mini|LogoDer 1934 gegründete Heimatverein Waiblingen e. V. – Gesellschaft für Stadt- und Kunstgeschichte befasst sich mit der Geschichte der Stadt Waiblingen und ist Herausgeber der Schriftenreihe Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart.Zum Gründungszeitpunkt siehe den Hinweis über das 80-jährige Jubiläum im Jahr 2014: Der Sitz des Vereins ist Waiblingen.
Zum 90-jährigen Bestehen im Jahr 2024 setzte sich der Verein öffentlich auch intensiv mit seiner eigenen Geschichte und Entstehung in der Zeit des Nationalsozialismus sowie mit dem Begriff Heimat auseinander.
Geschichte Der Heimatverein Waiblingen wurde am 5. April 1934 unter Bürgermeister Alfred Diebold gegründet und trug zunächst den Namen „Heimatverein Alt-Waiblingen“. Die Satzung folgte dem Führerprinzip und schloss jüdische Menschen ausdrücklich von der Mitgliedschaft aus. Vorstand und Leitung waren eng mit der NSDAP verknüpft. Veranstaltungen wie der erste „Waiblinger Heimattag“ im September 1934 verbanden historische Themen mit nationalsozialistischer Propaganda.
In den folgenden Jahren organisierte der Verein Vorträge und Exkursionen, initiierte erste denkmalpflegerische Maßnahmen und eröffnete 1937 im Nonnenkirchlein ein Heimatmuseum. Die Arbeit diente zugleich der ideologischen Formierung im Sinne der NS-Volksgemeinschaft.
Nach 1945 nahm der Verein 1949 seine Tätigkeit wieder auf und beteiligte sich an der 700-Jahr-Feier der Stadt (1950). In den folgenden Jahren kamen Aktivitäten wie ein Bildarchiv (1956–1962), die Erstellung eines Altstadtmodells (1956–1959) sowie zahlreiche Exkursionen und Vorträge hinzu. 1959/60 übergab er seine Heimatsammlung an die Stadt, die damit die Grundlage für ein städtisches Museum erhielt.
Ab 1962 gab der Verein eine eigene Schriftenreihe heraus (Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart), die seither 20 Bände umfasst.ZDB-Katalog, ID 012793507. In den 1960er- und 1970er-Jahren war er zudem in die Diskussion um die Altstadtsanierung eingebunden und engagierte sich für Natur- und Denkmalschutz, etwa durch einen Naturlehrpfad (1966) oder Malwettbewerbe zugunsten der Talaue (1971/72). 1978 stiftete er erstmals Plaketten für vorbildlich renovierte Gebäude – eine Tradition, die bis heute fortgesetzt wird.
Zum 50-jährigen Bestehen 1984 zählte der Verein bereits über 400 Mitglieder.Glässner, 1984. Später feierte er 2014 sein 80-jähriges JubiläumBernhard Trefz: Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart. In: Backnanger Jahrbuch, Band 22, 2014, S. 228–229. und 2024 das 90-jährige Bestehen. Dieses Jubiläum war von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Vereinsgründung im Nationalsozialismus und mit dem wandelbaren Begriff Heimat geprägt.Clauss 2024; Kölbl 2024.
Das mehrmonatige Programm umfasste Vorträge namhafter Wissenschaftler wie Thomas Thiemeyer (Universität Tübingen), Jürgen Hasse (Goethe-Universität Frankfurt), Hubert Klausmann (Universität Tübingen) und Mathias Beer (Universität Tübingen). Hinzu kamen ein Dokumentarfilm mit Interviews von Waiblinger Bürgerinnen und Bürgern, eine Lesung in Kooperation mit der Stadtbibliothek, ein Workshop im Haus der Stadtgeschichte, ein Konzert mit der Musikerin Derya Yıldırım und eine Podiumsdiskussion mit Zugewanderten und Alteingesessenen zur Frage, ob und wie Waiblingen für unterschiedliche Gruppen Heimat werden kann (Programmflyer Heimatverein Waiblingen, September–November 2024).
Die Stuttgarter Zeitung berichtete in diesem Zusammenhang über die Debatten, die der Verein angestoßen hatte, und hob die Spannungen zwischen individueller und kollektiver Deutung von Heimat hervor.
Ziele und Aufgaben Mit etwa 450 Mitgliedern ist der Heimatverein Waiblingen einer der größten Kulturvereine in Waiblingen. Er unterstützt die stadtgeschichtliche und heimatkundliche Forschung in und um Waiblingen, setzt sich für die Erhaltung von Kulturdenkmalen und eines erlebnisreichen Ortsbildes der Stadt ein und fördert durch Studien- und Tagesfahrten, Ausflüge, Vorträge und Stadtführungen das Verständnis für geschichtliche Traditionen und Wurzeln.
Satzungszweck ist es, die naturgegebenen und kulturellen Grundlagen der Heimat zu bewahren und weiterzuentwickeln. Dabei verbindet der Verein Tradition und Moderne. Mit der im März 2025 geänderten Satzung verbindet der Verein diesen Auftrag mit einem erweiterten Selbstverständnis: Heimat wird nicht mehr nur als fester Ort, sondern als „Geflecht von Beziehungen, Erinnerungen und gelebten Erfahrungen“ verstanden – in Anlehnung an die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann. Der Verein sieht sich damit nicht nur als Bewahrer, sondern auch als Gestalter eines gemeinsamen kulturellen und natürlichen Erbes. Heimat wird als offener Prozess beschrieben, der durch Begegnung, Engagement und Teilhabe entsteht und allen offensteht, die bereit sind, daran mitzuwirken.
Aktivitäten Denkmalschutz Seit vielen Jahren zeichnet der Heimatverein Waiblingen im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung vorbildlich sanierte Gebäude in Waiblingen aus. Von zentraler Bedeutung ist hierbei ein sensibler und individueller Umgang mit der historischen Denkmalsubstanz. 2024 wurden die Martinskirche in Waiblingen-Neustadt, das Gebäude „Untere Apotheke“ am Marktplatz in Waiblingen sowie das Scheunenensemble in Waiblingen Beinstein prämiert.
Digitaler Stadtrundgang Der Heimatverein bietet einen digitalen Stadtrundgang durch die historische Altstadt Waiblingens an (per App oder mit einem QR-Code), mit dem Wissenswertes über Sehenswürdigkeiten, stadtbildprägende Gebäude und Plätze erfahren werden kann.
Zusammenarbeit mit Fachinstitutionen Der Heimatverein Waiblingen kooperiert eng mit dem Stadtarchiv Waiblingen und dem Haus der Stadtgeschichte.
Publikationen Seit 1962 veröffentlicht der Verein in unregelmäßigen Abständen die Schriftenreihe Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart, jeweils mit verschiedenen Beiträgen aus Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter und Neuzeit. Insgesamt wurden bisher 20 Bände veröffentlicht. In den Rezensionen werden die Bände als „wohlgelungen“ und als Instrument zur Aktivierung des historischen Bewusstseins eingeordnet. Ellen Widder veröffentlichte 2005 in der Reihe die Monographie Waiblingen – eine Stadt im Spätmittelalter, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts den Grafen bzw. Pfalzgrafen von Tübingen eine bedeutendere Rolle als bisher zumisst. Weiterhin finden sich zahlreiche Aufsätze von Historikern, Archivaren, Literaturwissenschaftlern usw. in den verschiedenen Bänden, so z. B. von Paul Sauer, Folker Reichert, Wolfgang Bunzel, Jörg Bofinger, Hermann Ehmer, Knut Görich und Jagoda Marinić.
In dem 1998 erschienenen Bildband Waiblingen in alten und neuen Ansichten wurden historische Ansichten von Waiblingen Fotos aus der Nachkriegszeit gegenübergestellt. Der Band Waiblingen im Spiegel seiner Straßen mit einem Verzeichnis der Straßennamen und ihrer Herkunft erschien 2012. 2021 wurde ein Sonderband der Reihe zum Thema „Waiblinger Museumsgeschichte 1900 - 1960“ herausgegeben., im November 2025 erschien unter dem Titel Den Toten der Weltkriege. Gedenken und Erinnern in Waiblingen Band 21 der Reihe Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart.
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Einzelnachweise
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