mini|Das ehemalige Schloss Liancourt, Gesamtansicht im 18. Jahrhundert Das Schloss Liancourt, ab dem 18. Jahrhundert Schloss La Rochefoucauld, war ein Schloss in der Gemeinde Liancourt im Département Oise in der Region Hauts-de-France in Frankreich. Es ist zu unterscheiden vom wesentlich älteren Schloss La Rochefoucauld in der Charente, dem ursprünglichen Sitz der Familie La Rochefoucauld. Heute sind nur noch die Nebengebäude des Schlosses erhalten, die seit dem 3. Dezember 1930 unter Denkmalschutz stehen.

Geschichte Die ersten beiden Schlösser Das Schloss Jean du Plessis‘ Die Ländereien von Liancourt lagen im Tal der Brèche, auf halbem Weg zwischen Creil und Clermont, und waren auf mehrere Lehen aufgeteilt. Vom 12. bis zum 14. Jahrhundert trugen verschiedene Herren, darunter Mitglieder der mächtigen Familie Cressonsacq, den Namen Liancourt, ohne dass man weiß, ob sie damit den Namen der Gemeinde oder eines bestimmten Landesbesitzes meinten.

Fest steht jedoch, dass Jean I. de Popincourt, Erster Präsident des Parlements von Paris, Ende des 14. Jahrhunderts bei seiner Heirat mit Claude de Cressonsacq den Titel „Sire de Liancourt“ annahm. Wahrscheinlich erhielt er bei dieser Gelegenheit das bescheidene Herrenhaus (8,40 m × 6 m), das die Cressonsacq in Liancourt erbaut hatten und von dem 1796 noch Spuren zwischen der Rue du Vieux-Château und der Rue de Compiègne (der späteren Rue de l'École des arts et métiers) zu sehen waren. Es war zweifellos auf Initiative Popincourts, der 1403 starb, dass gleichzeitig mit dem Kirchenschiff der heutigen Kirche (der Kirche Saint-Martin) das erste Schloss Liancourt erbaut wurde.

Über dieses herrschaftliche Anwesen ist nicht viel bekannt, außer seinem Standort, der derselbe ist wie der der beiden Schlösser aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die es ersetzt haben, inmitten der sumpfigen Wiesen zwischen Brêche und Béronnelle. Eine Skizze, die angeblich nach zeitgenössischen Dokumenten angefertigt wurde, vermittelt ein wenig überzeugendes Bild davon: ein schwerfälliges Gebäude, umgeben von einem Wassergraben und umschlossen von mächtigen Mauern. Es handelt sich nicht um eine Burg, aber auch nicht um „une sorte de palais fortifié où toutes les richesses et les délicatesses de l'art cachent peu à peu les nudités des vieilles fortifications sous une décoration opulente“, - „eine Art befestigten Palast, in dem alle Reichtümer und Feinheiten der Kunst nach und nach die Nacktheit der alten Befestigungsanlagen unter einer opulenten Dekoration verbergen“, wie es Ernest Lavisse für die Schlösser des späten 14. Jahrhunderts definiert.Poussard, S. 3f

Im Jahr 1463 ging die Herrschaft über Liancourt durch die Heirat von Claude de Popincourt, der Urenkelin von Jean I. de Popincourt, an Jean du Plessis, Herr von Périgny, über, der Botschafter Ludwigs XI. in England und später Präsident des Parlaments war und 1494 starb.Charton, S. 433–436 Jean du Plessis und sein Sohn lebten in Liancourt, ohne besondere Spuren zu hinterlassen. Das Wappen seines Enkels Guillaume (1491–1550) und das dessen Frau Marie de Ternay sind auf dem Taufbecken aus dem Jahr 1533 in der Kirche von Liancourt zu sehen.

Guillaume du Plessis hingegen war ein brillanter Mann. Als Botschafter Heinrichs III. in der Schweiz und später als Maître des Eaux et Forêts (Oberaufseher der Wasser- und Forstwirtschaft) der Grafschaft Clermont wurde er beauftragt, das Gewohnheitsrecht von Beauvaisis aus dem Jahr 1283 zu reformieren, das später zur Grundlage aller Rechtsvorschriften des Königreichs wurde. Zu Les coutumes du Beauvaisis siehe Actes du colloque international organisé en 1983 par le GEMOB zu Philippe de Beaumanoir et les Coutumes du Beauvaisis Sein ältester Sohn, Jean III. du Plessis, der 1544 Françoise d'Angennes, Dame de Rantigny, heiratete, wurde 1562 in der Schlacht bei Dreux getötet, als er in den protestantischen Reihen des Grand Condé stand.Poussard, S. 4

Das Schloss der Familie Charles du Plessis’ Der älteste Sohn von Jean III., Charles du Plessis-Liancourt (1545–1620), und seine Frau verliehen Liancourt eine neue Wendung. Charles heiratete 1594 Antoinette de Pons, Marquise de Montfort et de Guercheville. Seit 1586 Witwe von Henri de Silly, Comte de La Roche-Guyon,Da der Sohn aus erster Ehe ohne Nachkommen starb, wurde Roger du Plessis, Sohn aus zweiter Ehe, 1625 Graf von La Roche-Guyon und 1643 Herzog von Liancourt war sie an einen sehr hohen Lebensstandard gewöhnt.

