mini|Der Idstedt-Löwe in Flensburg mini|Der Idstedt-Löwe (dänisch Istedløven), ein spätklassizistisches Monument in Flensburg. Die Inschrift auf der Tafel lautet: „ISTED / DEN 25. JULI 1850 / REJST 1862 / 2011 wieder errichtet als Zeichen von Freundschaft und Vertrauen zwischen Dänen und Deutschen“

Der Idstedt-Löwe () ist ein spätklassizistisches Monument in Flensburg. Der dänische Bildhauer Herman Wilhelm Bissen schuf es 1862 zur Erinnerung an den Sieg der dänischen Truppen über die aufständischen Schleswig-Holsteiner in der Schlacht bei Idstedt im Jahr 1850. Nach dem Frieden von Wien im Jahr 1864 wurde die Plastik nach Berlin gebracht. Im Jahr 1945 gelangte sie nach Kopenhagen. Im Jahr 2011 kehrte sie an ihren ursprünglichen Standort in Flensburg zurück und wurde am 10. September 2011 enthüllt. Eine Zinkkopie von 1874 steht am Wannsee in Berlin.Herman Wilhelm Bissen: Flensburger Löwe. Porträt auf Kunst@SH; abgerufen am 27. September 2017.

Für das Verständnis der Figur und ihrer geschichtspolitischen Reise sind fünf Elemente bestimmend: die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848–1851 die Bedeutung des Löwen als Wappentier des Herzogtums Schleswig (und des Königreichs Dänemark) hinsichtlich der Berliner Kopie die Gründung der Colonie Alsen am Großen Wannsee (1863) hinsichtlich der Berliner Kopie der Deutsch-Dänische Krieg als erster von drei deutschen Einigungskriegen hinsichtlich der Rückkehr nach Flensburg die nachhaltige Verbesserung der dänisch-deutschen Beziehungen

Das Original mini|Sturz des Idstedter Löwen, der Schwanz liegt neben dem Sockel (1864) In der Schleswig-Holsteinischen Erhebung kam es 1850 zur Schlacht bei Idstedt. Der dänische Sieg in diesem Krieg hatte zur Folge, dass das Herzogtum Schleswig und damit auch die Stadt Flensburg mit dem Königreich Dänemark in Personalunion verbunden blieb. Zur Erinnerung an diesen Triumph schuf der dänische Bildhauer Herman Wilhelm Bissen eine Bronzeplastik, die in Anlehnung an das dänische Wappen einen riesigen Löwen mit triumphal hochgerecktem Kopf auf einem steinernen Sockel darstellt.Beschreibung, Standort, Fotos, abgerufen am 13. November 2015. Das dänische Staatswappen zeigt drei gekrönte Löwen (auch das Wappen Schleswig-Holsteins und das Stadtwappen Flensburgs enthalten zwei Schleswigsche Löwen als bestimmendes Moment). Um eine anatomisch perfekte Plastik zu schaffen, reiste Bissen zuvor nach Paris und betrieb intensive Studien an einem Löwen, der im Jardin des Plantes gehalten wurde. Im Deutschen Kaiserreich war der Löwe als „Laubfrosch“ bekannt.

Im Jahr 1860 konnte Bissen ein erstes Gipsmodell fertigstellen. Im Juni 1862 war der Bronzeguss vollendet. Der Sockel für den Löwen bekam vier Reliefs mit den Profilen der Generäle Christopher von Krogh und Friderich Adolph Schleppegrell sowie der Colonels Hans Helgesen und Frederik Læssøe. Um dem Denkmal festen Untergrund zu schaffen, wurden 200 deutsche Särge und Grüfte zerstört. Die Gerippe kamen in eine Grube. Das 7,20 Meter (Sockel: 3,80 m; Bronzestatue: 3,40 m) hohe Siegesdenkmal wurde am 25. Juli 1862, dem 12. Jahrestag der Schlacht von Idstedt, auf dem Alten Friedhof in Flensburg enthüllt, wo der Löwe nach Süden schaute. Vor ihm wehte der Danebrog. Auf dem Kämpehoi, dem Kämpferhügel hinter dem Denkmal, wurden Votivtafeln für die gefallenen dänischen Offiziere und Soldaten errichtet. Der dänische Bildhauer Hans Klewing zerschlug die Votivtafeln für die gefallenen Schleswig-Holsteiner, auch die für den Oberst Julius Saint-Paul, der im Juni 1849 vor Fredericia gefallen war.Flensburg (Alter Friedhof, 1848-51 & 1864) Die Granitsäule für die in der Schlacht von Bau Gefallenen der Schleswig-Holsteinischen Armee wurde 4 Fuß tief vergraben. Am 8. Februar 1864, eine Woche nach Beginn des Zweiten Deutsch-Dänischen Krieges, wurde sie ausgegraben.

