Willy Kaufmann (* 11. Juli 1920 in Zürich; † 15. Juni 1978 in Rümikon AG) war ein Schweizer Maler und Glasmaler. Er wurde insbesondere durch seine sakralen Glasfenster bekannt, die er für Kirchen in der Schweiz, Italien und Australien schuf. Kaufmanns Werke zeichnen sich durch eine Verbindung von moderner Symbolsprache und liturgischer Strenge aus.

Leben Willy Kaufmann wuchs in Zürich auf. Auf Wunsch seines Vaters absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Friseur. Parallel dazu bildete er sich autodidaktisch zum Künstler weiter. In den Jahren 1945 bis ca. 1952 suchte er intensiv nach einem eigenen handwerklichen und formalen Ausdruck. 1951 bis 1953 erhielt er das Eidgenössische Kunststipendium; 1952 ermöglichte ihm ein halbes Jahr Aufenthalt in Paris ein vertieftes Studium der französischen Moderne. 1954 wurde ihm zudem das Stipendium der Kiefer-Hablitzel-Stiftung zugesprochen.

Obwohl Willy Kaufmann mit Vorliebe zuhause arbeitete, boten ihm Reisen oder Aufenthalte im Ausland willkommene Anregungen, die ihren Niederschlag in Ölgemälden und graphischen Blättern fanden. So weilte er in den Sechzigerjahren mehrere Male länger in der Toscana und in Ligurien, unternahm 1968 eine Reise in die USA und nach Mexiko, besuchte 1971 Senegal und 1974 Spanien.

Werk Kaufmanns Frühwerk umfasst Ölmalerei, in der er sich mit der Vereinsamung des modernen Menschen auseinandersetzte. In den Jahren 1952 bis 1957 wandte er sich der abstrakten Malerei zu. mini|Der Kirchenpatron San Nicolao della Flüe aus der Serie der 76 Glasfenster der Votivkirche in Lugano Seinen Durchbruch als Glasmaler erlebte Kaufmann 1956, als er den internationalen Wettbewerb des Istituto Internazionale di Arte Liturgica in Rom – an dem Künstler aus 16 Ländern teilnahmen – gewann und den Auftrag für die Fenster der Kirche San Nicolao della Flue in Lugano erhielt.

Die 76 Einzelscheiben zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament im Kontext mit der Vita des Heiligen.

Kaufmann verband moderne Farb- und Formensprache mit traditionellen religiösen Themen. Seine Fenster wurden häufig in enger Abstimmung mit liturgischen Kommissionen oder kirchlichen Auftraggebern gestaltet. Dabei nutzte er die Erfahrungen aus seiner abstrakten Phase gezielt für die Wirkung im sakralen Raum. Sein Werk wird als Brückenschlag zwischen mittelalterlicher Kirchenkunst und moderner religiöser Symbolik verstanden.

Kirchenfenster Es folgten zahlreiche sakrale Glasgestaltungen, u. a.:

Kirche Santa Maria Vergine Immacolata, Lugano Kirche Saint Boniface, Genf Kirche San Giuseppe, Como (Italien) Sacro Cuore, Gallarate (Italien) San Francesco di Sales, Mailand Kirche St. Petrus, Remigen AG Kapelle St. Anna, Rümikon AG Alte Kirche St. Niklaus, Zürich-Schwamendingen

Ein herausragendes Projekt war die Gestaltung der drei monumentalen Glaswände der Kathedrale Holy Trinity in New Norcia, Australien. Die Fenster interpretieren Themen der Trinität in abstrakter Weise. Das Projekt wurde nicht realisiert, da die australische Benediktinerkongregation die notwendigen Mittel nicht aufzubringen vermochte; die entworfenen Fenster kamen nicht zur Ausführung.

Glasfenster in Profanbauten Rathaus Bad Zurzach Verwaltungsgebäude Helvetiaplatz, Zürich Theatergebäude Stadthof 11, Zürich 1966 (Glasfenster wurden beim Neubau des Gebäudes als «Theater 11» 2005 zerstört)

Ausstellungen (Auswahl) 1961: Galleria San Fedele, Mailand 1971: Galerie Orell Füssli, Zürich 1980: Gedenkausstellung, Obere Kirche Zurzach

Literatur Herbert Gröger: Willy Kaufmann. Werner Classen, Zürich 1970. Manuel Gasser: Willy Kaufmann. In: Kindlers Malerei Lexikon, Bd. III. Zürich 1966, S. 550–551.

Weblinks Website Willy Kaufmann. In: Kunstbreite. Publikationen über Kaufmann, Willy. In: SIKART Lexikon.

Einzelnachweise

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