Die IHK Nürnberg für Mittelfranken (Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Hauptsitz in Nürnberg. Ihr gehören 144.500 Unternehmen mit insgesamt rund 819.000 Beschäftigten an.

Geschichte

Vorgeschichte Der „Herrenmarkt“ auf dem Nürnberger Hauptmarkt, der Warenumschlagplatz der Großkaufleute, entwickelte sich von einem Treffpunkt für vereinzelte Märkte zur ganzjährigen Warenbörse – doch wurden Geschäftsabschlüsse zunächst ohne allgemein verbindliche Regeln getätigt. 1560 schlossen sich mehrere Kaufleute zusammen und wandten sich an den Rat der Stadt. Sie forderten, dass wie etwa in Venedig und Antwerpen für den Großhandel feste Zeiten gelten und der Markt mit einer Glocke, dem Börsglöcklein, an- und abgeläutet werden sollte. Der Rat stimmte zu, erlaubte den Kaufleuten, an St. Sebald eine Glocke aufzuhängen und delegierte weitere Aufgaben der Marktaufsicht. Ein Marktabläuter wurde ernannt und die neue Marktordnung auf einer großen Tafel am Herrenmarkt festgehalten. Dies galt später als erster Schritt hin zur Selbstverwaltung der Wirtschaft und legte den Grundstein für die spätere Gründung der IHK Nürnberg für Mittelfranken.Jasmin Siebert: Eine kleine Glocke beendete das Chaos Nürnberg – Stadt der Märkte. In: Nürnberger Zeitung. 17. September 2011.IHK Nürnberg hat eine lange Tradition. In: Nürnberger Zeitung. 17. Oktober 2013.175 Jahre IHK – Jubiläum mit Tradition. (PDF; 2,0 MB) Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken. Oktober 2018. Abgerufen am 17. April 2025.

Gründung der IHK und wegweisende Gesetze Auf Bestreben des damaligen Innenministers Karl von Abel wurde 1843 im Namen von König Ludwig I. für jeden bayerischen Regierungsbezirk eine Kammer gegründet, darunter auch die IHK Nürnberg. Von Abel wurde dabei besonders vonseiten des Nürnberger Handelsvorstands unterstützt, der bereits 250 Jahre Erfahrung in der Selbstverwaltung gesammelt hatte. Der König sah in den Kammern zunächst jedoch eine Gefahr für seine autoritäre Herrschaft und ließ ihnen kaum eigene Handlungsspielräume. Durch den verlorenen Krieg Bayerns gegen Preußen 1866 leitete die Regierung umfassende Reformen ein. Mit der „Königlich allerhöchsten Verordnung“ von 1868 wurde der rechtliche Rahmen der Kammern von König Ludwig II. grundlegend erweitert. Die Kammern erhielten die „ständige Wirksamkeit“, also das Recht, dauerhaft eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu handeln. Zudem wurden erstmals die ehrenamtlichen Repräsentanten direkt gewählt. Staatliche Behörden mussten die Kammern nun bei allen Fragen zu Handel und Gewerbe anhören. Ein umfassendes Initiativrecht erlaubte es den Kammern, eigene Beschlüsse zu fassen und aktiv an die Verwaltung heranzutragen. Die jährlichen Berichte an die Behörden sollten fortan ausdrücklich auch Wünsche und Anträge enthalten. Erlaubt wurde nun auch der Austausch mit anderen Gremien im Bezirk sowie mit anderen Kammern zur gemeinsamen Willensbildung. Diese Regelungen schufen die Grundlage für eine kontinuierliche, professionelle Kammerarbeit.Eva Moser: Industrie- und Handelskammern (IHK). In: Historisches Lexikon Bayerns. 2013. Abgerufen am 17. April 2025.

Ende der Selbstbestimmung unter den Nationalsozialisten Im Zuge der Gleichschaltung wurden bis Juni 1933 Leitungspositionen der IHK Nürnberg durch die NSDAP neu besetzt und die gesamte Organisation umstrukturiert. Die neue Führung setzte die Ziele der Nationalsozialisten um, schloss jüdische Unternehmer aus und unterstützte die Arisierung jüdischer Betriebe und den Ausbau der Rüstungsindustrie. Im April 1942 wurden im Zuge der Verordnung zur „Vereinfachung der Organisation der gewerblichen Wirtschaft“ die Industrie- und Handelskammern durch Gauwirtschaftskammern ersetzt, die bis Kriegsende 1945 ihre Aufgaben im Sinne des NS-Regimes ausführten.

Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg Die amerikanische Militärregierung löste die Gauwirtschaftskammern 1945 auf. Im Oktober durften die Industrie- und Handelskammern mit Erlaubnis des Bayerischen Wirtschaftsministeriums in sechs Regierungsbezirken ihre Arbeit in zunächst nur beratender Funktion wieder aufnehmen, darunter auch die IHK Nürnberg. Die ersten Vollversammlungswahlen fanden im November 1948 statt. Mit dem IHK-Gesetz wurde 1956 eine bundesweit einheitliche Rechtsgrundlage für die Industrie- und Handelskammern geschaffen.

Weitere Entwicklung Im Mai 1997 wurde die Industrie- und Handelskammer Nürnberg in Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken umbenannt.IHK – 450 Jahre Wirtschaftsförderung. (PDF; 2,8 MB) In: IHK Nürnberg für Mittelfranken. März 2010.

2018 feierte die IHK Nürnberg für Mittelfranken ihr 175-jähriges Bestehen.Die IHK-Gremien feiern Jubiläum. In: Fränkischer Tag. 20. November 2018. Zwei Jahre später wurde die um- und teils neugebaute Hauptgeschäftsstelle unter dem Namen „Haus der Wirtschaft“ am Hauptmarkt wiedereröffnet, an dem die IHK Nürnberg für Mittelfranken seit der Gründung 1843 ihren Sitz hat.Uwe Ritzer: Der große Kater ist vorbei. In: Süddeutsche Zeitung. 3. März 2020.Wolfgang Heilig-Achneck: Am Puls der Wirtschaft. In: Nürnberger Stadtanzeiger. 17. Mai 2022.

Organisation Die IHK Nürnberg für Mittelfranken setzt sich aus Ehren- und Hauptamt zusammen. Zum gewählten Ehrenamt gehören rund 300 Mitglieder in der Vollversammlung, den 14 IHK-Gremien und dem Präsidium sowie weitere 6000 Fachkräfte, die sich in verschiedenen Ausschüssen wie Fach- und Prüfungsausschüssen engagieren. Etwa 250 Beschäftigte bilden das Hauptamt.Farbe bekennen bei der IHK-Wahl 2024. (PDF; 6,1 MB) In: Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken. 2024.

Die Vollversammlung ist das höchste Organ der IHK Nürnberg für Mittelfranken. Sie wird alle fünf Jahre von den IHK-Mitgliedsunternehmen gewählt. Die Vollversammlung tagt viermal jährlich und legt die strategischen Leitlinien der IHK-Arbeit fest. Sie entscheidet über den wirtschafts- und bildungspolitischen Kurs, verabschiedet den Haushaltsplan und bestimmt den Umfang des IHK-Leistungsangebots. Darüber hinaus beschließt sie über die Höhe der Mitgliedsbeiträge und Gebühren. In der Wahlperiode vom 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2029 gehören der Vollversammlung 79 Mitglieder an – 65 davon wurden direkt gewählt, ergänzt durch die Vorsitzenden der IHK-Gremien.Neue Vertreter für die Vollversammlung. In: Nürnberger Zeitung. 21. November 2024.

Die Verteilung der Sitze in der Vollversammlung soll die wirtschaftliche Struktur Mittelfrankens widerspiegeln. In der Wahlperiode 2025 bis 2029 verteilen sich die 79 Sitze wie folgt: Industrie, Baugewerbe: 15 Sitze Energie, Ver- und Entsorgung, Landwirtschaft, Verkehr und Logistik: 5 Sitze Groß- und Außenhandel, Handelsvertreter, Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie: 15 Sitze Kreditinstitute, Versicherungen, Leasing, sonst. BAFIN-Regulierte: 3 Sitze Information und Kommunikation, Kultur- und Kreativwirtschaft, Unternehmensberatung und -verwaltung und unternehmensnahe Dienstleistungen: 17 Sitze Technische und Immobiliendienstleistungen, private und sonstige Dienstleistungen: 10 Sitze Regionale IHK-Gremien: 14 Sitze.

Die 14 regionalen Gremien repräsentieren die verschiedenen Bezirke im Wirtschaftsraum Mittelfranken. Die Gremien werden von denjenigen IHK-Mitgliedsunternehmen gewählt, die im jeweiligen Bezirk ihren Sitz haben oder mit einer Niederlassung vertreten sind. Die Mitglieder des Gremiums wiederum wählen jeweils einen Vorsitzenden. Dieser ist automatisch auch Teil der Vollversammlung.

Die Vollversammlung wählt ein Präsidium. Neben Präsident Armin Zitzmann wurden bei der Wahl 2024 auch die 13 Vizepräsidenten bestimmt.

