Pobučí (deutsch Pobutsch) ist ein Ortsteil der Gemeinde Jestřebí (Groß-Jestřeby) im Okres Šumperk in Tschechien.
Geographie Pobučí liegt 5 km südwestlich der ehemaligen Bezirks- bzw. Kreisstadt Zábřeh (Hohenstadt an der March) und unterhalb des Kalvarien-, Wach- oder Laudonberges, der eine Seehöhe von 479 mGedenkbuch der Gemeine Pobutsch, angelegt in Pobutsch von 1927 bis 1938, S. 3 hat, sowie der Pessingkoppe, in deren Rücken sich weite Waldungen bis hinunter in das Buseletal ausdehnen.
Die Ortschaft befindet sich am Ostrand der ehemaligen deutschen Sprachinsel Schönhengstgau. Nachbarorte sind Jestřebí u Zábřeha, die Gemeinde Lukavice na Moravě mit dem Ortsteil Slavoňov (Schützendorf), Mohelnice (Müglitz) mit dem Ortsteil Řepová (Rippau), die Gemeinde Krchleby na Moravě (Chirles) und die Gemeinde Nemile mit dem Ortsteil Lupěné (Lupelle). Es ist über Straßen von Norden über Jestřebí und von Osten über Zvole (Schmole) erreichbar und von Südwesten über Krchleby.Historie obce. In: Oficiální stránka obce Jestřebí. Abgerufen am 30. August 2025
Geschichte Pobutsch wurde bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt: Einmal am 25. November 1273 in einer Urkunde an den Müglitzer Erbrichter Hermann und ein zweites Mal am 21. Jänner 1275, als der Olmützer Bischof Bruno von Schauenburg seinen Hofkaplan zum Pfarrer von Müglitz ernannte. Die altehrwürdigen Rechte der Müglitzer Kirche sind genau beschrieben. Dazu gehörten die Einnahmen und Einkünfte von Pobutsch aus Steuern, Zinsen, Wiesen, Wäldern, Feldern, Fischerei und Jagdrechten und außerdem noch die Gerichtsbarkeit. Die Geschichte und Schicksale des Erbgerichtes in Pobutsch lassen sich vom Jahre 1501 lückenlos verfolgen. Durch Jahrhunderte wurde dieses Erbgericht von der Familie Unzeitig verwaltet, die aus Sachsen eingewandert sein soll.
Während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1644 gab es im Dorf 28 Gehöfte, von denen nur noch zehn bewohnt waren. 1677 gab es bereits 22 bewohnte Gehöfte. Während des Siebenjährigen Krieges traf am 5. Mai 1758 General Laudon mit einigen Tausend Mann in Hohenstadt ein. Er leitete vom Wachberg in Pobutsch den Kampf gegen König Friedrich II. von Preußen. Daher wird der Wachberg seither manchmal auch Laudonberg oder Laudonhügel genannt.
Eine Schule besaß Pobutsch bereits 1770. Zum Schulsprengel gehörten auch Lupelle und Klein-Jestřeby. 1791 bestanden in Pobutsch 37 Häuser, das Dorf gehörte damals zur Herrschaft Mürau. Es gab 140 Joch „geringes Ackerland“.Franz Josef Schwoy, Topographie vom Markgrafthum Mähren, Band 1: Olmützer Kreis, Wien 1793, S. 392 - abgerufen am 10. August 2025. Im Jahr 1832 entstand die Kirche. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften wurde Pobutsch um 1850 dem Bezirk Bezirk Hohenstadt zugeordnet.
Bis 1858 eine eigene Pfarrei errichtet wurde, gehörte Pobutsch zur Pfarre Schmole.Gregor Wolny, Die Markgrafschaft Mähren topographisch, statistisch und historisch geschildert, V. Band: Olmützer Kreis, Brünn 1839, S. 594 – abgerufen am 10. August 2025. Ebenfalls 1858 wurde der Friedhof errichtet. Diese Jahreszahl wurde in den rechten Sandstein des Eingangs eingraviert. Zuvor waren die Toten von Pobutsch in Schmole bestattet worden.Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 21.
