mini|hochkant|Porträt von Ada Schnee, ca. 1918 Ada Schnee (* 17. Oktober 1872 als Ada Adeline Woodhill in Naseby, Neuseeland; † 11. Mai 1969 in West-Berlin) war eine britisch-deutsche Schauspielerin, Autorin und Ehefrau des Kolonialbeamten Heinrich Schnee.

Ihre autobiografische Schrift Meine Erlebnisse während der Kriegszeit in Deutsch-Ostafrika über ihr Leben in Deutsch-Ostafrika als Frau des letzten deutschen Gouverneurs wurde 1918 veröffentlicht. Darin schrieb sie über ihre Erfahrungen als Augenzeugin des Ersten Weltkriegs in Ostafrika und ihre Erlebnisse als weibliche Zivilgefangene der belgischen und britischen Militärbehörden.

Durch die Veröffentlichung ihrer Erinnerungen erlangte Ada Schnee öffentliche Aufmerksamkeit und hielt bis in die 1930er Jahre Vorträge, in denen sie über die deutsche koloniale Vergangenheit berichtete. Eine englische Übersetzung ihrer Memoiren wurde 1995 veröffentlicht.

Sowohl das Original als auch die übersetzte Fassung wurden in der internationalen und deutschen postkolonialen Literatur- und Militärgeschichtsforschung zitiert. Dabei standen vor allem ihre Perspektive als weibliche Zeitzeugin sowie die Bedeutung ihrer Erinnerungen im Zusammenhang mit der deutschen Kolonialgeschichte im Vordergrund. Weiterhin wurden ihre Aussagen über menschliches Leiden und geschlechtsspezifische Gewalt im Ersten Weltkrieg thematisiert.

Leben und Wirken

Frühe Jahre Ada Adeline Woodhill wurde 1872 in Naseby, Neuseeland, als Tochter eines englischen Vaters und einer irischen Mutter geboren. Im Jahr 1879 zog ihre Familie nach Sydney, Australien, wo sie in jungen Jahren eine Karriere als Theaterschauspielerin begann. Im Oktober 1900 verließ sie Sydney per Schiff, um neue Engagements in den USA zu suchen. Auf dem Dampfer lernte sie den 29-jährigen deutschen Diplomaten Heinrich Schnee kennen, der zuvor zwei Jahre im Kolonialdienst in Deutsch-Neuguinea verbracht hatte.Hans Draeger, Ada Schnee, die Gattin. In Hans Draeger (Hrsg.), Gouverneur Schnee: ein Künder und Mehrer deutscher Geltung. Berlin: Stilke, 1931, S. 115–136.

Im darauffolgenden Jahr traf sie Schnee wieder und heiratete ihn am 7. November 1901 in New York City. Das Paar verbrachte seine Flitterwochen auf einer Reise von der Ost- zur Westküste der Vereinigten Staaten und von dort weiter nach Deutsch-Samoa, wo Heinrich Schnee die Stelle des stellvertretenden Gouverneurs antrat.

Eheleben mini|260x260px|Heinrich and Ada Schnee in Apia, Samoa, 1902 Während unter Kaufleuten deutsch-britische Ehen nicht ungewöhnlich waren, suchten im Ausland lebende deutsche Beamte ihre Ehefrauen in der Regel in Deutschland, wobei auf eine passende soziale Herkunft geachtet wurde. Ada Woodhill war nicht nur Britin, sondern stammte als Kind von Einwanderern nach Australien auch aus bescheidenen Verhältnissen und hatte als Schauspielerin gearbeitet. Sie passte deshalb nach ihrer Hochzeit ihre Biografie den Erwartungen ihres Mannes, seiner Kollegen und Vorgesetzten an. Diese geschönte Version ihres persönlichen Werdegangs wurde 1931 als letztes Kapitel einer Festschrift zum 60. Geburtstag von Heinrich Schnee veröffentlicht.

Nach seiner Tätigkeit in Deutsch-Samoa bekleidete Heinrich Schnee diplomatische Ämter in London und Berlin und wurde 1912 zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika ernannt. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern war Schnee weder Aristokrat noch Offizier, sondern entstammte dem akademischen Bürgertum. Das Ehepaar richtete in der Residenz des Gouverneurs in Daressalam einen bürgerlichen Haushalt ein, zu dem auch ein tropentauglicher Flügel gehörte.

