Treasure Isle war das Plattenlabel des jamaikanischen Musikproduzenten Duke Reid. Zum Label gehörte das Aufnahmestudio Treasure Isle Recording Studio über dem Spirituosengeschäft Treasure Isle Liquor Store. Treasure Isle war neben dem Studio One des Konkurrenten Coxsone Dodd das erfolgreichste und profilierteste Musiklabel der 1960er Jahre auf Jamaika.

Hintergrund Arthur Reid, genannt „Duke“, also Herzog, arbeitete zehn Jahre beim Kingston Police Department, während seine Ehefrau Lucille, genannt „Dutchess“, in der Beeston Street 81 einen Spirituosenladen mit dem Namen Treasure Isle Liquor Store führte. Reid kündigte seinen Job bei der Polizei, um seiner Frau im Geschäft zu helfen. Um mögliche Kunden anzulocken, spielte er vor dem Laden Schallplatten ab. Diese Gewohnheit wurde zur Grundlage für sein Soundsystem Duke Reid the Trojan. Als Musikproduzent buchte sich Reid anfänglich Aufnahmezeiten im Federal Records Studio von Ken Khouri. Die Singles erschienen auf seinen Labels Duke Reid, Dutchess und Trojan. Nach dem Umzug in die Bond Street 33 richtete sich Reid ab 1965 über dem neuen Spirituosenladen ein Studio mit einem Zwei-Spur-Aufnahmegerät (Spur 1: Musik, Spur 2: Gesang) ein. Der typisch warme und resonante Klang des Treasure Isle Recording Studios wurde von der Holzverkleidung der Wände bestimmt.

Als Aufnahmetechniker konnte Byron „Smitty“ Smith gewonnen werden, der als Techniker bei Jamaikas erstem kommerziellen Radiosender Radio Jamaica Rediffusion (RJR) Erfahrungen gesammelt hatte. Die beiden kannten sich, weil Reid seit 1955 auf RJR jede Woche eine halbstündige Radioshow namens Treasure Isle Time moderierte und zwischen US-amerikanischem Rhythm & Blues ansagte, wo am Wochenende sein Soundsystem Duke Reid the Trojan zu hören sein würde.

Die bevorzugte Studioband von Treasure Isle waren Tommy McCook & The Supersonics. Die Kapelle war wie Roland Alphonso & The Soul Brothers 1965 aus den Skatalites hervorgegangen, wobei diese jedoch als Sessionband für das konkurrierende Studio One tätig waren. Die Musik von Treasure Isle galt als ausgefeilter und raffinierter als der rohe Sound des Studio One.Michael Veal: Dub: Soundscapes and Shattered Songs in Jamaican Reggae. Middletown 2007, S. 50.

Treasure Isle begleitete die Ära des Ska und die Entstehung des Rocksteady. Größter Hit der Ska-Ära war Carry Go Bring Come von Justin Hinds & the Dominoes.David Katz: Solid Foundation. An Oral History of Reggae. London 2024, S. 86. Große Hits der Rocksteady-Ära waren Girl I Have Got a Date und Rock Steady von Alton Ellis & The Flames (Lynn Taitt mit Tommy McCook & The Supersonics), You Don’t Care von The Techniques und Perfidia von Phyllis Dillon.

Bunny Lee, der als record plugger (eine Art Plattenpromoter) für diverse Plattenproduzenten tätig war, bekam von Reid hin und wieder freie Studiozeiten, um eigene Titel zu produzieren.David Katz: Solid Foundation: An Oral History of Reggae. Bloomsbury, New York 2024, S. 169. So entstanden ab 1967 im Treasure Isle Recording Studio unter anderem die Hits Music Field und Get on the Ball von Roy Shirley, Everybody Needs Love von Slim Smith und der Proto-Reggae Bangarang von Lester Sterling & Stranger Cole.Claudia Gardner: Stranger Cole Insists ‘Bangarang’ Was First Reggae Song Ever Recorded In: Dancehallmag vom 16. August 2023.

