350px Der blinde deutsche Komponist, Organist und Lautenist Conrad Paumann, auch bekannt als „der blind meister Conrat“, ist spätestens 1446 Organist der Kirche St. Sebald in Nürnberg. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1446.

Ereignisse Heiliges Römisches Reich Freie Reichsstadt Nürnberg Der deutsche Komponist, Organist und Lautenist Conrad Paumann, der von Geburt an blind war und in jungen Jahren die Unterstützung des Nürnberger Patriziers Ulrich Grundherr und ab 1423 Unterstützung durch dessen Sohn Paul erhalten hat, ist spätestens im Jahr 1446 Organist der Kirche St. Sebald in Nürnberg. Am 13. Dezember 1446 verlobt er sich mit Margarethe Weichser und verpflichtet „sich dabei, die Stadt nicht ohne Wissen und Erlaubnis des Rates und des Sebalder Pfarrers zu verlassen“.

Fürstbistum Basel Conrat der Lautenmacher, wie er in den Basler Steuerakten genannt wird, zählt 1446 „in Basel zur wohlhabenden Schicht, also zu den Bürgern mit einem Vermögen von mindestens 200 Gulden“. Er ist Mitglied der Kaufmannsgilde und muss „1451 300 Gulden Steuern an die Stadt entrichten“. Er betreibt „offenbar eine Art Heimarbeit“, entwirft Lautenmodelle und lässt „diese von Heimarbeitern anfertigen, denen er vor der endgültigen Bezahlung bei Lieferung einen Vorschuss“ zahlt.

Herzogtum Bayern Der Theologe und Schriftsteller Johannes Keck, der Ende 1441 oder Anfang 1442 in Basel zum Doktor der Theologie promoviert wurde und anschließend ins Benediktinerkloster am Tegernsee eingetreten ist, wirkt hier als Bibliothekar und 1443/1444 bis 1446 als Prior.

Herzogtum Luxemburg In Echternach wird 1446 „eine Gilde von Köchen, Lautenspielern und Dudelsackspielern gegründet“, da keine der Gruppen zahlreich genug ist, „um eine eigene Körperschaft zu bilden“.

Herzogtum Österreich Die Stephansschule in Wien, die erstmals im Jahr 1237 erwähnt wird, geht 1296 „aus der höfischen Trägerschaft in die der Bürger über, und 1446“ wird „eine Satzung erlassen, die einen Kantor und einen Subkantor“ vorsieht.

Hochstift Cambrai Der franko-flämische Komponist, Sänger und Musiktheoretiker Guillaume Dufay, der noch vor der Absetzung von Papst Eugen IV. durch das Konzil von Basel am 25. Juni 1439 den Hof in Savoyen verlassen hatte, ist von Dezember 1439 bis März 1450 in Cambrai tätig. „Eine Reihe ehemaliger Mitglieder der päpstlichen Kapelle“ leben zu dieser Zeit in Cambrai und sind „nicht nur mit der Kathedrale, sondern auch mit den Kirchen St. Géry und Ste. Croix verbunden.“ Dufay beteiligt „sich aktiv an der Verwaltung der Kathedrale und“ beginnt „zusammen mit Nicolas Grenon und Symon Mellet ein ehrgeiziges Projekt zur Überarbeitung der liturgischen Bücher der Kathedrale und zur Komposition und Zusammenstellung eines umfangreichen Repertoires polyphoner Musik für den Einsatz im Gottesdienst.“ Ab 1442 ist er für mehrere Jahre als Maître des petits vicaires (deutsch: Meister der kleinen Vikare) – also als Vorgesetzter oder Ausbilder der niederen Kleriker – tätig. Der franko-flämische Komponist und Sänger Jean Du Sart ist ab dem 21. November 1446 als petit-vicaire an der Kathedrale von Cambrai tätig.

Markgrafschaft Mantua Der franko-flämische Musiktheoretiker und Mönch Johannes Gallicus, der in der ersten Hälfte der 1440er Jahre in Mantua dem Kartäuserorden beigetreten ist, besucht vor dem Jahr 1446 in Mantua Vorlesungen bei Vittorino da Feltre (1378–1446) über das Werk Musica des antiken Philosophen und Musiktheoretikers Boëthius (um 480–524). Dies beeinflusst sein musiktheoretische Denken.

Herzogtum Burgund Der flämische Arzt, Astronom und Musiktheoretiker Henri Arnaut de Zwolle, der in Dijon als Leibarzt und Astrologe Philipps des Guten tätig ist, verfasst zwischen etwa 1438 und 1446 die früheste Abhandlung, in der der Bau von Cembalos, Clavichords, Orgeln und Lauten detailliert beschrieben wird. Nach den Angaben eines gewissen Guillaume Benoit ist Gilles Binchois am burgundischen Hof Philipps des Guten im Jahr 1427 schon ein Begriff. Weil aber die Gehaltslisten von 1419 bis 1436 fehlen, ist nicht genau bekannt, ab welchem Jahr er tatsächlich der burgundischen Hofkapelle beitritt, um ihr bis 1452 aktiv anzugehören. Der früheste Beleg für seinen dortigen Dienst stellt erst seine Motette Nove cantum melodie dar, komponiert zur Taufe von Anthoine von Burgund, dem Sohn Philipps des Guten und Isabellas von Portugal am 18. Januar 1431. Der Harfenist Parsin Thierry ist in den Jahren 1439 sowie 1446 bis 1447 am burgundischen Hof bezeugt. Er könnte Harfenlehrer von Karl dem Kühnen gewesen sein, dessen „früher musikalischer Unterricht ... durch das Geschenk einer Harfe in den Jahren 1441 und 1442 dokumentiert“ ist.

