Martin Reimann (* 20. April 1902 in Konradswalde in Schlesien; † 28. Januar 1978 in Wuppertal) war ein deutscher Eisenhüttenmann und Vorstand in der Stahlindustrie bei der Trierer Walzwerk Aktiengesellschaft sowie Präsident der European Coil Coating Association (ECCA). Als Pionier auf dem Gebiet des Kaltwalzens prägte er das Verständnis und die Entwicklung dieser Form der Metallverarbeitung und begründete u. a. den Kaltwalzausschuss im Verein Deutscher Eisenhüttenleute, dessen erster Vorsitzender er war.
Leben Reimann besuchte das Johannesgymnasium in Breslau und studierte im Anschluss an der Technischen Hochschule Breslau Eisenhüttenkunde. Sein Studium schloss er 1925 als Diplom-Ingenieur ab. Er wurde in seiner Studentenzeit Mitglied im Corps Montania Breslau (heute: Corps Silingia Breslau zu Köln)Anschriftenliste des Weinheimer SC. 1928, S. 67.
Seine berufliche Laufbahn begann Reimann 1925 bei den Schmelz- und Plattierbetrieben der Vereinigten Deutschen Nickelwerke in Schwerte. Ab 1928 war er für die Hoesch AG tätig und baute das Kaltwalzwerk in Dortmund auf, dass unter seiner Leitung das erste Kaltwalz-Quarto-Gerüst in Europa für kaltgewalzte breite Eisenbänder einsetzte. 1936 erfolgte die Berufung in den Vorstand der Trierer Walzwerk Aktiengesellschaft (seit 1921 zugehörig zur Hoesch AG; heute Thyssenkrupp). Dort war er für die Einführung innovativer Erzeugungsverfahren, insbesondere für die Entwicklung neuer Oberflächenveredelungsverfahren für kaltgewalzte Bänder und Bleche, in den Werken in Wuppertal, Trier und im – von Reimann gebauten – Werk Burg bei Magdeburg, verantwortlich.Werk und Wir (1967), Jg. 6, Heft 4, S. 93, Hoesch Aktiengesellschaft (Hrsg.), aus: thyssenKrupp Corporate Archives (https://d2zo35mdb530wx.cloudfront.net/_binary/UCPthyssenkruppAG/aaea7c1e-e3eb-40b3-9597-c6e5d0c3ba13/Werk-und-Wir--04.1967.pdf)Werk und Wir (1954), Heft 6, S. 193f., Hoesch Aktiengesellschaft (Hrsg.), aus: thyssenKrupp Corporate Archives (https://d2zo35mdb530wx.cloudfront.net/_binary/UCPthyssenkruppAG/04679bae-4518-44ee-9ba9-9574a3f3be4d/Werk-und-Wir--06.1954.pdf)
Die Ergebnisse der angestoßenen Innovationen zeigten sich u. a. in neuen Erzeugnissen, die von Reimann entwickelt wurden, wie Platal (kunststoffbeschichtetes Stahlband und Stahlblech), das erstmalig 1959 auf der Kunststoffmesse in Düsseldorf vorgestellt wurde, Zinkal (galvanisch verzinktes Stahlband und Stahlblech) oder auch Pladur (verzinktes Stahlband und Stahlblech mit Lacküberzug)Werk und Wir (1972), Jg. 23, Heft 1, S. 16, Hoesch Aktiengesellschaft (Hrsg.), aus: thyssenKrupp Corporate Archives (https://d2zo35mdb530wx.cloudfront.net/_binary/UCPthyssenkruppAG/2ce6a588-8fbf-41bb-8e9d-84a21258a513/Werk-und-Wir--01.1972.pdf). Für die Erzeugung von Pladur hatte die Trierer Walzwerk Aktiengesellschaft ab 1965 eine kombinierte Band- und Blechverzinkungsanalage (die erste dieser Art in Europa) in Betrieb genommen, in die viele eigene Erkenntnisse eingeflossen sind und neuste technische Entwicklungen berücksichtigt wurden.
