Borussia Neunkirchen war in der erstklassigen Fußball-Oberliga Südwest von 1957/58 bis 1962/63 die Spitzenmannschaft mit vier Vizemeisterschaften und dem Titelgewinn 1961/62 vor dem FK Pirmasens. Das Team aus dem Saarland hat 17 Spiele in den Jahren 1959 bis 1963 in den Endrunden um die deutsche Fußballmeisterschaft absolviert. In der letzten Endrunde 1963, im Jahr vor der Einführung der Fußball-Bundesliga, scheiterte die Borussia knapp am Einzug in das Finale und belegte punktgleich mit 6:6 Zählern mit dem Gruppenzweiten 1860 München den 3. Gruppenrang. Die Schwarz-Weißen aus dem Ellenfeldstadion standen zusätzlich 1959 noch im Finale um den DFB-Pokal. Mittelstürmer und Torjäger Rudi Dörrenbächer war im Meisterschaftsjahr 1962 mit 37 Treffern der erfolgreichste Torjäger aller Oberligastaffeln im DFB-Bereich.Werner Skrentny (Hrsg.): Teufelsangst vorm Erbsenberg. Die Geschichte der Oberliga Südwest 1946–1963. S. 177 In Neunkirchen, Stadt der Kohle und des Eisens, hatten sie jahrzehntelang aus voller Brust gesungen: „Hoch lebe Eisen, hoch lebe Stahl, hoch lebe Borussia.“Hardy Grüne (Hrsg.): Von grauen Mäusen und großen Meistern. In: Borussia Neunkirchen. Hoch lebe Eisen, von Tobias Fuchs. S. 247/248

Zum Start der Bundesliga, 1963/64, wurde Borussia Neunkirchen aber trotz der erbrachten sportlichen Vorgaben in der Oberliga Südwest, nicht für die neue Eliteliga nominiert, aus dem Südwesten wurden der 1. FC Kaiserslautern und der 1. FC Saarbrücken berücksichtigt, und für Neunkirchen ging es in der zweitklassigen Regionalliga Südwest weiter.

Viermaliger Vizemeister und einmal Meister der Oberliga Südwest, 1958 bis 1963 Ab Wiedereintritt in die Oberliga Südwest zur Runde 1951/52 bewegten sich die Schwarz-Weißen aus dem Ellenfeldstadion im gesicherten Mittelfeld der Tabelle; zur Spitzengruppe reichte es nicht, um den Klassenverbleib musste die Borussia aber auch nicht kämpfen. Die Fritz-Walter-Elf des 1. FC Kaiserslautern bestimmte einschließlich 1956/57 das Rennen um die Meisterschaft, ehe die Mannen um Helmut Kapitulski, der FK Pirmasens, ab 1957/58 mit drei Titelgewinnen in Folge nachlegten. Als aber zur Saison 1957/58 von Hellas Marpingen der Torjäger Rudi Dörrenbächer zur Borussia gekommen war und in seiner Debütrunde in der Oberliga Südwest sogleich 24 Tore erzielte, da war die Zeit im Mittelfeld der Tabelle vorbei, die Schwarz-Weißen gehörten jetzt dem Kreis der Titelanwärter an. Mit einem Punkt Rückstand zu Meister FK Pirmasens belegte Neunkirchen punktgleich mit Vizemeister 1. FC Kaiserslautern den 3. Rang und hatte beide Konkurrenten im Ellenfeld mit 1:0 beziehungsweise 4:1 geschlagen.Werner Skrentny (Hrsg.): Teufelsangst vorm Erbsenberg. Die Geschichte der Oberliga Südwest 1946–1963. S. 168/169

Das Gerüst der Mannschaft war mit den zwei Torhütern Ladislav Jirasek und Erwin Strempel, den Feldspielern Josef Frisch, Gerd Lauck, Dieter Harig, Ewald Follmann, Karl Ringel, Werner Emser, Horst Meurer und Hans Schreier ja bereits vorhanden gewesen, hatte mit Dörrenbächer einen eindeutigen Zugewinn in der Chancenverwertung erfahren und vollzog mit den zwei weiteren Marpingen-Zugängen Erich Leist (ab 1958) und Erwin Glod (ab 1959) endgültig den Schritt zu den Spitzenmannschaften im Südwesten. So war das Erreichen der Vizemeisterschaft 1958/59 hinter Pirmasens und vor dem 1. FC Kaiserslautern und dem 1. FC Saarbrücken keine wirkliche Überraschung mehr. Neunkirchen hatte jetzt eine torgefährliche Offensive und eine stabile Defensive die zu den besten im Südwesten zählte. Nur gegen den Meister FK Pirmasens verlor die neue Macht aus dem Saarland mit 1:2 ein Heimspiel und errang mit 48:12 Punkten und 95:35 Toren die Vizemeisterschaft 1959. Vor dem endgültigen Einzug in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft stand aber noch am 3. Mai 1959 in Düsseldorf ein Qualifikationsspiel gegen den Nordvizemeister Werder Bremen an. Vor 32.000 Zuschauern im Rheinstadion setzte sich aber das Team um Willi Schröder und Arnold Schütz mit 6:3 durch und für Neunkirchen war damit die Endrunde vorbei. Das konnte auch nicht der Zwischenspurt ab der 70. Minute mit den drei Treffern von Ringel, Follmann und Meurer zum 4:3-Zwischenstand verändern, da Nationalspieler Schröder noch mit zwei weiteren Treffern nachlegte und das Spiel für Bremen endgültig entscheiden konnte.Klaus Querengässer: Die deutsche Fußballmeisterschaft Teil 2: 1948–1963. Agon Sportverlag. Kassel 1997. ISBN 3-89609-107-7. S. 112

