Der Britisch-Irakische Krieg, auch als Anglo-Irakischer Krieg () bekannt, wurde im Mai 1941 zwischen dem Irak und dem Vereinigten Königreich sowie Truppen des britischen Kolonialreiches ausgetragen. Der Britisch-Irakische Krieg gehört in den größeren Rahmen des Zweiten Weltkriegs; die irakische Seite erhielt Unterstützung durch das Deutsche Reich, welches die Schwächung seines britischen Kriegsgegners bezweckte.

Vorgeschichte Irak in der Zwischenkriegszeit

Im Zuge der Mesopotamienfront des Ersten Weltkriegs kamen die mehrheitlich arabischen Provinzen des Osmanenreiches unter die Kontrolle Großbritanniens und Frankreichs. Der Irak wurde zu einem Völkerbundsmandat unter britischer Kontrolle. In der Nachkriegszeit bedurfte die Befriedung des Irak durch die britische Kolonialmacht zunächst einer großen Zahl von Truppen; über 20 Bataillone waren zeitweise als Garnison im Irak eingesetzt.

Nicht zuletzt um den Druck auf die britische Staatskasse zu senken, arbeiteten die britischen Behörden mit ihren irakischen Gesprächspartnern den Anglo-Irakischen Vertrag von 1930 aus, mit dem der Irak fast völlige Autonomie in der Ausübung innenpolitischer Macht erhielt, sich die Briten jedoch im Gegenzug für eine Garantie der irakischen Unabhängigkeit das Vorrecht über die irakische Außen- und Sicherheitspolitik reservierten. Es blieb den Briten auch erlaubt, für ihre Soldaten freies Geleit durch den Irak einzufordern. Das britische Heer zog seine Bodentruppen 1930 aus dem Irak ab. Für die britische Luftwaffe war das Abkommen prekärer; aufgrund der kurzen Reichweite der Flugzeuge jener Zeit wollte die Luftwaffenführung so viele der vier Basen im Irak behalten wie möglich. Die Frage der Luftwaffenstützpunkte verzögerte den Abschluss des Vertrages von 1930; schließlich einigten sich die Seiten auf einen Kompromiss, der die britischen Basen im Nord- und Zentralirak auflöste, jedoch zwei Stützpunkte bei Basra und Shaibah an der Südostküste des Irak fortbestehen ließ und den Briten den Aufbau einer neuen Basis bei Habbaniyya im Westen des Landes erlaubte. So blieb die britische Luftverbindung bestehen, aber die für den Irak besonders beleidigenden Luftwaffenstützpunkte in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt Bagdad wurden aufgelöst. Die im Verlauf der 1930er errichtete RAF No. 4 Flying Training School bei Habbaniyya wurde zum wichtigsten britischen Stützpunkt im Irak.

Trotz des Abbaus britischer Truppenpräsenz war die andauernde außenpolitische Anlehnung des Irak an Großbritannien für den Großteil der arabischen Bevölkerung unzufriedenstellend. Den Araberaufstand in Palästina 1936–1939 verfolgte die irakische Öffentlichkeit sehr wohlwollend; im Jahr 1937 ging der virulent anti-britische und judenfeindliche Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, nach Bagdad ins Exil, und nutzte sein soziales Netzwerk für weitere anti-britische Agitation im Irak. Die irakische politische Elite war in pro-britische und anti-britische Fraktionen geteilt, die jeweils wichtige Politiker zu ihren Reihen zählen konnten. Der für den Britisch-Irakischen Krieg wichtigste Anglophobiker war hierbei Raschid Ali al-Gailani, der erstmals 1924 ins Kabinett eintrat und vor seiner Beteiligung am Staatsstreich von 1941 bereits in den Jahren 1933 und 1940 zum Premierminister ernannt wurde. Naji Al-Suwaidi, der spätere Finanzminister der Putschisten von 1941, war in den Jahren 1929–1930 Premierminister.

Am 5. April 1939 starb der irakische König Ghazi I. an den Folgen eines Autounfalls, den er etwa um Mitternacht am 4./5. April erlitten hatte. Im Irak verbreiteten sich schnell Verschwörungstheorien: der König – ein offener Befürworter der palästinensischen Unabhängigkeit von Großbritannien, der syrischen Unabhängigkeit von Frankreich, dem Anschluss Kuwaits an den Irak und schließlich einer irakisch-syrischen Union – sei von den Briten ermordet worden, besonders vor dem Hintergrund einer erfolglosen Revolte in Kuwait, die der irakische König im Februar und März 1939 angezettelt hatte. Dass der königliche Leibarzt, der den Unfall zur Todesursache erklärte, ein Engländer war, verstärkte den Anschein einer Verschwörung noch.

