Die Chronik des Kriegs in Nahost, Juni und Juli 2025 dokumentiert die Entwicklungen seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 1. Juni bis zum 31. Juli 2025. Für den zeitlichen Ablauf des kompletten israelisch-palästinensischen Konflikts siehe Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts.
Juni 2025 2. Juni Der UN-Generalsekretär forderte eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse des Vortags in der Nähe eines Zentrums für die Verteilung von Hilfsgütern im Gazastreifen. Berichtet wurde, dass israelische Streitkräfte Feuer auf Menschen eröffnet hätten, die Hilfsgüter abholen wollten. Das Rote Kreuz teilte mit, dass sein Krankenhaus 179 Verletzte aufgenommen hätte, darunter 21 Tote. Die von der Hamas geleitete Zivilschutzbehörde bezifferte die Zahl der Toten auf 31. Das israelische Militär bestritt, dass seine Truppen auf Zivilisten in der Nähe oder innerhalb des Geländes geschossen hätten, und sagte, entsprechende Berichte seien falsch. Später erklärte ein Sprecher, es seien Warnschüsse abgefeuert worden. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, warf großen Nachrichtenorganisationen wie der New York Times, CNN und Associated Press eine „rücksichtslose und unverantwortliche Berichterstattung“ in dieser Angelegenheit vor, die Antisemitismus fördere. Der UN-Menschenrechtsbeauftragte Volker Türk erklärte gegenüber der BBC, die Art und Weise, wie humanitäre Hilfe in Gaza geleistet werde, sei „inakzeptabel“ und „entmenschlichend“.
3. Juni Die umstritteneSean Ogden: The Latest Gaza Aid Scam, WhoWhatWhy, 28. Mai 2025., von den USA unterstützte Gaza Humanitarian Foundation (GHF) gab bekannt, dass sie ihre Bereitstellung von Hilfslieferungen im Gazastreifen vorübergehend einstellen würde, nachdem Dutzende von Palästinensern bei dem Versuch, Zugang zu ihren Verteilungszentren zu erhalten, getötet wurden.
4. Juni Mirjana Spoljaric Egger, die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, erklärte gegenüber der BBC, der Gazastreifen sei schlimmer als die Hölle auf Erden. Die Menschheit versage, wenn sie einfach nur zusehe, wie ein Volk völlig seiner Menschenwürde beraubt werde. Die Taten der Hamas und anderer palästinensischer Gruppen am 7. Oktober 2023 seien keine Rechtfertigung für die Missachtung oder Aushöhlung der Genfer Konventionen, die einem Kind in Gaza genau den gleichen Schutz gewähren wie einem Kind in Israel. Die internationale Gemeinschaft müsse mehr tun, um den Krieg zu einem Abschluss zu bringen, das Leiden der Palästinenser zu beenden und die Freilassung der israelischen Geiseln zu erwirken.
Die USA blockierten mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat eine Forderung nach einer „sofortigen, bedingungslosen und dauerhaften Waffenruhe“ im Gazastreifen. Die übrigen 14 Ratsmitglieder, darunter die ständigen Mitglieder Frankreich, England, Russland und China, stimmten für den Resolutionsentwurf, mit dem auch ein ungehinderter Zugang für Hilfsgüter sichergestellt werden sollte.
5. Juni Premierminister Netanjahu bestätigte Behauptungen des ehemaligen israelischen Verteidigungsministers Avigdor Lieberman, dass Israel Waffen an Clans in Gaza geliefert habe.The Israeli Army Is Allowing Gangs in Gaza to Loot Aid Trucks and Extort Protection Fees From Drivers, Haaretz, 11. November 2024.Netanyahu confirms arming Gazan clans, The Times of Israel, 5. Juni 2025.Israel Armed Palestinian Militia to Fight Hamas, Officials Say. Prime Minister Benjamin Netanyahu acknowledged only that Israel had been working with “clans”. But the opposition leader warned that the “weapons going into Gaza will eventually be pointed at Israeli soldiers and civilians”., The New York Times 5. Juni 2025. Die Abu-Shabab-Gruppe hatte online bekannt gegeben, dass ihre Miliz beim Schutz von Lieferungen an von den USA und Israel unterstützte Verteilungszentren der umstrittenen Gaza Humanitarian Foundation (GHF) helfe; internationale Hilfsorganisationen behaupteten indessen, die israelischen Streitkräfte würden es bewaffneten Palästinensern erlauben, Hilfskonvois zu plündern und Schutzgelder von Fahrern zu erpressen.Yasser Abu Shabab: Gaza’s New Strongman Or Israel’s Proxy?, NDTV, 5. Juni 2025.
