Der Kembach ist ein knapp vier Kilometer langer Bach in den Gäuplatten im Maindreieck und dem Mittleren Maintal im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Er entsteht bei Schwanfeld aus dem Zusammenfluss des Heiligenthalgrabens und des Kieselbachs und mündet von Westen kommend rechtsseitig in Wipfeld in den Main. Einschließlich seines Hauptquellbachs, des Heiligenthalgrabens, erreicht das Fließgewässer eine Gesamtlänge von gut sechs Kilometern.
Name Das Bestimmungswort des Namens leitet sich von einem althochdeutschen Personennamen *Kanto ab. Mit der Zeit entwickelte sich der Gewässername Kentbach zu Kembach.
Geographie Verlauf Quellbäche Der Kembach entsteht in der Gäufläche im nördlichen Maindreieck auf einer Höhe von etwa am Westrand des Pfarrdorfs Schwanfeld, unmittelbar südlich des Sportplatzes des SV Schwanfeld 1945, durch den Zusammenfluss des von rechts kommenden Heiligenthalgrabens und des von links zufließenden Kieselbachs.
Heiligenthalgraben
Der Heiligenthalgraben ist der gut 2 Kilometer lange, südsüdwestlich verlaufende rechte Quellbach des Kembachs. Er entspringt auf einer Höhe von nördlich des Bergtheimer Gemeindeteils Dipbach.
Kieselbach
Der Kieselbach ist der etwas über 1 Kilometer lange westliche und linke Quellbach. Seine Quelle liegt auf einer Höhe von nördlich des Schwanfelder Gemeindeteils Neuheiligenthal.
Kembach Der Kembach fließt zunächst nördlich eines Wirtschaftswegs ostwärts durch den Weinbauort Schwanfeld, läuft dann an einem auf seiner linken Seite liegenden Wasserspielplatz vorbei und wird kurz darauf von einem Steg für Fußgänger überspannt. Gesäumt von dichtem Ufergehölz zieht er danach nordostwärts entlang der linksseitig verlaufenden Raiffeisenstraße durch das an einem Seitentälchen des Mains in einem Talkessel gelegene Dorf. Nachdem er eine kleine Brücke unterquert hat, wendet er sich zunehmend nach Osten. Kurz darauf unterführt er die Bismarckstraße, auf der ein zum Radwegenetz des Landkreises gehörender Radweg verläuft.Radwege, Sport und Freizeit.
mini|links|hochkant|Bildstock am Adenauerplatz Anschließend setzt er seinen Lauf ostsüdostwärts fort und kreuzt nach knapp 100 Metern die Hauptstraße, der der Fernradweg Via Romea Germanica folgt, ein seit dem Hochmittelalter zur Wallfahrt nach Rom genutzter PilgerwegVia Romea Germanica, Sport und Freizeit.Viele Wege führen nach Rom, der ihn auf seinem Weg bis fast zur Mündung begleiten wird.Via Romea Germanica bis zur Mündung, Sport und Freizeit. Daraufhin beschreibt der Bach einen sanften Bogen und verschwindet westlich der Kirchstraße verrohrt im Untergrund. Gleich östlich dieser Straße wird er vom Seeriedsgraben verstärkt, der aus dem Norden kommend ihm dort verdolt zufließt. Danach durchquert der Kembach unterirdisch den Adenauerplatz und passiert dabei einen Bildstock mit rundbogigem Reliefaufsatz, der eine Pietà-Darstellung sowie die Dreifaltigkeit zeigt. Das auf einer Rundsäule über einem Postament stehende Sandsteindenkmal stammt aus dem 18. Jahrhundert.Bildstock. (D-6-78-175-9), Bayerischer Denkmal-Atlas, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Nördlich des zum Verbund der Pfarreiengemeinschaft Luisenhöhe gehörenden katholischen Kindergartens St. Michael tritt der Bach wieder an die Oberfläche, zieht weiter durch einen schmalen Grünlandstreifen und unterquert anschließend die Zufahrtsstraße Schloßgarten. Danach verläuft er nördlich am ehemaligen Schüttboden des 1241 erstmals erwähnten und 1838 größtenteils abgebrochenen Schlosses vorbei, an dessen Stelle 1853 eine Brauerei mit einem massiven Staffelgiebelbau, Satteldach und Kelterhaus errichtet wurde.Schüttboden. (D-6-78-175-14), Bayerischer Denkmal-Atlas.Schloss Schwanfeld. Etwas bachabwärts betrieb er einst die Obere Mühle, die östlich eines mittlerweile verschwundenen Mühlgrabens lag.Obere Mühle, Uraufnahme (1808–1864). Rund 200 Meter südlich davon liegen Überreste einer Siedlung mit Körpergräbern der Linearbandkeramik, der Bernburger Kultur und der Hallstattzeit sowie eines mittelneolithischen Grabenwerks.Siedlung und Körpergräber der Linearbandkeramik, Siedlung des Mittelneolithikums, der Bernburger Kultur und der Hallstattzeit sowie Grabenwerk des Mittelneolithikums. (D-6-6026-0031), Bayerischer Denkmal-Atlas.
