Die LSW Holding GmbH & Co. KG (kurz LSW Holding oder LSW) ist ein mit E.ON assoziierter regionaler Energiekonzern. Unter dem Dach der LSW Holding sind die Tochtergesellschaften LSW Netz als Verteilnetz- und Messstellenbetreiber sowie LSW Energie als Anbieter von Strom, Erdgas, Fernwärme, Trinkwasser, Energieberatung und E-Mobilität tätig.
Das Netzgebiet der LSW Netz umfasst 2.115 km² mit rund 200.000 Haushalten in der Stadt Wolfsburg, dem Landkreis Gifhorn sowie Teilen der Landkreise Börde, Helmstedt, Uelzen und Wolfenbüttel. Die LSW Energie vertreibt ihre Produkte unter den Marken LSW (im Netzgebiet der LSW Netz), pader energy (in Paderborn und Umgebung) und Bergmann – Elektrizität und Gas (bundesweit). Das Unternehmen verfügt über Standorte in Wolfsburg (Rothenfelde und Fallersleben), Gifhorn, Wittingen, Oebisfelde, Schladen und Paderborn.
Geschichte
Die Geschichte der Energie- und Wasserversorgung im heutigen Netzgebiet der LSW ist von recht unterschiedlichen Unternehmen geprägt – von großen Kapitalgesellschaften wie AfE, CONTIGAS, EWAG und PreussenElektra über ländliche Genossenschaften, die bis heute in der FEAG fortbestehen, bis hin zu kommunalen Betrieben wie dem Energieverband Wittingen (EVW) oder den Stadtwerken Wolfsburg. Einige von ihnen fanden sich im Laufe der Zeit als Gesellschafter des regionalen Energieversorgers Landelektrizität (LandE) wieder, der sich Ende des 20./Anfang des 21. Jahrhunderts mit den Stadtwerken Wolfsburg zur LSW zusammenschloss.
Anfänge der leitungsgebundenen Energie- und Wasserversorgung
Ausgangslage
Bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es im gesamten heutigen LSW-Netzgebiet noch keine leitungsgebundene Energie- und Wasserversorgung. Bewegungsenergie gewann man üblicherweise unmittelbar mechanisch aus Muskel-, Wind- und Wasserenergie. Dampfmaschinen und Verbrennungsmotoren kamen für besondere Anwendungen zum Einsatz, erstere beispielsweise für die Eisenbahn auf der Bahnstrecke Berlin–Lehrte.
Zur Gewinnung der Wärmeenergie für Dampfmaschinen, Verbrennungsmotoren, Heizungen und chemische Prozesse setzte man meist feste Energieträger ein – von Brennholz und Holzkohle über Torf aus den örtlichen Mooren und Braunkohle aus dem Helmstedter Revier bis hin zur importierten Steinkohle und aus Torf oder Kohle gewonnenem Koks. Daneben wurde in der Lüneburger Heide auch Erdöl gefördert. Wie manch Erzeugnisse tierischen und pflanzlichen Ursprungs dienten dessen raffinierte Produkte neben dem Heizen auch der Erzeugung von Licht in Kerzen, Öl- und Petroleumlampen.
Wasser förderten die Einwohner selbst, ob durch Regenwassernutzung, aus Oberflächengewässern oder aus privaten und öffentlichen Brunnen. In der Stadt Gifhorn kamen dafür beispielsweise auf den Bürgersteigen angebrachte Handschwengelpumpen zum Einsatz.
Erste Anfänge bis zum Ersten Weltkrieg
Bereits um die Jahrhundertwende, am 1. Oktober 1899, begann die Gaswerk Gifhorn AG als Tochter der im Vorjahr gegründeten Allgemeinen Gas- und Elektrizitäts-Gesellschaft Bremen mit der Versorgung von rund 100 Häusern und 65 Gaslaternen in der Gifhorner Kernstadt mit aus Kohle erzeugtem Stadtgas. Ungefähr zeitgleich fasste der Rat der Stadt auch den Beschluss, eine moderne Wasserversorgungsanlage zu errichten. Gebaut wurde das kommunale Wasserwerk allerdings erst 1910. Mit dessen Betriebsführung wurde ebenfalls die privatwirtschaftliche Gaswerk Gifhorn AG beauftragt. Auch die Stadt Wittingen gründete 1902 eigene Stadtwerke, die bald die Versorgung der Stadt mit Stadtgas übernahmen.
