mini|hochkant=1.3|Propaganda Truppen der Wehrmacht fotographieren jüdische Frauen und Kinder in Mogilew, Juli 1941. Sechstausend Juden aus Mogilew wurden von SS-Einheiten und Angehörigen des Polizei-Bataillon 316 und 322 im Oktober 1941 ermordet.Megargee; 2009; Seite 1642 Das Polizei-Regiment Mitte war ein großer Verband der Ordnungspolizei (uniformierte Polizei) während des Zweiten Weltkriegs. Während des Unternehmens Barbarossa war der Verband der SS unterstellt und war im Hinterland der Heeresgruppe Mitte in den vom Deutschen Reich besetzten Gebieten der Sowjetunion eingesetzt. Mitte 1942 wurden die Ordnungstruppen neu gegliedert und die vorher zum Regiment gehörenden Polizei-Bataillone anderen Verbänden zugeordnet. Gleichzeitig wurde der Verband in '''SS-Polizei-Regiment 13''' umbenannt. Durch die Zusammenarbeit mit den Einsatzgruppen und der SS-Kavalleriebrigade war der Verband im Rahmen des deutschen Vernichtungskriegs im Osten an Massenmorden und grundsätzlich durch eigene Handlungen auch an großen organisierten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegenüber der sowjetischen Zivilbevölkerung beteiligt. Der britische Geheimdienst erlangte bereits im Juli 1941 umfassende Kenntnis über die Operationen des Regiments, doch wurden die Erkenntnisse mit der Begründung der britischen nationalen Sicherheit erst im Jahr 1993 öffentlich bekannt gegeben. Hintergrund und Aufstellung Ordnungspolizei Die deutsche Ordnungspolizei (uniformierte Polizei) war ein zentrales Instrument des Sicherheitsapparats des nationalsozialistischen Deutschen Reichs. In der Vorkriegszeit arbeiteten Heinrich Himmler, der Chef der SS, und Kurt Daluege, Chef der Ordnungspolizei, zusammen, um die Polizei der Weimarer Republik in militarisierte Formationen umzuwandeln, die bereit waren, den Eroberungs- und Rassenvernichtungszielen des Regimes zu dienen. Polizeieinheiten nahmen an der Annexion Österreichs und der Besetzung der Tschechoslowakei teil. Die Polizeitruppen wurden in Vorbereitung auf den Angriff auf Polen in Formationen in Bataillonsstärke gegliedert. In Polen kamen die Einheiten dann bei Sicherungs- und Polizeioperationen zum Einsatz. Sie waren aber auch schon an Hinrichtungen und Massendeportationen beteiligt.Showalter; 2005; Seite XIII Für den Angriff auf die Sowjetunion im Jahr 1941 wurden dreiundzwanzig Bataillone der Ordnungspolizei bereitgestellt. Davon wurden 9 den Sicherungs-Divisionen der Wehrmacht zugeteilt und je drei Bataillone wurden für den Rückwärtigen Raum der jeweiligen Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes vorgesehen. Von zwei weiteren Bataillonen war eines für den Einsatz gemeinsam mit den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD, die als Tötungskommandos zum Einsatz kommen sollten, und eines als Unterstützung für die Baukommandos der Organisation Todt vorgesehen. Insgesamt zwölf Bataillone wurden zu jeweils drei Bataillonen mit einer gemeinsamen Führung als Regimenter zusammengefasst. Hierdurch entstanden die Polizei-Regimenter Nord, Mitte, Süd und zur besonderen Verfügung.Westermann; 2005; Seite 163–164 Polizeieinheiten, die gemeinsam mit den Sicherungs-Divisionen der Wehrmacht und den Einsatzgruppen der SS zum Einsatz kamen, waren umfassend motorisiert worden. Die in den Regimentern zusammengefassten Verbände verfügten nur über eine Kraftfahrstaffel für Transportzwecke. Die Verbände der Ordnungspolizei sollten im Hinterland der Front für Sicherheit sorgen, indem versprengte Soldaten gefangen genommen und kleinere Widerstandgruppen bekämpft werden sollten. Sie hatten Kriegsgefangenenlager zu bewachen und Transport- und Kommunikationslinien sowie Industrieanlagen zu schützen. Entsprechend der Anweisung von Daluege gehörte jedoch auch der Kampf gegen kriminelle Elemente, insbesondere politische Gegner hinzu.Westermann; 2005; Seite 165

