Robert Haider (* 26. März 1914 in Bad Goisern; † 18. März 2004) war der Vater von Jörg Haider. Der zeitlebens bekennende Nationalsozialist trat 1929 als 15-Jähriger der österreichischen NSDAP bei und beteiligte sich am Juli-Putsch 1934. In der Zweiten Republik hatte er Einfluss auf die Gründung zweier politischer Parteien, des Verbandes der Unabhängigen (1949) und, in größerem Ausmaße, dessen Nachfolgerin, der Freiheitlichen Partei Österreichs, der Roberts Sohn Jörg Haider von 1986 bis 1999 zu ihren bis dahin größten Wahlerfolgen verhelfen sollte. Roberts Tochter, Ursula Haubner, wurde später ebenfalls FPÖ-Politikerin.
Leben Robert Haider wuchs in Bad Goisern als uneheliches Kind der Fleischhauerstochter Theresia Haider (* 9. März 1896; ab 1919 verheiratete Pichler) auf und ging nach der Pflichtschule in eine Schusterlehre. Bereits früh kam er in Kontakt mit der damals sehr kleinen NSDAP und trat 1930 der SA bei. Ab dem Verbot der NSDAP in Österreich am 13. Juli 1933 wurde er Mitglied der Österreichischen Legion in Bayern (bestehend aus illegalen Nationalsozialisten), die in Österreich Terror- und Sabotageakte ausführte. Er war Beteiligter am nationalsozialistischen Juli-Putsch gegen das Ständestaatregime 1934. Am 9. November 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Dezember desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.480.849).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/14200548 Nach dem Anschluss im März 1938 wurde er NSDAP-Ortsgruppenleiter in Bad Goisern und Gaujugendverwalter.
Knapp vor Kriegsende 1945 heirateten Robert und Dorothea, geborene Rupp (1918–2016), ebenfalls eine überzeugte Nationalsozialistin. Dorothea kam aus einer großbürgerlichen, deutschnationalen Südtiroler Kaufmannsfamilie in Bruneck und war Führerin im Bund Deutscher Mädel. Die Verbindung mit dem mittellosen Robert war von der Brunecker Verwandtschaft anfangs nicht geschätzt, der Eheleute völkische Ausrichtung war die Basis. Nach dem Umbruch 1945 rechnete Haider, den Angaben eines Familienfreundes zufolge, mit der Todesstrafe wegen seiner NS-Beteiligung generell und speziell wegen seiner Rolle beim Mord eines Revierinspektors am 25. Juli 1934. Der Beamte der Entnazifizierungskommission „sei im Zuge der Einvernahme jedoch ‚zur Auffassung gelangt, dass das ein idealistischer Mensch ist‘. Haider und seine Frau wurden als ‚minderbelastet‘ eingestuft.“
Nach Kriegsende war die Familie Haider, im nunmehr sozialdemokratisch dominierten Bad Goisern, geächtet. Robert und Dorothea mussten beide Sühne leisten, Robert hob Massengräber für im KZ Ebensee Ermordete aus. Robert kam nach Kriegsende ins Lager Glasenbach für Nationalsozialisten. Dorothea war örtliche Lehrerin und bekam nach 1945 für einige Jahre Berufsverbot. Beide wurden als „minderbelastet“ eingestuft und durch die österreichische Minderbelastetenamnestie vom April 1948 wieder voll in die Gesellschaft integriert.
Juli-Putsch 1934 bis Kriegsende Nach dem fehlgeschlagenen Juli-Putsch am 25. Juli 1934 wollten Haider und seine Kameraden, allesamt junge Männer ohne Familie und Arbeit, nicht aufgeben. In der darauf folgenden Nacht überfielen sie eine österreichische Zollstation an der bayrisch-oberösterreichischen Grenze bei Kollerschlag, hissten eine Hakenkreuzfahne und erschossen einen Revierinspektor, bevor sie nach Bayern flüchteten. In Haiders Gauakt (ÖSTA/AdR, BMI/GA, Zl. 259612) erwähnt er eine „Ehrenhaft“ in der Festung Landsberg, die ihm wohl der Juli-Putsch eingetragen hatte und die aufgrund internationalen Drucks vom NS-Regime auferlegt wurde. Hitler hatte Mitte der 1920er-Jahre nach seinem Putschversuch in München ebendort gesessen.
Nach dem Anschluss tauchte Haider im März 1938 in Linz auf und wurde mit einem Posten des Jugendwalters der Deutschen Arbeitsfront für seine „Kampfzeit“ als illegaler Nationalsozialist bei der Österreichischen Legion belohnt.