In Schnees ersten beiden Dienstjahren entwickelte sich die Kolonie durch die Fertigstellung der Eisenbahnlinie zwischen dem Tanganjikasee und Daressalam an der Ostküste, durch Fortschritte im Bereich der öffentlichen Gesundheit und der Tiergesundheit sowie durch verbesserte Beziehungen zwischen den Siedlern und der Kolonialverwaltung positiv. Ada Schnee begleitete ihren Mann auch auf Dienstreisen, zum Beispiel bei Besuchen in den deutschen Gemeinden in Tanga und anderen nördlichen Regionen des Landes im Dezember 1913.

Erster Weltkrieg Als im August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach und deutsche und britische Truppen in Ostafrika gegeneinander kämpften, geriet Ada Schnee in eine schwierige Lage. Geboren und aufgewachsen in Neuseeland und Australien, war sie stolz auf ihre britische Herkunft. Dennoch war sie ihrem Mann gegenüber loyal und unterstützte die deutsche Seite. Heinrich Schnees Stellvertreter Wilhelm Methner schrieb später über sie: „Die Gattin des Gouverneurs, die von Geburt Engländerin war, traf das bittere Los, die Söhne ihres Vaterlands und ihres Adoptivlandes im Kampf gegeneinander zu sehen.“ Methner nannte sie eine „mutige und aufrechte Frau“, die „viel Feindschaft“ ertragen musste. Als selbstbewusste Frau, die ungeachtet ihrer britischen Herkunft das Vertrauen ihres Mannes genoss, stieß sie in den konservativen Kreisen der deutschen Kolonie auf Misstrauen und Ablehnung, insbesondere bei Offizieren, die dem Kommandeur der deutschen Schutztruppe, Paul von Lettow-Vorbeck, nahestanden.

Als Gouverneur blieb Heinrich Schnee bis zum Ende des Krieges bei den unter dem Kommando von Lettow-Vorbeck kämpfenden deutschen Truppen, stand jedoch in dessen Schatten. Während der Abwesenheit ihres Mannes übernahm Ada Schnee eine führende Rolle für die deutsche Zivilbevölkerung. Als die alliierten Truppen vorrückten, wurden sie und andere Zivilisten nach Tabora, der größten Stadt im Landesinneren, evakuiert. Nach der Schlacht von Tabora im September 1916 wurde Tabora durch Kolonialtruppen aus Belgisch-Kongo unter Führung von Generalmajor Charles Tombeur erobert. Zusammen mit 140 deutschen Frauen und Kindern wurde Schnee als Zivilgefangene interniert.

Auf ihre Bitte hin durften sie und die meisten anderen deutschen Frauen und Kinder später Tabora verlassen und wurden in Lager in Belgisch-Kongo gebracht. Von dort wurden sie per Schiff nach Frankreich evakuiert. Dort schrieb sie Anfang Juli von Angers aus in einem Brief an die stellvertretende Vorsitzende des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft: „Wie furchtbar es für uns alle draußen war, davon kann man sich keinen Begriff machen. Alle müssen fallen, wenn sie nicht gefangen werden. Es ist herzbrechend… Und Helden sind sie nicht einmal oder zweimal, sondern zwanzigmal.“ Schließlich wurde sie den britischen Behörden übergeben, die Ada Schnee im September 1917 über weitere Internierungslager nach Deutschland entließen. Ihr Mann kehrte nach der Kapitulation der deutschen Truppen im November 1918 nach kurzer Internierung Anfang 1919 nach Deutschland zurück.

Erinnerungen an Deutsch-Ostafrika im Ersten Weltkrieg mini|Meine Erlebnisse während der Kriegszeit in Deutsch-Ostafrika, 1918 Ada Schnee veröffentlichte ihre im Juli 1918 fertiggestellten Erinnerungen kurz vor dem Waffenstillstand am 11. November 1918.Offizielle Dokumente des Auswärtigen Amtes vom 9. November 1918 hatten das Buch bereits positiv bewertet und weitere Exemplare beim Verlag bestellt. Siehe Eine 1995 erschienene englische Übersetzung trug den Titel Bibi Mkuba: My experiences in German East Africa during World War I. Im Unterschied zum deutschen Original wurde dem englischen Titel die höfliche Swahili-Anrede „Bibi Mkuba“Die im Titel und in Schnees Text verwendete Schreibweise "Bibi Mkuba" ist fehlerhaft; die korrekte Swahili-Form lautet "Bibi Mkubwa". vorangestellt, eine für ältere oder hochrangige Frauen übliche Bezeichnung.

