mini|Kaltbrunner Kläuse beim Klausgang 2024 Die Kaltbrunner Kläuse sind eine Brauchtumsgruppe in Kaltbrunn im Schweizer Kanton St. Gallen. Der Kaltbrunner Klausbrauch wurde erstmals im Jahr 1674 schriftlich erwähnt.
Der Klausgang mit zwölf Kläusen findet nicht jährlich, sondern in Abständen von drei bis fünf Jahren statt.
Geschichte Der Kaltbrunner Klausbrauch wurde erstmals 1674 schriftlich erwähnt. Ältere Text- und Bilddokumente belegen, dass die Brauchform hinsichtlich der Zahl der Teilnehmer, der Kleidung und Requisiten sowie der Formationen und Routen bereits um 1900 festen Regeln folgte. Die erhaltenen Protokollbücher der Klausgesellschaft reichen bis ins Jahr 1932 zurück.
Im Jahr 2024 beging die Klausgesellschaft das 350-jährige Jubiläum der ersten schriftlichen Erwähnung. Zu diesem Anlass erschien ein Buch über die Geschichte des Brauchs.
Klausgesellschaft Die Klausgesellschaft Kaltbrunn besteht aus 14 Mitgliedern. Zwölf davon treten beim Klausgang als Kläuse auf. Hinzu kommen ein Eselführer und ein Mitglied, das die Rolle des Esels übernimmt.
Der Klausführer, die beiden Geissler sowie die an der Bescherung beteiligten Helfer gehören nicht zu den 14 Mitgliedern der Klausgesellschaft.
Mitglied kann gemäss den Statuten ein Mann werden, der ledig ist, im Kalenderjahr des Klausgangs mindestens das 20. Lebensjahr vollendet, in Kaltbrunn wohnhaft ist, einen guten Leumund besitzt und die körperlichen Voraussetzungen für die Teilnahme erfüllt. Von den 14 Mitgliedern sollen mindestens zehn Ortsbürger von Kaltbrunn sein. Brüder können nicht gleichzeitig Mitglieder der Gesellschaft sein. Bei Heirat oder einem Wegzug mit Schriftenhinterlegung in einer anderen Gemeinde endet die Mitgliedschaft.
Austretende Mitglieder können unter Beachtung der Aufnahmebedingungen einen Nachfolger vorschlagen. Kann ein austretendes Mitglied keinen Nachfolger vorschlagen, kann die Kommission einen Kandidaten bestimmen. Über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheidet die Versammlung.
Kommission Die Kommission der Klausgesellschaft besteht aus dem 1. Klaus, der als Präsident amtet, und dem 2. Klaus als Aktuar. Der 1. Klaus wird von der Versammlung der Alt-Kläuse gewählt. Der 2. Klaus wird vom 1. Klaus bestimmt.
Die Kommission ist unter anderem für die Vorbereitung des Klausgangs, die Aufgabenverteilung innerhalb der Gesellschaft sowie die Verwaltung und den Unterhalt des Inventars zuständig. Sie organisiert zudem zusammen mit dem Bescherungschef und dem Klausführer die Bescherung.
Die Versammlung der Alt-Kläuse zur Besprechung des nächsten Klausgangs gilt als Hauptversammlung und entscheidet über dessen Durchführung.
Klausführer Der Klausführer ist in der Regel ein ehemaliger Klaus und gehört nicht mehr zu den 14 Mitgliedern der Klausgesellschaft. Er leitet die Proben sowie den Ablauf des Klausgangs und führt die Kläuse während des Umzugs.
Da die Sicht unter den Iffelen insbesondere bei Dunkelheit eingeschränkt ist, orientieren sich die Kläuse während des Klausgangs an seinen Anweisungen. Der Klausführer vermittelt den Kläusen zudem die überlieferten Formen und Abläufe des Brauchs.
Klausgang Der Klausgang wird nicht jährlich durchgeführt. Er darf frühestens drei Jahre nach dem vorhergehenden Klausgang stattfinden und muss spätestens nach fünf Jahren wieder durchgeführt werden.
Die Durchführung erfolgt traditionell in der Woche um den Katharinentag am 25. November. Die Route orientiert sich grundsätzlich an der traditionellen Streckenführung durch Kaltbrunn, kann jedoch an neue Wohnbauten und Wohnquartiere angepasst werden. Auf Einladung kann am Samstag nach dem Klausgang in Kaltbrunn zusätzlich ein Klausgang auf einer traditionellen Route in Uznach stattfinden. mini|Olmaumzug Zur Formation gehören zwei Geissler, zwölf Kläuse, ein Esel und dessen Eselführer. Die beiden Geissler gehen der Gruppe voraus und kündigen die Kläuse durch das Knallen ihrer Geisseln an. Die zwölf Kläuse schreiten in einer Einerkolonne. Ihre Treicheln werden während des Gehens fortlaufend in Bewegung gehalten. mini|Geisler Während des Klausgangs führen die Kläuse an bestimmten Stellen festgelegte Formationen aus. Dazu gehört die sogenannte Volte, bei der die Formation einen Kreis beschreibt, sowie die Doppelvolte in Form einer Acht.
Der Esel und sein Führer halten sich hinter den zwölf Kläusen auf. Der Darsteller des Esels interagiert dabei mit den Zuschauern und wird vom Eselführer begleitet.
Referenz Führt der Klausgang an einer Kirche vorbei, stellen sich die zwölf Kläuse mit Blick zur Kirche in einer Reihe auf. Der 1. Klaus tritt einige Meter vor die Gruppe und gibt mit seiner Glocke drei Zeichen. Anschliessend verneigen sich die Kläuse gemeinsam vor der Kirche. Diese Zeremonie wird als Reverenz bezeichnet.
