mini|hochkant|Selbstporträt, 1923 Alfred Maximilian Mendler (* 20. Februar 1879 in Riedlingen; † 23. Februar 1955 in Ulm) war ein deutscher Mediziner und Maler.
Leben und Wirken Alfred Mendler wurde am 20. Februar 1879 im Gebäude des Gefängnisses im oberschwäbischen Riedlingen geboren, wo sein Vater Martin Mendler (1842–1914) als Oberamtsdiener und königlicher Gefängnisdiener tätig war. Seine Mutter, Rosalie Ehinger, starb jung, und sein Vater schloss eine zweite Ehe mit Anna Maria Mayer. Mendler wuchs in Riedlingen auf, besuchte dort die Volksschule und wechselte dann an das Gymnasium in Ravensburg. Dort erkannte und förderte sein Zeichenlehrer Theodor Schnell, ein Kirchenmaler und Bildhauer, bereits seine künstlerische Begabung. Nach dem Abitur studierte er jedoch – auf ausdrücklichen Wunsch seines Vaters – ab 1898 Medizin in Tübingen, Freiburg im Breisgau, Straßburg, Berlin und München; seinen Kommilitonen gab er Nachhilfe in anatomischem Zeichnen.
Nach seiner Promotion zum Dr. med. im Jahr 1904 absolvierte Alfred Mendler in Straßburg bei Professor Bogumil Lange eine Ausbildung zum Facharzt für Chirurgie und Orthopädie. Danach war er kurze Zeit in München als Arzt tätig und besaß dort auch ein kleines Atelier. Anschließend ließ er sich 1905 als Facharzt für Orthopädie in Ulm nieder. 1911 gründete er dort an der Ecke Parkstraße/Olgastraße eine Privatklinik, die er nach seiner Ehefrau Johanna „Johanneum“ benannte.
Im Ersten Weltkrieg war Mendler Chefchirurg und Oberstabsarzt im Kriegslazarett Dieuze in Lothringen. Dort soll er ca. 5000 Operationen durchgeführt haben. Für seinen Militäreinsatz erhielt er hohe Auszeichnungen.siehe Raberg, S. 272. Nach 1918 war er zeitweise Mitarbeiter bei Ferdinand Sauerbruch an der Universitätsklinik in München. Zurück in Ulm, musste Mendler zunächst das „Johanneum“, das während des Krieges als Lazarett genutzt worden war, renovieren lassen. Danach spezialisierte er sich auf allgemeine Chirurgie und hatte sich bald einen ausgezeichneten Ruf weit über Ulms Grenzen hinaus erarbeitet. mini|Mendlers Privatklinik „Johanneum“ auf einer historischen Ansichtskarte, 1912 Im Zweiten Weltkrieg wurde Alfred Mendler zur Wehrmacht eingezogen; ab 1940 war er neben seiner Tätigkeit in der eigenen Klinik zusätzlich als Chefchirurg des Standortlazaretts in Ulm tätig. 1943 erkrankte er wegen der jahrelangen Überforderung schwer.
Als privaten Wohnsitz hatte Mendler 1923 für seine Familie nach eigenen Entwürfen eine repräsentative Villa am Ulmer Galgenberg errichten lassen. In diese „Villa Mendler“ zog unmittelbar nach Kriegsende am 9. Mai 1945 die US-amerikanische Militärregierung ein und hatte dort drei Jahre lang ihren Sitz bis Juli 1948.
In Anerkennung seiner Verdienste verlieh die Landesregierung von Württemberg-Baden Alfred Mendler 1949 den Ehrentitel „Professor“.siehe Raberg, S. 273.
Im Alter von 75 Jahren trat Mendler im Jahr 1954 in den Ruhestand. Er starb wenige Tage nach der Vollendung seines 76. Lebensjahres im Februar 1955 in Ulm und wurde auf dem dortigen Hauptfriedhof bestattet. Drei Jahre danach musste die Klinik „Johanneum“ aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.
Mendler als Maler mini|hochkant|Strickende Frau, Mendlers Stiefmutter mini|hochkant|Landschaftsmalerei Zu Beginn der 1920er Jahre entdeckte er die Malerei mit Ölfarben für sich, wobei ihn die Maler Leo Putz, Gustav Jagerspacher (1879–1929) und vor allem Karl Caspar und dessen Ehefrau Maria Caspar-Filser entscheidend beeinflussten. Als Autodidakt malte Mendler nicht nur Landschaften und Stillleben, sondern vor allem Porträts von seinen Patienten und von seinen Familienmitgliedern. Es wird berichtet, manchmal habe er seine Patienten erst gemalt, bevor er sie behandelte. Unter Mendlers Arbeiten finden sich auch einige Selbstporträts. Das früheste, eine Kohlezeichnung mit der Widmung „Meiner Frau zum 21. Juni“, stammt aus dem Jahr 1917. Es zeigt ihn im Profil nach rechts und wird beschrieben als „antikisierend-nackte Büste mit Anklängen an den Jugendstil“. Um 1920 entstand nach einer Foto-Vorlage das Selbstporträt im Operationssaal und im Jahr 1923 das Selbstbildnis mit Zigarre.
Obwohl das Klinikgebäude am Ende des Krieges zweimal von Bomben getroffen wurde und viele seiner Bilder verloren gingen, sind noch zahlreiche seiner Ölgemälde erhalten, darunter Porträts von Karl Höhn, Karl Eiselen, Pauline Schmid, Ludwig Moos, Friedrich Joos und Heinrich von Planck.
