mini|Das Reich der Umayyaden in seiner größten Ausdehnung (ca. 740) Das Umayyaden-Kalifat war ein Herrschaftsgebilde der Dynastie der Umayyaden oder Omajjaden ( oder ) – auch Omayyaden, Omaijaden, Omajaden, Omejjaden und Umajjaden. Diese waren ein Familienclan des arabischen Stammes der Quraisch aus Mekka, des Stammes, dem auch der Religionsgründer Mohammed entstammte. Angehörige der Familie herrschten von circa 661 bis 750 n. Chr. als Kalifen von Damaskus aus über das damals noch junge islamische Imperium (siehe auch Liste der Kalifen) und begründeten damit die erste dynastische Herrscherfolge der islamischen Geschichte (siehe Zeittafel islamischer Dynastien). Zuvor herrschte aus der Familie der Umayyaden der dritte Kalif Uthman ibn Affan. Bei den Umayyaden von Damaskus wird zwischen zwei Linien unterschieden, den Sufyāniden, die sich auf Abū Sufyān ibn Harb zurückführen, und den ab 685 herrschenden Marwāniden, den Nachkommen von Marwān ibn al-Hakam.

Die Ermordung des dritten Kalifen Uthman führte zum ersten Bürgerkrieg der Muslime, in welchem verschiedene Gruppierungen gegen den vierten Kalifen Ali ibn Abi Talib kämpften. Als Sieger ging aus den Auseinandersetzungen der Kalif Muawiya hervor. Dieser stabilisierte das Reich und regierte es für 20 Jahre. Muawiya designierte seinen Sohn als Nachfolger, es brach jedoch der zweite Bürgerkrieg aus, aus dem die umayyadische Linie der Marwaniden siegreich hervorging. Der Kalif Abd al-Malik führte eine Verwaltungsreform durch. Unter seinen Nachfolgern wurden die Grenzen des Reiches im Osten bis zum Indus und im Westen bis zur Iberischen Halbinsel vorgeschoben. Unzufriedenheit mit der Herrschaft der Umayyaden führte schließlich 750 zu ihrem Sturz durch die abbasidische Bewegung.

Das Umayyadenreich war ein Herrschaftssystem mit vielen verschiedenen Ethnien und Religionen. Die überwiegende Zahl der Einwohner waren Christen, Zoroastrier und Juden. Islamisierungstendenzen setzten erst nach der Wende zum 8. Jahrhundert ein. Die Umayyaden vertrauten ihre Herrschaft in den Provinzen mächtigen Statthaltern an. Auf den unteren Ebenen der Verwaltung wurde teils das römische oder sassanidische Verwaltungssystem übernommen. Berühmt ist die Bautätigkeit der Umayyaden. So wurden die Umayyadenmoschee in Damaskus und der Felsendom in Jerusalem errichtet. Herrschte nach dem Sturz der Umayyaden zunächst, bedingt durch die abbasidische Geschichtsschreibung, eine negative Sicht auf die Umayyaden vor, wurde dies seit Beginn der Moderne von einigen arabischen Autoren hinterfragt.

Politische Geschichte Hauptartikel: Umayyaden mini|hochkant=2.5|Die islamische Expansion bis 750

Die Dynastie der Umayyaden entstammte der weiteren Familie des Propheten Mohammed und stellte in vorislamischer Zeit eine der einflussreichsten Familien in Mekka dar. Zunächst Gegner des Propheten, wechselten sie auf die Seite der Muslime und stellten mit dem dritten Kalifen Uthman eines der Oberhäupter des sogenannten Schura-Kalifats. Im Jahr 656 wurde Uthman in Medina ermordet und ʿAlī ibn Abī Tālib, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten, zum neuen Kalifen erhoben. Allerdings wurde er nicht von allen Muslimen anerkannt. Die Herrschaft streitig machte ihm neben weiteren Prophetengefährten auch Muʿāwiya, der sich im Jahr 660 im syrischen Damaskus ebenfalls zum Kalifen ausrufen ließ. Damit war die muslimische Gemeinschaft (die Umma) erstmals gespalten. Die Folge war die erste Fitna, der erste Bürgerkrieg des islamischen Staates. Muʿāwiya konnte sich während der ersten Fitna vor allem auf die Loyalität der syrischen ihm untergebenen Stämme stützen, die den Umayyaden auch in den folgenden Jahrzehnten treu blieben.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 80. Nach dem Sieg Muawiyas begründete dieser die Herrschaft der Umayyaden.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 92.

