Der Englisch-Schottische Krieg von 1650 bis 1652 war ein militärischer Konflikt zwischen dem Commonwealth of England und dem Königreich Schottland, der im Zuge der politischen und religiösen Spannungen nach den Englischen Bürgerkriegen ausbrach. Der Krieg war geprägt von der schottischen Unterstützung für Karl II., den Sohn des hingerichteten Königs Karl I., den die Schotten nach der Hinrichtung seines Vaters 1649 als ihren König anerkannten. Dies führte zu einem direkten Konflikt mit der englischen Regierung unter Oliver Cromwell, die die Monarchie abgeschafft und die Republik ausgerufen hatte. Die Auseinandersetzung begann mit der Invasion Schottlands durch eine englische Armee unter Cromwells Kommando im Juli 1650. Wichtige Schlachten waren die englischen Siege bei Dunbar (1650) und Worcester (1651), die den Widerstand der schottischen Streitkräfte effektiv brachen. Der Krieg endete mit der Eingliederung Schottlands in das Commonwealth of England und der Errichtung einer englischen Militärverwaltung in Schottland. Der Konflikt hatte weitreichende Folgen für die politische und religiöse Landschaft Großbritanniens, insbesondere durch die vorübergehende Abschaffung der schottischen Souveränität und die Unterdrückung der royalistischen und presbyterianischen Bewegungen.
Hintergrund Bischofskriege und Bürgerkriege
Im Jahr 1639 und erneut 1640 befand sich Karl I., König in Personalunion von Schottland und England, im Krieg mit den Covenanters, einer schottischen religiösen und politischen Bewegung, die eine presbyterianische Kirche in Schottland und die Vorrangstellung ihrer Führer in religiösen Angelegenheiten unterstützte.Kenyon, Ohlmeyer: 2002, S. 15 f. Karl I. war mit diesen Bemühungen nicht erfolgreich, so dass die darauf folgende Einigung die Macht der Covenanters über die schottische Regierung festigte. Alle Beamten, Parlamentarier und Geistlichen wurden zur Unterzeichnung des National Covenant verpflichtet und das schottische Parlament erhielt die Befugnis, alle Berater des Königs in Schottland zu bestätigen.Stewart: 2016, S. 124 f. Nach Jahren zunehmender Spannungen zerbrach das Verhältnis zwischen Karl I. und seinem englischen Parlament, was 1642 zum Ausbruch des Ersten Englischen Bürgerkriegs führte.Kenyon, Ohlmeyer: 2002, S. 26 ff., 32.
In England standen die Anhänger Karls I., die Royalisten (Cavaliers), den vereinten Kräften der Parlamentarier (Roundheads) und der Schotten gegenüber. 1643 schlossen Roundheads und Schotten ein Bündnis, das durch den Vertrag (Solemn League and Covenant) zwischen den schottischen Covenanters und den Führern der englischen Parlamentarier besiegelt wurde. Darin erklärte sich das englische Parlament bereit, die englische Kirche nach dem Vorbild der schottischen Kirk zu reformieren, als Gegenleistung für die militärische Unterstützung durch die Schotten. Nach vier Jahren Krieg wurden die Royalisten besiegt, und Karl I. ergab sich am 5. Mai 1646 den Schotten bei Newark-on-Trent.Woolrych: 2002, S. 271., 329 f.
Die Schotten einigten sich mit dem englischen Parlament auf einen Friedensvertrag (Newcastle Propositions), der dem König vorgelegt werden sollte. Er hätte alle Untertanen des Königs in Schottland, England und Irland verpflichtet, den Solemn League and Covenant act zu unterzeichnen, die Kirche in jedem Königreich mit dem Covenant und dem Presbyterianismus in Einklang zu bringen und einen Großteil der weltlichen Macht Karls I. als König von England an das englische Parlament abzutreten. Die Schotten versuchten mehrere Monate lang, Karl I. davon zu überzeugen, diesen Bedingungen zuzustimmen, doch er lehnte dies ab. Die schottische Armee war nach dem Krieg in England geblieben, bis die vom Parlament versprochenen hohen Subventionen gezahlt worden waren. Es kam zu einer finanziellen Einigung, die Schotten übergaben Karl I. an die englischen Parlamentsstreitkräfte und verließen England am 3. Februar 1647.Woolrych: 2002, S. 340–349.