Sitz Ihren Hauptsitz hat die IHK Nürnberg für Mittelfranken in Nürnberg. Hier befinden sich auch die Geschäftsstellen für das Nürnberger Land, Schwabach und den Landkreis Roth sowie die Geschäftsstelle für die Region Stadt Nürnberg. Zudem gibt es Geschäftsstellen in Ansbach, Erlangen und Fürth.

Ehemalige Präsidenten

Handelskammer Mittelfranken 1843–1845 Friedrich Campe 1843–1853 Carl Benedikt Crämer (1. Vorstand) 1845–1851 Albert Billing (2. Vorstand) 1851–1853 Daniel Ley (2. Vorstand)

Kreis-, Gewerbe- und Handelskammer Mittelfranken 1854–1856 Johann Christian Merck 1856–1857 Carl Conrad Cnopf 1857–1863 Johann Christian Merck 1863–1867 Johann Benedikt Zahn

Handels- und Gewerbekammer Mittelfranken 1869–1876 Hermann Müller 1876–1892 Friedrich von Grundherr 1893–1896 Jakob Volleth 1897–1898 (Vakant) 1899–1901 Ludwig Gebhardt 1902–1906 Otto Soldan

Handelskammer Nürnberg (ab 1912) 1907–1923 Eugen Mayer 1923–1924 Hermann Hetzel

Industrie- und Handelskammer Nürnberg (ab 1927) 1925–1933 Georg Ernst Schmidmer 1933–1937 Georg Schaub 1937–1939 Otto Strobl 1939–1942 Ernst Franke 1945–1946 Rudolf Kreutzer 1946–1948 Konsul Achill Scheuerle 1948–1952 Rudolf Haas 1952 (31. Januar bis 27. März) Wilhelm Nuber (kommissarisch) 1952–1963 Wilhelm Tafel 1963–1971 Fritz Scharlach 1971–1989 Konsul Senator Walter Braun 1989–1995 Gustl Drechsler

Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (ab Mai 1997) 1995–2000 Hubert Weiler 2000–2005 Hans-Peter Schmidt 2005–2010 Klaus L. Wübbenhorst 2010–2020 Dirk von Vopelius Seit 2020 Armin Zitzmann

Aufgaben Die IHK Nürnberg für Mittelfranken erfüllt als öffentlich-rechtliche Selbstverwaltungseinrichtung im Sinne des IHK-Gesetzes eine Vielzahl gesetzlich übertragener Aufgaben. Sie vertritt das Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung und unterstützt ihre Mitgliedsunternehmen.Die IHK ruft zur Wahl. In: Fränkischer Tag. 3. Oktober 2014. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören: Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region Öffentliche Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen Erstellung von Gutachten für Gerichte und Behörden Ausstellung von Ursprungszeugnissen und anderen Außenwirtschaftsdokumenten Überwachung und Förderung der dualen Berufsausbildung Durchführung von Fort- und Weiterbildungen mit IHK-Abschlüssen Beratung für Mitgliedsunternehmen, zum Beispiel zu unternehmerischen oder rechtlichen Fragen.Organigramm. (PDF; 0,5 MB) In: IHK Nürnberg für Mittelfranken. April 2025.

Die Aufgaben der IHK Nürnberg für Mittelfranken verteilen sich auf insgesamt sechs Geschäftsbereiche: Standortpolitik und Unternehmensförderung, Berufsbildung, Innovation und Umwelt, International, Recht und Steuern sowie Kommunikation.

Besondere Arbeitsschwerpunkte

Ehrbare Kaufleute Die IHK Nürnberg für Mittelfranken fördert nach eigenen Angaben in ihrer Arbeit aktiv das Leitbild der Ehrbaren Kaufleute. Mit eigens formulierten Leitsätzen bekennt sich die IHK laut eigener Aussage zu Demokratie, Menschenwürde, Pluralismus und verantwortungsvollem Unternehmertum.

Interessengemeinschaft Hochschulen Region Nürnberg (IGH) Die IHK Nürnberg für Mittelfranken koordiniert die Interessengemeinschaft Hochschulen Region Nürnberg (IGH). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss der Hochschulen in Mittelfranken und Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Die IGH soll den Hochschulausbau voranbringen und zudem die Belange der Hochschulen an die Regierung herantragen.Hochschulausbau: wichtiger Baustein der Standortentwicklung. In: Marktspiegel. 13. Juli 2016.

International Die IHK Nürnberg für Mittelfranken organisierte im Haus der Wirtschaft 16 Mal (Stand 2025) das Asien-Pazifik-Forum Bayern, eine Veranstaltung mit Vorträgen, Fachforen und Einzelberatungen rund um Investitionen und Handelsmöglichkeiten im asiatischen Raum.Thomas Tjiang: Sprungbrett für den bayerischen Mittelstand. In: Wirtschaftszeitung. 23. August 2019.

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