mini|Blick auf die Wallfahrtskirche Mariaschein Die römisch-katholische Wallfahrtskirche Mariaschein (genauer Basilika Unsere Liebe Frau von den Sieben Schmerzen in Mariaschein) (tschech. Bazilika Panny Marie Bolestné v Bohosudově) mit dem Kreuzgang und ihren sieben Kapellen und der ehemaligen Jesuitenresidenz steht am Marienplatz (Mariánské náměstí) in Bohosudov (Mariaschein), einem Stadtteil von Krupka im Okres Teplice, Tschechien. Sie ist eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen und Marienheiligtümer in Nordböhmen und wurde 1924 zur Basilica minor erhoben.
Eine Wallfahrtskapelle bestand hier seit dem 15. Jahrhundert. Unter den Jesuiten, die hier seit 1592 mit Unterbrechungen wirkten, erlebte Mariaschein im 18. Jahrhundert seine größte Blüte und entwickelte sich zu einem Wallfahrtsort von überregionaler Bedeutung. Mit ihrem Kreuzgang aus dem 17. Jahrhundert und der Barockkirche, die von 1701 bis 1708 durch die Baumeister Giulio Broggio (1628–1718) und Octavio Broggio (1670–1742) errichtet wurde, ist sie noch heute eine Anlage von großer Bedeutung. Michael Hoffmann: Mariaschein - Bohosudov: ein Wallfahrtsort im Dornröschenschlaf, Leipzig, 2001, 112 S. (abgerufen am 13. August 2025) Bedeutender europäischer barocker Wallfahrtsort Bohosudov (tschech.) (abgerufen am 13. August 2025)
Seit 1964 steht die Kirche unter Denkmalschutz und wurde 2018 zum nationalen Kulturdenkmal der Tschechischen Republik erklärt. Da die ersten Wallfahrten nach Mariaschein vermutlich um das Jahr 1425 erfolgten, wurde 2025 das 600-jährige Bestehen dieser Wallfahrtstradition begangen. 600 Jahre Wallfahrt zur Basilika minor „Unsere Liebe Frau von den Sieben Schmerzen“ in Mariaschein (Bohosudov) (abgerufen am 13. August 2025)
Geschichte und Wallfahrtstradition mini|hochkant|Darstellung der Legende über die Entstehung von Mariaschein (um 1850) Nach der Legende soll ein Mädchen beim Grasmähen im Jahr 1425 eine Marienstatue in einem Lindenbaum gefunden haben. Daraufhin soll eine Prozession von Graupen zur Linde durchgeführt und die Statue in die Pfarrkirche von Graupen überführt worden sein. Mariaschein und die Wallfahrtstradition (abgerufen am 13. August 2025) Karel Prošek: 600 let Šejnova / 600 Jahre Scheune – Mariaschein: 1425–2025 (abgerufen am 13. August 2025)
Einige Zeit nach der Schlacht bei Aussig im Jahr 1426 soll in der Nähe vom Gut Schein (bzw. Scheune) eine Kapelle zum Gedenken an die gefallenen Ritter und zu Ehren der Schmerzhaften Jungfrau Maria (auch „Maria im Elende“ genannt) errichtet worden sein. Die Statue könnte aber auch von Nonnen aus dem Kloster Schwaz auf der Flucht versteckt worden sein. Jaroslav Macek: 950 let litoměřické kapituly (950 Jahre Leitmeritzer Domkapitel) (tschech.), Karmelitánské nakladatelství, Kostelní Vydří 1997, ISBN 978-80-7195-121-6, S. 239–242 Die ursprüngliche Kapelle ließ Albrecht von Kolowrat (1463–1510) ab 1507 in eine Wallfahrtskirche umbauen, die im Jahr 1515 geweiht wurde.
