mini|Pontoniere beim Reinigen von Übersetzbooten auf dem Waffenplatz Brugg (2010) Die Pontoniere der Schweizer Armee gehören zur Genietruppe. Die Aufgaben der Pontoniere sind das Sicherstellen und Einschränken der Beweglichkeit und Katastrophenhilfe. Das verbliebene Pontonierbataillon 26 gehört in der gegenwärtigen Gliederung der Schweizer Armee zur Mechanisierten Brigade 4 (Heer), daneben verfügen die Geniebataillone über Pontonierkompanien.

Geschichte mini|«Wachtlokal» des Divisions-Brückentrains 3 (um 1908) mini|Waffenabzeichen Kriegsbrückenabteilung, Ordonnanz 1898 mini|Fähnrich des Pontonierbataillons 1 bei einer Zeremonie während des Aktivdienstes (um 1943) mini|Kragenspiegel Pontonier, Ordonnanz 1949 Aus der Zeit des Ancien Régime haben sich für den schweizerischen Raum nur vereinzelte Hinweise zum Pontonierwesen erhalten. Bernhard Emanuel von Rodt berichtet in seiner Geschichte des Bernerischen Kriegswesens über die Entwicklung für die Stadt und Republik Bern. Der bernische Kriegsrat äusserte sich 1659 gegenüber der Regierung betreffend der Schwierigkeit, eine Schiffsbrücke zu erstellen.Emanuel von Rodt, Geschichte des Bernerischen Kriegswesens, S. 164. 1708 befasste sich der Kriegsrat in Bern mit der Beschaffung von Pontons und ging dabei der Frage nach, ob hölzerne oder kupferne vorzuziehen wären.Emanuel von Rodt, Geschichte des Bernerischen Kriegswesens, S. 165. Der Schiffer und Schwellenmeister Hans Rudolf Schneider (1633–?)Hans Rudolf Schneider auf hfls.ch reichte schliesslich den ausschlaggebenden Vorschlag ein, eichene Schiffe zu beschaffen.Emanuel von Rodt, Geschichte des Bernerischen Kriegswesens, S. 165. Nach einem Testlauf wurden im Zeughaus Bern und in Lenzburg je ein Satz Schiffe, Böcke, Anker und Seile eingelagert.Emanuel von Rodt, Geschichte des Bernerischen Kriegswesens, S. 165. Der Schwellenmeister Schneider wurde später beauftragt, zusätzlich eine fliegende Brücke (pont volant, Fährbrücke) zu beschaffen.Emanuel von Rodt, Geschichte des Bernerischen Kriegswesens, S. 166. Die Berner Gesellschaft zu Schiffleuten erhielt 1712 den Befehl, drei Schiffleute nach Aarau zur Zurüstung der Brücken zu entsenden.Emanuel von Rodt, Geschichte des Bernerischen Kriegswesens, S. 167.Karl Howald, Die Gesellschaft zu Schiffleuten, 1874, S. 305. Für 1768 sind für Bern kupferne Pontons belegt, die Brückenmannschaft bestand aus 72 Knechten.Emanuel von Rodt, Geschichte des Bernerischen Kriegswesens, S. 168. Ab 1782 sollten sich unter dem bernischen General-Quartiermeister sechs Ingenieure um die Pontons kümmern.Emanuel von Rodt, Geschichte des Bernerischen Kriegswesens, S. 138. 1797 wurde angeordnet, fünf Brückenmeister (Pontoniere) und die erwähnten Knechte sollen um die Brücke besorgt sein.Emanuel von Rodt, Geschichte des Bernerischen Kriegswesens, S. 168.

Die eidgenössische Tagsatzung bewilligte 1820 die Aufstellung des ersten Pontontrains.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 16. Dieser umfasste 22 vierspännige Pontonwagen, einen Rüstwagen, einen Leiterwagen und einen Bagagewagen, die Brückenlänge betrug 120 Meter. Der Pontontrain wurde vom Kanton Zürich gestellt, eine zweite Pontonierkompanie wurde vom Kanton Aargau gestellt.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 17–18.

