Le cantatrici villane (deutsche Titel: Die Dorfsängerinnen, Die Sängerinnen auf dem Lande oder Die ländlichen Sängerinnen) ist eine Opera buffa (Originalbezeichnungen: „commedia per musica“ bzw. „dramma giocoso“) in zwei Akten mit Musik von Valentino Fioravanti und einem italienischen Libretto von Giovanni Palomba. Die Uraufführung fand im Januar 1799 zur Karnevalssaison 1798/1799 im Teatro dei Fiorentini in Neapel statt. Es handelt sich um eine der beliebtesten Opern ihrer Zeit.

Handlung

Kurzfassung

Erster Akt. Die vier Landfrauen Rosa, Giannetta, Nunziella und Agata singen bei ihrer alltäglichen Arbeit. Der Tourist Don Bucefalo, ein Kapellmeister, hört sie und will sie für das Theater gewinnen. Rosa führt sich sofort wie eine Primadonna auf, was bei den die anderen Frauen zu der Vermutung führt, dass sie ein Verhältnis mit Bucefalo habe. Der ältliche Don Marco, der Rosa seit längerem liebt, wird eifersüchtig. Rosas erster Mann Carlino ist abwesend, da er einen Mord begangen hat und nach Spanien geflohen ist. Man hält ihn für tot. In Wirklichkeit ist er soeben als Soldat verkleidet in sein Heimatdorf zurückgekehrt und will unerkannt herausfinden, ob Rosa ihm die Treue gehalten hat. Als er ihre Beziehungen zu Bucefalo und Marco bemerkt, gerät er in Wut. Er dringt unter dem Vorwand einer militärischen Einquartierung in Rosas Haus ein. Bucefalo und Marco verstecken sich eilig in Fässern, werden aber von den anderen Frauen verraten.

Zweiter Akt. Don Marco will in Rosas Haus eine Oper aufführen – mit Rosa und sich selbst in den Hauptrollen und Bucefalo als Dirigenten. Carlino schmuggelt einige bewaffnete Männer in die Probe ein, die auf sein Zeichen aufspringen sollen, um Bucefalo und Rosa zu ermorden. Bevor es zum Äußersten kommt, treffen Soldaten ein. Carlino gibt sich Rosa zu erkennen. Damit sind alle Missverständnisse gelöst und werden vergeben.

Erster Akt

Ein kleiner Dorfplatz; auf einer Seite Rosas Bauernhaus und das Tor zu Giannettas Garten, auf der anderen Agatas Gasthaus, Don Marcos Villa und Nunziellas Laden; im Hintergrund Landschaft mit einigen Hütten

Szene 1. Rosa, Giannetta, NunziellaIn einer späteren Fassung der Oper wurde die Bäckerin Nunziella durch den Kellner Giansimone ersetzt. und Agata besingen den schönen ländlichen Morgen und die Liebe, während sie sich mit ihren Alltagsarbeiten beschäftigen (Introduktion: „Che bel gusto è in sul mattino“). Der Kapellmeister Don Bucefalo, der im Gasthaus frühstückt, lobt ihren Gesang überschwänglich. Er möchte alle vier sogleich für das Theater gewinnen und fragt sie nach ihren Namen und Lebensverhältnissen. Rosa erzählt, dass ihr Mann Carlino in Spanien gestorben sei, wohin er nach einem Mord geflohen war. Auch die Wirtin Agata ist verwitwet. Beide haben zwar keine Gesangsausbildung genossen, aber Rosa hat acht Jahre bei einer Sängerin gearbeitet, und Agata war oft in der Oper. Sie sind aufgeschlossen für Don Bucefalos Vorschlag. Auch Giannetta und Nunziella wollen mitmachen (Arie Giannetta: „Un cor mi predice“).

Szene 2. Don Bucefalo schlägt vor, für die ersten Übungen das Cembalo eines seiner Schüler in Rosas Haus bringen zu lassen. Das weckt sogleich Rivalitäten zwischen dieser und Agata (Terzett Rosa/Agata/Bucefalo: „Io dirò, se nel gestire“).

Szene 3. Don Marco tritt auf, ein ehemaliger Schüler Don Bucefalos. Er ist trotz seines fortgeschrittenen Alters und seiner Gicht in Rosa verliebt. Jetzt möchte er seine Gesangsstunden fortsetzen und singt Bucefalo etwas vor (Arietta Marco: „Regnanto tradito“). Der Kapellmeister ist wenig angetan von seiner Darbietung.

