Die Belagerung von Geldern war eine militärische Konfrontation während des Siebenjährigen Krieges. Sie dauerte vom 14. April bis zum 23. August 1757. Die von einer preußischen Garnison verteidigte Festung Geldern wurde dabei von französischen Verbänden und deren österreichischen Verbündeten eingeschlossen und musste schließlich gegen freien Abzug kapitulieren.

Hintergrund

Als der Kriegseintritt Frankreichs offensichtlich wurde, hatte König Friedrich II. von Preußen keine Hoffnung, die westlichen preußischen Provinzen am Rhein (das Herzogtum Kleve, Teile des ehemaligen Herzogtums Geldern und die Grafschaft Moers) erfolgreich verteidigen zu können. Bereits am 12. Januar 1757 ordnete er den Abtransport aller Geschütze aus der Hauptfestung Wesel an.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 5, Berlin 1903, S. 71 Am 24. März räumte die Besatzung (3 Regimenter, 18 Geschütze) unter Generalleutnant von La Motte die Festung und zog auf Lippstadt ab, wo sie als preußisches Kontingent zur verbündeten Observationsarmee stoßen sollte.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 5, Berlin 1903, S. 74

La Motte war ursprünglich Gouverneur der kleinen Festung Geldern und musste nun durch Oberst Friedrich Wilhelm von Salmuth vertreten werden.Eduard Lange: Die Soldaten Friedrich’s des Grossen, Leipzig 1853, S. 75 Salmuth verfügte über das Garnisonsbataillon La Motte sowie Teile der Garnisons-Kompanie aus Moers, die im Oktober 1756 dorthin verlegt worden waren. Diese 720 Mann hatten zwar Vorräte für sechs Monate, galten aber aufgrund ihrer Zusammensetzung (ausländische Deserteure und Überläufer) als unzuverlässig.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 5, Berlin 1903, S. 76

Verlauf mini|"Plan der Stadt und Vestung Geldern, nebst der umliegenden Situation ..." - Karte der Belagerung von der preußischen Festung Geldern durch Franzosen und Österreicher im Jahr 1757.

Französische und österreichische Voraustruppen begannen bereits Ende März mit der Erkundung der Festung und ihrer Umgebung, wo von Salmuth gerade dabei war, durch Aufstauung der Kanäle die Wiesen zu überschwemmen. Ab dem 3. April standen diese Voraustruppen unter dem Kommando des Maréchal de camp Marquis de Saint-ChamansOlivier Lapray: Hastenbeck 1757 – The French Army and the Opening Campaign of the Seven Years War, Warwick 2021, S. 22 und begannen ab dem 14. April mit der Einschließung der Festung.

Der Oberkommandierende der französischen Armee Maréchal duc d’Estrées, der gerade in Wesel eingetroffen war, entschied sich zunächst für eine reguläre Belagerung der Festung. Er stellte am 1. Mai dazu nicht weniger als 17 Bataillone (davon ein österreichisches) unter dem Lieutenant-général Marquis d’Armentières ab, die zunächst mehrere Lager rund um Geldern bezogen.Olivier Lapray: Hastenbeck 1757 – The French Army and the Opening Campaign of the Seven Years War, Warwick 2021, S. 30 Die Belagerungsarbeiten verliefen weitgehend ereignislos. Die Garnison unternahm zwei ergebnislose Ausfälle und beschränkte sich ansonsten auf die gelegentliche Beschießung der französischen Stellungen. Um möglichst lang durchhalten zu können, waren viele Zivilisten von Salmuth angewiesen worden, die Stadt zu verlassen. Ein französischer Offizier hielt dazu fest:Olivier Lapray: Hastenbeck 1757 – The French Army and the Opening Campaign of the Seven Years War, Warwick 2021, S. 32

mini|Jean-Jaques de Beausobre

Bald machten die Belagerer die gleiche Erfahrung, wie die Preußen sie bei ihrem Angriff auf Geldern im Jahr 1703 (→ Belagerung von Geldern) gemacht hatten: Das sumpf- und wasserreiche Gelände ließ eine reguläre Belagerung kaum durchführbar erscheinen und so wurde entschieden, die Stadt lediglich zu blockieren und die Masse der französischen Truppen an anderer Stelle einzusetzen. Der Marquis d’Armentières zog deshalb ab und Ende Mai waren nur noch 7 Bataillone unter dem Befehl des Maréchal de camp Jean-Jacques de Beausobre zurückgeblieben. Ein weiteres Problem war, dass im französischen Lager zahlreiche Offiziere mit guten Verbindungen zum Hof in Versailles sich nicht unterordnen wollten. Beausobre schrieb späterPierre Streit: Jean Jacques de Beausobre (1704–1783) - Un hussard suisse au service de Louis XV, in: Revue Historique des Armées, n°223 (2001), S. 122:

Ab dem Sommer standen daher nur noch vier Bataillone (ein österreichisches vom Regiment Los Rios, zwei vom Regiment Lowendahl, eines vom Regiment Périgord) vor Geldern.Olivier Lapray: Hastenbeck 1757 – The French Army and the Opening Campaign of the Seven Years War, Warwick 2021, S. 32, 37 Beausobre stand vor zwei Problemen. Zum einen verfügte er seiner Ansicht nach nicht mehr über genügend Truppen, um die Festung direkt einnehmen zu können. Zum anderen sorgten großflächige Überschwemmungen dafür, dass förmliche Belagerungsarbeiten nicht möglich waren. Die Festung blieb daher eher blockiert als belagert. Trotzdem ließ Beausobre seine Männer im Schwimmen und den Umgang mit Booten exerzieren, um irgendwann eventuell doch die Stadt stürmen zu können.Geschichte des im 1756 und 1757sten Jahre in Teutschland und dessen angränzenden Ländern gefürten Krieges, Bd. 1, Frankfurt/Leipzig, 1758, S. 232 Die Aufklärung aller Untiefen in den Gräben, der Brückenpfeiler und Gewohnheiten der Preußen wurden durch nächtliche Späher sehr weit vorangetrieben.Samuel F. Seydel: Nachrichten über vaterländische Festungen und Festungskriege, von Eroberung und Behauptung der Stadt Brandenburg, bis auf gegenwärtige Zeiten, Th.3, Leipzig/Züllichau 1821, S. 166–171

Diese Blockade gestaltete sich zäh, wobei die Franzosen nun auch zu Mitteln der psychologischen Kriegsführung griffen. Nachdem man durch Überläufer erfahren hatte, dass die preußische Garnison aus unzuverlässigen Soldaten bestünde, ließ Beausobre die feindlichen Befestigungen aus speziell in Lüttich hergestellten Sprachrohren mit demotivierender Propaganda beschallen, um die Soldaten gegen ihre Offiziere aufzuwiegeln und zum Überlaufen aufzufordern.Meyer von Knonau: Beausobre , in: Johann Samuel Ersch: Allgemeine Enzyklopaedie der Wissenschaften und Kuenste, Bd. 8, Leipzig 1822, S. 268 Tatsächlich soll es daraufhin in der Festung zu Tumulten gekommen sein, in deren Verlauf sieben Soldaten standrechtlich erschossen wurden. Letztendlich konnten die Offiziere die Ordnung immer wieder herstellen.Beyträge zur neuern Staats-Und Krieges-Geschichte, Bd. 14, Danzig 1758, S. 21–28 Die Verteidigung der Preußen konzentrierte sich danach auf den Hauptwall. Der vorgelagerte gedeckte Weg wurde lediglich von zuverlässigen Soldaten und Unteroffizieren patrouilliert.

Übergabe und Nachwirkungen mini|Plan der Festungswerke von Geldern mit französischer Beschriftung (nach 1757)

Die ohnehin nur geringe Aussicht auf Entsatz durch die alliierte Observationsarmee zerschlug sich durch deren Niederlage in der Schlacht bei Hastenbeck (26. Juli 1757) und Rückzug hinter die Weser endgültig. Mitte August waren die Vorräte der Besatzung schließlich soweit aufgebraucht, dass nur noch für 5 Tage Rationen übrig waren. Zudem waren die Vorbereitungen der Franzosen für einen Angriff nicht verborgen geblieben. Salmuth ließ deshalb am 10. August Verhandlungen mit den Belagerern erbitten. Diese zogen sich in die Länge, da auch das Votum des französischen Oberkommandos eingeholt werden musste, das erst am 21. August eintraf. Salmuth vereinbarte daraufhin am 22. August die Übergabe der Festung. Zwar musste er die französischen Deserteure in seinen Reihen ausliefern, der Rest der Besatzung erhielt jedoch freien Abzug ab dem 23. August 1757. Nach einem Generalpardon der Österreicher und Franzosen soll jedoch der größte Teil des preußischen Bataillons desertiert und in deren Dienste übergetreten sein, sodass nur 48 Mann unter dem Kommandeur des Bataillons Major von Rhaden den Marsch nach Berlin antraten.

Beausobre diente weiterhin als Kavallerieoffizier und wurde 1761 schließlich selbst Gouverneur der Festung Geldern.

Die Besatzung marschierte über Magdeburg und erreichte im Oktober schließlich Berlin, wo sie sogleich in den Überfall auf Berlin durch österreichische Husaren verwickelt wurde. Für seine Verdienste erhielt Salmuth 1758 zwar die Beförderung zum Generalmajor. Er erlitt jedoch kurze Zeit später einen Schlaganfall, der seiner aktiven Karriere ein Ende setzte.

Literatur

Großer Generalstab / Kriegsgeschichtliche Abteilung (Hrsg.): Der Siebenjährige Krieg 1756–1763, Bd. 5: Hastenbeck und Roßbach, Verlag Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1903 (= Die Kriege Friedrichs des Großen, Theil 3). Olivier Lapray: Hastenbeck 1757 – The French Army and the Opening Campaign of the Seven Years War, Helion & Company, Warwick 2021. ISBN 978-1-914059-80-3 Pierre Streit: Jean Jacques de Beausobre (1704–1783) – Un hussard suisse au service de Louis XV, in: Revue Historique des Armées, n°223 (2001), S. 113–124.

Einzelnachweise

Geldern Kategorie:Geschichte (Geldern) Kategorie:Schlacht (Preußen) Geldern Kategorie:Konflikt 1757