Am Südrand des Ortes verläuft der Bach am Südfuße des Reiterbergs in einem Bogen ostwärts zwischen den Häusern und Gärten der Kembachstraße auf seiner linken Seite und dem von Feldern und Obstbaumschulen gesäumten Kembachweg auf der rechten. Die hoch ertragsreichen BödenNatürliche Ertragsfähigkeit landwirtschaftlich genutzter Böden 1:25.000 setzen sich stellenweise fast ausschließlich aus Pararendzina mit Carbonatschluff, andernorts überwiegend aus Parabraunerde zusammen.Übersichtsbodenkarte 1:25.000 Im weiteren Verlauf nimmt der Bach allmählich einen südöstlichen Kurs an. Der Bach erreicht den Südostrand von Schwanfeld, wo sich die Reste einer Siedlung der Linearbandkeramik und der Michelsberger Kultur befinden.Siedlung der Linearbandkeramik und der Michelsberger Kultur. (D-6-6026-0025), Bayerischer Denkmal-Atlas. Er zieht anschließend nördlich am in der Flur WeihersbrunnWeihersbrunn, Uraufnahme (1808–1864). liegenden Klärwerk vorbei, in dem die Abwässer aus dem Gemeindegebiet Schwanfeld mechanisch und biologisch gereinigt werden.AWA Schwanfeld – KA Schwanfeld Dort mündet von Südwesten ein etwa 1,5 Kilometer langer, nur intermittierend wasserführender, namenloser Bach, der aus dem Diemenstal heranfließt.
Der Kembach folgt nun südostwärts einem Tal zwischen dem von Feldern bedeckten Hochberg im Süden und dem hohen Mühlberg im Norden. Dessen Kuppe wird ebenfalls ackerbaulich genutzt, während an den südexponierten, mäßig steilen Talhängen der Lage Mühlberg, die zur Großlage Volkacher Kirchberg gehört, vorwiegend Weinreben der Weißweinsorten Müller-Thurgau und Silvaner wachsen. In den dazwischenliegenden Bereichen finden sich alte, aufgelassene Nutzflächen wie Weiden, Streuobstwiesen sowie Magerwiesen mit Salbei-Glatthaferbeständen, die inzwischen fast vollständig von Gebüschen aus Schlehe, Rosen und Hartriegel überwachsen sind.Biotopsteckbrief: Biotop 6026-0096: Kumbach-/Mühlbachtalhänge.
Die dortige Talfüllung setzt sich polygenetisch aus pleistozänen bis holozänen Lehmsedimenten oder sandigen Ablagerungen zusammen, die teilweise kiesig geprägt sind. Darüber liegen vorherrschend kalkhaltige Böden vom Typ Gley- und Kalkgley-Kolluvisol. Die Hänge bestehen aus Unteren Tonstein-Gelbkalk-Schichten der Erfurt-Formation, welche dem Unteren Keuper der Mitteltrias zugeordnet werden. Diese Formation zeichnet sich durch eine wechselnde Lagerung von Ton- und Mergelsteinen aus, die stellenweise dolomitisch geprägt sind und farblich von grau über blaugrau bis grünlich variieren. Zusätzlich treten dicht gelbgraue Dolomitsteine sowie schluffig-feinkörnige, gebankte bis plattige Sandsteine in grüngrauen bis gelbbraunen Farbtönen auf. Die Böden der Hänge bestehen fast ausschließlich aus Pararendzinen.Digitale Geologische Karte 1:25.000 und Übersichtsbodenkarte 1:25.000.