6. Juni Nach israelischem Beschuss bei den Verteilzentren setzte die von Israel und den USA unterstützte Gaza Humanitarian Foundation die Verteilung von Hilfsgütern aus. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, zu ihrer eigenen Sicherheit den Verteilzentren fernzubleiben.
9. Juni Die israelische Marine stoppte etwa 200 Kilometer vor der Küste von Gaza das Segelschiff Madleen und eskortierte es in den Hafen Aschdod. Die Madleen wollte Hilfsgüter wie Babynahrung und medizinische Güter in den Gazastreifen bringen. Zudem sollte die internationale Aufmerksamkeit auf die humanitäre Lage in Gaza gelenkt werden. An Bord befanden sich Greta Thunberg und elf andere Passagiere, darunter Yasemin Acar aus Deutschland sowie die französische EU-Parlamentarierin Rima Hassan. Das Bündnis Freedom Flotilla Coalition forderte die sofortige Freilassung aller Verhafteten und die Rückgabe der Hilfsgüter. Am 2. Mai war ein anderes Schiff der Gruppe vor Malta in Brand geraten, nachdem es laut Angaben der Gruppe von israelischen Drohnen angegriffen worden war.
US-Präsident Donald Trump erklärte im Weißen Haus nach seiner Rückkehr aus Camp David, die Islamische Republik Iran sei jetzt an den Verhandlungen über den Gazastreifen beteiligt, gemeinsam mit den USA, Israel und der palästinensischen Hamas.
10. Juni Mit den 17 Todesfällen an diesem Morgen stieg die Zahl der Palästinenser, die nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden seit der Eröffnung der GHF-Zentren bei dem Versuch, Lebensmittel zu erhalten, getötet wurden, auf 144.Israeli troops kill 17, say Gaza officials, as UN experts decry ‘obliteration’ of education. In: The Guardian, 10. Juni 2025.
Die Länder Großbritannien, Australien, Kanada, Neuseeland und Norwegen verhängten Sanktionen gegen die israelischen Minister Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir. Grund waren deren radikale Äußerungen. Sie hätten „zu extremistischer Gewalt und schwerwiegenden Verstößen gegen die palästinensischen Menschenrechte angestiftet“.
Die israelische Marine griff erstmals den Hafen von al-Hudaida im Jemen mit Schiffen bzw. Raketen, die von Schiffen gestartet wurden, an.
Greta Thunberg und drei weitere Aktivisten wurden aus Israel abgeschoben. Acht Aktivisten blieben in Haft, da sie sich weigerten, Ausweisungsdokumente zu unterzeichnen. In Haft ist auch eine Deutsche.
11. Juni Bei neuen israelischen Angriffen im Gazastreifen wurden örtlichen Gesundheitsbehörden zufolge mindestens 35 Palästinenser getötet, die meisten davon an einer Lebensmittel-Ausgabestelle der von den USA unterstützten Gaza Humanitarian Foundation (GHF). Dort seien mindestens 25 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden, teilten Mediziner mit. Auch am Tag zuvor waren angeblich 17 Menschen an einer anderen GHF-Hilfsstation getötet worden. Die israelische Armee erklärte dazu, es seien Warnschüsse in Richtung von „Verdächtigen“ abgegeben worden, die aufgrund ihrer Annäherung an die Truppen eine Bedrohung dargestellt hätten.
Die USA forderten andere Länder auf, von einer Teilnahme an der bevorstehenden UN-Konferenz zur Zweistaatenlösung abzusehen. Alle Länder, die nach einer solchen Teilnahme „anti-israelische Maßnahmen“ ergriffen, würden sich damit gegen die außenpolitischen Interessen der USA stellen und müssten mit diplomatischen Konsequenzen rechnen. „Die Vereinigten Staaten lehnen alle Schritte ab, die zu einer einseitigen Anerkennung eines mutmaßlichen palästinensischen Staates führen würden, da dies erhebliche rechtliche und politische Hindernisse für eine letztendliche Lösung des Konflikts mit sich bringen würde und Israel im Falle eines Krieges unter Druck setzen und damit seine Feinde unterstützen könnte“, ließen die USA verlauten.