Kleidung und Ausstattung Kleidung Die zwölf Kläuse tragen weisse Hemden und Hosen, rote Krawatten, bestickte Hosenträger und für den Umzug geeignete Schuhe. Der 1. und der 2. Klaus sind zusätzlich durch goldene Streifen an den Hosen gekennzeichnet.
Der Eselführer trägt ebenfalls weisse Kleidung, anstelle einer Iffele jedoch einen hohen Zylinder. Zudem führt er eine kurze Peitsche mit sich.
Iffelen Charakteristisch für die Kaltbrunner Kläuse sind die sogenannten Iffelen (Infuln). Die etwa 90 Zentimeter hohen Kopfbedeckungen bestehen aus starkem, biegsamem Karton und erinnern in ihrer Grundform an eine bischöfliche Mitra. Eine nach unten reichende Partie mit Öffnungen für Augen und Mund bedeckt das Gesicht des Trägers.
Die Iffelen sind mit ausgestanzten Ornamenten versehen, die mit transparentem farbigem Papier hinterlegt und von innen beleuchtet werden. Zu den dargestellten Motiven gehören unter anderem Sonne, Mond und Sterne sowie musikalische und religiöse Motive.
Die Iffele des 1. Klauses zeigt eine Harfe, jene des 2. Klauses eine Laute. Der letzte Klaus der Formation trägt eine Iffele mit einer Darstellung des heiligen Georg, des Kirchenpatrons von Kaltbrunn.
Die Iffelen der zwölf Kläuse werden traditionell von innen mit Kerzen beleuchtet. Ist eine Iffele aufgrund von Alter und Beanspruchung nicht mehr für den Klausgang geeignet, wird sie durch eine neue ersetzt, deren Gestaltung sich am Vorgängermodell orientiert.
Der Darsteller des Esels trägt eine runde Iffele mit einem Eselskopf. Im Gegensatz zu den Iffelen der zwölf Kläuse wird diese aus Sicherheitsgründen künstlich beleuchtet.
Treicheln Jeder der zwölf Kläuse trägt eine grosse Treichel. Früher mussten die Glocken beziehungsweise Schellen für den Klausgang bei umliegenden Bauernhöfen oder aus Alphütten ausgeliehen werden.
Nach einer Sammlung im Jahr 1982 konnte die Klausgesellschaft eigene Schellen anschaffen. Dabei handelt es sich um sogenannte Tiroler-Schellen mit einem Gewicht von ungefähr acht Kilogramm. Die Schellen sind klanglich aufeinander abgestimmt.
Die Treicheln werden mit einem breiten, beschlagenen und bestickten Gurt am Körper des Klaus befestigt und während des Klausgangs fortlaufend in Bewegung gehalten.
Geisseln Dem Klauszug gehen zwei Geissler voraus. Sie gehören nicht zu den 14 Mitgliedern der Klausgesellschaft. Beim Klausgang führen sie mit kurzen Fuhrmannsgeisseln den sogenannten Kreuzstich beziehungsweise Chrüzlistreich aus. Der Stiel einer solchen Geissel ist etwa 110 Zentimeter lang.
Durch das Knallen kündigen die Geissler die herannahenden Kläuse an. Bei dicht stehenden Zuschauerreihen dienen sie zudem dazu, den Weg für die nachfolgende Formation freizuhalten.
Bescherung Die Bescherung ist Bestandteil des Klausgangs. Wenige Meter hinter den Kläusen folgt ein Bescherungsteam mit einem Wagen, auf dem die zu verteilenden Gaben mitgeführt werden.
Die Organisation der Gabenverteilung übernimmt ein Bescherungschef, der nicht Mitglied der Klausgesellschaft ist. Unterstützt wird er von den sogenannten Bibelibueben. Diese tragen die mit Gaben gefüllten Körbe zu den Häusern.
Zu den traditionellen Gaben gehören Eierzöpfe, Hefekränze, Hefestollen, Torten und Biberli. Die eigentliche Übergabe erfolgt durch ausgewählte Kläuse, insbesondere den 1. und 2. Klaus. Traditionell erhalten die Kläuse dafür einen Geldbetrag.
Für den Jubiläums-Klausgang 2024 wurde die Organisation der Bescherung angepasst. Aufgrund der gewachsenen Bevölkerungszahl konnten nicht mehr sämtliche Haushalte entlang der Route besucht werden. Die Bevölkerung wurde deshalb aufgefordert, sich im Voraus für eine Bescherung anzumelden. Die Klausgesellschaft begründete diese Anpassung damit, die direkte Begegnung mit der Bevölkerung und die Tradition des Bescherens trotz der gestiegenen Einwohnerzahl weiterführen zu können.
Jubiläum 2024 Im Jahr 2024 feierte die Klausgesellschaft das 350-jährige Jubiläum der ersten schriftlichen Erwähnung. Die Klausgänge fanden am 26. und 30. November statt.
Zum Jubiläum wurde das Buch 350 Jahre Klausgesellschaft Kaltbrunn: 1674–2024 veröffentlicht. Es wurde von Hans-Peter Rust verfasst und von der Klausgesellschaft Kaltbrunn herausgegeben. Für die Publikation wurden historische Informationen, Protokollbücher und Bilder aus privaten Sammlungen zusammengetragen.
Literatur Hans-Peter Rust: 350 Jahre Klausgesellschaft Kaltbrunn: 1674–2024. Klausgesellschaft Kaltbrunn, Kaltbrunn 2024.
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Einzelnachweise
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