Im Jahr 1834 gab es im Dorf 56 Häuser und 409 Einwohner. Im Jahr 1900 hatte Pobutsch 60 Häuser. Die Gesamtfläche der Gemarkung betrug 417 Hektar. Davon entfielen 257 Hektar auf Äcker, 15 Hektar auf Wiesen, knapp sieben Hektar auf Gärten, 25 Hektar auf Hutweiden und 95 Hektar auf Wald. An Vieh wurden gezählt: 12 Pferde, 154 Rinder und 95 Schweine. Schafe gab es zum Zeitpunkt der Erhebung keine.k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, Band X: Mähren, Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900, Wien 1906, S. 66 f. 1913 wurde die Dorfstraße gebaut, die von Groß-Jestřeby kommend bis zur Chirleser Grenze reichte. Allerdings wurde die Straße vor dem Ersten Weltkrieg nicht mehr gewalzt, dies erfolgte erst ab November 1935.Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 45 u. 206
1914 bis 1938 Vor 1918 hatte das Gebiet zum Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn gehört, danach wurde es Teil der 1918 gegründeten Tschechoslowakei. Das Dorf hatte im Ersten Weltkrieg sechs Gefallene zu beklagen, zwei weitere starben 1924 und 1926 an den Spätfolgen.Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 58 f. Während des Ersten Weltkriegs wurde die größere der beiden Kirchenglocken – St. Michael – requiriert. Verblieben ist St. Veronika. Im Jahr 1925 konnte die Gemeinde zwei neue Glocken anschaffen – die unbefleckte Empfängnis-Glocke sowie die Johann-und-Paul-Glocke, zugleich Kriegergeschädigten-Glocke genannt –, die am 19. April geweiht wurden. Das Glockenspiel der Pobutscher Kirche hatte fortan die Tonart D, G, H (Dur).Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 72 ff.
In der ersten Jahreshälfte 1925 wurde gegen den Widerstand der Gemeinde ein Teil der Schulleiterwohnung von der Bezirksverwaltung in Hohenstadt beschlagnahmt, um eine tschechische Minderheitenschule zu errichten. Diese wurde als Staatsschule mit Beginn des neuen Schuljahres nach Umbauarbeiten im Sommer eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt wohnte in Pobutsch nur eine kurz vorher aus einem Nachbardorf zugezogene rein tschechische Familie, deren drei schulpflichtige Kinder die neue tschechische Schule besuchten. Da der Behörde diese Anzahl zu wenig war, mussten etwa ein Dutzend Kinder aus der Minderheitenschule in Klein-Jestřeby nach Pobutsch in die Schule gehen. Dadurch war allerdings wiederum die Schule in Klein-Jestřeby in ihrem Bestand gefährdet, so dass die Volksschule in Groß-Jestřeby eine entsprechen Zahl an Schülern nach Klein-Jestřeby sandte. Neben dieser Steuergeldverschwendung befürchtete die Gemeinde eine planmäßige tschechische Unterwanderung und damit Schwächung der Stellung ihrer deutschen Gemeindeschule im Rahmen der allgemeinen Tschechisierungspolitik des Staates. Außerdem kam sie durch die Beschlagnahme in Unterbringungsnöte für den deutschen Schulleiter. Nach dem Wegzug der tschechischen Familie im März 1926 wurde der Schulbetrieb mit auswärtigen Kindern, nun auch aus Schmole, bis Ostern 1927 aufrechterhalten. Nach Schließung der Schule dauerte es noch bis zum Sommer 1929, bis die Gemeindeverwaltung wieder voll über die Räume verfügen und die Wiederherstellung der ursprünglichen Schulleiterwohnung veranlassen konnte. Vorausgegangen waren Initiativen von Gemeindevorsteher und Ortsschulrat zur frühzeitigen Schulschließung und Räumung, unterstützt von deutschen Volksvertretern. Maßgeblichen Anteil hatte hierbei der Abgeordnete Franz Hodina, der aufgrund seiner Verdienste am 25. November 1927 zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt wurde. Insgesamt fielen rund 120.000 Kč an Steuergeldern an für Umbaumaßnahmen, Einrichtungsgegenstände und Lehrmittel für die tschechische Schule, Personalkosten sowie Mietzahlungen an die Gemeinde für die beschlagnahmten Räume.Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 124–154