Kurz vor der Gehringsmühle zweigt rechts ein Mühlkanal ab. Dort befindet sich ein Bildstock mit einem rocaillegerahmten Reliefaufsatz, der von einem Eisenkreuz gekrönt wird und eine Darstellung der Dreifaltigkeit zeigt; auf der Rückseite ist eine Pietà zu sehen. Der Bildstock steht auf einem Vierkantschaft über einem Tischsockel mit Inschriftenkartusche, aus Sandstein und datiert auf das Jahr 1778.Bildstock. (D-6-78-175-28), Bayerischer Denkmal-Atlas. Etwas weiter spaltet sich auf derselben Seite ein weiterer Graben ab, an dem die Mühle lag, die über zwei Mahlgänge verfügte.Gehringsmühle, Uraufnahme (1808–1864). Seit 2007 dreht sich an dieser alten Mühle wieder ein Mühlrad. Das letzte wurde 1933 durch eine Turbine ersetzt. 1985 wurde die historische Mühle, die erstmals 1251 urkundlich erwähnt wurde, stillgelegt. 2003 erfolgte eine Renovierung, bei der die Mühle wieder in Betrieb genommen wurde und seither nicht mehr der Kornmahlung, sondern der Stromerzeugung dient.Logisch nicht nachvollziehbar, Main-Post, 31. Januar 2005 Südlich der Mühle wurden die Relikte einer Siedlung der Linearbandkeramik, des Mittelneolithikums und der frühen Latènezeit entdeckt.Siedlung der Linearbandkeramik, des Mittelneolithikums und der frühen Latènezeit. (D-6-6026-0036), Bayerischer Denkmal-Atlas.
Nach gut 100 Metern vereinigt sich der Bach, der dort streckenweise auch Mühlbach genannt wird,Mühlbach, Topographische Karte, 1:25000, Blattname: Werneck 6026, 1982. wieder mit dem Mühlgraben. Etwas weiter östlich steht auf seiner linken Seite das Sportzentrum des Schützenvereins SV 1969 Schwanfeld. Er kreuzt dann einen Feldweg und wird anschließend von rechts von einem fast 700 Meter langen, ganzjährig wasserführenden, namenlosen Feldgraben gespeist, der südlich des Hochbergs entspringt und ihm aus südwestlicher Richtung zufließt. Östlich davon liegt am nordexponierten, mittelsteilen Talhang ein kleiner Eichen-Hainbuchenwald, an dessen Fuß der Bach ohne Begleitgehölz in östlicher Richtung entlangläuft. Stiel- und Traubeneiche dominieren die Kronenschicht, Wildkirsche ist ebenfalls häufig. Hainbuche und Feldahorn bilden die zweite Baumschicht. Die lichte Strauchschicht besteht vorwiegend aus Holunder, Weißdorn und Hasel, stellenweise ist Totholz vorhanden. An den Rändern ziehen sich Schlehen-, Rosen- und Hartriegelstreifen entlang.Biotopsteckbrief: Biotop 6026-0098: Hangwald zum Mühlbach. Knapp 200 Meter später wechselt der Kembach von Schwanfeld in das Gebiet der Gemeinde Wipfeld.
Unmittelbar nach der Grenze zweigt ein weiterer Mühlgraben ab. Der Bach verläuft, begleitet auf seiner linken Seite vom Wirtschaftsweg Mühlengrund, ostnordostwärts am Nordrand eines Mischwaldes durch ertragreiche Ackerflächen entlang des Südhangs des Weinbergs. Nach etwa 400 Metern fließt er an einer Pietà vorbei, einem Vesperbild auf Sockel mit Inschriftenkartusche, aus Sandstein im Rokokostil, entstanden in der zweiten Hälfte des 18. JahrhundertsPietà. (D-6-78-196-29), Bayerischer Denkmal-Atlas., und erreicht dann die auf der rechten Bachseite gelegene Holzmühle, auch Zentgrafenmühle genannt.Zentgrafen Mühle, Karte des Deutschen Reiches 1:100000, Blattname Würzburg 530, 1890 Sie bestand aus einem Wohnhaus mit zwei Mühlgängen, einer geschlossenen Hofrieth, einer Scheuer sowie weiteren Nebengebäuden.Holzmühle, Uraufnahme (1808–1864). Danach setzt er seinen Lauf zum Westrand des Pfarrdorfs Wipfeld fort. Am linken Talhang, auf Höhe der in der Talaue gelegenen Kleingärten, liegen eine Streuobstwiese mit Quellaustritt, Hecken und eine Obstwiesenbrache. Die Hecken aus Schlehe, Rose und Weißdorn mit Zwetschgenaufwuchs säumen den Hangfuß. Die Streuobstwiese weist magere Salbei-Glatthafer-Bestände auf, während in der aufgegebenen Obstwiese Obstgehölze und Schlehen in glatthaferreiche Altgrasrasen einwachsen.Biotopsteckbrief: Biotop 6027-0074: Kembach-Talhang am westlichen Ortsrand von Wipfeld Auf der anderen Bachseite erstreckt sich dort ein Wochenend- und Ferienhausgebiet. Ungefähr in diesem Bereich wechselt der Bach in das Obereisenheim-Wipfelder Maintal.