Das Internierungslager Ghencea () war eine Haftanstalt im Stadtteil Ghencea der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Die Einrichtung war bis 1953 Teil des repressiven Systems der kommunistischen Diktatur Rumäniens.

Geschichte Das Lager lag auf einem Gelände, auf dem sich zuvor Baracken deutscher Wehrmachtssoldaten befunden hatten. Es bestand aus Holzbaracken, die mit Stacheldraht umzäunt und durch hölzerne Wachtürme gesichert wurden.

Ghencea wurde zu kommunistischer Zeit weitergeführt und gehörte zum Lagersystem (unități de muncă), das durch das Dekret Nr. 6 vom Januar 1950 geschaffen worden war und eine Verwaltungshaft ohne Gerichtsverfahren ermöglichte. Das Lager diente vor allem als Sortier- und Verteilungsstation. Viele Inhaftierte wurden später in andere Haftanstalten wie Popești-Leordeni, Pipera, Mislea, Bicaz und Onești überstellt.

Männer und Frauen waren getrennt in Baracken untergebracht. Inhaftiert wurden insbesondere Menschen mit angeblich konterrevolutionärer Gesinnung, darunter Militärangehörige, Geistliche und Personen mit Kontakten zum westlichen Ausland. Zeitweise waren darunter auch deutsche Kriegsgefangene vor ihrer Repatriierung, die Hilfsdienste verrichteten. Die Häftlinge wurden oftmals ohne rechtsstaatliche Verfahren festgehalten oder starben unter den Haftbedingungen. Die Haftbedingungen waren menschenunwürdig und es herrschten unhygienische Zustände. Zudem waren die Gefangenen den Verhören und physischen sowie psychischen Foltermaßnahmen der Securitate ausgeliefert. Bis 1953 diente Ghencea als Arbeitslager. Die Schicksale einiger Opfer des Lagers werden durch das Memorial Sighet dokumentiert, jedoch ist das Lager in der breiten rumänischen Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten.

Bekannte Häftlinge

Nicolae Constantin Batzaria (1874–1952), aromunischer Schriftsteller und Politiker. Alice Voinescu (1885–1961), Philosophin und Literaturwissenschaftlerin, wurde ein Jahr lang ohne Urteil im Lager Ghencea festgehalten.

Hans Otto Roth (1890–1953), Politiker und Vertreter der deutschen Minderheit in Rumänien, verstarb 1953 in Ghencea infolge schwerer Haftbedingungen.

Radu Câmpeanu (1922–2016), Jurist und späterer Vorsitzender der Partidul Național Liberal, wurde zwölf Monate interniert.

Literatur

Andrei Muraru (Hrsg.): Dicționarul penitenciarelor din România comunistă (1945–1967). Institutul de Investigare a Crimelor Comunismului în România. Polirom, Iași 2008, ISBN 978-973-46-0893-5. Thomas Frühmesser: Hans Otto Roth. Biographie eines rumäniendeutschen Politikers (1890–1953). Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2013, ISBN 978-3-412-21026-7.

Weblinks

Institut zur Aufarbeitung kommunistischer Verbrechen (IICCMER)

Einzelnachweise

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