Rosindon ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Azinfarbstoffe.
Geschichte Die Verbindung wurde erstmals 1890 von Otto Fischer und Eduard Hepp beschrieben. Die Bezeichnung Rosindon wurde gewählt, da sie aus Rosindulin synthetisiert wurde und der Sauerstoff im Molekül als Chinon vorliegt.
Darstellung Rosindon entsteht durch Erhitzen von Rosindulin und Rosindulin-Derivaten mit konzentrierter Salzsäure.
Eine alternative Synthesemethode ist die Umsetzung von N-Phenyl-o-phenylendiamin mit 2-Hydroxy-1,4-naphthochinon in Gegenwart von Essigsäure.
Struktur Für Rosindon lassen sich zwei mesomere Grenzstrukturen formulieren – einerseits eine Benzophenazoninon-Grenzstruktur 1 und andererseits als Betain die Benzophenazoniumolat-Grenzstruktur 2. Während Fischer und Hepp die Carbonyl-Struktur bevorzugten, wurde von Friedrich Kehrmann in einer Veröffentlichung von 1908 die Betain-Struktur präferiert. Die Röntgenstrukturanalyse von Einkristallen die aus einer Lösung der Verbindung Chloroform/Hexan erhalten wurden, zeigen, dass die C-O-Bindungslänge mit 1,241 Å besser zu einer Doppelbindung passt. Ebenso sprechen die anderen Bindungslängen im Molekül gegen einen nennenswerten Anteil der Betain-Grenzstruktur im Grundzustand.
Analog kann man für die protonierte Verbindung zwei mesomere Grenzstrukturen mit einer protonierten Carbonylgruppe (Grenzstruktur 3), bzw. mit einer Hydroxygruppe (Grenzstruktur 4) formulieren.
Das Benzophenazon-Strukturelement ist planar und die N-Phenylgruppe ist mit einem Winkel von 85° aus der Ebene herausgedreht.
Eigenschaften Durch Sulfierung von Rosindon (1) mit rauchender Schwefelsäure – 1890 von der Chemischen Fabrik Kalle & Co. patentiert – sind Säurefarbstoffe wie beispielsweise C.I. Acid Orange 15 (2) zugänglich. Da die Sulfonierung mit Schwefelsäure ein schwer zu trennendes und identifizierbares Produktgemisch liefert, wurde versucht die Sulfonsäuregruppe über eine Chlorsulfonierung mit Chlorsulfonsäure einzuführen. Dabei wurde jedoch mit geringer Ausbeute als Hauptprodukt das in der 6-Position mit Chlor substituierte Produkt 6-Chlor-7‐phenylbenzo[a]phenazin‐5(7H)‐on (3) erhalten.
Mit Nitriersäure erhält man das 6-Nitro-Derivat (4) des Rosindons. Dieses kann mit Zinn(II)-chlorid zur Aminoverbindung (5) reduziert werden. Durch die Umsetzung von Rosindon mit Trimethylsilylacetylen und Butyllithium in Tetrahydrofuran erhält man nach der Aufarbeitung mit Wasser/Methanol das mit einer Acetylengruppe substituiertes Dihydrobenzobhenazinon-derivat (6).
Rosindon geht bei der Reduktion in einer Zinkstaubdestillation in Benzo[a]phenazin über.
Verwendung Rosindon und Rosindon-Derivate können als Redoxindikator, bei histologischen Färbungen oder bei der Metallionendetektion Verwendung finden.
Einzelnachweise
Kategorie:Dihydrobenzazin Kategorie:Phenylsubstituierte Verbindung Kategorie:Cyclohexadienon Kategorie:Anelliertes Benzol Kategorie:Azinfarbstoff