Zum Zeitpunkt der britischen Kriegserklärung gegen Deutschland am 3. September 1939 stand der Irak unter der Kontrolle des Regenten Abd ul-Ilah (der den minderjährigen Faisal II. vertrat) und des pro-britischen Premierministers Nuri as-Said. Unter britischem Druck brach der Irak am 17. September die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab, internierte deutsche Staatsbürger und bekräftigte seine Vertragsverpflichtungen unter dem Anglo-Irakischen Vertrag von 1930. Der deutsche Gesandte Fritz Grobba erhielt ein Ultimatum von 24 Stunden, mit seinen Angestellten das Land zu verlassen. Dies geschah gegen den Willen der und ohne Rücksprache mit deutschfreundlichen Teilen der irakischen Regierung und Gesellschaftselite. Deshalb suchten anti-britische Politiker im Irak während der Jahre 1939 und 1940 wiederholt den Kontakt zu deutschen Stellen im Mittleren Osten und signalisierten, dass es im Irak einen großen Rückhalt in der Bevölkerung für eine anglophobe Außenpolitik gäbe. Ähnliche Kontakte pflegten die Irakis auch mit dem faschistischen Italien, welches im Juni 1940 in den Zweiten Weltkrieg eintrat.

Die schnellen Siege der Achsenmächte in den Jahren 1939–1941 gaben den anglophoben arabischen Nationalisten im Irak den Eindruck, dass die Alliierten im Krieg unterliegen würden und dass sich eine gute Gelegenheit zur Befreiung von der britischen Kolonialherrschaft aufgetan hätte. Die britische Regierung übte Druck auf die irakische Regierung aus, Deutschland den Krieg zu erklären, aber Nuri as-Said gelang es nicht, den Rest des Kabinetts von dieser Vorgehensweise oder vom Abbruch der Beziehungen mit Italien zu überzeugen.

Putsch im Irak

Nachdem der Regent am 28. Januar 1941 versucht hatte, zwei Minister zu ersetzen, brachen in Bagdad Unruhen aus, die den Regenten zur Flucht in den südlichen Irak zwangen. Am 31. Januar trat al-Gailani zunächst als Ministerpräsident zurück und wurde durch Taha al-Hashimi ersetzt. Das Goldene Quadrat, bestehend aus vier anti-britischen irakischen Militärs, hatte jetzt großen Einfluss in der Regierung und galt als dominant. Zu den Mitgliedern des Quadrats zählten Salah ad-Din as-Sabbagh (Kommandeur der 3. Division), Fahmi Sa'id (Kommandeur der Mechanisierten Brigade), Mahmud Salman (Befehlshaber der Luftwaffe) und Kamil Schahib (Kommandeur der 1. Division).

Am 1. April 1941 erfolgte der Militärputsch im Irak 1941; al-Gailani kehrte an der Spitze einer Nationalen Verteidigungsregierung ins Amt des Ministerpräsidenten zurück und begann sofort mit einer Säuberung anglophiler Elemente im Irak. Der Regent Abd ul-Ilah flüchtete sich zunächst ins Konsulat der neutralen USA in Bagdad, bevor er, versteckt in einem Auto, an Bord der HMS Cockchafer gebracht und schließlich nach Jerusalem evakuiert wurde, wo er das Ende des Krieges abwartete.

Kriegsvorbereitungen

Bereits am 3. April 1941 hatte das britische War Office bei Archibald Wavell (britischer Oberbefehlshaber im Mittleren Osten) angefragt, welche Kräfte für eine Intervention im Irak zur Verfügung stünden. Wavell war zunächst nicht von der Dringlichkeit der Lage im Irak überzeugt; als Luftvizemarschall Harry George Smart, der Air Officer Commanding der britischen Luftverbände im Irak, am 6. April einen Antrag auf weitere Verstärkungen stellte, wurde dieser Antrag von Wavell und Arthur Longmore zunächst als unterpriorisiert eingestuft. Am 7. April informierte Wavell das War Office, dass er lediglich ein einzelnes Bataillon in Britisch-Palästina entbehren könne, da der Rest seiner Truppen im Afrikafeldzug gegen die Italiener und gegen die erst kürzlich gelandeten Deutschen gebräucht würden. Wavell sah nicht nur den neuen deutschen Gegner in Nordafrika als ein schwerwiegendes Problem, er betrachtete den Irak auch eher als Zuständigkeit des britischen Oberkommandos für Indien statt des Oberkommandos für den Mittleren Osten. Wavell verwies auf Britisch-Indien als Quelle für Truppen für den Irak.