Ein weiterer sportlicher Erfolg über den regionalen Rahmen hinaus erzielten die Saarländer im DFB-Pokal des Jahres 1959. Nach dem Gewinn des Südwestpokals am 27. September 1959 mit 1:0 gegen den 1. FC Saarbrücken durch ein Tor von Ringel, setzten sich die Schwarz-Weißen im Halbfinale des DFB-Pokals am 3. Oktober mit 2:1 gegen den süddeutschen Oberligisten VfR Mannheim durch und zogen damit in das Endspiel am 27. Dezember 1959 in Kassel gegen Schwarz-Weiß Essen ein. Im Auestadion setzte sich aber der ETB-Angriff mit Horst Trimhold, Hubert Schieth, Manfred Rummel, Hans Küppers und Theo Klöckner überlegen mit 5:2 durch und holte den Pokal nach Essen.Matthias Weinrich, Hardy Grüne: Deutsche Pokalgeschichte seit 1935. Agon Sportverlag. Kassel 2000. ISBN 3-89784-146-0. S. 161

In den folgenden zwei Runden, 1959/60 und 1960/61, errang Borussia Neunkirchen erneut jeweils die Vizemeisterschaft. Dazu trugen 1959/60 die Personalien durch den Neuzugang Erwin Glod bei und dass Hans Schreier den Schritt zum Stammspieler vollzog. Im Jahr vor der Weltmeisterschaft 1962 in Chile, 1960/61, wurde durch die Tatkraft von Präsident Norbert Engel und des Spielausschussvorsitzenden Kurt Gluding mit Spielern wie Günther Kuntz vom VfR Kaiserslautern, dem Torhüter Horst Kirsch von Sportfreunde Saarbrücken und Dieter Schock gezielt die Mannschaft weiter verstärkt, die Basis im Spielerkader ausgebaut. Das Ergebnis gipfelte in einem äußerst engen Dreikampf um die Meisterschaft zwischen dem 1. FC Saarbrücken, Neunkirchen und dem vorherigen dreimaligen Meister FK Pirmasens. Punktgleich mit je 42:18 Punkten standen am Rundenende Saarbrücken und Neunkirchen an der Spitze, mit einem Punkt dahinter Pirmasens auf dem 3. Rang. Das Torverhältnis entschied das Rennen knapp für Saarbrücken; hätte Pirmasens einen Punkt mehr gehabt, wäre durch ihr besseres Torverhältnis erneut die Meisterschaft in der Schuhstadt gelandet.

Der Punktverlust am 28. Spieltag beim abgeschlagenen Tabellenletzten SV Niederlahnstein, durch ein unerwartetes 1:1, sollte sich für die Borussen als fatal herausstellen; es kostete den Titelgewinn.

Zur Runde 1961/62 wurden noch die beiden Stürmer Elmar May und Paul Pidancet von Eintracht Trier sowie der Außenläufer Achim Melcher aus Bad Kreuznach verpflichtet, und damit war das sportliche Potenzial der Mannschaft so nachhaltig gewachsen, dass mit Trainer Alfred Preißler in der Saison 1961/62 mit 48:12 Punkten und dem Torverhältnis von 102:29 Toren der Meisterschaftsgewinn in der Oberliga Südwest glückte. Im Ellenfeld holte sich der neue Meister 28:2 Punkte – lediglich zwei 2:2-Remis gegen Pirmasens und Oppau – und Rudi Dörrenbächer setzte sich mit 37 Treffern die Torschützenkrone in der Südwestliga auf. Reinhold Straus (Worms) folgte mit 27 Toren vor den beiden besten Schützen des Vizemeisters FK Pirmasens, Rolf Fritzsche (24) und Klaus Matischak mit 23 Toren auf den Plätzen. Im Januar und Februar 1962 kanterte Neunkirchen die Gäste aus Eintracht Kreuznach und Sportfreunde Saarbrücken jeweils mit 11:0 aus dem Ellenfeld, verlor aber das unmittelbar folgende Auswärtsspiel mit 0:2 beim BSC Oppau.