Die Kirche in Mariaschein blieb während der gesamten Reformation katholisch und unterstützte die örtlichen Katholiken im Kampf gegen den Protestantismus. Bald kamen aber auch Wallfahrer aus größerer Entfernung hierher, z. B. aus dem Schluckenauer Zipfel und der Lausitz sowie aus Zittau. Museum Varnsdorf: Typologie kleiner sakraler Denkmäler - Bohosudovská Pieta (abgerufen am 15. August 2025)
Zur Sicherung der Wallfahrten übergab Kaiser Rudolf II. 1584 das Franziskanerkloster in Graupen zusammen mit dieser Kirche dem streng katholischen Georg Popel von Lobkowicz (1551–1607). Dieser ließ die Kirche restaurieren und 1590 um die Kirche eine Mauer mit sieben Kapellen errichten. Im Jahr 1587 übergab er die Kirche den Jesuiten des Prager Clementinums, die 1590 ein Jesuitenkolleg in Komotau gründeten. Wallfahrtsort Mariaschein (abgerufen am 13. August 2025) Literae annuae Bohosudov (abgerufen am 13. August 2025)
Im Rahmen der Gegenreformation nahm die Zahl der Pilger ständig zu. Bereits 1615 gewährte Papst Paul V. allen Pilgern zur Jungfrau Maria von Mariaschein einen vollkommenen Ablass für einen Zeitraum von sieben Jahren. Nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges wurde diese Entwicklung unterbrochen, als die Jesuiten 1618 aus Böhmen vertrieben wurden und auch das Komotauer Jesuitenkolleg verlassen mussten. Die Gnadenstatue wurde nun an verschiedenen Orten versteckt, zuerst in Dux von 1618 bis 1624, danach von 1631 bis 1635 in Prag und 1639/40 und von 1642 bis 1651 in Komotau. Danach kehrte das Gnadenbild dauerhaft nach Mariaschein zurück.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges erhielten die Jesuiten von Mariaschein durch das Testament der Anna Maria von Bleileben ein bedeutendes Erbe. Entstehung von Mariaschein (Bohosudov) und seine Wallfahrtstradition (abgerufen am 13. August 2025) Das Kloster Mariaschein bei Teplitz in Böhmen in Der Wegweiser Volksblatt für Ober- und Niederlausitz, 1841, Nr. 20, S. 312–316 (abgerufen am 13. August 2025) Dadurch konnten zahlreiche Bauten, letztendlich auch die barocke Wallfahrtskirche, neu errichtet werden und der Wallfahrtsort nahm einen bedeutenden Aufschwung. Ab 1665 setzte sich die Bezeichnung Maria-Schein für den Wallfahrtsort durch. Auch die Bischöfe der 1655 neu errichteten Diözese Leitmeritz Maximilian Rudolf von Schleinitz (1606–1675) und Jaroslaw Ignaz von Sternberg (1641–1709) wurden großzügige Förderer und Beschützer von Mariaschein. Durch den starken Zustrom an Pilgern musste eine neue größere Kirche erbaut werden. Der Grundstein wurde am 3. Juli 1701 gelegt und am 1. September 1706 wurde die neue Kirche feierlich geweiht. Die Bauarbeiten wurden fortgesetzt und 1722 konnte der ovale Kreuzgang (Ambit) mit sieben Kapellen fertiggestellt werden. Im Jahr 1720 erreichten die Wallfahrten mit über 100.000 Pilgern ihren Höhepunkt. Während der folgenden Kriege musste die Statue vier weitere Male versteckt werden, u. a. nach Prag (1706), nach Komotau (1756) und nach Leitmeritz (1756 und 1779). Alois Kroess: Die Residenz der Gesellschaft Jesu und der Wallfahrtsort Mariaschein in Böhmen; Warnsdorf, 1894
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 und insbesondere nach 1782, als Kaiser Joseph II. alle Wallfahrten und Prozessionen verboten hatte, konnte die Wallfahrtstradition durch den Leitmeritzer Bischof Ferdinand Kindermann von Schulstein (1740–1801) aufrechterhalten werden, indem er 1786 Mariaschein in eine eigenständige Expositur bzw. Lokalie umwandelte, die 1798 zur Propstei erhoben wurde. Im Jahr 1853 kehrten die Jesuiten nach Mariaschein zurück und blieben dort bis 1950, als sie im Rahmen der Aktion K vom kommunistischen Regime interniert wurden.
Die Stadt Ústí nad Labem (Aussig) hat als nächstgelegene größere Stadt immer eine besondere Bedeutung für Mariaschein gehabt und die Prozessionen sind bis 1939 wohl nie wirklich abgerissen. Die Stadt hatte ab 1672 das verbriefte Recht am Hauptfest der Kirche, Mariä Geburt am 8. September, das erste Hochamt zu feiern. Starke Verbindungen gab es seit dem 18. Jahrhundert auch zu den katholischen Wettinern am sächsischen Fürstenhof in Dresden, die ebenfalls zu Wallfahrten hierher kamen. Außerdem wurden hier auch die jungen Sängerknaben für die Dresdner Kapellknaben rekrutiert, die seit 1709 unter dem böhmischen Instruktor Jan Dismas Zelenka in der Dresdner Hofkirche bei Gottesdiensten mitwirkten. Vor der Eröffnung des Alten Katholischen Friedhofs in Dresden wurden auch zahlreiche katholische Adlige hier in Mariaschein beigesetzt, z. B. Caterina di Balbiano und Claude Pierre de St. Paul.
