mini|Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main Die dritte Serie der Eurobanknoten ist eine geplante neue Serie für das Papiergeld des Euroraumes. Nach der ersten Serie aus dem Jahre 2002 und der zweiten Serie aus dem Jahre 2013 kündigte die Europäische Zentralbank im Dezember 2021 eine dritte Serie an. Es handelt sich um die erste vollständige Neugestaltung der Motive seit Einführung des Euros. Das Verfahren zur Festlegung des Designs läuft seit 2025. Nach einer ersten Entscheidung im Designwettbewerb Ende 2026 ist noch nicht festgelegt, wann die neuen Scheine in den Umlauf gebracht werden.

Vorbereitung Am 6. Dezember 2021 veröffentlichte die Europäische Zentralbank (EZB) durch Präsidentin Christine Lagarde den Plan, eine dritte Serie der Eurobanknoten zu entwickeln und in Umlauf zu bringen. Als Gründe wurden neben Neuerungen bei den Sicherheitsmerkmalen und dem Fälscherschutz auch genannt, dass sich „Europäerinnen und Europäer unabhängig von Alter oder Hintergrund besser mit ihnen [den Banknoten] identifizieren können“. Die Banknoten sollen zudem auch Verbesserungen bei der Benutzung durch Sehbehinderte und Blinde mit sich bringen und zugleich ökologisch besser als ihre Vorgänger sein. Auch wenn bei der Ankündigung noch nicht über neue Motive gesprochen wurde, brachte EZB-Präsidentin Lagarde im Februar 2022 eine Neugestaltung unter anderem mit berühmten Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci, Ludwig van Beethoven und James Joyce ins Spiel. Eine länderspezifische Gestaltung – wie sie bei den Euromünzen üblich ist – lehnte sie jedoch ab.

Themenwahl Wesentlicher Punkt der dritten Serie soll die komplette Neugestaltung werden, da die ersten beiden Serien dieselben fiktiven Gebäude und Brücken prägten. Hierfür wurden in einem ersten Schritt durch eine im Auftrag der EZB durchgeführte Studie Bürgerinnen und Bürger verschiedener sogenannter Fokusgruppen nach möglichen Themen befragt. In der Folge prüfte eine Themenberatungsgruppe insgesamt 29 dieser Vorschläge aus der Bevölkerung und von Mitgliedern, die die nationalen Zentralbanken des Euroraumes ernannten. Die Gruppe war sich laut ihrem Abschlussbericht darin einig, dass insbesondere auf die Abbildung nationaler Symbole, staatlicher Institutionen (insbesondere einzelner Mitgliedstaaten), historischer Ereignisse sowie geschlechtsspezifischer Themen verzichtet werden sollte. Stattdessen solle vermehrt auf die europäischen Werte gesetzt werden. Folgende sechs Themen wurden dem Rat der EZB als besonders geeignet empfohlen:

„Europäische Werte im Spiegel der Natur“ „Vögel: frei, ausdauernd und inspirierend“ „Ihnen gehört die Zukunft“Gemeint war, dass „Porträts“ von Europäerinnen und Europäern der Zukunft erstellt (werden), um so das kollektive Bewusstsein für Erfindergeist und Innovation, vor allem der jungen Generation, zu stärken.

Dieses Thema zeige, so die Gruppe, das unbegrenzte Potenzial der Europäerinnen und Europäer und den Traum, eines Tages auf einer Banknote abgebildet zu sein. „Flüsse: Wasser des Lebens in Europa“ „Hände: Gemeinsam bauen wir Europa“ „Unser Europa, wir selbst“„Jeder von uns hat seine eigene Geschichte. Jeder von uns schafft seine eigene Identität. Aber wir haben auch eine gemeinsame Identität als Europäerinnen und Europäer. Wir wachsen als Individuen auf, aber – durch unsere Beziehungen untereinander – auch als Teil einer Gemeinschaft. Dieses Thema zeigt die Freiheit, die Werte und die Offenheit der Menschen in Europa.“, so die Gruppe in der Erklärung.

Der Rat ergänzte den Themenvorschlag Europäische Kultur, bevor die Themen im Juli 2023 veröffentlicht wurden. Im Rahmen einer Online-Umfrage im Juli und August 2023 und einer repräsentativen Studie im Auftrag der EZB wurden am Ende, jeweils mit großem Abstand, die Themen Europäische Kultur, Vögel: frei, ausdauernd und inspirierend und Flüsse: Wasser des Lebens in Europa zu den Favoriten der EU-Bevölkerung bestimmt. An der Online-Umfrage nahmen ca. 367.000 Menschen, davon knapp ein Drittel aus Deutschland, teil.