Im März 1940 meldete Haider sich schließlich an die Front. Er war dem Infanterie-Regiment 135 zugeteilt, das anfangs wohl 3000 Mann stark war und Teil der 45. Infanteriedivision war. Die 45. Infanteriedivision bestand aus Innviertlern, Mühlviertlern, Ober- und Niederösterreichern und wurde inoffiziell „Hitlers Heimatdivision“ genannt. Zu Beginn des Frankreichfeldzuges stellte sich Gauleiter August Eigruber, ein guter Bekannter Haiders aus der illegalen Zeit, bei der Truppe mit so genannten „Liebesgaben“ ein (906 kg Speck, 6 kg Hartwurst, 80 kg Schweinefleischkonserven, 36 Liter Slibowitz, 152 Liter Kaiserbirnlikör, 64.000 Stück Zigaretten und Mundharmonikas).
Nach dem Frankreichfeldzug, in dem Haiders Regiment auch an die Atlantikküste zur Bewachung Gefangener kam, ging es weiter an die deutsch-sowjetische Grenze. Haiders Division war in der Nacht vor dem Angriff bei Brest-Litowsk, einer Stadt mit einer weitläufigen Festungsanlage, damals an der deutsch-sowjetischen Grenze, in Stellung gegangen. Am Morgen des 22. Juni 1941 kam der Befehl zum Angriff im Rahmen des Unternehmens Barbarossa, des Überfalls und Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion. Er sollte mehr als drei Jahre an der Ostfront kämpfend verbringen, wobei seine Einheit auch an Kriegsverbrechen beteiligt war (Prypjat-Sümpfe, Belagerung Kiews). Er absolvierte den Offizierslehrgang 1943, wurde dann verwundet und war von Oktober bis Dezember 1943 im Lazarett in Brünn.
Im Juni 1944 wurde seine Einheit bei Bobruisk vollständig aufgerieben. Nur tausend, unter ihnen Robert Haider, überlebten, schlugen sich zu den deutschen Linien durch und paradierten am 24. Juli als „armseliges Häuflein“ (Christa Zöchling) durch die Linzer Innenstadt, vom Gauleiter August Eigruber noch einmal auf den „endgültigen Sieg“ eingeschworen. Robert Haider wurde im November 1944 der 190. Infanteriedivision zugeteilt, die im Ruhrkessel vernichtet wurde. Kaum zwei Wochen später, Anfang März 1945, befehligte er schon wieder die „Fallschirmjäger-Kampfgruppe Haider“, wurde verwundet und kämpfte dennoch in den letzten Kriegstagen bei einer Volkssturmeinheit im Böhmerwald.
Gründung von VdU und FPÖ Im Internierungslager Glasenbach, in dem belastete Nazis von den Amerikanern angehalten wurden, traf Robert Haider nach Kriegsende 1945 alte NS-Kollegen aus Oberösterreich und knüpfte neue Kontakte: Stefan Schachermeyer, ehemals NS-Gauinspektor in Oberösterreich; Anton Reinthaller, zuletzt SS-Brigadeführer und seit 1938 in Ministerämter aufgestiegen; Hermann Foppa, enger Freund der Familie Haider, seit 1938 Reichstagsabgeordneter, Gauschulungs- und Gaupropagandaredner in Oberösterreich;Erich Stockhorst: 5000 Köpfe – Wer war was im Dritten Reich. Kiel 2000, S. 140. Friedrich Peter, SS-Obersturmbannführer, der Kriegsdienst in einer Einsatzgruppe versah. Für Historikerin Margit Reiter war diese unfreiwillige Zusammenkunft das Schlüsselerlebnis zur Formierung des Dritten Lagers in der Zweiten Republik.
All diese ehemaligen Illegalen waren an der Gründung des VdU 1949 beteiligt, doch war ihnen auf kurz oder lang der liberale Kurs von Herbert Kraus nicht recht. Nach dem Scheitern des VdU 1955 stand die Gründung einer rechten Partei ohne liberale Ausrichtung im Raum. Dorothea Haider berichtet in ihren Memoiren aus dem Jahr 2009 von einem Treffen am Küchentisch des Haider-Hauses in Bad Goisern:
Ehrungen Im Dritten Reich erhielt Haider folgende militärische Auszeichnungen:
Verdienstkreuz mit Schwertern Eisernes Kreuz II. Klasse Medaille Winterschlacht im Osten 1941/42 Silbernes Verwundetenabzeichen
In der Zweiten Republik erhielt Haider ebenfalls eine Auszeichnung: am 17. November 1997 von Bundespräsident Thomas Klestil das Goldene Ehrenzeichen um Verdienste der Republik Österreich. Die Abgeordnete der Grünen Monika Langthaler brachte 1998 folgende parlamentarische Anfrage ein:
Einzelnachweise
Kategorie:Person des Nationalsozialismus (Österreich) Kategorie:Ortsgruppenleiter (NSDAP) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Teilnehmer am Juliputsch Kategorie:Jörg Haider Kategorie:Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich (1952) Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse Kategorie:Person (Kärnten) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1914 Kategorie:Gestorben 2004 Kategorie:Mann