Aufstellung Das Polizei-Regiment Mitte wurde im Juni 1941 mit der Unterstellung des Polizei-Bataillon 307, Polizei-Bataillon 316 und Polizei-Bataillon 322 mit jeweils etwa 550 Mann gebildet. Diese Bataillone wurden aus Polizei-Reservisten zusammengestellt, die aus den Jahrgängen 1905–1915 mobilisiert worden waren. Diese Verbände wurden von Berufspolizisten geführt, die stark von der Ideologie des Nationalsozialismus durchdrungen waren, von Antisemitismus und Antibolschewismus getrieben waren.Westermann; 2005; Seite 15 Die Führung des Regiments übernahm Max Montua, ebenfalls ein Berufspolizist. Als das Regiment den deutschen Frontverbänden folgend die deutsch-sowjetische Grenze überschritt, gelangte der Verband in den Verantwortungsbereich des Höheren SS- und Polizeiführer (HSS-PF) Erich von dem Bach-Zelewski bei der Heeresgruppe Mitte, der nun den Einsatz der Kräfte der Ordnungspolizei in diesem Bereich führte.Breitmann; 1998; Seite 45–46

Einsatzgeschichte Frühe Mordoperationen Am 8. Juli traf sich Heinrich Himmler im Hauptquartier des Regiments in Bialystok mit dem Kommandeur des Befehlshaber des Rückwärtigen Raums der Heeresgruppe Mitte, Max von Schenkendorff. Er wurde von Daluege begleitet und vor Ort waren auch Montua, Bach-Zalewski und die Masse der Offiziere des Regiments zugegen. Himmler äußerte sich kritisch darüber, dass bisher zu wenige Juden zusammengetrieben seien und forderte die Anwesenden dazu auf, die örtlichen Anstrengungen zu verstärken. Es ist anzunehmen, dass Himmler mehr Tötungen befohlen hat, da unmittelbar nach diesem Zusammentreffen eine ganze Serie von Tötungsaktionen erfolgten.Westermann; 2005; Seite 176 Am Abend des 8. Juli war eine Kompanie des Polizei-Bataillon 322 an den Erschießungen von 1000 Juden, die von der Einsatzgruppe B organisiert war beteiligt.Breitmann; 1998; Seite 47–48 Ab dem 9. Juli war das Polizei-Bataillon 307 an einem Massaker an einer großen Zahl (Schätzungen variieren zwischen 4000 und 6000) von jüdischen Männern, Russen und Weißrussen in der Nähe von Brest-Litowksk beteiligt.Arico; 2010; Seite 408,412–413 Diese Mordoperation bei der auch Angehörige der 162. Infanterie-Division beteiligt waren, zog sich über mehrere Tage hin.Westermann; 2005; Seite 176 Am 10. Juli besuchte Daluege das Regiment und hielt vor den angetretenen Männern eine Rede, bei denen er sie und ihr Handeln als ein „Segen für Deutschland“ lobte und erklärte es sei wichtig den „Bolschewismus zu vernichten“.Westermann; 2005; Seite 2–3

Bei einer Besprechung mit seinen Bataillonskommandeuren gab Montua am 11. Juli einen vertraulichen Befehl von Bach-Zalewski bekannt, dass alle Juden, die man „wegen Plünderung verurteilt habe“, erschossen werden sollen, noch am selben Tag gab es eine Exekution.Breitmann; 1998; Seite 47–48 Um den 11. Juli waren die Polizei-Bataillone 316 und 322 bei einer Tötungsoperation an jüdischen Männern aus Bialystok beteiligt, wobei die Opfer in einem Wald nahe Bialystok erschossen wurden.Arico; 2010; Seite 456–459 Am 17. Juli war das Regiment an der Tötung von 1100 jüdischen Zivilisten in Slonim beteiligt und Bach-Zalewski meldete am 18. Juli an Himmler: „Gestrige Säuberungsaktion in Slonim durch das Polizeiregimentszentrum. 1153 jüdische Plünderer wurden erschossen.“Persico; 2002; Seite 219 Die Meldung vom 20. Juli meldete der Verband die Exekutionen von jüdischer Frauen und Kinder.Breitmann; 1998; Seite 47–48 Ende August war das Polizei-Bataillon 322 nach der Verlegung nach Minsk am 1. September bei der Unterstützung der Einsatzgruppe B mitverantwortlich für die Ermordung einer größeren Personengruppen, von denen 290 jüdische Männer und 40 jüdische Frauen waren.Breitmann; 1998; Seite 50