Motivwahl Aufgrund dieser Umfrageergebnisse bestimmte der EZB-Rat im November 2023 die Themen Europäische Kultur: Gemeinsame Kulturstätten sowie Flüsse und Vögel: Stark durch Vielfalt zu den Themen, zu denen später der Designwettbewerb stattfinden solle. Zuvor hatte eine Motivberatungsgruppe Vorschläge für die Gestaltung der zukünftigen Banknoten unterbreitet, „die im Euroraum breite Zustimmung finden [wird] und mit denen sich die Menschen identifizieren können“. Die Gruppe schlug dem EZB-Rat deshalb vier Narrative für die Gestaltung der Banknoten vor:

für das Thema Europäische Kultur: Gemeinsame KulturstättenDie Gruppe schlug für dieses Narrativ drei Gestaltungsoptionen vor: 1. Die Banknoten sollen zeitgenössische Kulturbauten oder -stätten zeigen, wobei offen bleibt, ob diese realer Natur oder fiktiv sind.2. Die Vorderseiten sollen Menschen bei typischen kulturellen Aktivitäten, die Rückseiten historische Bauwerke und Kulturstätten zeigen.3. Die Vorderseiten sollen – gleich Option 2 – Menschen bei typischen kulturellen Aktivitäten, die Rückseiten jedoch historische Gemälde aus dem Zeitraum der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert zeigen. Frauen als Protagonisten der europäischen Kultur für das Thema Flüsse und Vögel: Natur als Kultur Resilienz durch Vielfalt

Der EZB-Rat gab am 31. Januar 2025 aufgrund dieser Empfehlungen die Motivliste für die beiden Themen bekannt.

Die Banknoten des Themas Europäische Kultur wurden jeweils einem Teilbereich von Kultur bzw. einer kulturellen Begegnung zugeordnet. Auf der Vorderseite soll eine zu diesem Teilbereich gehörende bekannte Persönlichkeit zu sehen sein, meist mit europaweiter Bekanntheit. Auf der Rückseite sollen zu dem Teilbereich passende Szenerien dargestellt sein. +Motivserie Europäische KulturBanknoteThemaVorderseiteRückseite5 EuroDarstellende KunstMaria Callasgriechisch-italienische SängerinStraßenkünstler (Musik, Tanz, Theater) unterhalten vorbeilaufende Menschen10 EuroMusikLudwig van Beethovendeutscher KomponistSängerfest mit Chor aus Kindern und jungen Erwachsenen20 EuroSchulen und UniversitätenMarie Curiein Frankreich lebende polnische Physikerin, 2-fache NobelpreisträgerinSchule oder Universität und Lehrerin mit Schülerinnen und Schülern bzw. Studierenden. Auf den Tischen liegen Notebooks und Bücher.50 EuroBibliothekenMiguel de Cervantes Saavedraspanischer Schriftsteller, Dichter und DramatikerBibliothek, in der ein paar Erwachsene Bücher und E-Bücher lesen. Ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen versuchen, sich ein Buch aus einem Regal zu angeln.100 EuroMuseen und AusstellungenLeonardo da Vinciitalienischer Künstler und UniversalgelehrterPersonen unterschiedlichen Alters bewundern Streetart, zeitgenössische Kunst usw.200 EuroÖffentliche PlätzeBertha von Suttnerösterreichische Friedensforscherin, Trägerin des FriedensnobelpreisesPlatz mit Bäumen, auf dem Jung und Alt zusammenkommen, sich unterhalten, spazieren gehen und spielen Auf den Banknoten der Motivserie Flüsse und Vögel sind auf den Vorderseiten in der Reihenfolge ihrer Stückelung verschiedene Abschnitte eines Flusslaufes sowie zu diesen Landschaften passende Vögel abgebildet. Die Vögel sind alle in Europa beheimatet. Die Rückseiten zeigen die Gebäude der sieben Organe der Europäischen Union. Obwohl das Europäische Parlament regelmäßig an zwei Orten tagt, zeigen alle späteren Entwürfe entweder das Parlamentsgebäude oder den Sitzungssaal in Straßburg. +Motivserie Flüsse und VögelBanknoteThemaVorderseiteRückseite5 EuroGebirgsquelleMauerläufer neben einer GebirgslandschaftEuropäisches Parlament10 EuroWasserfallEisvogel in einem WasserfallBerlaymont-Gebäude (Europäische Kommission)20 EuroEingegrabenes FlusstalSchwarm von Bienenfressern am Ufer eines breiten, eingegrabenen FlusstalsHauptsitz der Europäischen Zentralbank50 EuroGewundener FlussWeißstorch fliegt über ein gewundenes FlusstalGerichtshof der Europäischen Union100 EuroFlussmündungSäbelschnäbler sucht im Schlamm nach NahrungEuropagebäude (Europäischer Rat und Rat der Europäischen Union)200 EuroMeereslandschaftBasstölpel schwebt über hohen OzeanwellenEuropäischer Rechnungshof

