Die Collectio Remensis ist eine chronologisch geordnete Kanones-Sammlung des 6. Jahrhunderts. Sie enthält hauptsächlich Synodalakten und päpstliche Schreiben und gilt als die umfangreichste Sammlung der Merowingerzeit.Eber et al., Selection, S. 111 Überliefert ist sie ausschließlich in der Handschrift Berlin, SBPK, Phill. 1743.
Inhalt Die Collectio Remensis enthält Beschlüsse griechischer Synoden (Ancyra, Neocäsarea, Gangra, Antiochia, Laodicea, Konstantinopel I in zwei Versionen, Sardica, Ephesos, Chalcedon), afrikanische Synoden (Karthago 419, Auszüge aus den Registri Ecclesiae Carthaginensis Excerpta), römische Synoden (drei unter Papst Symmachus) sowie 22 gallische Synoden (früheste: Arles 314, späteste: Paris 614). Hinzu kommen 27 päpstliche Briefe von Pseudo-Clemens, Siricius, Innozenz I., Zosimus, Coelestin I., Leo I., Gelasius I., Symmachus, Hormisdas, Johannes II. und Vigilius.
Zusätzlich enthält die Sammlung verschiedene weitere Texte wie den Liber ecclesiasticorum dogmatum, das Decretum Gelasianum, einen Brief der Mailänder Kirche zum Dreikapitelstreit sowie das Pariser Edikt des Frankenkönigs Chlothar II. von 614. Die letzten beiden Dokumente sind ebenfalls nur in dieser Handschrift überliefert.
Entstehung und Überlieferung Inhalt und redaktionelle Eingriffe des Kompilators legen nahe, dass die Sammlung ursprünglich im südöstlichen Gallien zusammengestellt wurde, wobei die früheste Rezension nicht lange nach 550 entstand. Die ursprüngliche Sammlung erfuhr in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts mehrere redaktionelle Änderungen und wurde schließlich – nicht vor den 620er Jahren – um mehrere Dokumente aus der Zeit Chlothars II. ergänzt.
Die Sammlung stützt sich auf verschiedene Quellen wie das sogenannte Corpus canonum Africano-Romanum, die Collectio Teatina, die Collectio Dionysiana I und die Canones urbicani.Hubert Wurm: Studien und Texte zur Dekretalensammlung des Dionysius Exiguus (= Kanonistische Studien und Texte Band 16). 1939, S. 116–118
Die Berliner Handschrift stammt aus dem 8. Jahrhundert; spätestens seit dem 9. Jahrhundert befand sie sich in St-Remi-de-Reims, worauf der Name der Sammlung zurückgeht.
Wirkung In ihren verschiedenen Rezensionen diente die Collectio Remensis als Quelle für andere gallische Kanones-Sammlungen wie die Collectio Diessensis, Collectio Pithouensis, Collectio Sancti Amandi und (indirekt über letztere Sammlung) für die Collectio Bellovacensis. Sie war auch eine der Quellen des vierten Teils des Quadripartitus, einer karolingischen Sammlung.
Literatur Michael Eber: Christologie und Kanonistik. Der Dreikapitelstreit in merowingischen libri canonum. (= MGH Schriften. Band 82), 2023. Michael, Eber, Stefan Esders, David Ganz, Till Stüber: Selection and Presentation of Texts in Early Medieval Canon Law Collections: Approaching the Codex Remensis (Berlin, Staatsbibliothek, Phill. 1743). In: Sebastian Scholz, Gerald Schwedler (Hrsg.): Creative Selection between Emending and Forming Medieval Memory. De Gruyter, Berlin 2022, S. 105–136.
Lotte Kéry: Canonical Collections of the Early Middle Ages (ca. 400–1140): A Bibliographical Guide to the Manuscripts and Literature (= History of Medieval Canon Law). Catholic University of America Press, Washington 1999, ISBN 0-8132-0918-8, S. 50.
Weblinks Tilman Stüber: Collectio Remensis. In: Clavis canonum: Handbook and Database. Monumenta Germaniae Historica. Letzter Aufruf am 23. Juli 2025 (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:Christentum (6. Jahrhundert) Kategorie:Kanones-Sammlung Kategorie:Rechtsquelle des Mittelalters Kategorie:Rechtsquelle (6. Jahrhundert) Kategorie:Recht (Spätantike)