politische Strukturen Zur Umsetzung der deutschen Gewaltherrschaft im besetzten Serbien wurden dort Dienststellen wie mit dem Militärverwaltungsgebiet Serbien unter der Führung von Harald Turner eingerichtet, die zum Beispiel die deutsche Judenpolitik in Serbien durchsetzen sollte. Der Diplomat Felix Benzler wurde vom Auswärtigen Amt als Bevollmächtigter nach Serbien geschickt, um diplomatische Aspekte der „Judenfrage“ zu beobachten und zu klären.
Die Sicherheitspolizei unterhielt eine eigene Einsatzgruppe Jugoslawien (EG-J) unter Führung von SS-Oberführer und Oberst der Polizei Wilhelm Fuchs, die unter dem Kommando eines Einsatzkommandos in Belgrad stand. Das Einsatzkommando und die EG-J wurden im Oktober 1941 verschmolzen und unterstützten nachfolgend auch die Geheime Staatspolizei, die in Belgrad mit sechs Sektionen vertreten war, von denen sich eine ausschließlich auf die Judenpolitik konzentrierte. Mit dem Aufbau einer serbischen Kollaborationsregierung in Belgrad kam auch der Aufbau einer Serbischen Gendarmerie unter Dragomir Jovanović, die zunächst aus 3000 Beamten bestand und die den Deutschen zuarbeiten sollte. Die Serbische Spezialpolizei (OSP) arbeitete hierbei der deutschen Sicherheitspolizei zu. Im August 1941 wurde unter Milan Nedić die kollaborationistische Regierung der nationalen Rettung aufgebaut, die den Deutschen weitere Zuarbeit leistete.
Die Deutschen betrieben in Serbien mehrere Gefängnisse und Internierungslager, die ab Juni 1941 aufgebaut wurden. Solche Lager befanden sich bei Belgrad, Šabac, Niš und Belgrad-Zemun. Das Anhaltelager Dedinje wurde Anfang Juli 1941 in Belgrad-Banjica errichtet. Mitte Juli kam das Anhaltelager Šabac und im September das Anhaltelager Niš dazu. Im Oktober 1941 wurde das Judenlager Semlin (KZ Sajmište) aufgebaut.
Militärische Verbände Die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ zeichnete sich mit besonderer Brutalität aus. Die Division wurde Ende September 1942 erstmals wegen ihrer Tendenz zu Massakern gerügt, da die deutschen Stabsoffiziere in Jugoslawien eine Verschlechterung der Moral der Zivilbevölkerung befürchteten. Die aus Jugoslawiendeutschen rekrutierte Division „Prinz Eugen“ war unter der slawischen Zivilbevölkerung besonders verhasst. Die Division erhielt Personal aus deutschen Konzentrationslagern als Verstärkung, was die Abstumpfung der Kampfweise der Division noch beschleunigte.
Auch die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“, in der viele Bosniaken dienten, beging ab 1943 disproportional viele Kriegsverbrechen.
Die kurzlebige und während ihrer ganzen Existenz ihren albanischen Gegnern weit unterlegene 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ war hingegen an weniger Kriegsverbrechen beteiligt, wobei als Ausnahme ein Massaker des 28. Juli 1944 an serbischen und montenegrinischen Zivilisten in Velika heraussticht.
Liste einzelner Kriegsverbrechen in Jugoslawien
Die deutsche Luftwaffe eröffnete den Balkanfeldzug am 6./7. April 1941 mit wiederholten Luftangriffen auf Belgrad (Unternehmen Strafgericht), die auf die Zivilbevölkerung abzielten. Ab April 1941 unterstützten die Deutschen die kroatischen Ustascha beim Aufbau eines kroatischen Systems von Konzentrationslagern, zu denen Lepoglava, Gospić, Jastrebarsko, Loborgrad und schließlich der Lagerkomplex Jasenovac gehörten. Reichsdeutsches Personal war am Betrieb dieser KZs nicht direkt beteiligt, doch die gesamte Organisation der kroatischen Konzentrationslager orientierte sich am deutschen Modell. Die erste Generation der kroatischen KZ-Führer um Vjekoslav Luburić war in Deutschland weitergebildet worden. Nachdem die Deutschen im April 1941 die Stadt Belgrad, das Zentrum der jüdischen Gemeinde in Serbien, erobert hatten, wurde die örtliche jüdische Bevölkerung mehrere Wochen lang das Ziel von Plünderungen durch deutsche Soldaten. Ab April 1941 begannen die Deutschen im von ihnen annektierten Teil Sloweniens (CdZ-Gebiet Kärnten und Krain, CdZ-Gebiet Untersteiermark) mit der Zwangsdeportation von mindestens 6750 Personen nach Serbien. Am 16. April 1941 befahl Hans Helm, der Gestapo-Chef des Einsatzkommandos Belgrad, die Registrierung aller Juden in Belgrad. Der Militärbefehlshaber Belgrad befahl am 21. April den Aufbau einer jüdischen Arbeitseinheit, in der die Belgrader Juden für bis zu achtzehn Stunden am Tage Zwangsarbeit leisten mussten. Am 21. und 22. April 1941 exekutierten Soldaten des Infanterie-Regiments „Großdeutschland“ insgesamt 36 Zivilisten in Pančevo.Walter Manoschek: Die Massaker in Pančevo und Kragujevac im Herbst 1941. Zur deutschen Repressionspolitik gegenüber der Zivilbevölkerung im besetzten Serbien, in: Oliver von Wrochem (Hrsg.): Repressalien und Terror : "Vergeltungsaktionen" im deutsch besetzten Europa 1939-1945. Paderborn: Ferdinand Schöningh, 2017, ISBN 978-3-506-78721-7, S. 89–102