Am 8. April erhielt Rashid Ali aus dem deutschen Auswärtigen Amt eine Zusicherung deutscher Unterstützung für den Fall, dass ein Krieg zwischen den irakischen Putschisten und der britischen Kolonialmacht ausbrechen sollte.

Nachdem Churchill ebenfalls am 8. April eine entsprechende Anfrage an das Oberkommando in Britisch-Indien gestellt hatte, signalisierte am 10. April Oberbefehlshaber Claude Auchinleck die Bereitschaft, vorher für Malaya vorgesehene Truppen unter William Fraser stattdessen in den Irak umzuleiten, und befahl die Einschiffung britisch-indischer Verbände, um sie in den Irak zu transferieren (Operation Sabine). Diese Verstärkung aus Osten war auch deshalb für die Briten sehr nützlich, da weiter westlich das Pendel im Afrikafeldzug stark gegen die Alliierten geschwungen war und die von deutschen Truppen verstärkten Achsenmächte mittlerweile die ägyptische Grenze erreicht hatten und damit potenziell den wichtigen Suezkanal bedrohten.

Der britische Konvoi „BP7“ mit Frasers Truppen aus Britisch-Indien legte am 12. April aus Karatschi in Richtung Irak ab, wobei der Befehl zunächst war, die Gegend um Basra und Shaiba an der Südostküste des Landes zu sichern und damit weiterem Nachschub den Weg in den Irak offenzuhalten. Hierbei wurden die Truppen für den Fall irakischen Widerstands autorisiert, Kampfhandlungen gegen die irakische Armee durchzuführen, aber auf die strikte Einhaltung der Neutralität des benachbarten Iran eingeschworen.

Am 16. April informierte der britische Botschafter Kinahan Cornwallis die Regierung al-Gailani darüber, dass britische Truppen bald in Basra landen würden, um das Land westwärts zu durchschreiten. Dazu war Großbritannien im Vertragswerk mit dem Irak explizit berechtigt. Am gleichen Tag versicherten sich die Irakis bei den Deutschen, dass das früheres Versprechen des Auswärtigen Amtes zur Hilfeleistung für den Irak aufrichtig gewesen war; die deutsche Seite bekräftigte das.

Die britisch-indische 10. Division brachte ihre Führungsbrigade am 17. April an Land, bereits am 18. April folgten weitere Teile der Division. Es war das erste Mal seit 1937, dass ein Verband der britischen Armee sich im Irak aufhielt. In der Spitze der Landungstruppen befand sich das 1. Bataillon des King's Own Royal Regiment. Am 19. April unternahmen die britisch-indische 20. Brigade (Donald Powell) im Südostirak eine gewagte Landung im Schatt al-Arab, wobei die Bataillone 2/7 und 2/8 der Gurkhas und das Sikh-Bataillon 3/11 die Vorhut bildeten. Zu den von den britischen Landungstruppen erwarteten Feuergefechten mit der irakischen Garnison kam es aber nicht, weshalb es an diesem Tag noch nicht zum Kriegsausbruch kam. Unter dem Schutz der 2/7er-Gurkhas konnte der Rest von Powells Brigade am 19. April an Land, auch wenn sie von der lokalen Bevölkerung sehr negativ empfangen wurden. Die Dockarbeiter in Basra traten nach der Ankunft der Briten in den Streik und weigerten sich, ihren Entladungsoperationen zu helfen.

Am 19. April forderte die irakische Regierung al-Gailani, jetzt durch das Beistandsversprechen der Deutschen bestärkt, den britischen Botschafter dazu auf, dafür zu sorgen, dass die britischen Truppen sich zügig und in kleinen Gruppen durch den Irak bewegen würden.

Am 21. April stellte die Regierung al-Gailani formell die Forderung an Großbritannien, keine weiteren Truppen in den Irak zu verschiffen. Die Aufforderung blieb von britischer Seite unbeantwortet.

Am 23. April stellte die irakische Regierung über die bisher versprochenen Waffenlieferungen der Achsenmächte hinaus formell eine Bitte um aktive Waffenhilfe und die Entsendung eigenen Militärpersonals durch das Deutsche Reich, falls britische Truppen im Irak militärisch gegen die neue Regierung aktiv werden sollten.