Sie fand sich mit der Strenge des alten Schlosses der Popincourt ab, wollte jedoch Umbauten und Erweiterungen vornehmen lassen, denen ihr Ehemann umso mehr zustimmte, als er selbst bereits 1590 mit einer Renovierung begonnen hatte. Er hatte die königlichen Paläste kennengelernt und ein respektables Vermögen angehäuft.

Der Protestant war ein Freund Heinrichs IV. und soll zu dessen Versöhnung mit seinem Schwager Heinrich III. beigetragen haben. Dafür wurde er mit dem Amt des premier escuyer des escuries du Roy (erster Knappe der königlichen Stallungen) belohnt- und er begleitete die königliche Kutsche, in der Heinrich IV. am 14. Mai 1610 ermordet wurde. Anschließend war er Gouverneur von Metz und dann von Paris (1616), eine glänzende Karriere, die gut zu der beträchtlichen Entwicklung passt, die das Schloss im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts erfahren hat.Poussard, S. 4

Charles war kein Sektierer, und die katholische Kirche widersetzte sich ihm nicht, als er ab 1578 er die Kirche von Liancourt renovieren ließ, deren Apsis und Querschiff umgebaut und um zwei Kapellen erweitert wurden. In einer dieser beiden Kapellen, der nördlichen, wurden er im Oktober 1620 und seine Frau 1632 beigesetzt. Sie ruhten dort unter einem Denkmal mit zwei Nischen, in denen zwei lebensgroße Statuen aus weißem Marmor standen, die sie kniend und betend darstellten. 1854 wurden diese Statuen in die Südkapelle umgesetzt, die über ähnliche Nischen verfügte, aber weniger feucht war. Ihr Blick, der bis dahin auf den Altar im Blick hatte, richtete sich nun auf die Kirchentür. Zu den Statuen von Charles du Plessis und Antoinette de Pons in Liancourt vgl. Pierrette Bonnet-Laborderie Recherche sur les tombeaux à priants encore existants dans l'Oise (Untersuchung zu den noch existierenden Grabkapellen im Departement Oise) in Bulletin du GEMOB Nr. 7 Glanes du Beauvaisis, 1979Poussard, S. 4/7

Es ist nicht bekannt, welcher Architekt mit den Umbauten beauftragt wurde, die Charles du Plessis und seine Frau 1610 an ihrem Anwesen vornehmen ließen. Laut Catherine Grodecki, Konservatorin im Zentralarchiv der Archives nationales, In einer Anmerkung im Anhang zum Werk „Le duc de la Rochefoucauld-Liancourt“ von J-D. de la Rochefoucauld, C. Wolikow und G. Ikni, erschienen bei Perrin 1980 (S. 368 ff.) die sich auf „Pariser Notariatsdokumente“ bezieht, wurden bei dem Umbau Pläne des Architekten Baptiste Androuet du Cerceau († 1602) herangezogen, was plausibel erscheint, da dessen Bruder Jacques II. Androuet du Cerceau und Neffe Salomon de Brosse, die wie Charles du Plessis Protestanten waren, nur wenige Kilometer entfernt wohnten und am Bau des Schlosses von Verneuil beteiligt waren, das Ähnlichkeiten mit dem Schloss von Liancourt aufweist.

Es ist erwiesen, dass das Schloss Jean de Popincourts in die neuen Gebäude integriert wurde. Es gibt aber keine Pläne oder Darstellungen des Schlosses, das Charles du Plessis nach seinem Tod hinterlassen hat – um sich ein Bild davon zu machen, muss man sich auf den Bericht stützen, den der junge Denis Godefroy im August 1637 seinem Vater Théodore Godefroy, dem Historiographen des Königs, während einer Frankreichreise am Ende seines Studiums vorgelegt hat.