Im größten Teil des heutigen LSW-Netzgebiets kam die Elektrifizierung vor dem Anschluss an Gas und Wasser. Mit Unterstützung der „Elektrotechnischen Abteilung“ des „Verbands der landwirtschaftlichen Genossenschaften der Provinz Sachsen und der angrenzenden Staaten“ brachten hier landwirtschaftlich geprägte Elektrizitätsgenossenschaften nach und nach den Ausbau des Stromnetzes voran. Die 1907 gegründete „Elektrizitätswerk Überlandzentrale Derenburg a. Harz e.G.m.b.H.“ expandierte in das Gebiet um Schladen im damals noch hannoverschen Kreis Goslar, die 1909 gegründete „Elektrische Überlandzentrale Kreis Salzwedel e.G.m.b.H.“ ihrerseits bis kurz vor Wittingen und ins Bromer Land im hannoverschen Kreis Isenhagen. Den hannoverschen Kreis Gifhorn und angrenzende Gebiete im Nordteil des braunschweigischen Kreises Helmstedt erschloss nach und nach die 1908 gegründete „Elektrische Überlandzentrale Weferlingen und Umgegend e.G.m.b.H.“. Der Magistrat des Fleckens Fallersleben vergab an sie schon am 7. Februar 1911 die Konzession für Netzbetrieb und Stromversorgung. Die Gaswerk Gifhorn AG schloss mit ihr 1915 vorsorglich einen Stromlieferungsvertrag.
Voranschreitende Elektrifizierung in der Weimarer Republik
mini|Versorgungsgebiete der Überlandwerke der alten Landelektrizität im Jahr 1927
Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs, am 28. Dezember 1918, gründeten die Überlandzentralen Derenburg, Salzwedel und Weferlingen sowie 9 weitere Elektrizitätsgenossenschaften der Provinz Sachsen unter Beteiligung der Landwirtschaftskammer, des landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbands und des Provinzialverbands die „Landelektrizität G.m.b.H. zu Halle (Saale)“. Während der Genossenschaftsverband seine Elektrotechnische Abteilung auf sie auslagerte, übertrugen ihr die beteiligten Genossenschaften die gemeinsame Betriebsführung, blieben aber zunächst selbst Eigentümerinnen der Netzanlagen. Die ehemaligen Überlandzentralen wurden im Sprachgebrauch der Landelektrizität fortan „Überlandwerke“ genannt.
mini|Die Überlandwerke der Landelektrizität wurden 1927 aus 50-kV-Leitungen der ESAG oder unmittelbar aus einzelnen Kraftwerken beliefert
Im westlichen und mittleren Teil des damaligen Kreises Isenhagen hatte noch keines der bestehenden Unternehmen Konzessionsverträge abgeschlossen. Stattdessen gründeten die betroffenen 45 Gemeinden 1919 den „Elektrizitätsverband Wittingen (Zweckverband)“, um das Stromnetz in ihrem Zuständigkeitsgebiet in Eigenregie auszubauen. Auch sie schlossen einen Versorgungsvertrag mit der Überlandzentrale Weferlingen. In Fallersleben baute letztere daher 1920 ein zusätzliches zentrales Umspannwerk für die direkt und indirekt versorgten hannoverschen und braunschweigischen Gebiete, das über das 50-kV-Netz der Elektrizitätswerk Sachsen-Anhalt AG (ESAG) im Wesentlichen mit Strom aus dem Kraftwerk Harbke beliefert wurde. Angeschlossen war seit dem 1. November 1924 auch die Stadt Gifhorn, nachdem sie kurz zuvor der Gaswerk Gifhorn AG die Konzession für die Stromversorgung erteilt hatte.
Gegen Ende der Weimarer Republik waren so schließlich alle Teile des heutigen LSW-Netzgebiets ans Stromnetz einer der genossenschaftlichen Überlandzentralen, des kommunalen Elektrizitätsverbands Wittingen oder der privatwirtschaftlichen Gaswerk Gifhorn AG angeschlossen, wenn auch noch bei Weitem nicht alle Häuser elektrifiziert waren. Die Auseinandersetzungen zwischen den Energiekonzernen betrafen das Gebiet dank der genossenschaftlichen Organisation seines Hauptversorgungsnetzes nicht. Doch auch hier zeigte sich die Tendenz zur Zentralisierung: Im Jahr 1932 übertrugen die mittlerweile nur noch 10 beteiligten Genossenschaften ihre Elektrizitätsanlagen und Betriebsgebäude auf die Landelektrizität GmbH und hielten in der Folge 75 % der Geschäftsanteile.
Umstrukturierungen in der Zeit des Nationalsozialismus
Die Zeit des Nationalsozialismus brachte etliche Umstrukturierungen mit sich. Die NSDAP griff aktiv in die Energiewirtschaft ein. In der Folge wurde 1937 die Gaswerk Gifhorn AG aufgelöst und als Betriebsabteilung „Gas- und Elektrizitätsversorgung Gifhorn“ in die Muttergesellschaft eingegliedert, die ihrerseits mittlerweile in „Aktiengesellschaft für Energiewirtschaft“ (AfE) umbenannt war.
