David Akeman (* 17. Juni 1915 in Annville, Kentucky, als David Akemon; † 10. November 1973 in Ridgetop, Tennessee) war ein US-amerikanischer Country-Musiker. Er wurde unter den Bühnennamen Stringbean bzw. String Bean und The Kentucky Wonder als Sänger und Banjospieler bekannt. Akeman war Mitglied der Grand Ole Opry und trat auch in vielen Fernsehsendungen auf. 1973 wurden er und seine Frau Opfer eines Raubmordes.

Familienname David Akeman wurde als David Akemon geboren. Den Familiennamen Akemon trugen auch seine Eltern, während der Großvater väterlicherseits im Zensus von 1880 als Alexander Aikman geführt wurde.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 8. David Akemon änderte vor dem Zensus von 1940 die Schreibweise seines Familiennamens in Akeman. Diese Version behielt er bis zu seinem Tod bei.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 38. Über die Motivation für die Änderung gibt es keine zweifelsfreien Informationen.

Biografische Angaben

Geburt und Herkunft David Akeman wurde in der Kleinstadt Annville in Kentucky geboren. Als Geburtsjahr geben die verfügbaren Quellen regelmäßig 1915 an; dies entspricht den Eintragungen im offiziellen Geburtenregister.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 206. Davids jüngerer Bruder Robert behauptete später unter Berufung auf Unterlagen der Familie, David sei in Wirklichkeit 1914 auf die Welt gekommen. Wie es zu der Falschüberlieferung kommen konnte, sei nicht erklärlich.Charles K. Wolfe: Classic Country. Legends of Country Music, Taylor & Francis, 2002, ISBN 978-1-135-95733-9, S. 248. Ein anderer Autor verlegt Davids Geburtsjahr ohne Angabe von Gründen auf 1917.Ben Centrell: The Stringbean Murders: Death in Baker Holler, Part 1. Zitiert nach Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 206. In diesem Jahr wurde Davids Schwester Sally geboren.

Sein Vater war James Akemon (1878–1967), seine Mutter Alice Akemon, geb. Johnston (1882–1956). David hatte vier ältere und drei jüngere Geschwister.Die Geschwister waren Nora (1903–1978), Elisabeth („Lizzie“; 1907–1953), Luther (1908–1927), Joseph (1911–1967), Sally (1917–2006), Alfred (* 1919) und Robert (* 1922).

Die Familie betrieb eine 40 Acres große Farm im Jackson County. Während der Great Depression verlor die Familie einen Großteil ihres Vermögens und war zeitweise auf staatliche Lebensmittelhilfen angewiesen.Charles K. Wolfe: Classic Country. Legends of Country Music, Taylor & Francis, 2002, ISBN 978-1-135-95733-9, S. 249. David Akeman nahm aus dieser Zeit ein lebenslang anhaltendes Misstrauen gegenüber Banken mit, die er konsequent mied.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 15. Mitte der 1930er-Jahre musste James Akemon die Farm verkaufen; die genauen Hintergründe hierzu sind nicht dokumentiert.

Werdegang David Akemans Schulausbildung endete je nach Quelle nach der sechsten oder nach der achten Klasse.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 14.

1934 verließ Akeman – möglicherweise nach einer Auseinandersetzung mit dem VaterAkemans Biograf Taylor Hagood deutet in seiner 2023 erschienenen Dokumentation Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend an mehreren Stellen an, dass das Verhältnis zwischen Akeman und seinem Vater seit den 1930er-Jahren gestört gewesen sein könnte. Konkrete Hintergründe nennt er aber nicht. – die elterliche Farm und schloss sich dem staatlichen Arbeitsbeschaffungsprogramm Civilian Conservation Corps (CCC) an. Berichten von Zeitzeugen zufolge war er in dieser Zeit mehr am Banjospielen als an der vom CCC organisierten Arbeit interessiert.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 18.

1935 begann Akemans Karriere als Berufsmusiker, die er in den ersten Jahren mehrfach unterbrach. Ende der 1930er-Jahre übernahm er, nachdem ein Engagement ausgelaufen war, eine Tankstelle in der Nähe seines Geburtsorts, um mit den Einnahmen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und seine Familie finanziell zu unterstützen.

