Der Bär und seine Brüder ist ein 1961 erschienenes Kinderbuch, das von Hans Baumann geschrieben und von Ulrik Schramm illustriert wurde. Es wurde zuerst vom Enßlin & Laiblin Verlag herausgegeben.

Inhalt

Der Arbeitskreis für Jugendliteratur umschreibt das Buch, welches in die Auswahlliste des Jahres 1962 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, in seiner Jurybeschreibung wie folgt:

Die Parabel Der Bär und seine Brüder erzählt die Geschichte vom Bären Mischa der nach längerer Abwesenheit wieder in den Wald seiner Brüder, welche selbst keine Namen führen, zurückkehrt. Jenen erzählt er von den Gründen seines Verschwindens und den sich daran anschließenden Erlebnissen mit dem alten Mann und dem kleinen Mädchen. Anfänglich sind seine Brüder sehr interessiert, geradezu begeistert vom Bericht Mischas. Doch die Begeisterung schwindet als bekannt wird, dass er vom Alten Mann als Tanzbär missbraucht wurde und er sich seine Freiheit durch Anlegen einer Kette am Nasenring nehmen ließ. Seine Brüder rücken im Lauf der Erzählung immer weiter von ihm ab bis Mischa enttäuscht die Runde verlässt. Seine Brüder streiten ohne ihn weiter und befragen letztlich einen alten Bären, ob sie denn richtig gehandelt hätten. Im Laufe des Gesprächs offenbart sich der alte Bär den fragenden Bärenbrüdern:

Der alte Bär teilte also das Schicksal Mischas den Wald verlassen, die Freiheit verloren und letztlich doch zurückgekehrt zu sein. Es wird sogar angedeutet, dass beide von den Menschen den gleichen Namen bekamen. Der Name Mischa/Mischka (russisch Миша/Мишка) wird in der russischen Umgangssprache als Name für einen Bären genutzt. Die Hinwendung Baumanns zur russischen Sprache und Literatur begann für Baumann während des Zweiten Weltkrieges, an dem er als Kompanieführer an der Ostfront teilnahm und wo er in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet.

Rezeption

Das Buch wird wie viele seiner Jugendromane (Ich zog mit Hannibal, Der große Alexanderzug, Steppensöhne) als Teil von Baumanns Vergangenheitsbewältigung verstanden.

So findet die österreichische Kinder- und Jugendbuchexpertin Inge Cevala, dass

Auch Karsten Leutheuser erwähnt die Parabel als Beispiel von Vergangenheitsbewältigung.

Der Slawist Walter Koschmal hält unter Hinzuziehung der Kinderbuchautorin Gudrun Pausewang das Werk eher für eine misslungene Selbstrechtfertigung.

Der Kinder- und Jugendbuchforscher Klaus Doderer deutet die Bärenbrüder als Kritiker Baumanns.

Die Autorin sowie Kinder- und Jugendbuchlektorin Maria Rutenfranz weist dem Buch durchaus eine herausragende Deutlichkeit zu.

Winfried Kaminski hatte sich als Kinder- und Jugendbuchkritiker sehr intensiv mit dem Werk Baumanns auseinandergesetzt. So widmet er der Bärenparabel auch einem ganzen Abschnitt, in der er u. a. ausführt:

Und so wird diese von Kaminski beurteilte Glaubhaftigkeit auch an anderer Stelle aufgegriffen:

Ausgaben

Der Bär und seine Brüder erschien zuerst im Ensslin & Laiblin Verlag aus Reutlingen. 1976 erfolgte eine überarbeitete Neufassung mit dem Zusatztitel Die Heimkehr eines Bären und mit Bildern von Jan Brychta, welche im Otto Maier Verlag erschien. In diesem Verlag erreichte das Buch 1986 die 6. Auflage. Zudem wurde das Werk 1962 ins Englische und 1965 in Afrikaans übersetzt. Unter dem Titel Mischa und seine Brüder. Eine Bärengeschichte. Erschien 1984 eine Fassung im Thienemann Verlag mit Illustrationen von Reinhard Michl. In dieser Version folgten Übersetzungen ins Schwedische (1984), Englische (1985) und Französische (1987). Es gibt eine Hörbuchversion gelesen von Liane Hielscher.

Auszeichnungen

Das Buch stand sowohl 1962 (Kategorie: Kinderbuch) und auch in einer Neufassung 1985 (Kategorie: Bilderbuch) auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendbuchpreis. Die späte Ausgabe erhielt 1984 den dritten Platz im Troisdorfer Bilderbuchpreis.

Literatur

Einzelnachweise

Weblinks Eintrag in der Deutschen Nationalbibliothek

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Gleichnis Kategorie:Fabel Kategorie:Hans Baumann