mini|Pobutsch vom östlichen Hang des Wachbergs aus gesehen (Datum unbekannt) mini|Bebauung unterhalb der Kirche auf der östlichen Seite der Dorfstraße. Die genannte Verschleppung der Rückgabe der beschlagnahmten Räumlichkeiten ist wohl auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass nationalistische tschechische Kreise in den Jahren 1926 bis 1928 versuchten, auf einer erworbenen, vom Ortskern rund 800 m entfernt liegenden Parzelle in einem Waldstück eine Doppelaushälfte zur Ansiedlung von kinderreichen, tschechischen Familien gegen den Widerstand im Dorf zu errichten. Zusätzlicher Unmut entstand durch unangemeldete Vermessungsarbeiten und nicht autorisierte Rodungen selbst auf Nachbargrundstücken, die Teils der Gemeinde und Teils Privatpersonen gehörten. Die Gemeindevertretung lehnte auf Grund der großen Entfernung zum geschlossenen Baugebiet die Übernahme von Polizeiaufsicht, Wasserversorgung oder anderen Verpflichtungen ab, ebenso die etwaige Kanalisierung oder Ablenkung des Ober- und Unterwasser. Sie hegte wegen der Lage im Wald auch Bedenken bezüglich Feuer oder anderen Elementargefahren. Das Bauvorhaben scheiterte schließlich.Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 131–137
1927 wurden in Pobutsch zwei neue Häuser gebaut, die Zahl der Hausnummern stieg daher in diesem Jahr von 60 auf 62.Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 7 Nachdem es bereits im November 1927 einen ungewöhnlich strengen Winter mit Tiefsttemperaturen von −25 °C bis −32 °C gegeben hatte, wurden im Winter 1928/29 Temperaturen zwischen −28 °C und −34 °C gemessen. Am 3. Oktober 1930 fand eine Zählung der Obstbäume einschließlich Feststellung der durch die Frostkatastrophe 1929 verursachten Schäden statt: von den knapp 600 Apfelbäumen blieben 465 erhalten, von den 325 Birnbäumen überdauerten 248, von den 466 Kirschbäumen starben 160 ab. Die 1625 Zwetschgenbäume reduzierten sich auf 521, die 54 Nußbäume auf 24 und die Anzahl der Ribissträucher sank von 25 auf 4.Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 105, 117 und 169
Nachdem bereits 1928 ein weiteres Haus im Ort gebaut wurde, entstand im Jahr 1934 Haus Nummer 64. Im selben Jahr wurde außerdem das Armenhaus umgebaut und erweitert.Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 117 und 198 Am 8. Juli 1936 brach im Haus Nr. 57 ein Feuer aus, das wegen Trockenheit rasch auf angrenzende Gebäude übergriff. Drei Anwesen wurden vollständig zerstört sowie der Dachstuhl einer Scheune verbrannt, sämtliches Vieh wurde gerettet. Weitere Gebäude waren gefährdet, der Dorfchronist vermerkte: „Flammen leckten bereits an der Kirche und an anderen Häusern.“ Neben der eigenen Feuerwehr waren acht Wehren aus umliegenden Orten sowie die Feuerbereitschaft der Hohenstädter Garnison im Einsatz. Nach dem Brand stellte die Gendarmerie Verhöre an, ein mutmaßlicher Brandstifter aus dem Ort wurde vor Gericht gebracht. Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Außerdem entstand ein zusätzliches Haus mit der Hausnummer 65 am oberen Dorfende.Gedenkbuch der Gemeinde Pobutsch, S. 208 ff.
mini|Die Sprachsituation im Gerichtsbezirk Hohenstadt im Jahr 1910 - Pobutsch befindet sich unten in der Mitte. + Bevölkerungsentwicklung von 1791 bis 1939JahrEinwohnerzahlBemerkungen17912851834409186 männliche, 223 weiblich1869379Mitteilungen des Statistischen Zentralamtes, Jahrgang XXII (1941), Nummer 116–134, Reihe D, Nr. 53–57. Die Einwohnerzahl der Sudetenländer 1869–1940. Band VI, Sudetendeutsche Gebiete. S. 946 f.1880395369 Deutsche, 26 Tschechen1890394382 Deutsche, 12 Tschechen1900400400 Deutsche, 0 Tschechen1910366361 Deutsche, 5 Tschechen1921376340 Deutsche, 35 Tschechen1930392378 Deutsche, 14 Tschechen1939393379 Deutsche, 14 TschechenSämtliche Bewohner waren römisch-katholischen Glaubens.
Ab 1938 mini|hochkant|Ortsplan mit dem Gebäudebestand 1896 sowie 1945. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestanden folgende Vereinigungen im Ort: Kirchenchor, Bund der Deutschen Nordmährens, eine Ortsgruppe des Deutschen Kulturverbandes (1929), Rotes Kreuz, Freiwillige Feuerwehr (1884 oder 1887), Raiffeisenkasse (1898), Molkereigenossenschaft (1913), Lichtgenossenschaft (1923), Landwirtschaftlicher Verein, Notschlachtungsverein, Selbsthilfeverein.