Im April 1967 wurde nach amerikanischem Vorbild der National Coil Coaters Association (NCCA) der europäische Zweig, die European Coil Coating Association (ECCA), gegründet. Reimann wurde zu deren ersten Präsidenten gewählt und hatte diese Funktion bis zu seinem Ruhestand im Oktober 1967 inne.Werk und Wir (1968), Jg. 16, Heft 3, S. 63, Hoesch Aktiengesellschaft (Hrsg.), aus: thyssenKrupp Corporate Archives (https://d2zo35mdb530wx.cloudfront.net/_binary/UCPthyssenkruppAG/b81edc2f-e0f1-456b-bdff-5d0ec6a4a873/Werk-und-Wir--03.1968.pdf) Am 11. Oktober 1967 während einer Pressekonferenz auf der Kunststoffmesse in Düsseldorf der ECCA, die bis dahin bereits hunderte Mitglieder aus den unterschiedlichsten europäischen Staaten (u. a. Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Schweden und der Schweiz) vereinigte, verkündete Reimann, in seiner Funktion als deren Präsident, dass die Trierer Walzwerk Aktiengesellschaft Stahlbänder von fast zwei Metern Breite mit Kunststoff beschichte. Dies stellte zum damaligen Zeitpunkt einen Rekord der im ECCA zusammengeschlossenen Mitglieder dar.Werk und Wir (1967), Jg. 6, Heft 11, S. 303, Hoesch Aktiengesellschaft (Hrsg.), aus: thyssenKrupp Corporate Archives (https://d2zo35mdb530wx.cloudfront.net/_binary/UCPthyssenkruppAG/9b9e45c3-c47b-457c-a0b7-756b0177e512/Werk-und-Wir--11.1967.pdf)
Zeitlebens widmete er sich dem Kaltwalzen und beeinflusste die Entwicklung dieser Form der Metallverarbeitung nachhaltig, was auch die Vielzahl seiner Patente widerspiegelt. Insbesondere die Entwicklung neuer Baustoffe (bspw. Platal) wurde gewürdigt.
Außerdem war Reimann Gründer und erster Vorsitzender des Kaltwalzausschusses im Verein Deutscher Eisenhüttenleute. Dieser ernannte ihn 1968 zum Ehrenmitglied.Stahl und Eisen, Band 88, Ausgabe 1, 1968, S. 201. Zudem war er in verschiedenen Gremien der Fachvereinigung Kaltwalzwerke tätig sowie Vorstandsmitglied des Fachverbands Oberflächenveredelter Bandstahl. Reimann gehörte der Industrie- und Handelskammer Trier und Wuppertal an.
Werke (Auszug) Sortiert nach Veröffentlichungsjahr (absteigend):
Reimann, M., Sieckmann, W., & Schabio, F. (1963) Herstellung, Eigenschaften und Prüfung von mit Kunststoff beschichtetem Stahlband. Verlag Stahleisen. Reimann, M. (1956). Automation im Kaltwalzwerk. Verlag Stahleisen. Reimann, M., & Schwandt, S. (1953). Das maschinenmäßige Entzundern des Warmbandes mit metallischen Strahlmitteln nach dem Schleuderverfahren. Verlag Stahleisen. Reimann, M. (1952). Aufbau und Betriebsweise eines Mehrwalzen-Umkehr-Kaltwalzgerüstes mit Flüssigkeitsantrieb. Verlag Stahleisen.
Patente (Auszug) Nach Veröffentlichungsdatum sortiert (absteigend):
Stahl und Eisen - Zeitschrift für das deutsche Eisenhüttenwesen (1939), 59 Jg., Heft 27–52, 2. Halbjahr, Verein Deutscher Eisenhüttenleute (Hrsg.), Düsseldorf
Literatur
ABC der deutschen Wirtschaft. Band 2. 1966. S. 30 Herchenröder, K. H. Die Nachfolger der Ruhrkonzerne die "Neuordnung" der Montanindustrie. Econ-Verlag. Düsseldorf. 1953. S. 234. Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who is Who. Band 15. Schmidt Römhild. Lübeck. 1967. S. 1555
Einzelnachweise
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