1943 erhielt Akeman seine Einberufung zum Militär. Er wurde nach kurzer Zeit, ohne einen Kampfeinsatz gehabt zu haben, ehrenhaft entlassen. Als Grund wurde eine „hysterische Psychoneurose, schwer“ angegeben.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 51.

Seit den frühen 1940er-Jahren verfolgte Akeman seine Karriere als Musiker ohne weitere Unterbrechungen. 1952 kaufte er in einer ländlichen Gegend nördlich von Nashville, Tennessee, eine 143 Acres große Farm, die zu seinem dauerhaften Wohnsitz wurde. Die Akemans bewohnten hier ein kleines Holzhaus mit Außentoilette, das sie über die Jahre kaum modernisierten. Akeman und seine Frau lebten hier viele Jahre lang zusammen mit der Familie des Musikers Grandpa Jones, mit dem Akeman eine lebenslange Freundschaft verband.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 69. In unmittelbarer Nähe lebte zeitweise auch Willie Nelson.Eintrag zu Willie Nelson auf biography.com (abgerufen am 12. August 2025). Von hier aus organisierte er seine Auftritte auf Bühnen und im Fernsehen, die er bis zu seinem Tod fortsetzte.

David Akeman galt als bodenständig und bescheiden („modest“). Ungeachtet des Wohlstands, den er in den 1960er-Jahren erreicht hatte, lebten er und seine Frau bis zuletzt in betont einfachen Verhältnissen in ländlicher Umgebung.

Ehen Akeman war zweimal verheiratet. Seine erste Ehefrau war Blanche, geb. McQueen (1910–1952), die er vor 1940 heiratete und die zwei Kinder aus einer früheren Beziehung mitbrachte. Die Ehe wurde etwa 1945 geschieden.Die genauen Daten von Eheschließung und Scheidung lassen sich den zugänglichen Quellen nicht entnehmen. Belegt ist lediglich, dass David und Blanche Akeman beim Zensus 1940 als Eheleute geführt wurden. Seine zweite Ehefrau war Estelle, geb. 1914 als Estelle Stanfill.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 60. Die beiden heirateten im März 1945. Sie galten als unzertrennlich: Anders als Akemans erste Ehefrau, die dauerhaft zu Hause blieb, begleitete Estelle ihn zu fast jedem Auftritt.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 72. Mit ihr blieb Akeman bis zum Tod 1973 verheiratet. Das Paar hatte keine Kinder.

Karriere als Musiker und Entertainer Überblick mini|Das Ryman Auditorium, ab 1943 Konzert­halle des Grand Ole Opry Von seinem Vater, der in der Freizeit bei Feierlichkeiten in der Umgebung als Musiker auftrat,Neil V. Rosenberg, Charles K. Wolfe: The Music of Bill Monroe, University of Illinois Press, 2024, ISBN 978-0-252-05623-9. übernahm David Akeman seine Neigung zum Banjospielen. Der Vater brachte ihm die Grundzüge im Umgang mit dem Instrument bei. Weitere Einflüsse bezog er von Uncle Dave Macon, einem Old-Time-Musiker, der in der Grand Ole Opry mit Banjobegleitung sang und der zu den ersten großen Stars dieser Einrichtung gehörte. Akeman bezeichnete Macon später als sein größtes Vorbild.