Von den deutschgesinnten Schleswig-Holsteinern wurde das Standbild als Schmach empfunden, auch weil man die Statue auf Gräbern schleswig-holsteinischer Gefallener errichtet hatte. Kein einziger Däne lag dort.Adelbert von Baudissin: Schleswig-Holstein meerumschlungen: Kriegs- und Friedensbilder aus dem Jahre 1864. Stuttgart 1865. Christian IX. hatte seine Teilnahme an der Enthüllung abgelehnt, weil er das Denkmal als einen Bruch mit der Kultur des Dänischen Gesamtstaates empfand. Die Symbolik des Löwen ordnete sich deutlich in das seit 1852 von dänischen Nationalliberalen verfolgte Programm einer Einverleibung Schleswigs in einen dänischen Nationalstaat ein. Am 28. Februar 1864 versuchten einige deutschgesinnte Flensburger, das Monument zu stürzen. Dabei wurde das Bronzebildwerk beschädigt und der Schwanz abgebrochen; für seinerzeit in der Deutschen Illustrirten Zeitung veröffentlichte Zeichnungen, die eine weitgehende Zertrümmerung des Denkmals zeigen, gibt es keine weiteren Belege.

Von Flensburg nach Berlin mini|Original in Berlin (1942) Im Deutsch-Dänischen Krieg, in dem Preußen und Österreich den Schleswig-Holsteinern beistanden, siegte bei der Festung Düppeler Schanzen am 18. April 1864 die deutsche Seite. Die Erstürmung der Festung gelang dem General der Kavallerie Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen. Dabei entstand die Legende, der Pionier Carl Klinke habe sich geopfert, um mit einem Pulversack eine Bresche in die Schanze II zu sprengen. Klinke soll bei der Aktion den legendären Satz Ick bin Klinke, ick öffne dit Tor! ausgerufen haben. Nachdem erneute Friedensverhandlungen vor allem an der Frage der künftigen Südgrenze der dänischen Monarchie scheiterten, setzten die preußischen Truppen schließlich am 29. Juni nach Alsen über. Kurz darauf ersuchte Dänemark um einen Waffenstillstand und musste im Prager Frieden eine weit nördlichere Grenzlinie akzeptieren: Fast das gesamte Herzogtum Schleswig fiel unter Preußische und Österreichische Verwaltung. Nach dem Zweiten deutschen Einigungskrieg bildete Schleswig 1867 mit dem Herzogtum Holstein die neue Provinz Schleswig-Holstein im Königreich Preußen.Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins. Beck, München 2006, ISBN 3-406-50891-X, S. 95.

Jeden Versuch, den inzwischen stark lädierten Löwen komplett vom Sockel zu stürzen, unterbanden nun die deutschen Befehlshaber. Auf Veranlassung von Ministerpräsident Bismarck erfolgte eine Demontage des Monuments, das mit einigen Bruchstücken zuerst im Regierungshof der Stadt gelagert wurde. Im Jahre 1867 wurde die Bronzestatue gemeinsam mit den vier Sockel-Reliefs auf Betreiben des Generalfeldmarschalls Friedrich Graf von Wrangel nach Berlin transportiert.