Im Jahr 1637 hatte Roger du Plessis, Sohn und Erbe von Charles, noch keine größeren Arbeiten durchgeführt: Man kann also davon ausgehen, dass das Gebäude so erhalten blieb, wie es nach den 1610 begonnenen Bauarbeiten war. Denis Godefroy beschreibt ein Hauptgebäude (wahrscheinlich vom Schloss Popincourt übernommen), das „von zwei weiteren quadratischen Pavillons gleicher Bauart und Höhe gestützt wird“„soutenu de deux autres pavillons carrés de pareille fabrique de même hauteur“ und eine Seite eines quadratischen Hofes bildet, dessen „zwei gewölbte Galerien in Form von Arkaden“„deux galeries voûtées proprement en arcades“ zwei weitere Seiten bilden, während die vierte Seite teilweise vom „prächtigen Gebäude der Zugbrücke“„superbe bâtiment du pont-levis“ eingenommen wird. Das Ganze war von einem Wehrgraben, der unter der Zugbrücke trocken war, umgeben. „Unmittelbar über dem Torbogen befindet sich eine Kapelle in Form eines kleinen Pavillons“."Immédiatement au-dessus de la porte cochère, une chapelle en forme de petit pavillon" „Zwei weitere Pavillons sind etwas tiefer an den beiden Enden dieser Mauerfront eingebettet“„Deux autres pavillons sont enclavés, un peu plus bas, aux deux extrémités de ce devant de murailles“Poussard, S. 7f mini|Rekonstruktion des Grundrisses des ersten Stockwerks des Schlosses von Liancourt, 17. Jahrhundert Godefroy gibt auch wertvolle Hinweise auf die innere Aufteilung und Einrichtung der Räumlichkeiten: eine Treppe in der Mitte des zentralen Wohnbereichs, das Erdgeschoss mit den Dienstbotenzimmern und den beiden Küchen (mit fließendem Wasser ausgestattet); im ersten Stock die Wohnung des Hausherrn und weitere Räumlichkeiten für „die von ihm aufgenommenen und beherbergten hohen Gäste“.„les grands introduits et logés de sa part“ Zu diesen Räumen gehörten „die Zimmer des Königs und der Königin, reich mit Azurblau und Gold verziert, prächtig ausgestattet mit herrlichen Betten und exquisiten Wandteppichen“.„les chambres du Roi et de la Reine, bien richement azurées et dorées, ensemblées magnifiquement de lits superbes et de tapisseries exquises“ „Ein großer, getäfelter und sowohl an der Decke als auch an den Fenstern bemalter Saal“,„Une grande salle lambrissée et peinturée tant qu'au plafond qu'au vitres“ dessen Wände „mit sehr kostbaren und antiken Wandteppichen bedeckt sind ... dient nur dazu, die Gäste zu empfangen, die ... sich dort im Billardspiel üben können“.„couverts de fort riches et antiques tapisseries... ne sert qu'à recevoir les venants qui... se peuvent exercer à un jeu de billard qui y est“ Die anderen Gemächer sind mit Porträts und Gemälden von Schlössern und Landschaften geschmückt, mit Ausnahme eines „geräumigen Kabinetts“,"ample cabinet" in dem man „die dreizehn Gemälde aus der Geschichte Moses' betrachten kann, begleitet von den Emblemen (Mottos), die sie berühmt gemacht haben“.„contempler les treize tableaux de l'histoire de Moïse accompagnés des emblèmes (devises) qui les ont rends célèbres“

Godefroy präzisiert schließlich, dass die große Galerie im Nordosten weiß getüncht und mit Holzvertäfelungen versehen ist und „ein einziges großes Gemälde fast die gesamte Wand am Ende bedeckt“,„qu'un seul grand tableau couvre presque toute la paroi du bout“ das den Kampf darstellt, der 1402 zwischen sieben Rittern des Herzogs von Orléans, dem Bruder von König Karl VI., und sieben Rittern des Herzogs von York, dem Enkel von Eduard III. von England. Die Franzosen gingen als Sieger hervor. An ihrer Spitze stand der Großvater von Antoinette de Pons, der Ehefrau von Charles du Plessis.Poussard, S. 7f

Der Park, den Denis Godefroy bewunderte, unterschied sich von dem, der zum Zeitpunkt des Todes von Charles du Plessis existierte. Jeanne de Schomberg, die von ihrer Schwiegermutter in die Kunst der Gartengestaltung eingeführt worden war, begann nach deren Tod im Jahr 1632 mit der Gestaltung von Blumenbeeten, die sie sich selbst ausgedacht hatte.

Die Beschreibungen des jungen Reisenden liefern somit Informationen, die denen ähneln, die in den Schriften und Stichen zu finden sind, die ab 1650 erschienen, als Liancourt-les-belles-Eaux seine große Zeit hatte.Poussard, S. 7f mini| Die großen Kaskaden von Liancourt, 17. Jahrhundert, Radierung von Israël Silvestre

Liancourt-les-Belles-Eaux Anderthalb Jahrhunderte Glanz