Nachdem Akeman bereits seit 1932 wiederholt in privatem Umfeld aufgetreten war, begann im Alter von 20 Jahren seine professionelle Karriere als Musiker. In der zweiten Hälfte des Jahres 1935 nahm er an einem vom Old-Time-Musiker Asa Martin veranstalteten Talentwettbewerb in Lexington teil, der von der örtlichen Radiostation WLAP übertragen wurde. Akeman, der bei dieser Veranstaltung Banjo spielte, aber nicht sang, kam nicht in die Reihe der Erstplatzierten. Gleichwohl war Asa Martin so sehr von Akemans Auftritt beeindruckt, dass er ihn als Musiker seiner Band verpflichtete.Charles K. Wolfe: Kentucky Country: Folk and Country Music of Kentucky, University Press of Kentucky, 1982, ISBN 978-0-8131-1468-2, S. 57. Mit Martins Kentucky Hillbillies bestritt Akeman regelmäßig Radiosendungen und Liveauftritte. In den folgenden Jahren arbeitete Akeman für wechselnde Bands, unter ihnen die Lonesome Pine Fiddlers von Si Rogers, die X Bar X Boys und 1940 und 1941 die Kentucky Pardners von Charlie Monroe.Charles K. Wolfe: Classic Country. Legends of Country Music, Taylor & Francis, 2002, ISBN 978-1-135-95733-9, S. 250.

Im Juli 1942 schloss Akeman sich den Blue Grass Boys an, einer Band, die von Charlie Monroes Bruder Bill Monroe geleitet wurde. Er war der erste Banjospieler dieser Formation. Mit Bill Monroe schaffte Akeman den Sprung in die Grand Ole Opry. Zwischen den Opry-Terminen tat Akeman in Shows auf, die Monroe in den Städten und Gemeinden Kentuckys und in den angrenzenden Bundesstaaten organisierte. In dieser Zeit arbeitete er eng mit seinem Idol Uncle Dave Macon zusammen, der phasenweise mit den Blue Grass Boys tourte und ihn weiter ausbildete.Bill C. Malone, Judith McCulloh: Stars of Country Music: Uncle Dave Macon to Johnny Rodriguez, University of Illinois Press, 1975, S. 49. 1945 trennte sich Akeman von Bill Monroe; seine Stelle nahm dort Earl Scruggs ein, der einen anderen Stil spielte als Akeman.Laurent Dubois: The Banjo: America’s African Instrument, Harvard University Press, 2016, ISBN 978-0-674-96883-7.Zu den Umständen der Trennung finden sich unterschiedliche Angaben. Teilweise wird vermutet, dass Akeman mit dem schnellen Stil von Bill Monroes neuem Gitarristen Lester Flatt, der seit März 1945 zu den Blue Grass Boys gehörte, nicht harmonierte und deshalb die Band auf eigenen Wunsch verlassen habe (s. Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 58 f.); Bill Monroe vermutete in einem Jahrzehnte später geführten Interview hingegen eine Einberufung zum Militärdienst als maßgeblichen Grund (s. Alanna Nash: Behind Closed Doors. Talking with the Legends of Country Music, Cooper Square Publishing, 2002, ISBN 978-0-8154-1258-8). In den folgenden Jahren trat Akeman zeitweise mit anderen Musikern als Duo auf – so etwa mit dem Hillbilly-Star Lew ChildreEintrag zu Lew Childre auf hillbilly-music.com (abgerufen am 9. August 2025). – und entwickelte sich im Übrigen zunehmend zum Solokünstler. 1954 und 1955 tourte er mit einer von Ramblin’ Tommy Scott organisierten Medicine Show durch die USA und Kanada und gab dafür sein Engagement bei der Grand Ole Opry vorübergehend auf. Mit dem Aufkommen des Rock ’n’ Roll geriet die traditionelle Countrymusik in eine Krise, und die Auftritts- und Verdienstmöglichkeiten reduzierten sich auch für Akeman. Er spielte zu dieser Zeit auch in Schulen und Vereinshäusern. Ab 1961 trat Akeman mehrfach in der landesweit ausgestrahlten Fernsehsendung Porter Wagoner Show auf. Das ermöglichte ihm ein größeres Comeback. In den 1960er-Jahren festigte Akeman seinen Erfolg. Zeitweise gab es Kontakte zur Singer-Songwriter-Szene, so etwa im Februar 1965, als er am fünften University of Chicago Folk Festival teilnahm.Taylor Hagood: Stringbean: The Life and Murder of a Country Music Legend, University of Illinois Press, 2023, ISBN 978-0252044984, S. 108. In seinem letzten Jahrzehnt erlangte Akeman durch regelmäßige Fernsehauftritte landesweite Bekanntheit.

Bühnenfigur Stringbean