Durch die Weltmeisterschaft in Chile – 30. Mai bis 17. Juni – wurde die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft in einem verkürzten Modus mit lediglich drei Spielen ausgetragen und der Südwestmeister hatte es vom 23. April bis 5. Mai mit dem FC Schalke 04, dem 1. FC Nürnberg und Tasmania 1900 Berlin zu tun. Sportlich lief es für Neunkirchen sehr unglücklich: Die beiden ersten Gruppenspiele gegen Schalke und Nürnberg verloren die Saarländer nach jeweiliger 2:0-Führung mit 3:2 Toren und danach auch noch das letzte und unbedeutende Spiel gegen den Berliner Meister Tasmania 1900 mit 0:1. Tabellarisch war die 0:6-Punktebilanz eindeutig, aber von den Spielverläufen her hatte Neunkirchen bewiesen, zwischenzeitlich auch mit den Spitzenmannschaften des Westens und von Süddeutschland gleichwertig mithalten zu können. Schalke tat sich trotz der späteren WM-Teilnehmer Hans Nowak, Willi Schulz und Willi Koslowski beim 3:2-Erfolg in Dortmund am 23. April sehr schwer; erst in der 61. Spielminute verkürzten die „Knappen“ durch ein umstrittenes, laut Neunkirchner 90-Jahre-Chronik „klares Abseitstor“Borussia VfB Neunkirchen (Hrsg.): 90 Jahre Borussia VfB Neunkirchen. Jubiläumsausgabe 1995. Neunkirchener Druckerei und Verlag, 1995., auf 1:2 und danach verlor Neunkirchen in den Schlussminuten völlig den Faden. Im Südweststadion in Ludwigshafen lag Neunkirchen beim zweiten Gruppenspiel gegen den Südmeister 1. FC Nürnberg bis zur 61. Minute nach Toren von Leist (Elfmeter) und Pidancet erneut mit 2:0 in Führung, ehe Borussen-Verteidiger Günter Schröder ein Eigentor unterlief und danach Linksaußen Richard Albrecht mit zwei Toren das 3:2 für den „Club“ erzielte.

Im letzten Jahr der alten erstklassigen Oberliga, 1962/63, war das alles beherrschende Thema die neue Bundesliga ab 1963/64 und wer hineinkommen würde. Im Südwesten trieb das die „new generation“ des 1. FC Kaiserslautern nach fünf Spielzeiten ohne Titel, nach einer durchwachsenen Hinrunde mit 22:8 Punkten, durch eine starke Rückrunde mit 25:5 Punkten zur überlegenen Meisterschaft und damit zur Aufnahme in die Bundesliga. Im Kampf um die Vizemeisterschaft konkurrierten im engen Wettstreit Borussia Neunkirchen, FK Pirmasens und Wormatia Worms mit jeweils 41:19 Punkten, vor dem „Herbstmeister“ 1. FC Saarbrücken mit 40:20 Punkten. Die Offensive der „Roten Teufel“ mit den Torjägern Winfried Richter (27 Tore) und Erich Meier (21 Tore) erzielte zum Meisterschaftsgewinn 110 Tore, der Vizemeister Borussia Neunkirchen kassierte mit 30 Gegentreffern die wenigsten der Runde.Werner Skrentny (Hrsg.): Teufelsangst vorm Erbsenberg. Die Geschichte der Oberliga Südwest 1946–1963. S. 178/179

Bei den Borussen wurde die Runde aber durch die schwere Verletzung von Angreifer Rudi Dörrenbächer beim Auswärtsspiel am 15. April 1963 beim 1:1-Remis gegen den VfR Frankenthal überschattet. Bei dem Spiel Ostern 1963 stieg der Torjäger in der 18. Minute hoch und köpfte zum Neunkirchner 1:0 ein. Frankenthals Schlussmann traf ihn bei der Abwehraktion ohne Absicht mit der Faust an der Schläfe – Dörrenbächer verlor das Bewusstsein und stürzte ohne jede Reaktion auf den hart gefrorenen Boden. Der Mittelstürmer wurde mit einem Schädelbasisbruch ins Krankenhaus Ludwigshafen eingeliefert, wo er sechs Wochen lang im Koma lag. Fußball gespielt hat Rudi Dörrenbächer danach nie wieder.Werner Skrentny (Hrsg.): Teufelsangst vorm Erbsenberg. Die Geschichte der Oberliga Südwest 1946–1963. S. 62