Zunächst verlegte Muawiya die Hauptstadt von Kufa nach Damaskus. Muawiya stütze sich bei seiner Herrschaft auf die syrischen Stämme, insbesondere den Stamm der Kalb, und Personen aus dem ehemaligen Umfeld der Ghassaniden.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 92–93. Muawiya verließ sich bei der Beherrschung der Provinzen auf mächtige Statthalterpersonen. Diese regierten teilweise lebenslang.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 97–100. Die Araber stützten sich in den während der frühen islamischen Expansion eroberten Gebieten, die zuvor zum Oströmischen Reich (im Westen) bzw. zum persischen Sassanidenreich (im Osten) gehört hatten, des Weiteren auf den dort vorhandenen und funktionierenden spätantiken Verwaltungsapparat. So stellten Christen und Zoroastrier bis ca. 700 weiterhin die Masse des Verwaltungspersonals, wie auch die Bevölkerung in den eroberten Gebieten erst während des weiteren Verlaufs des Frühmittelalters langsam islamisiert wurde.Allgemein dazu siehe mit weiterer Literatur etwa Lutz Berger: Die Entstehung des Islam. Die ersten hundert Jahre. München 2016; Robert G. Hoyland: In God’s Path. The Arab Conquests and the Creation of an Islamic Empire. Oxford 2015; Hugh Kennedy: The Great Arab Conquests. Philadelphia 2007. Die spätantike Kultur beeinflusste zudem die Umayyaden, die wohl auch aus diesem Grund ihre Hauptstadt nicht etwa nach Medina, sondern in das hellenisierte Syrien verlegt hatten, weil ihnen dieser Kulturraum bereits zuvor nicht unbekannt war.Vgl. Hammoud Hamoud: Die Genese Allāhs in der Spätantike. Zwischen Kultus und Synkretisierungsprozessen. Berlin/Boston 2025, S. 156.

Muawiya schaffte auch die Wahl des Kalifen ab und ersetzte sie durch die Erbfolge, indem er seinen Sohn Yazid I. öffentlich zum Nachfolger erklärte. Yazid entstammte Muawiyas Ehe mit einer Frau aus dem Kalb-Stamm und brachte so die Unterstützung der Kalb für die Umayyaden mit. Ebenfalls schwächte Muawiya die alidische Opposition, indem er wichtige Parteigänger der Aliden verbannen oder hinrichten ließ, so z. B. Hudschr ibn Adi.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 101.

Nach dem Tod Muawiyas brachen unter seinem Nachfolger Yazid I. (680–683) mehrere Aufstände gegen die Umayyaden aus. Husain, der zweite Sohn Alis und Enkel Mohammeds, nutzte die Situation und zog gegen Yazid zu Felde. Er wurde jedoch in der Schlacht von Kerbela (680) getötet, ebenso wurde seine Familie getötet. Dieser Akt wurde Anlass für das schiitische Trauerfest Aschura. Trotz dieses umayyadischen Sieges konnte sich die Opposition vor allem im Hedschas um Mekka weiter behaupten, wo Abdallah b. az-Zubair, der Sohn des in der Kamelschlacht getöteten Gegners Alis, ein eigenständiges Kalifat ausrief.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 102–103.

Im Jahr 682 vertrieb ʿAbdallāh ibn az-Zubair die Umayyaden aus dem Hedschas. Yazid sandte im Folgejahr eine Armee aus, um die verlorengegangenen Gebiete zurückzuerobern. Diese besiegte die Aufständischen und belagerte Mekka. Nach dem Tod Yazids im selben Jahr zog sich diese Armee jedoch nach Syrien zurück. Nachdem 684 auch Yazids Sohn und Nachfolger Muʿāwiya II. gestorben war, erhielt Ibn az-Zubair unter den Muslimen immer mehr Unterstützung, auch mehrere Stammesfürsten in Syrien und Palästina stellten sich auf seine Seite, darunter Zufar ibn al-Hārith, der Führer des Stammesverband der Qais im Militärbezirk von Qinnasrīn, der den dortigen umayyadischen Statthalter vertrieb.Vgl. Rotter, S. 135 f. Az-Zubayr gelang es jedoch angesichts von Auflösungserscheinungen an den Rändern des islamischen Machtbereichs nicht, seine Herrschaft vollständig zu konsolidieren.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 103–105.