Auf der dänischen Seite änderte sich die Sicht auf den Idstedt-Löwen durch die Überführung nach Berlin beträchtlich. War er als Siegesdenkmal zunächst durchaus umstritten und bei seiner Aufstellung eher das Projekt eines begrenzten nationalliberalen Kreises gewesen, fühlte man sich durch die Entfernung des Löwen gekränkt. Er wurde als Kriegsbeute empfunden und symbolisierte für viele Dänen wie kein anderes Monument oder Bauwerk den Verlust der südlichen Landesteile, die bis 1864 zwei Fünftel der Fläche ausgemacht hatten und in denen fast die Hälfte der Bevölkerung der dänischen Monarchie beheimatet war. Vom Löwen wurden zahlreiche Miniaturen angefertigt, die sich in vielen nationalbewussten Haushalten fanden.

Seine erste Wiederaufstellung fand der restaurierte Löwe am 9. Februar 1868 im Hof des Berliner Zeughauses. Als das Zeughaus umgebaut wurde, reiste der Löwe, erneut demontiert, weiter nach Lichterfelde bei Berlin. Dort wurde er im April 1878 im Hof der Preußischen Hauptkadettenanstalt aufgestellt.

Von Berlin nach Kopenhagen mini|Original in Kopenhagen (2007) Nach Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sich der Berliner Korrespondent der Zeitung Politiken Henrik V. Ringsted bei den US-amerikanischen Militärbehörden, in deren Sektor Lichterfelde lag, für eine Überführung des im Krieg unbeschädigt gebliebenen Löwendenkmals nach Dänemark ein. Der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa und spätere Präsident Dwight D. Eisenhower veranlasste im Herbst 1945 den Transport nach Kopenhagen, nachdem er zuvor eine Stellungnahme der dänischen Regierung erbeten hatte. Am 20. Oktober nahm König Christian X. den Löwen offiziell in Empfang und drückte dabei die Hoffnung aus, dass das Denkmal zum Gedenken an die Opfer des Krieges von 1848 bis 1850 und an die Zeit danach dereinst wieder in Flensburg stehen sollte, wenn dies dort gewünscht würde.

Somit galt die Aufstellung des Löwen in Kopenhagen als ein Provisorium. Dort hatte der Idstedt-Löwe für lange Jahre einen Platz zwischen historischem Kriegsgerät im Hinterhof des Königlich Dänischen Zeughausmuseums, wo er von außerhalb des Museumsgeländes von der Straße entlang des Hafens sichtbar war. Nach der Einweihung des Erweiterungsbaus der nahe gelegenen Dänischen Königlichen Bibliothek im Jahre 2001 wurde der Hof entfernt. Ab diesem Zeitpunkt stand der Löwe alleine auf dem weiten und recht kahlen Platz, den eine Hauptverkehrsstraße durchzieht und der an der Südseite zum Wasser hin offen liegt. (Lage: ) Doch auch diese Erneuerung führte nicht dazu, dass die Diskussion über eine Rückführung des Denkmals nach Flensburg verstummte. In Fredericia, wo sich mit dem tapferen Landsoldaten ein weiteres Hauptwerk Bissens befindet, bemühte sich ein Verein, das Löwendenkmal für die dortigen Festungsanlagen zu gewinnen. Viele weitere Vorschläge für einen endgültigen Standort des Löwen wurden vorgebracht.

Diskussionen um die Rückkehr nach Flensburg Für und Wider von den 1960er bis zu den 1990er Jahren Nach den Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955, die das Verhältnis zwischen Deutschen und Dänen sowie den Minderheiten im Grenzland auf eine neue friedliche Basis stellten, blieb der Wunsch nach einer Wiederaufstellung des Löwen seitens der dänischen Minderheit bestehen. Doch auch auf deutscher Seite mehrten sich im Laufe der Zeit – und der fortschreitenden Normalisierung des deutsch-dänischen Verhältnisses – die Stimmen zu einer Rückführung des Löwen. 1962 meinte der Flensburger CDU-Politiker, Stadtpräsident, Chefredakteur des 'Flensburger Tageblatts’ und damalige Vorsitzende des SHHB Hanno Schmidt, dass eine Neuaufstellung des Löwen in Flensburg als Ausdruck eines neuen Geistes dazu beitragen könnte, die historischen Gegensätze zu überwinden. Darin pflichtete ihm der aus Nordschleswig stammende Vorsitzende des Grenzfriedensbundes Hans Peter Johannsen bei.