Diese Kriegsbrücke der ersten Generation erwies sich zu schwach, weshalb nach Bekanntwerden des Brückensystems nach Karl von Birago das bernische Militärdepartement in den Jahren 1844/45 im Zeughaus Bern eine neue Brücke System Birago gebaut wurde.Bruno Meyer, Karl von Birago, S. 26Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 18. General Dufour setzte die Berner Kompanie am Ende des Sonderbundskriegs mit dem neuen Material ein, um Erfahrungen zu sammeln, worauf der Bundesrat dem Kanton Bern das Biragomaterial abkaufte. 1849 wurde das gesamte Material dem System Birago angepasst, mit der neuen Militärorganisation von 1850 wurden sechs Pontonierkompanien gebildet, je zwei durch die Kantone Zürich, Bern und Aargau.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 19. 1850 wurde erkannt, dass das bestehende Material ungenügend sei, 1862 wurde das System Birago definitiv eingeführt.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 20. 1873 wurden erstmals die hölzernen Pontons durch eiserne ersetzt, die allerdings unbefriedigend waren.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 21. 1874 wurden die sechs auf acht Pontonierkompanien aufgestockt und den Divisionen zugeteilt.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 22. Diese Reorganisation wurde 1890 wieder teilweise rückgängig gemacht. 1895 wurden die Pontoniere zu Kriegsbrückenabteilungen vereinigt.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 22–23. Hans Walther (1877–1966), Chef der Bautruppen, führte während des Ersten Weltkriegs beim Brückenmaterial Neuerungen ein, darunter den Erkundungswagen mit Boot und Messgerät.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 21.

Nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass das Birago-Material der motorisierten Kriegsführung nicht mehr genügte und leichteres, schneller zu bewegendes Brückenmaterial notwendig machte.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 27. Vorerst wurden Verbesserungen am bestehenden Material vorgenommen.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 29. Hans Walther entwarf 1925 ein erstes Übersetzboot mit seitlichen Bänken für 16 Mann.Hans Müller, Pontoniere, 1945, S. 28.

Walther entwarf auch die neue Pontonbrücke Mod. 35 mit Aluminium-Pontons, die von 1935 bis 1973 benutzt wurde. 1964 wurde die Schlauchbootbrücke 61 in Betrieb genommen. Für erste Truppenversuche mit Rekruten wurde im Sommer 1993 der französische Pont flottant motorisé von Frankreich nach Brugg überführt.Arthur Dietiker, Helvetisierter «Pont flottant motorisé», 1993 S. 36. Die modifizierte Schwimmbrücke 95 ersetzte 1994 mit Material für 1'000 Meter schliesslich die überalterte Schlauchbootbrücke 61, die 2002 ausgemustert wurde. Die Schwimmbrücke 95 ist nun seit 30 Jahren im Einsatz.

Brückensysteme

Vor- und Ausserdienstliche Tätigkeiten mini|Sektionsfahren am IX. eidg. Pontonierwettfahren in Rheinfelden (1924) Als Pontoniere wurden im 19. Jahrhundert vorwiegend Flösser, Fischer, Schiffer und Bauhandwerker eingesetzt.Hundert Jahre Pontonierfahrverein Bern 1876–1976, 1976, S. 10. Um 1860 bildete sich in Bern ein erster Pontonierverein. Für das Jahr 1871 ist belegt, dass der Pontonierverein Bern ein Jahresfest mit Aarefahrt für die Bevölkerung abhielt.Berner Tagespost, Nr. 95, 22. April 1871, S. 4. Auf Initiative des Kantonalbernischen Genievereins wurde 1876 der Pontonier-Fahrverein der Stadt Bern als erster, durch das Eidgenössische Militärdepartement unterstützte Pontonierfahrverein der Schweiz gegründet, mit dem Ziel, die ausserdienstliche Ausbildung und Gewinnung von Nachwuchs zu fördern. Das war die Geburtsstunde des Pontoniersports. Weitere Vereinsgründungen folgten in allen Flusskantonen der Schweiz. Der Schweizerische Pontonier-Sportverband zählt heute 40 Sektionen.Vereinsübersicht auf pontonier.ch

Für Jugendliche findet seit 1957 das Jungpontonierlager in Einigen am Thunersee statt. Dort lernen sie während jeweils 10 Tagen Schwimmen, Schnüren, Kameradenhilfe, Wasserfahren und können mit 18 Jahren die militärische Motorbootprüfung ablegen.

Trivia Die Vor- und Ausserdienstlichen Tätigkeiten sowie die in zahlreichen Fällen festzustellende Pontoniertradition in Familien über Generationen führt dazu, dass Pontonieren eine besonders enge Nähe zu ihrer Truppengattung nachgesagt wird. Oberst Hans Müller schrieb zum Selbstverständnis des Pontoniers in seinem 1945 erschienenen Buch Pontoniere:

Literatur mini|Birago-Brücke des Pontonierbataillons 3 über die Reuss (um 1918)

Hundert Jahre Pontonierfahrverein Bern 1876–1976, Bern 1976.

Weblinks

Lehrverband Genie/Rettung/ABC auf admin.ch Der Brückenschlag Werbefilm von Georges Alexath (1910–1979) (1966)

Einzelnachweise

Kategorie:Militär (Schweiz)