Allein durch die Intervention des früheren umayyadischen Statthalters im Irak, ʿUbaidullāh ibn Ziyād, sowie des kalbitischen Stammesführers Hassān ibn Mālik Ibn Bahdal, der mit den Umayyaden verwandt war, wurde die Machtposition der Umayyaden gerettet. ʿUbaidullāh drängte Marwān, sich selbst um das Kalifat zu bewerben, da er als Sayyid aus der Nachkommenschaft des ʿAbd Manāf mehr Anspruch darauf habe als Ibn az-Zubair. Er kehrte daraufhin wieder um. Ibn Bahdal rief einige Wochen später in al-Dschābiya einen Kongress der syrischen Militärführer zusammen, bei dem Marwān zum neuen Kalifen ausgerufen wurde.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 108–109.

Um den neu begonnenen Krieg gegen das römische Reich zu führen, machte Abd al-Malik seinen Halbbruder Muhammad b. Marwan zum Befehlshaber der nördlichen Gebiete des umayyadischen Reiches. Der Krieg entwickelte sich jedoch nicht entscheidend.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 129–131. Im Jahr 700 kam es zum Aufstand des Ibn al-Ash'ath, der aber von al-Hajjaj b. Yusuf niedergeschlagen wurde.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 136–137.

Nach dem Tod Abd al-Maliks wurde sein Sohn al-Walid I. neuer Kalif. Unter seiner Herrschaft stieg der Einfluss von al-Hajjaj b. Yusuf an.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 151. Der Krieg gegen Rom wurde unter al-Walid fortgeführt. Ebenso erfolgten die Eroberung Nordwestafrikas und Spaniens und weitere Eroberungen in Zentralasien.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 152–161. Es folgten auf al-Walid die nur kurze Zeit regierenden Kalifen Sulayman, Umar II. und Yazid II. Konstantinopel wurde erneut im Jahre 717 belagert.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 162–166. Im Jahr 720 kam es im Irak zum Aufstand des Yazid b. al-Muhallab.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 170–173. Unter Hisham II., der ab 724 regierte, wurde der Krieg gegen Rom fortgeführt. Der römische Kaiser Leo III. verbündete sich mit Khanat der Khasaren, welches das umayyadische Reich im Kaukasus angriff, jedoch zurückgedrängt wurde. In Khurasan wurden die Umayyaden von den Türgesh zurückgedrängt, konnten aber Mitte der 730er Jahre ihre Stellung zurückgewinnenAndrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 186–191.

In den 740er Jahren kam es wiederholt zu Aufständen in Nordafrika. Thronstreitigkeiten unter den Umayyaden führten zu einer schnell wechselnden Folge von Kalifen. Unter Marwan II. kam es zum Aufstand der Abbasiden in Khurasan, dem die umayyadishe Dynastie schließlich im Jahr 749 erlag.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 192–166.

Herrschaftssystem und Provinzialentwicklung An der Spitze des umayyadischen Herrschaftsgebildes stand der Befehlshaber der Gläubigen (amir al-mu'minin). Der Titel Kalif (khalifa) ist zeitgenössisch einzig auf wenigen Münzen Abd-al-Maliks verbürgt.Marie Legendre: Aspects of Umayyad Administration, in: Andrew Marsham (Hrsg.): The Umayyad World. London/New York 2021, S. 134. Der Befehlshaber der Gläubigen ernannte die Gouverneure der Provinzen (Bezeichnung: amir). Die genauen Grenzen zwischen den einzelnen Provinzen sind unklar, da anscheinend sowohl das römische Provinzialsystem als auch ein von den neuen Machthabern gebrauchtes in Verwendung waren. Neben Syrien existierten in der frühen Umayyadenzeit die Provinzen Irak, Ägypten und Ifriqiya. Da die Verkehrswege zwischen den einzelnen Provinzen sehr lang waren und somit die Kommunikation zwischen den Provinzen und der Zentrale in Damaskus eingeschränkt war, mussten die Umayyaden bis zum Ende ihrer Herrschaft 750 auf mächtige Gouverneure setzen, die die Macht in ihrem Namen ausübten.Marie Legendre: Aspects of Umayyad Administration, in: Andrew Marsham (Hrsg.): The Umayyad World. London/New York 2021, S. 135 f.

Bezogen auf die Entwicklung der gesellschaftlichen Positionen unterscheidet Andrew Marsham verschiedene Entwicklungsphasen. Während zu Beginn der umayyadischen Herrschaft eine Unterscheidung zwischen den Eroberern und den Eroberten vorherrschte, differenzierte sich dieses Bild während der Herrschaft Muawiyas, der die Syrer begünstigte. Unter Abd al-Malik kam es schließlich zu einer Verwaltungsreform.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 294–295.

Provinz Syrien