Designwettbewerb +Merkmale zur Bewertung der Vorschläge der 2. PhaseMerkmalGewichtungvorgeschriebene Merkmale – 40 %Einbindung der vorgeschriebenen Gestaltungselemente20 %Einbindung und vorgeschriebene Gestaltung der Sicherheitsmerkmale20 %Verzicht auf nationale Symbole20 %Vollständigkeit des abgegebenen Entwurfs20 %Anordnung der Sicherheitsmerkmale20 % technische und visuelle Aspekte – 60 %visuelle Harmonie und Kohärenz der gesamten Serie10 %thematische Übereinstimmung mit dem Thema10 %visuelle Anziehungskraft und ästhetische Qualität20 %Symbolik und kulturelle Darstellung der EU10 %Unterscheidbarkeit zwischen den Nennwerten10 %öffentliche Wiedererkennbarkeit5 %Zugänglichkeit10 %Kreativität und Originalität25 % Ab Juni 2025 veranstaltete die Europäische Zentralbank einen Designwettbewerb, der für alle Grafikdesigner aus der EU offen war. Bis zum Abschuss der ersten Phase im November 2025 wurden bei einer von der EZB eingesetzten Expertenkommission 1241 Vorschläge eingereicht. Insgesamt 25 Grafikdesigner bzw. Teams solcher, deren Entwürfe der ersten Phase die Kommission überzeugt hatten, erhielten den Auftrag bis April 2026 aufgrund detaillierterer Gestaltungsvorgaben ein visuelles Narrativ für eine gesamte Serie an Banknoten (5-€-, 10-€-, 20-€-, 50-€-, 100-€- und 200-€-Scheine) zu erstellen, die zugleich die technischen, rechtlichen und thematischen Anforderungen erfüllten. Von den 25 Teilnehmern hatten sich 17 für beide Themen, 6 nur für Flüsse und Vögel und 2 nur für Europäische Kultur beworben.

Von den 25 Teilnehmern kamen 7 aus Deutschland, 4 aus Italien, 3 aus Spanien, jeweils zwei aus Frankreich, den Niederlanden und Polen sowie jeweils einer aus Österreich, Finnland, Estland, Portugal und Slowenien.

Bis zum Fristende am 24. April 2026 wurden bei der Kommission 39 Vorschläge (23 für Flüsse und Vögel, 16 für Europäische Kultur) eingereicht.

Designentwürfe Die Kommission wählte hiervon zehn – von jedem Thema fünf – Entwürfe aus, die sie für besonders gelungen hielt. Die Urheber sind:

A: Studio Joost Grootens B: PunktFormStrich C: Neue Gestaltung GmbH D: Rudy Guedj und François Girard-Meunier E: Myrsini Vardopoulou F: Jan Robert Dünnweller G: Studio Rubio & del Amo und Cruz más Cruz S.L. H: Atelier Goppel-Toperngpong I: Isabelle Daëron J: Ville Tietäväinen

Alle veröffentlichten Designs halten an der bisherigen farblichen Gestaltung der Banknoten-Stückelungen fest. Zudem sind auf jedem Vorschlag auch die Europafahne und der Schriftzug „The President“ – als Platzhalter für die Unterschrift des Präsidenten der Europäischen Zentralbank – untergebracht. Gleich den Vorgängerserien sind auf der Rückseite aller Vorschläge der Kontinent Europa und die zwölf Sterne der Europafahne abgebildet. Uneinheitlich ist indes die Handhabung von Hoch- und Querformat.

Über die zehn Designs führt die Europäische Zentralbank eine Online-Befragung durch, bei der jeder Bürger seine Meinung zu den zehn Vorschlägen ausdrücken kann. Die Umfrage dauert vom 23. Juli bis zum 21. September 2026. Aufgrund der Ergebnisse soll bis Ende 2026 der EZB-Rat eine Entscheidung über das neue Design treffen. Bis die ersten Scheine jedoch in Umlauf kommen, kann es noch einige Jahre dauern.

Anmerkungen

Einzelnachweise

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