mini|Bernhard (Baruch) Luttermersk Bernhard Luttermersk (* 6. April 1828 in Altona;Königlich Privilegirte Altonaer Adreß-Comtoir-Nachrichten, 10.5.1828, Seite 3 † 5. September 1871 ebenda) war ein Protagonist der schleswig-holsteinischen Erhebung, Soldat und Journalist. Er publizierte ausschließlich kleine literarische Formen in Periodika, die oft den politischen Zeitgeist liberal orientierter Bevölkerungsteile widerspiegelten. Breiten Kreisen bekannt wurde er 1848 als politischer Gefangener.
Familie Bernhards Vater war der aus Warschau nach Altona zugewanderte jüdische (aschkenasische) Moritz (Mosche, Moses) Luttermersk (1789–1847). Der wohl eingedeutschte Familienname „Luttermersk“ (bisweilen auch historisch in Quellen aufscheinend als „Luttermerck“, „Lutermersk“, „Luttermerks“ und ähnlichen Varianten), eventuell herrührend aus einer Herkunftsangabe, entstand vermutlich erst durch die Judenemanzipation mit dem staatlichen Zwang zur profanen Namensannahme. Moritz Luttermersk arbeitete zunächst als Lehrer an einer Schule, ehelichte dann jedoch im Februar 1827 Theres (Therese) Lion, die Witwe des Altonaer Schlachters Levin David.Nomen Nescio: Verzeichniß der bey hiesiger hochdeutscher Israelitischen Gemein[d]e im Monat Februar d.[ieses] J.[ahres] Gebor[e]nen, Gestorbenen und Kopulirten, in: Königlich privilegirte Altonaer Adreß-Comtoir-Nachrichten, Nr. 20, 10. März 1827, Seite 3. Darin ist die Heirat eines Moritz Luttermersk und einer Theres Lion vermerkt. Im Altonaer jüdischen Geburtenregister steht sodann die Geburt eines männlichen Kindes für den 6. April 1828 vermerkt; in der Rubrik der Eltern wird aber allein der Name des Vaters Moritz Luttermersk erwähnt, nicht aber der Name der Mutter. Auch der Name des geborenen Kindes fehlt; der Eintrag lautet vielmehr nur „Sohn“. Es wird daher vermutet, dass es sich hierbei um den Geburtsnachweis von Bernhard Luttermersk handelt, denn später wird Bernhard in dem Census 1840 der Stadt Altona als 12 Jahre alt bezeichnet; er wird daher 1828 geboren worden sein. Allerdings heißt es dort, dass in dem Hause der Kleinen Elbstraße 3 der Schlachtermeister Moritz Luttermarck mit seiner Ehefrau Betse Luttermarck geborene Heilbuth wohnen würde und Bernhard sei „deren Sohn“. Es ist vorläufig unklar, wer nun eigentlich die Mutter Bernhards war, vieles spricht aber für Betzy Heilbut. Die Altonaer Volkszählung 1840 ist erreichbar über die Datenbank der Webseite des Arbeitskreises Volkszahlregister unter dieser Website; der herangezogene 1828er Geburteneintrag des ungenannten „Sohn“[es] findet sich dagegen über diese Website in der online zugänglichen Genealogie-Datenbank „Family Search“ auf der virtuellen Digitalaufnahme Nr. 165. Das Fehlen der Namensangabe der geborenen Kinder ist in diesem Geburtenverzeichnis im Übrigen die Regel, daher ist dieser Fall nicht außergewöhnlich. Dass Bernhard Luttermersk im Jahre 1828 in Altona als Sohn eines Schlachters geboren wurde, wird indes auch nachgewiesen in der Kurzvita, abgedruckt in: Die Reform (Altona), Nr. 34, 27. April 1850, Seite 1. Moritz Luttermersk übernahm schließlich dessen nachgelassene Schlachterei,Altonaisches privilegirtes Adreßbuch für 1849, Altona 1849, S. 74 engagierte sich auch als Präses des „Israelitischen Schlachter-Vereins“ und als Inspektor der jüdischen „Freischule für die Armen“. Altonaisches Address-Buch für das Jahr 1831, altona 1831, S. 280–281 Seine Frau dürfte jedoch wohl sehr bald nach der Eheschließung verstorben sein, da er sich vermutlich in zweiter Ehe zu einem unbekannten Zeitpunkt an einem unbekannten Ort mit der ledigen Betzy (Betse, Betzi, Betty) Heilbut (1802–1868) verheiratete, die vermutlich die Mutter alle seiner Kinder wurde. Zu ihnen zählte als ältestes Kind 1828 auch Bernhard, der im Schlachterei-Hause seiner Eltern im Altonaer Eruv in der Kleinen Elbstraße 3 aufwuchs. Er besaß mehrere jüngere Geschwister. Dazu zählten 1) die ledige taubstumme Henriette (Jette, Gätel) Luttermersk (1833–1870),Zu ihr siehe Schleswig-Holsteinisches Landesarchiv zu Schleswig, Abt. 64.1, Nr. 2381 (Patientenakte Henriette Luttermerks aus Altona, 1853) 2) Rosalie Luttermersk (1835–1911), verheiratet mit dem Altonaer Schlachter Süßkind Wertheim,Ihre Trauerannonce findet sich im Hamburger Fremdenblatt vom 19. April 1911, Seite 4. 3) die ledige Lehrerin Friederike (Riekke) Luttermersk (1836–1874), 4) Eduard (Edouard Elias) Luttermersk (1840–1906), Export- und Import-Kaufmann in Chile und Paris, vermählt mit der Deutschchilenin Julie Matthias,Zu ihm siehe Schleswig-Holsteinisches Landesarchiv zu Schleswig: Abt. 611.1, Nr. 1552 (Eduard Luttermersk, Staatsangehörigkeitsklärung, 1924; eine Trauerannonce seiner Familie befindet sich im Hamburger Fremdenblatt vom 6. Dezember 1906, Seite 4. 5) Sara (Sarah) Luttermersk (-1910), verheiratet mit dem Hamburger Kaufmann Nathan Levy,Eine Trauerannonce ihrer Familie findet sich im Hamburger Fremdenblatt vom 11. Mai 1910, Seite 4. und 6) die ledige „gemüthskranke“ Sophie Luttermersk (1843–1915).Zu ihr siehe Niedersächsisches Staatsarchiv Oldenburg, Nr. 646: Sophie Luttermersk, Patientenakte der Irrenheilanstalt in Wehnen, 1869-1874; Schleswig-Holsteinisches Landesarchiv zu Schleswig, Abt. 64.1, Nr. 3444 (Patientenakte Sophie Luttermerks aus Altona, 1874-1916) Nach nur drei Generationen erlosch die Altonaer Familie Luttermersk jedoch bereits wieder im Mannesstamme mit dem im Jahre 1915 in Flandern gefallenen Hamburger Export- und Kommissionsgeschäfts-Kaufmann und ProkuristenNomen Nescio: Handel, in: Neue Hamburgische Börsenhalle (Hamburg), Nr. 663 vom 31. Dezember 1908, Seite 1 Albert Luttermersk (einem Sohn des oberwähnten Eduard Luttermersk).