Ein Großprojekt der Nationalsozialisten war die Gründung der „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ – der späteren Wolfsburger Kernstadt. Ab dem 15. März 1939 wurden hier die neugegründeten „Stadtwerke der Stadt des KdF-Wagens“ als kommunaler Eigenbetrieb für die Versorgung der Stadt mit Wasser, Strom, Stadtgas und – neu in der Region – auch Fernwärme zuständig. Die Fernwärme kam schon damals vom Heizkraftwerk des VW-Werks. Bei der Elektrizität kam es zum Konflikt mit der Landelektrizität, denn diese war dort Inhaberin der Konzession. Dessen Lösung bestand darin, dass die Stadtwerke den gesamten Strom für ihr Netz aus dem Hochspannungsnetz der Landelektrizität beziehen mussten, das VW-Kraftwerk im Gegenzug aber auch in Letzteres einspeisen musste.
Auf dem Weg zur flächendeckenden Versorgung im ländlichen Raum
Neustart der Stromversorgung nach der Deutschen Teilung
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs lag der überwiegende Teil des Versorgungsgebiets der Landelektrizität einschließlich des Unternehmenssitzes Halle (Saale) in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Lediglich knapp 1.500 km² lagen in der Britischen Besatzungszone, davon große Teile im Zonenrandgebiet. 1946 verschmolzen auf Druck der Sowjetischen Militäradministration hin die alte Landelektrizität und die das Höchstspannungsnetz betreibende ESAG zur Provinzialsächsischen Energie-Versorgungs-Aktien-Gesellschaft (PREVAG). An dieser waren die 10 Elektrizitätsgenossenschaften weiterhin beteiligt – allerdings insgesamt nur noch mit einem Viertel (25 %) der Anteile. Je ein weiteres Viertel hielten nun die ehemaligen Aktionäre der ESAG: Die Deutsche Continental-Gas-Gesellschaft, die Elektrowerke AG und der Provinzialverband, der zuvor an beiden Gesellschaften beteiligt gewesen war.
1948 gründete die PREVAG eine neue Landelektrizität GmbH, um in ihr die Anlagen in der britischen Zone zusammenzuführen. Dazu gehörten die Zweigstelle und das Umspannwerk in Fallersleben sowie die westzonalen Teile der Netze der Überlandwerke Salzwedel, Weferlingen und Derenburg. Die innerhalb der SBZ gelegenen Teile der PREVAG, darunter das Gebiet um Oebisfelde, wurden dagegen in Volkseigentum umgewandelt und in Volkseigene Betriebe und Kombinate überführt.
Auch nach der vollzogenen Deutschen Teilung 1949 bezog das Versorgungsgebiet dieser neuen Landelektrizität seinen Strom zunächst weiterhin aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Doch am 27. Mai 1952 ließ deren Führung alle Leitungen entlang der Grenze zur Bundesrepublik Deutschland durchtrennen. Innerhalb kürzester Zeit gelang es der Fallersleber Zweigstelle, die Stromversorgung im direkten Versorgungsgebiet sowie in den nachgeordneten Netzen der Stadtwerke Wolfsburg, der Gas- und Elektrizitätsversorgung Gifhorn und des Elektrizitätsverbands Wittingen wiederherzustellen. Dies geschah im Wesentlichen durch die Verbindung der ehemaligen Überlandwerke Salzwedel und Weferlingen zu einem einzigen nördlichen Netzbereich und den Anschluss beider Netzbereiche an das Kraftwerk der Überland-Zentrale Helmstedt (ÜZH).
PREVAG, Landelektrizität und die sie tragenden Elektrizitätsgenossenschaften waren neben der Stromversorgung auch von ihren Mitgliedern in der DDR abgeschnitten. Zwischen 1952 und 1954 konstituierten sich die Genossenschaften Derenburg, Salzwedel und Weferlingen daher in der BRD neu. Ihre bundesdeutschen Mitglieder nahmen ihre Rechte selbst wahr, die Mitglieder jenseits der Grenze wurden durch einen Abwesenheitspfleger vertreten. Auf Ebene der Aktionäre der PREVAG vertrat dieser auch die übrigen 7 Genossenschaften und den Provinzialverband Sachsen-Anhalt. Die Deutsche Continental-Gas-Gesellschaft und die Elektrowerke AG hatten sich ihrerseits in der BRD neu konstituiert und konnten so ihre Rechte selbst wahrnehmen. 1953 verlegte auch die Landelektrizität ihren Sitz offiziell von Halle (Saale) nach Fallersleben.
Aufbau einer öffentlichen Wasserversorgung, Umstellung auf Fern- und Erdgas