mini|hochkant|Schematischer Grundriss der Gräber TT290 und TT291 mini|hochkant|Stele in Turin, die aus dieser Grabkapelle stammt
Die Grabkapelle TT291 (Theban Tomb – Thebanisches Grab Nummer 291) befindet sich in der Nekropole von Theben-West bei dem modernen Ort Luxor in Ägypten. Sie gehört dem Nachtmin und dem Nu, die in der 18. Dynastie lebten. Sie trugen beide den Titel Diener am großen Platz (Sḏm-ˁš-n-st-ˁ3t = Sedjem-asch-en-set-aat).
Die Grabkapelle hat einen Hof und ist zum Teil in einen Abhang hineingehauen, zum Teil aufgemauert. Hinter dem Hof befindet sich die eigentliche Kapelle, die ausgemalt ist. Aus stilistischen Gründen kann die Kapelle an das Ende der 18. Dynastie datiert werden.B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 62–65. Das Grab wurde 1926, 4 Jahre nach der Entdeckung, nur unvollständig publiziert. Das vollständige Manuskript der Grabpublikation erschien erst 2015. Über der Kapelle erhebt sich eine heute restaurierte Pyramide und dahinter ein kleinerer Kapellenraum. Beide Räume sind gewölbt. Vor der Anlage befindet sich ein Schacht, der zu zwei unterirdischen Grabkammern führt.B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, Tafel 1.
Der Hauptraum in der Grabkapelle ist ausgemalt. Auf der Rückwand sieht man in vier Registern verschiedene Personen. Es sind hier vor allem Familienmitglieder von Nachtmin und Nu dargestellt, wie sie Nachtmin ihre Aufwartung machen. Im zweiten Register (von oben) sind auch die Eltern von Nu, Pia und Mutnefer, abgebildet, wie ihnen die Aufwartung gemacht wird.B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 39–42, Tafel III, IV.
Auf der linken Seitenwand sieht man in zwei Registern Begräbnisfeierlichkeiten. Rechts (im oberen Register) ist das Grab und eine Mumie davor dargestellt, wiederum davor steht ein Priester. Im unteren Register befindet sich links ein Sarg auf einem Schlitten. Er wird von diversen Personen und Rindern gezogen. Rechts sind Klageweiber zu sehen. Die Malereien der Wand wurden nie fertig gestellt und sind nur als Vorzeichnungen vorhanden.B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, Tafel V.
An der rechten Wand sieht man links den Unterweltsgott Osiris, thronend mit Hathor, die hinter ihm steht. Vor ihnen steht Nu, der dem Gott opfert. Hinter ihm und in einem zweiten Register stehen weitere Personen. Über Nu befindet sich eine Inschrift, die ihn und seinen Titel anführt. Die weiteren Personen auf der Wand bleiben unbenannt. Die Textkolumnen, in denen ihren Namen stehen sollten, blieben leer.B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 42–43, Tafel VI–VII.
Auf der gewölbten Decke des Grabes befinden sich drei Inschriftenbänder, die zweimal Nachtmin und einmal Nu nennen.B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 42–43, Tafel VIII. Wahrscheinlich aus dem innersten Kapellenraum des Grabes stammt eine Stele, die sich heute im Museo Egizio in Turin befindet (Drovetti Listezu den Drovetti-Museumsnummern siehe: Beppe Moiso, Tommaso Montonati: The 19th-Century Inventories of the Museo Egizio, Turin: How to Get Lost in Them and How to Find Your Way Back. In: Rivista del Museo Egizio. 8. Mai 2024, S. 1–34, doi:10.29353/rime.2024.5505 (abgerufen am 20. Juli 2025). Nr. 99, auch Katatog–Nr. 1619im Katalog Ariodante Fabretti, Francesco Rossi, Rodolfo Vittorio Lanzone: Regio Museo di Torino. Antichità egizie. Band I. Paravia, Turin 1882, , S. 172–173 (online). und Catalogo del Museo Egizio di Torino (CGT)-Nr. 50011Mario Tosi, Alessandro Roccati: Stele e altre epigrafi di Deir el Medina. n. 50001 – n. 50262. (= Catalogo del Museo Egizio di Torino. Serie seconda. Collezioni. Band I). Edizioni d’Arte Fratelli Pozzo, Torino 1972, , S. 44–47 (online).). Sie zeigt Nachtmin und diverse Familienmitglieder.B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 42–43, Tafel X–XI.
Außerdem befand sich an der rechten Wand des Grabes einst ein Graffito der 21. Dynastie,B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 46–62, Tafel IX. das von einem Anchefenamun, dem Sohn von Butehamun, stammt und lautet:
Forschende schließen daraus, dass auch Butehamun in der 21. Dynastie in diesem Grab beigesetzt wurde. Es existieren insgesamt drei Särge für Butehamun; einer befindet sich jetzt in Brüssel und wurde separat gefunden, die anderen beide stammen aus der Sammlung DrovettiWährend seiner Zeit in Ägypten baute der italienische Sammler ägyptischer Kunstschätze Bernardino Drovetti eine eigene Sammlung auf, die letztlich an die Universität von Turin ging und danach den Grundstein für das Museum in Turin bildete. und sind jetzt im Museo Egizio.Museo Egizio; Inventar-Nr. Cat. 2236 beziehungsweise CGT 10101 (die Abkürzung CGT steht für Catalogo del Museo Egizio di Torino), der Inventarkatalog des Museo Egizio in Turin (Italien). Auf der Webseite des Museums heißt es: „probably found in the tomb of Nakhtmin (Theban Tomb 291)“ (deutsch: „vermutlich im Grab von Nachtmin (Thebanisches Grab 291) gefunden“). Abgesehen vom Graffito scheinen aber die ursprünglichen Inschriften des Grabes nicht geändert worden zu sein.
Im Arbeitsbericht des IFAO von 1971–1972Serge Sauneron: Les travaux de l’Institut français d’archéologie orientale en 1971–1972. In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale. (BIFAO). Band 71, 1972, S. 189–230; hier S. 200–201 (§ 158) und Tafel LI–LII. (online) ist das hieratische Graffito abgebildet mit der traurigen Bemerkung:
Diese Szenen mitsamt dem Graffito sind daher verloren und somit hat sich der Wunsch Anchefenamuns, dass keine Übeltäter ins Grab eintreten mögen, nicht erfüllt.
Siehe auch Liste der thebanischen Gräber
Literatur Bernard Bruyère, Charles Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min et la tombe d’Ari-Nefer. (= Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale. Band 54). Imprimerie de l’Institut Français d’Archéologie Orientale, Kairo 1926, . Bernard Bruyère, Charles Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. 2., überarbeitete Auflage. [Complétée par le travail initialement prévu par B. Bruyère et présentée par Nadine Cherpion.] (= Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale. Band 54). Institut français d’archéologie orientale, Kairo 2015, ISBN 978-2-7247-0666-6, S. 1–65. Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss, Ethel W. Burney: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. I. The Theban Necropolis. Teil 1: Private Tombs. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. – neu herausgegeben: Griffith Institute, Ashmolean Museum, Oxford 1970, ISBN 0-900416-81-5, S. 374 (Volltext als PDF).
Weblinks
Tombes de Deir el Medina – Couverture photographique. (Archives scientifiques de l’Ifao Version 2, données du 19 octobre 2015), Collections of images of TT291. Auf: ifao.egnet.net; zuletzt abgerufen am 19. Juli 2025. Webseite des Museums
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Thebanisches Grab Kategorie:18. Dynastie (Ägypten) Kategorie:Abkürzung Kategorie:Grabbau in Afrika