Karl I. führte nun separate Verhandlungen mit verschiedenen Fraktionen. Die presbyterianischen englischen Parlamentarier und die Schotten verlangten von ihm, eine modifizierte Version der Newcastle Propositions zu akzeptieren. Im Juni 1647 wurde der König von George Joyce Offizier der New Model Army gefangen genommen.Woolrych: 2002, S. 364. Die Armee drängte ihn dazu, die Heads of Proposals zu akzeptieren, eine weniger strenge Reihe von Bedingungen, die vor allem keine presbyterianische Reformation der Kirche vorsahen.Gentles: 2002, S. 144–150. Er lehnte auch diese ab und unterzeichnete stattdessen am 26. Dezember 1647 ein Angebot, der Engagers einer Splittergruppe der schottischen Covenanters. Karl I. erklärte sich bereit, den Solemn League and Covenant act durch ein Gesetz des Parlaments in beiden Königreichen zu bestätigen und den Presbyterianismus in England zu akzeptieren, jedoch nur für eine Probezeit von drei Jahren, als Gegenleistung für die Unterstützung der Schotten bei der Rückeroberung seines Throns in England.Stewart: 2016, S. 258 f.
Als die Engagers nach Edinburgh zurückkehrten, waren die Schotten geteilter Meinung darüber, ob sie die Bedingungen ratifizieren sollten. Die Befürworter argumentierten, dass dies die beste Chance für die Schotten sei, die Zustimmung zum Covenant in den drei Königreichen zu erreichen, und dass eine Ablehnung das Risiko berge, das Karl I. gezwungen wäre die Heads of Proposals zu akzeptieren. Gegner waren der Meinung, dass die Entsendung einer Armee nach England im Namen des Königs einen Bruch des Solemn League and Covenant bedeuten würde und dass es keine Garantie für eine dauerhafte presbyterianische Kirche in England gäbe; die Kirk ging sogar so weit, am 5. Mai 1648 eine Erklärung zu veröffentlichen, in der sie die Vereinbarung als Verstoß gegen Gottes Gesetz verurteilte.Stewart: 2016, S. 258–261. Nach einem langwierigen politischen Kampf errangen die Engager die Mehrheit im schottischen Parlament, zu diesem Zeitpunkt war in England erneut Krieg zwischen Royalisten und Parlamentariern ausgebrochen. Die Schotten entsandten im Juli eine Armee unter dem Kommando des Herzogs von Hamilton nach England, um für den König zu kämpfen, doch sie wurde im August 1648 bei Preston und dann bei Winwick von einer Streitmacht unter der Führung von Oliver Cromwell entscheidend geschlagen. Die Niederlage der Engager führte zu weiteren politischen Unruhen in Schottland, so dass die oppositionelle Fraktion mit der Unterstützung von Cromwell die Kontrolle über die Regierung erlangen konnte.Furgol: 2002, S. 64.Young: 1996, S. 215.
Thronbesteigung Karls II. Verärgert über die Doppelzüngigkeit Karls I. und die Weigerung des englischen Parlaments, die Verhandlungen mit ihm einzustellen und die Forderungen der New Model Army zu akzeptieren, ließ Cromwell das Parlament von den presbyterianischen Abgeordneten säubern. Das nun anschließende Rumpfparlament ließ Karl I. wegen Verrats am englischen Volk anklagen. Er wurde für schuldig befunden und am 30. Januar 1649 hingerichtet.Woolrych: 2002, S. 430–433. Am 19. Mai wurde das Land mit der Gründung des Commonwealth of England zu einer Republik.Gentles: 2002, S. 154. Das schottische Parlament, das vor der Hinrichtung des Königs nicht konsultiert worden war, erklärte seinen Sohn Karl II. zum König. Vor der Erlaubnis seiner Rückkehr aus dem Exil in den Niederlanden, wurde von ihm die Unterzeichnung zweier Verträge verlangt: der Anerkennung der Autorität der Kirk in religiösen Angelegenheiten und der des Parlaments in zivilen Angelegenheiten.Kenyon, Ohlmeyer: 2002, S. 32.Furgol: 2002, S. 68.Woolrych: 2002, S. 481. Karl II. zögerte zunächst, diese Bedingungen zu akzeptieren, doch nachdem Cromwells Feldzug in Irland seine royalistischen Anhänger dort zerschlagen hatte,Ohlmeyer: 2002, S. 98–102. sah er sich gezwungen, die schottischen Bedingungen zu akzeptieren, und unterzeichnete am 1. Mai 1650 den Vertrag von Breda. Karl II. segelte nach Schottland, wo er am 23. Juni landete.