Jugend und Studium Schon früh aus dem geschwisterlichen Kreis wegen seiner Intelligenz und gedanklichen Aufgeschlossenheit herausragend,Die Reform, 27.4.1850, Seite 1 kam Bernhard Luttermersk auf das Altonaer Gymnasium Christianeum, wo er bereits als Primaner, schon früh rhetorisch begabt, bei Festen Reden hielt.Königlich Privilegirte Altonaer Adreß-Comtoir-Nachrichten, 20.9.1845, Seite 1 Das Gymnasium verließ er mit Abschluss Mitte April 1847, um in Heidelberg zu studieren.Königlich Privilegirte Altonaer Adreß-Comtoir-Nachrichten, 10.4.1847, Seite 3 An der Ruprecht-Karls-Universität wurde er 19-jährig am 20. April 1847 im Fach Jura immatrikuliert.Gustav Toepke (Hg.): Die Matrikel der Universität Heidelberg, Teil VI, Heidelberg 1907, Seite 37, Eintrag Nr. 60
Militärdienst und Haft Bald schon aber unterbrach er sein Studium,Nomen Nescio: Vollständige und ausführliche Geschichte der schleswig-holsteinischen Erhebung, Band II, Altona: Heilbutt 1855, Seite 77 um aus patriotischen Gründen in seine Heimat nach Holstein zurückzukehren, hier im März 1848 als Freiwilliger beim Freikorps des Grafen Kuno zu Rantzau-Breitenburg in Dienst zu treten,Johann Johannsen: Blätter der Erinnerung eines Kriegers aus dem Jahre 1850, Kiel: Universitätsbuchhandlung 1872, Seite 16 welches jedoch bereits im Juli 1848 wieder aufgelöst worden war. Den Freischarangehörigen war indes freigestellt worden, ob sie anschließend in die reguläre schleswig-holsteinische Armee eintreten wollten; von diesem Angebot machte Luttermersk Gebrauch.Hamburger Freie Presse, Nr. 101, Morgenausgabe, 24. Mai 1893, Seite 3 (Erinnerungen eines anonym gebliebenen „alten schleswig-holsteinischen Invaliden“. Der Artikel rückt einige Falschbehauptungen zurecht (unter anderem das angebliche Todesurteil), beinhaltet aber neue Falschbehauptungen, so die, dass Luttermersk zu 20 Jahren Festungsarbeit verurteilt worden wäre.)
Er kam dann als Musketier in das unter dem Kommando des Hauptmanns v.Zastrow stehende 7. Infanterie-Bataillon der regulären schleswig-holsteinischen Armee mit Garnison in Lütjenburg. Hier war er im November 1848 Urheber einer handschriftlich angefertigten Adresse,Nomen Nescio: Vollständige und ausführliche Geschichte der schleswig-holsteinischen Erhebung, Band II, Altona: Heilbutt 1855, Seite 77 die Kameraden dazu aufforderte, nicht gegen das Volk zu kämpfen, als es galt, dass General v.Wrangel mit Soldaten nach Berlin ziehen sollte, um zu helfen, dort die Revolution zu unterdrücken.C. Godt: Geschichte Schleswig-Holsteins, Band III (1848–1888), Altona: Reher 1888, Seite 76
Luttermersk hatte seine Adresse zudem nach Plön ins „Langtimschen Ressourcen-Local“ getragen,Altonaer Mercur, Nr. 503, 5. Dezember 1848, Seite 1677–1678. um dort von weiteren Militärs Unterschriften zu sammeln. Von dort aus jedoch wurde Luttermersks Adresse dem Bataillonskommandeur übergeben.Einer für viele: Antwort auf die in der Schleswig-Holst.[einischen] Zeitung vom 25. November, Nr. 193 inserierte Erklärung des im 7. Infanterie-Bataillon stehenden Soldaten B. Luttermersk, in: Altonaer Merkur, Nr. 497, Abendblatt, 1. Dezember 1848, Seite 1 Zugleich ließ Luttermersk seinen Adressentext aber auch der Presse zukommen; dort wurde er am 19. November 1848 abgedruckt: