Die Auto Union GmbH war ein deutscher Automobilhersteller aus Ingolstadt und ein Vorgängerunternehmen der heutigen Audi AG. Er wurde 1949 gegründet, lehnte sich in der Firmierung an die 1948 liquidierte Auto Union AG an, und bestand bis zur Fusion mit der NSU Motorenwerke AG zur Audi NSU Auto Union AG im Jahr 1969. – Letztere firmiert seit Jahresbeginn 1985 als Audi AG.

Unternehmensgeschichte mini|hochkant|Gedenktafel am ersten Unternehmenssitz in Ingolstadt mini|Die ehemalige Heeresbäckerei wurde als Lager genutzt mini|Ein ehemaliger Kornspeicher wurde umgebaut und für die Motorradproduktion genutzt Vorgeschichte und Gründung als Ersatzteilhandel und -hersteller Die 1932 in Chemnitz gegründete Auto Union AG (mit den Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer) stieg bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs zum zweitgrößten deutschen Automobilhersteller nach der Adam Opel AG auf: 1938 stammte jeder vierte Pkw und mehr als jedes dritte in Deutschland neu zugelassene Kraftrad aus den Werken der Auto Union AG. Mit Kriegsbeginn wurde auf Rüstungsproduktion umgestellt. Die Werke lagen bis auf eines in Berlin-Spandau in Südwestsachsen. Am 17. April 1945 besetzte die 3. US-Armee die Stadt Zwickau, am 8. Mai 1945 erreichte die Sowjetarmee Zschopau und Chemnitz. Produktion und Montagen kamen zum Erliegen. Als die Amerikaner Ende Juni 1945 aus Thüringen und Südwestsachsen nach Bayern abgezogen waren, lagen auch die Unternehmensteile in Zwickau – wie bereits das DKW-Stammwerk in Zschopau, das Wanderer-Werk und die Konzernzentrale in Chemnitz – in der sowjetischen Besatzungszone. Die ehemaligen Vorstände des Konzerns – und später wieder in Erscheinung tretenden – Richard Bruhn und Carl Hahn flohen daraufhin unabhängig voneinander nach Bayern. Bruhn war bei Verwandten in München untergekommen, Hahn auf Wasserschloss Sandizell. Schlossherr war Carl Max von und zu Sandizell, der auf Auto-Union-Wagen Rallyes bestritt und mit dem Hahn gut befreundet war. Hahn hatte noch im Oktober 1944 einen, letztlich aus nicht bekannten Gründen erfolglosen, Transport einer Lkw-Ladung Konstruktionsunterlagen der DKW-Auto- und Motorradmodelle zur „Sicherheitsverlagerung“ nach Sandizell veranlasst.

Abgeschnitten von Produktionsstätten und Montagewerken in Südwestsachsen sowie auch Zulieferbetrieben, gab es in den westlichen Besatzungszonen nach wie vor ein Filialnetz, das jedoch nur für Verkauf und Kundendienst bestimmt und geeignet war. Geschätzt waren in diesem Teil Deutschlands nach Kriegsende noch mehr als 65.000 DKW-Automobile fahrbereit. Das Werk in Berlin-Spandau war nur auf die Endmontage spezialisiert und nicht als Produktionsstätte geeignet. Bereits im Juli 1945 trafen sich in der Münchener Auto-Union-Filiale Hahn und Bruhn mit Karl Schlittenhelm (ehemals verantwortlich für das gesamte Auto-Union-Ersatzteilwesen), Erhard Burghalter (ehemaliger Filialleiter aus Stettin) und Oswald Heckel (ehemaliger Generalvertreter für Bulgarien). Die Gruppe vereinte technisches Wissen sowie Bezugs- und Vertriebswege für Zuliefer- und Ersatzteile. Zudem hatten Burghalter und Heckel gute Kontakte zur Bayerischen Staatsbank, deren Präsident einen ersten Kredit zum Aufbau eines Unternehmens für Auto-Union- und im Speziellen DKW-Ersatzteile gewährte.

Als Standort war zunächst München vorgesehen, davon wurde aber aufgrund der schweren Kriegszerstörungen abgelassen. Die Wahl fiel letztlich auf Ingolstadt. Dafür sprach zunächst die verkehrsgünstige Lage in der Mitte Bayerns an der weitestgehend intakten, heutigen Bundesautobahn 9. Auch lag Ingolstadt ungefähr in der Mitte zwischen den beiden Auto-Union-Filialen München und Nürnberg. Den entscheiden Ausschlag für eine Ansiedlung in Ingolstadt gab die jahrhundertealte militärische Vergangenheit als Garnisonsstandort: Für die Kasernengebäude, Remisen, Kasematten und auch Flächen gab es mit Kriegsausgang auf absehbare Zeit keine weitere Verwendung, wodurch geeignete Produktions- und Lagermöglichkeiten zur Verfügung standen. Neubauten wären in dieser Zeit schwer möglich gewesen. Überdies unterstützte die Stadtverwaltung angesichts fehlender Industriearbeitsplätze – abgesehen von einer Spinnmaschinenfabrik und einem Reichsbahnausbesserungswerk –, das Vorhaben von Anbeginn. Die Herstellung von Kfz-Ersatzteilen war von den Militärregierungen der westlichen Besatzungsmächte nicht reglementiert worden. Nachdem die amerikanische Militärregierung demzufolge ihre Erlaubnis zur Herstellung, Lagerung und Vertrieb von Kfz-Ersatzteilen erteilt hatte, wurde am 19. Dezember 1945 die gegründet. Die Hauptverwaltung wurde im ehemaligen Heeresproviantamt in der Schrannenstraße 3 eingerichtet. Die Gebäude einer früheren Heeresbäckerei dienten als Lager.

Da die US-amerikanische und britische Besatzungszone seinerzeit wirtschaftlich noch streng getrennt waren, wurde etwa zur gleichen Zeit nach Ingolstädter Vorbild vom ehemaligen technischen Vorstand der Auto Union AG, William Werner, für die britische Besatzungszone die gegründet. Gemäß Beschluss vom 2. Dezember 1946 wurden die beiden ursprünglich getrennten Besatzungszonen mit Wirkung zum 1. Januar 1947 zum Vereinigten Wirtschaftsgebiet zusammengeschlossen. Daraufhin wurde die GmbH in Oldenburg zu einer Unterabteilung von Ingolstadt.

Das Geschäftsmodell lief auf Anhieb gut, denn die noch zehntausendfach verbreiteten und fahrbereiten DKW-Motorräder und -Autos benötigten dringend passende Ersatzteile. Bereits im ersten Geschäftsjahr 1946 wurde ein Umsatz von 2,5 Millionen RM ausgewiesen. Allmählich stieß mehr und mehr früheres Fach- und Führungspersonal aus Sachsen zum neuen Unternehmen. Viele dieser Menschen waren samt Familienangehörigen nach Kriegsende über Kontaktpersonen über die Zonengrenze geschleust worden. Initiiert hatte dies mitunter die zu der Zeit noch bestehende Hauptverwaltung der Auto Union AG in Chemnitz, denn es sollte das personelle Know-how für einen Wiederaufbau in den westlichen Besatzungszonen gesichert werden.

Gründung der Auto Union GmbH Einstieg in die Fahrzeugproduktion mini|DKW RT 125 W, Nachbau des Vorkriegsmodells und erstes Kraftrad des Unternehmens mini|DKW-Schnellaster, erstes Auto des Unternehmens mini|DKW F 89, erster Pkw des Unternehmens Der Aufbau der Ersatzteilproduktion wurde von den Initiatoren nur als Zwischenschritt zu einer Herstellung kompletter Fahrzeuge in Anlehnung an die Auto Union AG – jedoch von vornherein beschränkt auf ein DKW-Zweitakt-Programm – gesehen. Zu diesem Zweck wurde zunächst am 13. Juni 1948 neben der Zentraldepot GmbH von Bruhn, Hahn und dem Bankier Friedrich Carl von Oppenheim eine Arbeitsgemeinschaft Auto Union gegründet. Entscheidend für diese Unternehmung war, dass der Vorstand Hanns Schüler der in Chemnitz noch bestehenden Auto Union AG i. L. die juristischen Voraussetzungen schaffen ließ, um in Ingolstadt eine Tochtergesellschaft der Auto Union AG zu gründen. Dies geschah in der Absicht und Weitsicht, das in den westlichen Besatzungszonen befindliche Vermögen zu sichern, damit es nicht möglicherweise von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt werden konnte. Die westdeutsche Auto Union AG übernahm den in den westlichen Besatzungszonen befindlichen Immobilienbesitz sowie Patente und Namensrechte des alten Unternehmens.

