mini|Lásabrjótur im Huld-Manuskript Der Lásabrjótur (isländisch für „Schlossaufbrecher“) ist ein isländisches magisches Zeichen, das im Huld-Manuskript, einem isländischen Grimoire aus dem Jahr 1860, abgebildet und erklärt wird. Er gehört zu den sogenannten Galdrastafir (isländisch Plural von galdrastafur: „Zauberstäbe“, „Zauberzeichen“). Der Zweck des Lásabrjótur ist es, ein Schloss ohne Schlüssel öffnen zu können.
Beschreibung Das Zeichen ähnelt vom Aussehen her einem Schloss mit drei Schlüssellöchern; es kann jedoch auch ein kompliziertes Vorhängeschloss darstellen.Fois, S. 191
Das Huld-Manuskript, dessen Inhalt 1860 von dem isländischen Gelehrten Geir Vigfússon (1813–1880) in Akureyri zusammengestellt wurde, zeigt den Lásabrjótur auf Seite 56 unter Nummer XIV.S. 56 und S. 57 im Huld-Manuskript Links neben der Zeichnung wird die praktische Anwendung des Zeichens beschrieben. Unter der Zeichnung steht ein Satz in mittelalterlichen Runen, der zur Aktivierung des Zaubers ausgesprochen werden musste.Fois, S. 191
Satz in lateinischer Schrift mit Wort „lásinn“ (ᛚᛆᛋᛁᚿᚿ) in Runen: „Legg þennan staf við lásinn og blás í hann.“ Übersetzung: „Lege dieses Zeichen an das Schloss und blase in es hinein.“
Übertragung des in Runen dargestellten Satzes: „Tröll öll taki í mellu, taki í djöfu so braki.“
Der australische Wissenschaftler Justin Foster ergänzt „djöfu“ zu „djöful“ („Teufel“) und „so“ zu „svo“ („so“, „daher“, „dann“) und übersetzt: „Alle Trolle greifen nach dem Schloss, ergreifen einen Teufel, damit es bricht.“Foster, Huld Manuscript, S. 6
Foster erklärt, dass der Runen-Satz schwer zu übersetzen und seine Übersetzung spekulativ ist. Er vermutet, dass der Schreiber Wortformen und Schreibweisen absichtlich verändert hat, um Reime und Alliteration zu erreichen. Außerdem nimmt er an, dass die Bedeutung von Wörtern ausgedehnt wurde, damit sie sich in den Kontext einfügen. Er geht davon aus, dass „mellu“ wahrscheinlich von dem Wort „mella“ kommt, was dann speziell in diesem Satz die Bezeichnung für einen eisernen Türriegel ist. Nach Foster kann „braki“ sowohl ein brechendes Geräusch als auch zerbrochene Stücke bedeuten.Foster, Huld Manuscript, S. 6
Übertragung von Mila Fois: „Die Trolle sollen das Schloss ergreifen und die Dämonen die andere Seite, sodass es zerbricht!“Fois, S. 191
Übersetzung des Galdrasýning („Zaubereimuseum“) in Hólmavík in Island:Abbildung und Beschreibung des Lásabrjótur „Alle Trolle nehmen einen Hammer, nehmen einen Teufel und zerbrechen es.“
Siehe auch Liste isländischer magischer Handschriften mit Galdrastafir
Literatur
Ólafur Davíðsson: Isländische Zauberzeichen und Zauberbücher, in: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 13, Berlin 1903, S. 150–167 und S. 267–279; speziell zum Lásabrjótur S. 278 und Abbildung XLV. Mila Fois: Galdrastafir. I Magici Sigilli d’Islanda, 2018, ISBN 978-1-983-18150-4.
Weblinks Wikinger-Symbole, die keine sind – YouTube-Video vom 17. April 2021 (20" 33') Justin Foster: The Huld Manuscript - ÍB 383 4to. A modern transcription, decryption and translation, Juni 2015 Justin Foster: Galdrastafir. Icelandic Magical Staves Abbildungen und Beschreibungen von über 20 Galdrastafir (auch Lásabrjótur) Abbildungen und Erklärungen ztu etwa 40 Galdrastafir (auch Lásabrjótur) Abbildungen und Beschreibungen zu etwa 70 Galdrastafir (auch Lásabrjótur)
Einzelnachweise
Kategorie:Isländisches magisches Zeichen Kategorie:Magisches Objekt Kategorie:Symbol