In ihren Erinnerungen schildert Schnee ihre Erlebnisse als Ehefrau des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika während des Ersten Weltkriegs. Dabei gibt sie sowohl eigene Erfahrungen als auch Informationen aus zweiter Hand über den Kriegsverlauf wieder. Auf den knapp 200 Seiten des Buchs beschreibt sie zunächst den Ausbruch des Krieges, dann die britischen Angriffe auf Daressalam und die Spannungen zwischen ziviler und militärischer Führung auf deutscher Seite, die Kämpfe der deutschen Truppen unter Lettow-Vorbeck, Generalmajor Kurt Wahle und anderen, nachdem sich die Offensiven der Alliierten verstärkt hatten, den Zusammenbruch der Kolonialverwaltung, die Not der Zivilbevölkerung und ihre eigenen Bemühungen um die Organisation von praktischen und medizinischen Hilfsmaßnahmen.

In den beiden letzten Kapiteln beschreibt sie ihre Internierung in Tabora und die anschließende beschwerliche Evakuierung als Gefangene durch Belgisch-Kongo, Großbritannien und Frankreich sowie ihre schließliche Rückkehr nach Deutschland.

In ihrem Vorwort betont sie: „Will Deutschland eine Weltmacht bleiben, dann kann es die Kolonien nicht entbehren. Der Besitz von Deutsch-Ostafrika hat sich als eine Notwendigkeit erwiesen.“

Spätere Jahre in Deutschland Durch die Veröffentlichung ihrer Erinnerungen wurde Ada Schnee als Augenzeugin der deutschen Kolonialherrschaft und des Ostafrika-Feldzugs bekannt und setzte sich für die Sache der Deutschen Kolonien ein. Bereits im März 1918 hatte sich die Frauenrechtlerin Minna Cauer mit ihr getroffen. Cauer, die in ihrem Tagebuch Schnees revisionistische Ansichten vermerkte, lud sie ein, vor dem Verein Frauenwohl über koloniale Fragen zu sprechen.Else Lüders. (1925) Minna Cauer: Leben und Werk. Dargestellt an Hand ihrer Tagebücher und nachgelassenen Schriften. Gotha, Leopold Klotz, S. 125–126. Im August 1918 veröffentlichte Schnee einen Beitrag in der Deutschen Kolonialzeitung, in dem sie die besonderen Leistungen der deutschen Kolonialverwaltung für die Bildung der afrikanischen Bevölkerung und ihrer Hebung „aus ihrem primitiven Urzustand“ hervorhob., zitiert nach: Auch in den folgenden Jahren wurde sie wiederholt zu Vorträgen über ihre Erlebnisse in den ehemaligen Kolonien eingeladen, zum Beispiel vom Bund Deutscher Frauenvereine. Im Bund der Auslandsdeutschen, dessen Präsident Heinrich Schnee seit 1926 war, fungierte Ada Schnee als Vorsitzende der 1930 gegründeten Frauengruppen, deren Aufgabe vor allem darin bestand, als „Willkommens-Klubs“ ausländische Besucher in Deutschland zu betreuen. mini|Grabstein für Heinrich und Ada Schnee, Friedhof Heerstraße, Berlin Heinrich Schnee, der intensiv für die Wiedergewinnung der deutschen Kolonien warb, war während der Weimarer Republik von 1924 bis 1932 für die Deutsche Volkspartei Mitglied des Reichstags und gehörte nach seinem 1933 erfolgten Eintritt in die NSDAP dem nationalsozialistischen Reichstag an. Wegen dieses Mandats wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Entnazifizierung zunächst als „belastet“ eingestuft. Als Pensionär hatte er 1949 einen Autounfall, an dessen Folgen er am 23. Juni des Jahres in Berlin starb.

Letzter Lebensabschnitt 1964 gab Ada Schnee die Memoiren ihres verstorbenen Mannes über seine Jahre in Deutsch-Ostafrika unter dem Titel Als letzter Gouverneur in Deutsch-Ostafrika – Erinnerungen heraus. Sie starb im Alter von 96 Jahren am 11. Mai 1969 in Berlin und wurde neben ihrem Mann auf dem Friedhof Heerstraße beigesetzt.

Rezeption

Wissenschaftliche Veröffentlichungen Studien zur deutschen Kolonialgeschichte konzentrierten sich bis in die 1980er Jahre auf männliche Akteure, während das Leben und Wirken von Frauen in den ehemaligen deutschen Kolonien vernachlässigt wurde. Daher wurden auch von Frauen verfasste Autobiografien in der deutschen Kolonialgeschichte nur am Rande berücksichtigt. Diese Zeit wurde in erster Linie als Geschichte weißer Männer und ihrer Leistungen als Entdecker und Forscher, Soldaten, Missionare und Händler interpretiert. Im Vordergrund standen die Kolonialpolitik und ihre Rechtfertigung sowie macht-, wirtschafts- und militärgeschichtliche Aspekte.