Englische Invasion Die Führer des englischen Commonwealth fühlten sich durch die Neuaufstellung einer schottischen Armee bedroht. Sie drängten Thomas Fairfax, den Oberbefehlshaber der New Model Army, zu einem Präventivschlag. Fairfax nahm den Auftrag an, die Armee nach Norden zu führen, um sich gegen eine mögliche schottische Invasion zu verteidigen, war jedoch nicht bereit, den ersten Schlag gegen seine ehemaligen Verbündeten zu führen, da er der Meinung war, dass England und Schottland noch immer durch den Solemn League and Covenant verbunden waren. Als am 20. Juni 1650 der formelle Befehl zum Angriff erteilt wurde, legte Fairfax sein Amt nieder. Ein parlamentarischer Ausschuss, dem auch sein enger Freund Cromwell angehörte, versuchte ihn davon abzubringen und bat ihn eine ganze Nacht lang, seine Meinung zu ändern, aber Fairfax blieb entschlossen und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Cromwell trat sein Amt als Lord General an und wurde Oberbefehlshaber der New Model Army. Er erhielt sein Kommando am 28. Juni und brach noch am selben Tag nach Schottland auf, wo er am 22. Juli mit 16.000 Mann den Tweed überquerte.Reese: 2006, S. 26 f.
Nach der Unterzeichnung des Vertrags von Breda begann das schottische Parlament mit der Rekrutierung von Soldaten für eine neue Armee unter dem Kommando des erfahrenen Generals David Leslie. Geplant war eine Aufstockung der Streitkräfte auf über 36.000 Mann, die jedoch nicht erreicht wurde. Beim Einmarsch Cromwells in Schottland verfügte Leslie über weniger als 10.000 Infanteristen und 3.000 Kavalleristen; die Zahlen schwankten im Verlauf des Feldzugs.Reid: 2008, S. 39 f. Die Regierung setzte eine Kommission ein, die alle verdächtigten Unterstützer des Angebots der Engagers sowie als sündig oder unerwünscht eingestufte Männer aus der Armee entfernte. Gegen diese Maßnahme legten ein Großteil des schottischen Adels und die meisten erfahrenen Militärführer, darunter Leslie, vergeblich Widerspruch ein. Die Säuberung führte zur Entfernung zahlreicher erfahrener Soldaten und Offiziere, sodass die Armee überwiegend aus unerfahrenen Rekruten mit geringer Ausbildung bestand.
Leslie errichtete eine Verteidigungslinie aus Erdwerken zwischen Edinburgh und LeithHutton, Reeves: 2002, S. 221. und verfolgte zwischen dieser Linie und der englischen Grenze eine Politik der verbrannten Erde. Anschließend ließ er Cromwell ungehindert vorrücken. Der Mangel an Vorräten und die Feindseligkeit der lokalen Bevölkerung gegenüber den englischen Invasoren zwangen Cromwell, seine Truppen über den Seeweg zu versorgen, wozu er die Häfen von Dunbar und Musselburgh einnahm. Die Operationen wurden durch anhaltend schlechtes Wetter behindert. Diese widrigen Umstände führten zu Nahrungsmittelknappheit und vielen Krankheiten in der englischen Armee, wodurch deren Stärke erheblich geschwächt wurde.