Szene 4. Da erscheint Rosas totgeglaubter Mann Carlino, der aus Spanien zurückgekehrt ist. Er hat sich als Soldat verkleidet und trägt einen falschen Schnurrbart, um inkognito herauszufinden, ob seine Frau ihm treu geblieben ist. Bucefalo und Marco beobachten ihn vorsichtig (Terzett Carlino/Marco/Bucefalo: „Oh sospirate mura“), bis Carlino auf sie zukommt und nach der Bewohnerin des Bauernhauses befragt.

Szene 5. Agata, Giannetta und Nunziella tuscheln darüber, dass sich zwischen Rosa und Bucefalo etwas anzubahnen scheint. Bucefalo und sein Gehilfe Giacchetto bringen das versprochene Cembalo. Die Frauen streiten sich sofort darüber. Bucefalo hat sich aber längst für die „erste Sängerin“ Rosa entschieden. Agata kommentiert das spöttisch (Arie Agata: „Più non sta col collo torto“).

Szene 6. Sowohl Marco als auch Carlino fühlen sich von Rosa hintergangen. Carlino behauptet Marco gegenüber, er sei im Auftrag ihres verstorbenen Mannes gekommen, um sich um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Daraufhin erzählt ihm Marco von seiner Liebe zu Rosa und verspricht ihm ein Geschenk, wenn er seine Werbung unterstützt.

Szene 7. Als die beiden Rosas Haus betreten, werden sie Zeuge ihrer Gesangsstunde bei Bucefalo (Sextett: „Apri la bocca, e fa’ come fo io“). Die beiden werden eifersüchtig, da sie den von Rosa gesungenen Text wörtlich nehmen. Agata und Giannetta wollen ebenfalls am Unterricht teilnehmen.

Szene 8. Nunziella fühlt sich vernachlässigt und tut sich mit dem ebenfalls verschmähten Don Marco zusammen (Arie Marco: „Si è la moglie bona, e modesta“).

Szene 9. Rosa ruft Don Bucefalo um Hilfe, weil sich der Soldat in ihrem Haus eingeschlossen hat. Bucefalo soll dem Fremden mit Nachdruck erklären, dass er ihr Ehemann sei, und ihn aus dem Haus jagen.

Szene 10. Als Bucefalo das versucht, beschimpft ihn Carlino heftig. Rosa behauptet, dass sie bereits seit fast einem Jahr mit Bucefalo vermählt sei. Daraufhin informiert Carlino sie darüber, dass er im Auftrag ihres verstorbenen Mannes gekommen sei, und drückt seine Enttäuschung über ihr Verhalten in einer Arie aus (Arie Carlino: „Dov’è la fé giurata“).

Szene 11. Carlino klagt über Rosas Untreue und überlegt, den Gesangslehrer gewaltsam aus dem Weg zu räumen. Agata hat sein Selbstgespräch belauscht. Sie glaubt, er plane den Mord gemeinsam mit Rosa.

Szene 12. Agata alarmiert die anderen und rät zur sofortigen Flucht.

Szene 13. Als nacheinander Don Marco, Rosa, Agata und Carlino auf Bucefalo zukommen, fühlt dieser sich von allen bedroht und weist sie zurück (Arie Bucefalo: „Tutti nemici, e rei“).

Bauernstube mit Fässern und ländlichen Geräten; Türen an den Seiten; in der Mitte das Cembalo

Szene 14. Rosa bedauert das schnelle Ende ihrer Gesangskarriere. Als Bucefalo hereinkommt, setzt sie sich ans Cembalo, um ihm singend sein Verhalten vorzuwerfen (Finale I: „Chi m’ha tolto, poveretta“).

Szene 15. Marco klopft an der Tür. Um eine Eskalation zu vermeiden, fordert Rosa Bucefalo auf, sich in einem Fass zu verstecken. Marco erklärt Rosa seine Liebe, doch sie weist ihn ab.

Szene 16. Jetzt erscheint auch Carlino, und Marco muss sich in einem anderen Fass verbergen. Der noch immer als Soldat verkleidete Carlino erklärt, dass sein Quartiermeister ihm dieses Haus zugewiesen habe und er sein Recht notfalls mit dem Schwert erzwingen werde. Rosa meint jedoch, dass alleinstehende Frauen keine Soldaten aufnehmen müssten.

Szene 17. Zu guter Letzt treffen auch Agata, Giannetta und Nunziella ein. Sie haben beobachtet, wie Bucefalo und Marco das Haus betreten haben, und fordern sie auf, ihre Verstecke zu verlassen.

Zweiter Akt

Kurze Straße

Szene 1. Agata, Giannetta und Nunziella lästern über Rosa (Arie Nunziella „Cantate figliuola“).