Auch der größte von „Striker“ Lee produzierte Hit entstand bei Treasure Isle. Lee hatte Max Romeo überzeugen können, auf dem Riddim von Hold You Jack von Derrick Morgan einen selbstgeschriebenen und anstößigen Text zu singen. Wet Dream, Romeos Solodebüt, kam im Vereinigten Königreich trotz Radioboykott bis auf Platz 10 der UK Singles Charts.Max Romeo: Wet Dream bei Official Charts Company von 1969. Als Studioband nutzte Lee mit den Bunny Lee All Stars eine Inkarnation der Hippy Boys, aus denen schon bald die Upsetters werden sollten (Glen Adams, Alva „Reggie“ Lewis sowie die Brüder Aston Barrett und Carlton Barrett).David Katz: Solid Foundation: An Oral History of Reggae. Bloomsbury, New York 2024, S. 166.

Im Jahr 1970 gewann Hopeton Lewis das Jamaica-Song-Festival mit seiner Komposition Boom-Sha-Ka-Lacka. Duke Reid veröffentlichte das mit dem Tommy-McCook-Quintet eingespielte Lied auf seinem neuen Premiumlabel Duke Reid.

Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern verpasste Reid den Einstieg ins Reggae-Business, nicht zuletzt, weil er als Spirituosenhändler eine tiefe Abneigung gegen die – abstinenzlerische – Rastafari-Religion hegte.Lloyd Bradley: Bass Culture: When Reggae Was King. London 2001. Dafür erkannte er frühzeitig über Dub-Versionen getoastete Songs als eigenständig an und nahm diese ab 1970 auf, wobei vor allem Rocksteady-Versionen aus seinem Backkatalog zweitverwendet wurden. Zu den Pioniersingles dieses Genres gehören Wake the Town und Rule the Nation von U-Roy sowie Teach the Children (Teacher Teacher) und Wake Up Jamaica von Dennis Alcapone.

Als Duke Mitte der Siebzigerjahre an Krebs erkrankte, verkaufte er Treasure Isle an die Produzentin Sonia Pottinger, die das Label noch einige Zeit weiterführte.

Veröffentlichungen (Auswahl) Singles 1964: Carry Go Bring Come – Justin Hinds & the Dominoes (Island) 1967: Rock Steady / Wall Street Shuffle – Alton Ellis & The Flames / Tommy McCook & The Supersonics 1967: Judge Sympathy / Never to Be Mine (’O sole mio) – The Treasure Isle Boys (aka Duke Reid’s All Stars) / Roland Alphonso mit Tommy McCook & The Supersonics 1970: What Does It Take (To Win Your Love) – Alton Ellis

Alben 1967: On the Beach – The Paragons 1969: The Skatalite – The Skatalites 1969: Greater Jamaica Moon Walk Reggay – Tommy McCook 1970: Gay Jamaica Independence Time – Various 1971: Version Galore – U-Roy 1972: One Life to Live – Phyllis Dillon 1973: Soul to Soul – DJ’s Choice feat. Dennis Alcapone, Lizzy & Natural Youth 1974: Mr Soul of Jamaica – Alton Ellis 1976: Treasure Dub – Arthur „Duke“ Reid (001 Dub Series) 1976: Pleasure Dub – Errol Brown (002 Dub Series)

Literatur Lloyd Bradley: Bass Culture: When Reggae Was King. Penguin, London 2001, ISBN 978-0-14-192817-3.

Michael Veal: Dub: Soundscapes and Shattered Songs in Jamaican Reggae. Wesleyan University Press, Middletown 2007, ISBN 978-0-8195-6571-6, S. 50.

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Musikbeispiele

Einzelnachweise

Kategorie:Jamaikanisches Musiklabel Kategorie:Reggae-Label Kategorie:Independent-Label Kategorie:Unternehmensgründung 1964 Kategorie:Aufgelöst 1976