Die Zentraldepot GmbH wuchs angesichts steigender Nachfrage heran und ging mehr und mehr dazu über, selbst die Auto- und Motorradersatzteile herzustellen. Die Zahl der Beschäftigten stieg entsprechend stetig. Die entscheidenden Impulse für den kurzfristigen Beginn einer kompletten Fahrzeugproduktion lieferten die Währungsreform im Juni 1948 und die Löschung der Auto Union AG i. L. aus dem Chemnitzer Handelsregister im August 1948. Mit diesen günstigen Voraussetzungen wurden Kontakte zu bedeutenden Personen in Wirtschaft und Politik aufgebaut sowie Kreditgeber gesucht und gefunden. So wurde schließlich am 3. September 1949 in Ingolstadt die Auto Union GmbH ins Handelsregister eingetragen, das Stammkapital betrug 3 Mio. DM, Geschäftsführer wurde Richard Bruhn und Carl Hahn sein Stellvertreter. Die Zentraldepot GmbH wurde später in die Auto Union GmbH eingegliedert. Am 9. Juli 1951 erwarb der Schweizer Unternehmer Ernst Göhner eine 45-Prozent-Beteiligung an der GmbH und wurde damit neben dem Bankhaus Oppenheim einer der beiden Hauptgesellschafter, was später noch eine wichtige Rolle spielte.Gerhard Mirsching: Audi: Vier Jahrzehnte Ingolstädter Automobilbau – Der Weg von DKW und Audi nach 1945. Bleicher Verlag, Gerlingen 1988, S. 18ff.

Noch bei der Zentraldepot GmbH wurden zur Befriedigung des damaligen Bedarfs für eine Individualmotorisierung sowie Händler und Gewerbetreibende als erste Fahrzeuge ein Nachbau des Motorrads DKW RT 125 und eines Kleinlieferwagens beschlossen: Die DKW RT 125 W (W stand für West) und der . Die Prototypen wurden noch 1948 fertiggestellt und im Mai 1949 auf der Exportmesse in Hannover erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Stolz wurde mit dem Spruch „DKW ist wieder da!“ dafür geworben. Ausgehend vom früheren Heeresproviantamt in der Schrannenstraße konnte die Auto Union GmbH weitere ehemals militärisch genutzte Gebäude im Stadtzentrum von Ingolstadt für ihren Aufbau nutzen, darunter das ehemalige Zeughaus, das 1948 zur Wiege des Ingolstädter Automobilbaus wurde. Ein ehemaliger Kornspeicher wurde umgebaut und für die Motorradproduktion vorgesehen.

Die beginnenden 1950er-Jahre waren durch steigende Absatzzahlen und Expansion geprägt: Wurden noch im letzten Drittel des Jahres 1949 genau 500 RT-125-Motorräder und 504 DKW-Schnellaster hergestellt, waren es im Gesamtjahr 1950 rund 24.000 Motorräder bzw. rund 7000 Lieferwagen. Bis Ende des Jahres 1951 betrug der Umsatz 13 Mio. DM. Mit dem Einstieg in die Fahrzeugherstellung war auch die Produktion eines Personenkraftwagens vorgesehen worden. Da hierfür in Ingolstadt kein geeignetes Werk zur Verfügung stand, erwarb die Führung nach entsprechender Suche am 13. März 1950 in Düsseldorf-Derendorf zunächst mit Pachtvertrag das 60 Jahre alte, in großen Teilen zerstörte Werk II von Rheinmetall-Borsig, für das nach vorheriger Rüstungsgüterproduktion bis Kriegsende keine Verwendung bestand, und baute es wieder auf. Fördermittel des von den Briten neugeschaffenen Landes Nordrhein-Westfalen konnten eingeworben werden. 1950 begann in Düsseldorf die Prototypen- und anschließend die Großserienproduktion des DKW F 89. 1951 wurde zudem die Hauptverwaltung am neuen Standort in Düsseldorf eingerichtet.

Anfang der 1950er Jahre errichtete die spanische Auto-Union-Tochtergesellschaft Industrias del Motor S.A. (IMOSA) in Vitoria (Baskenland) ein neues Werk, das ab 1954 zunächst den DKW-Schnellaster und in den 1960er Jahren als eigene Konstruktion den DKW-IMOSA F 1000 L baute.

Ende der Motorradfertigung und wirtschaftliche Probleme mini|DKW RT 350 mit Binder-Seitenwagen mini|DKW Munga Die Motorräder waren bei Käufern zunächst stark gefragt und die Umsatztreiber: Allein in der Motorradsparte wurden 1953 rund 60.000 Stück hergestellt und erzielten einen Gewinn von 12 Mio. DM. Bereits 1951 wurde die Modellpalette mit RT-Modellen in der 200- und 250-cm³-Hubraumklasse erweitert und ein Jahr später folgte die 175-cm³-Hubraumklasse. Wieder ein Jahr später folgte noch das hubraumgrößte Modell, die seitenwagentaugliche DKW RT 350 mit Zweizylindermotor. Bei den Pkw hatte sich die Auto Union GmbH nach Zahlen als Nummer 5 hinter den namhaften großen deutschen Automobilherstellern positioniert. Jedoch lagen die absoluten Zahlen von 35.000 im Jahr 1953 deutlich unter den direkten Mitbewerbern des Marktsegmentes wie der Volkswagenwerk GmbH mit rund 80.000 Stück.