Bis zur Errichtung der Wallfahrtskirche Maria-Hilf-Basilika in Philippsdorf in den 1880er Jahren war Mariaschein das meistbesuchte Marienheiligtum in der Diözese Leitmeritz. Zum 500. Jahrestag der Gründung des Wallfahrtsortes Mariaschein im Jahr 1925 wurde ein Marianischer Kongress abgehalten. Zuvor hatte Papst Pius XI. (1857–1939) im Jahr 1924 die Wallfahrtskirche zur Basilika Minor erhoben. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 waren die Wallfahrten verboten worden, die dann erst nach der Samtenen Revolution in den 1990er Jahren wieder aufgenommen wurden. Auch im 21. Jahrhundert erfreuen sich die Wallfahrten zu diesem Ort wieder großer Beliebtheit, so kommen jährlich etwa 500 Sorben aus der benachbarten Lausitz zu einem gemeinsamen Treffen hierher. Die Hauptwallfahrtstage sind der Sonntag nach Mariä Geburt (8. September) und nach Mariä Schmerzen (15. September) sowie zu Mariä Himmelfahrt (15. August).
Architektur Außenfassade mini|Oberer Teil der Westfassade der Basilika mini|Eingangsportal der Basilika an der Westfassade Der Vorgängerbau der Wallfahrtskirche wurde 1702 abgerissen. Die heutige Kirche wurde von 1701 bis 1708 von den Leitmeritzer Diözesanbaumeistern Giulio und Octavio Broggio im Stil einer barocken Jesuitenkirche errichtet. Ihre Länge beträgt 52 m und ihre Breite 25 m. Das Kirchengebäude ist rechteckig und mit zwei Türmen in der Westfassade sowie einem halbrunden Presbyterium ausgestattet. Sie hat einen rechteckigen Grundriss mit nur einem Längsschiff, das an jeder Seite drei Seitenkapellen jeweils mit einem Altar besitzt. Die Kirche verfügt über zwei Sakristeien, die auf der Seite der Kanzel (links) war ursprünglich für die Weltpriester und die auf der anderen Seite für die Jesuiten bestimmt.
Die Fassaden der Basilika sind mit Pilastern versehen und durch Lisenen gegliedert. Die Fenster sind halbrund und rechteckig, mit Segmentgiebeln versehen. Die Fassaden der Kirche weisen eine reiche plastische Dekoration auf, die im Jahr 1705 von Franz Tollinger (1656–1719) ausgeführt wurde. An der nördlichen Seitenwand befinden sich die Statuen der hl. Anna, des hl. Titus, des hl. Josef und des hl. Adalbert, an der südlichen Seitenwand sind es die Stauen der böhmischen Heiligen hl. Ludmilla, hl. Wenzel, hl. Johann von Nepomuk und hl. Prokop.
Die Westfassade wird im Zwischengeschoss mit Pilastern gegliedert. Über dem Eingangsportal mit dem Spruch „Hanc Ӕdembv Perdolentis Pius PP XI. Ad MCMXXIV Evexit In Basilicam“ (Dieses Gebäude des Schmerzes wurde von Papst Pius XI. im Jahr 1924 in den Rang einer Basilika minor erhoben) befindet sich zwischen einem gesprengten Giebel in einer Nische eine vergrößerte Darstellung des Gnadenbildes (eine Pietà-Skulptur) umrahmt von freistehenden Engelsstatuen. Links und rechts neben dem Eingang stehen in Nischen die Statuen der Jesuitenheiligen Franz Xaver und Ignatius von Loyola. Im oberen Dreiecksgiebel strahlt in den Wolken das Christusmonogramm IHS als besonderes Zeichen der Jesuiten mit ihrem Wahlspruch: „Ad maiorem Dei gloriam“ (Zur größeren Ehre Gottes). Links und rechts davon stehen die Statuen der Apostel Petrus und Apostel Paulus.
Innenraum und Ausstattung Über dem Kirchenschiff befindet sich ein Tonnengewölbe, das mit Lünetten versehen ist. Der Innenraum ist zur Abgrenzung der Seitenkapellen durch Pilaster gegliedert.
Hauptaltar mini|hochkant|Kirchenschiff mit dem Hauptaltar der Basilika in Mariaschein (Bohosudov) mini|hochkant|St. Ignatius-Kapelle und Kanzel der Basilika Der Hauptaltar ist mit einem 21 m hohen Baldachin versehen, der von vier spiralförmigen Säulen mit Girlanden getragen wird und offensichtlich in Anlehnung an den Papstaltar des Petersdoms in Rom entstanden ist. Er wurde zwischen 1707 und 1714 von Franz Tollinger (1656–1719) gestaltet. Der Baldachin besitzt eine Ornamentik mit Lindenblättern, die an die Linde erinnern soll, in der das Gnadenbild einst gefunden wurde. Unter dem Baldachin, der mit einer Christusfigur auf der Weltkugel endet, befindet sich die besondere Form eines doppelseitigen Altars mit Heiligenfiguren in Nischen und am Gesims. Sein Zentrum bildet das in einem kupfernen Schrein stehende kleine Gnadenbild von etwa 15 cm Größe aus gebranntem Ton. Es zeigt die sitzende, schmerzerfüllte Jungfrau Maria, die den toten Christus auf ihrem Schoß hält.