Szene 2. Marco erzählt Bucefalo und den drei Frauen, dass er als Impresario in Rosas Haus eine Oper aufführen wolle. Seine Wahl ist auf Bucefalos Vertonung von Pietro Metastasios Ezio gefallen. Die Proben sollen noch heute unter Bucefalos Leitung beginnen. Rosa und er selbst werden die Hauptrolle übernehmen.

Szene 3. Agata und Giannetta prahlen Rosa gegenüber mit ihrem bevorstehenden Bühnenauftritt (Terzett: „Morì la villanella“).

Szene 4. Carlino ist so wütend und verzweifelt, dass er Rosa und ihren vermeintlichen Geliebten Bucefalo töten und das Dorf anschließend verlassen möchte. Als ihn Nunziella von der geplanten Aufführung unterrichtet, beschließt er, diese zum Schauplatz seiner Rache zu machen.

Szene 5. Als der Kapellmeister sich auf die Probe vorbereiten will, stellt Carlino ihn zur Rede und fordert ihn zum Duell (Duett Carlino/Bucefalo: „A noi coraggio, alò, fuori la spada“). Bucefalo, der keinerlei kämpferische Ambitionen hat, beschließt, vorher die Flucht zu ergreifen.

Nacht; Bauernstube wie zuvor, mit einigen Lichtern

Szene 6. Rosa, Agata und Giannetta bringen Marco mit ihren Primadonna-Allüren fast um den Verstand.

Szene 7. Bucefalo führt die aus Neapel eingetroffenen Musiker herein.

Szene 8. Carlino erscheint mit einigen Bauern, die er als gute Freunde vorstellt. Bucefalo beginnt mit der Probe (Arie Bucefalo: „Ttai, ttai, ttai, llarà, llarà“). Rosa bringt den Text ihrer Arie der Fulvia beim ersten Versuch durcheinander, singt dann aber zu Bucefalos Zufriedenheit (Arie Rosa: „Ah non son io che parlo“). Als anschließend Agata die Arie der Onoria singen will, gibt Carlino seinen Leuten ein Zeichen. Sie löschen die Lichter und ziehen ihre Waffen. Alle geraten in Aufregung (Quintett: „Ombra che tetra, e squallida“).

Szene 9 „ultima“. Giannetta und Nunziella haben Soldaten geholt, um ihre Freunde zu retten. Bevor sie einschreiten, gibt sich Carlino seiner Frau zu erkennen (Finale II: „Ciel chi veggio…“). Alle vergeben einander und setzen die Probe fort.

Gestaltung

Orchester

Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:

Holzbläser: zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte Blechbläser: zwei Hörner, zwei Trompeten Pauken Streicher

Gliederung

Die folgenden Musiknummern entsprechen dem Libretto der Uraufführung. Spätere Fassungen sind anders gegliedert.

Sinfonia

Erster Akt Introduktion (Rosa, Agata, Nunziella, Bucefalo, Giannetta): „Che bel gusto è in sul mattino“ (Szene 1) Arie (Giannetta): „Un cor mi predice“ (Szene 1) Terzett (Rosa, Agata, Bucefalo): „Io dirò, se nel gestire“ (Szene 2) Arietta (Marco): „Regnanto tradito“ (Szene 3) Terzett (Carlino, Marco, Bucefalo): „Oh sospirate mura“ (Szene 4) Arie (Agata): „Più non sta col collo torto“ (Szene 5) Sextett (Bucefalo, Rosa, Carlino, Marco, Agata, Giannetta): „Apri la bocca, e fa’ come fo io“ (Szene 7) Arie (Marco): „Si è la moglie bona, e modesta“ (Szene 8) Arie (Carlino): „Dov’è la fé giurata“ (Szene 10) Arie (Bucefalo): „Tutti nemici, e rei“ (Szene 13) Finale I (Rosa, Bucefalo, Marco, Carlino, Agata, Giannetta, Nunziella): „Chi m’ha tolto, poveretta“ (Szene 14)

Zweiter Akt Arie (Nunziella): „Cantate figliuola“ (Szene 1) Terzett (Giannetta, Agata, Rosa): „Morì la villanella“ (Szene 3) Duett (Carlino, Bucefalo): „A noi coraggio, alò, fuori la spada“ (Szene 5) Arie (Bucefalo): „Ttai, ttai, ttai, llarà, llarà“ (Szene 8) Arie (Rosa): „Ah non son io che parlo“ (Szene 8) Quintett (Carlino, Rosa, Agata, Marco, Bucefalo): „Ombra che tetra, e squallida“ (Szene 8) Finale II (Rosa, Agata, Marco, Carlino, Giannetta, Nunziella, Bucefalo): „Ciel chi veggio…“ (Szene 9)

Werkgeschichte