Grafschaft Flandern Der niederländische Orgelbauer Adriaan Pieterszoon erhält 1446 die Bürgerrechte der Stadt Brügge. In der St.-Jans-Kirche in Gent wird der jährliche Gesang einer Motette durch die cotidianisten (hier: fest angestellte Sänger oder Geistliche) am Vorabend des Festes des Heiligen Michael durch eine private Stiftung finanziert. Dies „praktiziert man bereits jedes Jahr für die Heilige Agatha“.

Italienische Staaten Republik Venedig Der Komponist Ludovicus de Arimino ist wahrscheinlich identisch mit dem Priester gleichen Namens, der „am 24. Sept. 1446 an der Kirche San Andrea de Murone in Padua freiwillig eine Pfründe“ aufgibt. Der italienische Komponist Petrus Rubeus, der von März 1417 bis Mai 1446 in der Kathedrale von Treviso tätig ist, erhält hier 1420 ein Kanonikat und 1436 weitere Kanonikate in Asolo und Montebelluna.

Signoria d’Este Der Lautenist und Sänger Pietro Bono de Burzellis, der seine Ausbildung wahrscheinlich bei Leonardo dal Chitarino zur Zeit des Markgrafen Nicolò III. d’Este erhalten hat, ist in Ferrara für den Markgrafen Leonello d’Este tätig. Aus den Rechnungsbüchern des Hofes und der Kathedrale von Ferrara geht hervor, dass er 1446 zwanzig Soldi für Saiten erhalten hat. Der Sänger und Komponist Johannes Fedé ist von Juli 1445 bis April 1446 in der Hofkapelle Leonello d’Estes in Ferrara tätig. Danach kehrt er „in seine engere Heimat zurück und ist für fünf Monate (30. Juni bis 23. Nov.) als petit vicaire in der Kathedrale von Cambrai verzeichnet“.

Königreich England Der Komponist Childe ist vermutlich identisch mit „jenem William Child ..., der 1446 bis 1449 assistant master am Eton College, später fellow am New College in Oxford und rector in West Lydford in Somerset“ ist. William Say ist „zwischen 1449 und 1468 Dekan der königlichen Kapelle, könnte das Amt aber bereits 1446 übernommen haben“. Henry Soulbe ist von 1446 bis 1452 als Schreiber der königlichen Hofkapelle tätig. Er ist wahrscheinlich nicht identisch mit dem englischen Komponisten Soursby. Im Lincoln’s Inn in London tauchen „Zahlungen an Musiker ... erstmals 1446 in den Aufzeichnungen ... auf“ und erfolgen danach regelmäßig. Lincoln’s Inn beschäftigt „Hausmusiker mit einem jährlichen Gehalt: mindestens einen Musiker, der das ganze Jahr über“ spielt, „ergänzt durch weitere regelmäßige Musiker, die den Großteil ihres Jahresgehalts während der Weihnachtszeit“ verdienen. In Norwich sind „Zahlungen an einen Organisten namens Adam ... sowie an Laiensänger“ bereits für das Jahr 1333 belegt. Zwischen 1446 und 1472 wird in der Kathedrale ein Lettner und eine weitere Orgel gebaut.

Königreich Frankreich Der französische Komponist Jean Cousin ist „von 1446 bis 1448 ... gemeinsam mit Joh. Ockeghem und elf weiteren Sängern in der Kapelle Herzog Karls I. von Bourbon ... in Moulins nachweisbar ..., ist jedoch möglicherweise länger dort geblieben.“ Der flämische Komponist, Sänger und Kleriker Johannes Ockeghem, der vom 24. Juni 1443 bis zum 23. Juni 1444 als erwachsener Sänger an der Marienkirche Antwerpen unter Johannes Pullois tätig war, tritt danach in Moulins in die Dienste von Charles I. de Bourbon, Herzog von Bourbon. Durch Eintragung in die Rechnungsbücher des Hofs ergibt sich eine Anstellung Ockeghems als erstem von sieben Kapellsängern, die Stoff für ihre Roben erhalten haben. Aus dem undatierten Eintrag geht nicht hervor, wie lange er damals schon am Hof tätig war und wie lange er blieb; es wird vermutet, dass seine Tätigkeit von 1446 bis 1448 dauerte. Charles I. de Bourbon, Herzog von Bourbon baut in Moulins eine Hofkapelle mit zwölf Musikern auf, darunter von 1446 bis 1448 Johannes Ockeghem.

Königreich Portugal Der portugiesische Musiker Alvaro Afonso ist zwischen 1440 und 1446 Sänger der königlichen Hofkapelle.

Kompositionen und Schriften 1446 erfolgen die ersten bekannten Drucke von Musik im Tiefdruckverfahren.

Geboren Geboren vor 1446 Jean Escatefer dit Cousin, französischer Komponist († 1474)

Geboren um 1446 Alexander Agricola, franko-flämischer Komponist und Sänger († 1506)

Gestorben Todesdatum gesichert 25. März: John Forest, englischer Komponist (* um 1365/1370) 10. November: Leonardo Giustiniani, italienischer Humanist, Dichter, Musiker und Politiker (* um 1383)

Genaues Todesdatum unbekannt Antoni Tallander, Musiker im Dienste der Könige von Aragon (* 1360)

Siehe auch

Quellen Grove Dictionary of Music and Musicians Die Musik in Geschichte und Gegenwart

Einzelnachweise