mini|Natale Albisetti Natale Albisetti (* 9. Oktober 1863 in Stabio; † 2. Juli 1923 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Melchtal-Gruppe in Stabio und das Unabhängigkeitsdenkmal in Bellinzona. In seiner Heimatgemeinde Stabio ist ihm ein Museum, der Spazio Albisetti, gewidmet.
Leben Albisetti wurde 1863 in Stabio im Kanton Tessin geboren. Sein Vater Ignazio war Landwirt, seine Mutter Antonia Hausfrau. Nach seinem Abschluss an der Zeichenschule in Clivio besuchte er von 1882 bis 1884 die Accademia di Brera in Mailand, wo er Kurse bei Claudio Bernacchi, Luigi Bisi und Raffaele Casnedi belegte. 1884 immatrikulierte er sich an der École nationale supérieure des arts décoratifs in Paris, 1887 wurde er an der Beaux-Arts de Paris aufgenommen. Seinen Lebensunterhalt bestritt er zunächst mit Stukkaturarbeiten, ab 1890 etablierte er sich in der französischen Hauptstadt als Porträt- und Genrebildhauer.
Im Mai 1893 gewann er den ersten Wettbewerb der Eidgenössischen Kunstkommission für vier Figuren in den Nischen der Hauptfassade des Polytechnikums in Zürich.Preisausschreiben der eidg. Kunstkommission für vier Figuren am Polytechnikum in Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Blatt. Nr. 129, 9. Mai 129, S. 1 (online). Am 12. Mai 1894 bedachte die Jury seinen Gesamtentwurf und seine Modelle auch im zweiten Wettbewerb mit dem ersten Preis.Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Abendblatt. Nr. 133, 15. Mai 1894, S. 2 (online). Am 9. Juni 1894 übertrug ihm der Bundesrat den Auftrag offiziell.Bern. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 159, 10. Juni 1894, S. 2 (online). Die allegorischen Statuen wurden 1896 platziert.
Am 12. März 1897 wurde Albisetti als Nachfolger von Raimondo PeredaGiulio Foletti: Natale Albisetti. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Dadò, Locarno 2001, ISBN 88-8281-068-2, S. 93–99. in die Eidgenössische Kunstkommission gewählt.Bern. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Abendblatt. Nr. 71, 12. März 1897, S. 1 (online). Per 1. Januar 1900 wurde er durch Giuseppe Chiattone ersetzt.Aus dem Bundesrat. In: Der Bund. Zweites Blatt. Band 50, Nr. 342, 9. Dezember 1899, S. 2 (online).
1896 stellte Albisetti die Marmorskulptur Mutterliebe (Amor materno) auf der Schweizerischen Landesausstellung in Genf aus.Exposition Nationale. In: La Suisse libérale. Band 33, Nr. 191, 13. August 1896, S. 1 f. (online). 1898 erhielt er dafür am Salon de Paris eine Ehrenmeldung. Felix Vogt berichtete im Bund:
mini|Melchtal-Gruppe, Ausführung in Carrara-Marmor von 1900, Stabio, Cimitero comunale 1900 nahm er mit seinem Hauptwerk, der Marmorskulptur Arnold von Melchtal und sein Vater, an der Weltausstellung in Paris teil und erhielt in der Sparte «Bildhauerkunst und Stecherkunst» eine Silbermedaille.Offizielle Liste der an der Pariser Weltausstellung prämierten schweizerischen Künstler. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 235, 25. August 1900, S. 5 (online).
mini|Die Schweiz empfängt das junge Tessin, 1903, Bronzerelief auf dem Unabhängigkeitsdenkmal in Bellinzona 1903 reichte er zusammen mit dem Zürcher Architekten Armand Neukomm einen Entwurf für das Unabhängigkeitsdenkmal in Bellinzona ein und gewann den Wettbewerb am 6. Februar. Noch im selben Jahr führte er die vier Bronzereliefs für das Postament aus. Das Denkmal wurde am 10. September eingeweiht.
1904 heiratete Albisetti in Stabio die Italienerin Fortunata Pacitti, die ihm zuvor schon Modell gestanden hatte. In seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten stellte er weiterhin an Salons in Paris aus. Wann er definitiv nach Stabio zurückkehrte, ist nicht bekannt. Hier starb er 1923 nach kurzer Krankheit mit 59 Jahren.