Weitere großformatige Porträts zeigen seine engsten Familienangehörigen. Das Bild Strickende Frau aus dem Jahr 1925 stellt seine Stiefmutter Anna Maria Mayer als ältere Frau im Schaukelstuhl dar. Das im Zeitraum 1927 bis 1929 entstandene Porträt einer Frau in Rot zeigt vermutlich seine Ehefrau Johanna; es blieb unvollendet. Von seinem Sohn Rudolf (Mann im blauen Anzug) und von seiner Schwiegertochter Elisabeth Mendler geb. Jäger (Frau mit Medaillon) sind ebenfalls Ölgemälde erhalten. Auch die Stummfilmschauspielerin Asta Nielsen, mit der sein Sohn Rudolf einige Jahre lang liiert war – und die, obwohl Patientin, bei ihren Aufenthalten in Ulm nicht in seiner Klinik, sondern in seiner Villa untergebracht war – stand ihm 1937 Modell. Der Verbleib dieses Bildes ist nicht bekannt.
In den sehr anstrengenden Kriegsjahren wandte sich Mendler ab 1940 mehr der Landschaftsmalerei zu, bei der er Entspannung fand.
Zahlreiche Werke Mendlers befinden sich heute in seiner Geburtsstadt Riedlingen in der Sammlung des Altertumsvereins 1851 e. V. Riedlingen und sind in dessen Museum „Schöne Stiege“ zu sehen. Im Jahr 2020 konnte der Verein seine Sammlung von Porträts der Familie Mendler mit einem Bildnis von Mendlers Vater Martin Mendler aus dem Jahr 1924 komplettieren. Weitere sind in Privatbesitz.
Der Kunstverein Ulm widmete Mendler im Frühjahr 1968 eine postume Ausstellung.
Familie Ab 1906 war Alfred Mendler mit Johanna Herrmann (1882–1962) verheiratet, der vermögenden Tochter des Brauereibesitzers Max Herrmann. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, die später auch künstlerische Berufe wählten. Der älteste Sohn, Rudolf Mendler (1906–1994), war Violinist; sein Bruder Alfred (1910–1996) war Schauspieler und in den 1950er Jahren Intendant des Ulmer Theaters.
Ehrungen und Gedenken Erster Weltkrieg: Nicht näher bezeichnete Auszeichnungen 1949: Verleihung des Ehrentitels „Professor“ durch das Land Württemberg-Baden Alfred-Mendler-Weg in Ulm (Stadtteil Eselsberg)
Mendleriana Mendler zeigte im Umgang mit seinen Mitmenschen und Patienten zuweilen einen deftigen Humor, der nicht jedermanns Sache war. Dazu sind zahlreiche Anekdoten überliefert. Die Ulmer Historikerin Gertrud Beck fasste einen Teil dieser Geschichten zusammen und gab sie 1982 in Buchform gesammelt unter dem Titel Mendleriana heraus. Den Einband des Buches ziert Mendlers Selbstbildnis mit Zigarre aus dem Jahr 1923.
Werke (Auswahl) mini|hochkant|Frauenakt mit weißen Schuhen, 1927 Selbstbildnis mit Zigarre, 1923, Öl auf Leinwand, 119 × 99 cm (Link zum Bild) Dame am Fenster, 1924, Öl auf Leinwand, 100,5 × 91 cm (Link zum Bild) Strickende Frau (die Stiefmutter des Malers), 1925, Öl auf Leinwand, 199 × 177 cm (Link zum Bild) Weiblicher Akt, 1927–1929, Öl auf Holz, 82 × 70,5 cm (Link zum Bild) Porträt einer Frau in Rot, 1927–1929, 130 × 99 cm, Öl auf Leinwand, unvollendet (Link zum Bild, vermutlich Johanna Mendler) Mädchen mit Strohhut, ca. 1930, Öl auf Sperrholz, 63 × 52 cm (Link zum Bild) Mann mit Hornbrille, 1930er Jahre, Öl auf Leinwand, 70 × 58 cm (Link zum Bild) Frau mit Medaillon, 1930er Jahre, Öl auf Sperrholz, 73,5 × 63 cm (Link zum Bild) Frau im blauen Kleid, 1930er Jahre, Öl auf Leinwand, 70 × 58 cm (Link zum Bild) Frau mit rötlichem Haar, 1930er Jahre, Öl auf Leinwand, 70 × 58 cm (Link zum Bild) Mann mit roter Krawatte, 1939, Öl auf Leinwand, 70 × 58 cm (Link zum Bild) Älterer Herr mit Fliege, 1940er Jahre, Öl auf Leinwand, 70 × 58 cm (Link zum Bild) Alblandschaft [mit Schotterweg und Weidezaun], 1940er Jahre, Öl auf Holz, 70 × 80 cm (Link zum Bild) Männerportrait, 1942, Öl auf Leinwand, 60 × 50 cm (Link zum Bild) Alblandschaft, 1946, Öl auf Holz, 70 × 80 cm (Link zum Bild) Mann im blauen Anzug, 1950, Öl auf Sperrholz, 70,2 × 60,5 cm (Link zum Bild) = wahrscheinlich sein ältester Sohn, der Musiker Rudolf Mendler
Literatur Professor Dr. Alfred Mendler gestorben. In: Schwäbische Donau-Zeitung vom 25. Februar 1955, S. 4. Professor Dr. Alfred Mendler zum Gedächtnis. Ein Arzt, Künstler und Menschenfreund vollendete sein Leben. In: Ulmer Nachrichten vom 25. Februar 1955, S. 4. Gertrud Beck: Mendleriana. Aus dem Leben des Dr. Alfred Mendler, Arzt und Maler in Ulm. Verlag Aegis, Dörrie, Jastram, Kerler, Ulm 1982, ISBN 3-87005-028-4.
Weblinks
Werke von Alfred Mendler in der Sammlung des Museums „Schöne Stiege“ in Riedlingen
Einzelnachweise
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