Israel meldete, seine Truppen hätten im Gazastreifen die sterblichen Überreste von zwei weiteren Geiseln geborgen.
13. Juni
Israel griff in den frühen Morgenstunden Dutzende Ziele in Iran an, darunter nukleare Anlagen. Nach Angaben von vier hochrangigen iranischen Beamten griff Israel mindestens sechs Militärstützpunkte rund um die Hauptstadt Teheran sowie Wohnhäuser in zwei hochgesicherten Komplexen für Militärkommandeure und mehrere Wohngebäude rund um Teheran an. Mohammad Bagheri, Chef des Stabes der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran, wurde nach Angaben des israelischen Militärs und iranischer Medien getötet, ebenso wie andere hochrangige Sicherheitsbeamte. Das israelische Militär erklärte, es habe die wichtigste iranische Urananreicherungsanlage in Natanz angegriffen und dabei einen unterirdischen Komplex mit Zentrifugen getroffen. Rafael Grossi, der Leiter der Internationalen Atomenergie-Organisation, sagte, es gebe bislang keine Hinweise auf Angriffe auf zwei andere wichtige iranische Atomanlagen, die unterirdische Atomanlage Fordo und die Kernbrennstoffanlage in Isfahan. Premierminister Netanjahu bezeichnete die nächtlichen Militärschläge lediglich als „Eröffnungsschlag“, die Operation werde „so viele Tage andauern, wie es braucht“. US-Außenminister Marco Rubio betonte, die Vereinigten Staaten seien nicht an den Angriffen beteiligt gewesen. Die israelische Regierung rechtfertigte die Angriffe mit einer „existentiellen Bedrohung“ durch das iranische Atomprogramm. Iran reagierte mit zahlreichen Drohnenangriffen, bezeichnete die israelischen Angriffe als „Kriegserklärung“ und rief den UN-Sicherheitsrat auf, einzuschreiten.
US-Präsident Donald Trump forderte Iran auf, ein Abkommen über sein Atomprogramm zu schließen, sonst würden noch brutalere Angriffe folgen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump: „Ich habe dem Iran eine Chance nach der anderen gegeben, einen Deal zu machen. […] Ich habe ihnen gesagt, dass es viel schlimmer kommen würde als alles, was sie kennen, vorhersahen oder gehört hätten, dass die USA die besten und tödlichsten Militärausrüstungen der Welt herstellen, BEI WEITEM, und dass Israel eine Menge davon hat und noch viel mehr haben wird – Und weiß, wie man sie anwendet. Einige iranische Hardliner sprachen tapfer, aber sie wussten nicht, was passieren würde. Sie sind jetzt alle TOT, und es wird nur noch schlimmer werden! Es hat bereits viel Tod und Zerstörung gegeben, aber es ist noch Zeit, diesem Gemetzel ein Ende zu setzen, wobei die nächsten bereits geplanten Angriffe noch brutaler ausfallen werden. Der Iran muss ein Abkommen schließen, bevor nichts mehr übrig ist, und das retten, was einmal als das iranische Reich bekannt war. Kein weiterer Tod, keine weitere Zerstörung, MACHT ES JETZT EINFACH, EHE ES ZU SPÄT IST. Gott segne euch alle!“
Die Türkei, Oman, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate verurteilten den israelischen Angriff. Rafael Grossi, der Leiter der Internationalen Atomenergie-Organisation, betonte, Atomanlagen dürften „niemals angegriffen werden“, da „jede Militäraktion, welche die Sicherheit von Atomanlagen gefährdet, schwerwiegende Folgen für die Menschen im Iran, in der Region und darüber hinaus“ haben würde. Staatsführer aus aller Welt riefen Israel und Iran zur Mäßigung und Zurückhaltung auf.
Am Abend wurden weitere Angriffe in Iran gemeldet, darunter auch Explosionen in Nähe der iranischen Atomanlage Fordo und des Nukleartechnologiezentrums Isfahan. Iran verkündete den Start eines Gegenangriffs auf Israel, es seien „Hunderte ballistische Raketen“ abgefeuert worden. In Tel Aviv und Jerusalem waren Explosionen zu hören, israelische Rettungsdienste meldeten mehrere Einschläge und Leichtverletzte. Iranische Behörden meldeten 80 tote Zivilisten und 300 Verletzte.
14. Juni