Die Mehrheit seiner Werke sind heute in Paris und im Kanton Tessin, hier vor allem in Stabio, aufbewahrt. 2018 eröffnete in Stabio mit dem Spazio Albisetti ein ihm gewidmetes kleines Museum.
Vom 7. bis zum 31. Oktober 1977 fand in Stabio eine Ausstellung über Albisetti und den Maler Augusto Sartori statt.Aldo Patocchi (Hrsg.): Il pittore Augusto Sartori e lo scultore Natale Albisetti al Centro internazionale d’arte di Stabio, dal 7 al 31 ottobre 1977. Centro internazionale d’arte, Stabio 1977 (Ausstellungskatalog). Vom 4. Juni bis zum 5. November 2023 zeigte das Museo Vincenzo Vela in Ligornetto eine Schau seiner Werke.Gianna A. Mina (Hrsg.): Natale Albisetti (1863–1923) scultore. Dai successi parigini ai grandi cantieri svizzeri. Ufficio federale della cultura (UFC), Bern 2023 (Ausstellungskatalog).
Werk Albisetti war Traditionalist und blieb sein Leben lang einer klassizistischen Linie treu, wechselweise mit Anleihen beim Realismus, Naturalismus und Neobarock. Die aufkommenden Neuerungen von Symbolismus und Jugendstil ignorierte er. Richard Häsli meinte 1977 in der NZZ, Albisetti habe seine Werke so gestaltet, «als lebte er im 18. Jahrhundert».Richard Häsli: Zwei Tessiner Künstler. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 256, 1. November 1977, S. 36 (online). Giulio Foletti betonte 2001, Albisetti repräsentiere mit der simplen, leicht verständlichen Bildersprache seiner handwerklich gut gemachten Werke den prüden Geschmack des Kleinbürgertums im 19. Jahrhundert. Gerade darin liege aber seine Stärke, zumal er den Kunstgenuss so breiteren Volksschichten zugänglich machen konnte.Giulio Foletti: Natale Albisetti. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Dadò, Locarno 2001, ISBN 88-8281-068-2, S. 94 f.
Werke
Hauptwerke 1893: Gipsskulptur Der Kuss (Il bacio), Spazio Albisetti 1896: vier allegorische Sandsteinstatuen im Hauptgebäude der ETH Zürich: Die Naturwissenschaften, Die Ingenieurkunst, Die Land- und Forstwissenschaft, Die Baukunst
1896: Skulptur Mutterliebe (Amor materno), Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano 1899: drei Statuen auf der Südfassade des Bundeshauses in Bern: Gelehrter, Kaufmann, Bauer (die anderen drei stammen von Karl Alfred Lanz) 1899: Melchtal-Gruppe (alle drei Versionen befinden sich in Stabio: eine in Gips im Gemeindehaus, eine in Marmor auf Albisettis Grab auf dem Friedhof, eine postum angefertigte in Bronze bei der Piazza Maggiore) 1903: vier allegorische Bronzereliefs auf dem Unabhängigkeitsdenkmal in Bellinzona: Die Schweiz empfängt das junge Tessin, Gerechtigkeit, Frieden, Überfluss
Weitere Werke
Literatur Aldo Patocchi (Hrsg.): Il pittore Augusto Sartori e lo scultore Natale Albisetti al Centro internazionale d’arte di Stabio, dal 7 al 31 ottobre 1977. Centro internazionale d’arte, Stabio 1977 (Ausstellungskatalog). Giulio Foletti: Natale Albisetti. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Dadò, Locarno 2001, ISBN 88-8281-068-2, S. 93–99. Gianna A. Mina (Hrsg.): Natale Albisetti (1863–1923) scultore. Dai successi parigini ai grandi cantieri svizzeri. UFC, Bern 2023 (Ausstellungskatalog mit einem kritisch-biografischen Aufsatz von Simona Ostinelli). Aurelia Antonini: Stabio e Natale Albisetti. Un percorso tra le opere dello scultore. Museo Vincenzo Vela, 2023 (PDF; 7,6 MB).
Weblinks
Spazio Albisetti, Website des Albisetti-Museums in Stabio Chi è Natale Albisetti auf Museo Vincenzo Vela Natale Albisetti auf Comune di Stabio
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Schweiz) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1863 Kategorie:Gestorben 1923 Kategorie:Mann