Eskalation der Gewalt mini|hochkant=1.1|Opfer, die in der Sowjetunion von der Polizei gehängt wurden, August/September 1941 Im September 1941 nahm die Regimentsführung an der Mogiljow-Konferenz teil, die von General Max von Schenckendorff, dem Kommandeur des Rückwärtigen Heeresgebiet Mitte einberufen wurde.Beorn; 2014; Seite 97 Montua war für die Planung und Logistik des Treffens verantwortlich.Blood; 2006; Seite 167 Zum Umfang der Veranstaltung gehörten drei Feldübungen. Am zweiten Konferenztag fuhren die Teilnehmer zu einer nah gelegenen Siedlung. Hier führte eine Kompanie des Polizei-Bataillons und SD-Männer vor, wie ein Dorf eingekreist und abgeschirmt wurde. In der Übung wurden, laut Einsatzbericht, keine „Ortsfremden“ und „Partisanen“ angetroffen. Bei der Überprüfung der Dorfbevölkerung wurden einundfünfzig jüdische Zivilisten identifiziert, von denen dann zweiunddreißig erschossen wurden.Beorn; 2014; Seite 10 Am 2. Oktober 1941 waren die Polizei-Bataillone 322 und 316 gemeinsam mit der Stabs-Kompanie von Bach-Zalewski und weiteren ukrainischen Hilfstruppen bei einer Razzia im Ghetto von Mogiljow im Einsatz. An diesem Tag wurden bei der Razzia fünfundsechzig Personen getötet. Am darauffolgenden Tag wurden 550 Personen aus dem Ghetto hingerichtet. Angehörige des Bataillons waren im weiteren Verlauf des Oktober an Exekutionen von Juden, Kommunisten und als Partisanen bezeichneten Personen im Raum Mogiljow beteiligt. Der Kommandeur der für diese Aktionen verantwortlichen Einheit erhielt nach Abschluss der Operationen das EK 2. Klasse.Breitmann; 1998; Seite 66 Noch im Oktober unterstützten die Polizei-Bataillone 316 und 322 das Einsatzkommando 8 und ermöglichten dabei die Zahl der Opfer der Tötungsaktionen im Raum Mogiljow auf 6000 zu erhöhen.Megargee; 2009; Seite 1642 Am 7. und 8. November 1941 beteiligte sich das Polizei-Bataillon 316 an einer Tötungsaktion der jüdischen Bevölkerung von Bobruisk. Die Bewohner des Ghettos von Bobruiks wurden zusammengetrieben und auf Lastkraftwagen verladen. Mit den Fahrzeugen wurden sie zum Dorf Kamenka gebracht, wo an einem zu diesem Zweck ausgehobenen Graben die Erschießungen durchgeführt wurden. Dabei wurden etwa 5281 Menschen durch Angehörige des Bataillons und die Männer des Einsatzkommando 8 ermordet.Megargee; 2009; Seite 1650

Spätere Geschichte Im Dezember 1941 waren die deutschen Streitkräfte bei der Schlacht um Moskau geschlagen worden und das Polizei-Regiment wurde aus dem Hinterland an die Front geschickt, um die deutschen Linien zu verstärken, was Bach-Zalewski mangels Personal die Möglichkeit zur Fortführung seiner Aktionen nahm.Blood; 2006; Seite 61–61

Das Polizei-Bataillon 307 wurde beispielsweise am 20. Dezember in der Nähe von Kaluga eingesetzt und bis März schrumpfte es bis auf 60 einsatzbereite Männer zusammen. Die beiden anderen Polizei-Bataillone waren nicht direkt in der Frontlinie, sondern dahinter mit Wach- und Sicherungs-Aufgaben betraut und nicht so stark an den Kampfhandlungen beteiligt.Arico; 2010; Seiten 410–411, 457, 484 Der Kommandeur des Regiments, Montua, wurde nach Deutschland beordert und Übernahme einen neuen Dienstposten in einer SS- und Polizei-Ausbildungseinheit.Blood; 2006; Seite 61–61 Sein Nachfolger wurde am 1. Dezember der Oberst der Polizei Walter Schimana.Nix; Hieronymus; 2006; Seite 265 Der für die Operationen verantwortliche Bach-Zalewski wurde vorübergehend seines Kommandos enthoben und zur Genesung nach Deutschland geschickt.Blood; 2006; Seite 61–61

Um Mai–Juni 1942 wurden die Bataillone des Regiments ausgetauscht und neu unterstellt wurden Polizei-Bataillon 6, Polizei-Bataillon 85 und Polizei-Bataillon 301. Diese wurden nunmehr als I./, II./ und III. Bataillon/Polizei-Regiment Mitte bezeichnetArico; 2010; Seiten 84, 265, 387 Im Juli wurde das Regiment schließlich in Polizei-Regiment 13 umbenannt.Tessin;Kannapin; 2000; Seite 620

Entschlüsselungen durch den britischen Geheimdienst