mini|Esther Ernst bei einer «Reisezeichnung» in Armenien, 2024 Esther Ernst (* 19. April 1977 in Basel; heimatberechtigt ebenda) ist eine Schweizer Künstlerin, die sich hauptsächlich mit Zeichnungen, darunter kartografische Zeichnungen, thematische Zeichnungsserien, gezeichnete Tagebücher, Wandzeichnungen, Text sowie Kunst am Bau und alltäglichen Video-Skizzen beschäftigt.

Leben Esther Ernst wuchs als Tochter einer Musikerin und eines Musikers in Basel auf. Das Theater Basel war für sie prägend, da ihr Vater dort tätig war. Von 1997 bis 2006 studierte sie Kunst und Bühnenbild an den Schulen für Gestaltung Zürich und Basel, am Theater Basel, an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Ihren Abschluss machte sie als Meisterschülerin im Bereich Bühnenbild an der Universität der Künste Berlin.

Ab 2001 arbeitete und lebte Ernst in Berlin und Basel, seit 2007 in Berlin und Solothurn.

Werk und Auszeichnungen In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung umkreist sie permanent vielfältige Ausprägungen des Alltäglichen. Ihre Werke entstehen in unterschiedlichen Werkformen, deren Folgen sich über längere Zeiträume erstrecken. Ernst begann mit Blei- und Buntstiften zu zeichnen, später arbeitete sie auch mit Pastell- und Ölkreide sowie Kohle oder fertigte Aquarelle an. Ihr wichtigster Bildträger ist Papier.

Tägliches Zeichnen in systematischer Form ist für Ernst ein zentrales Werkprinzip, das sie immer wieder variiert und in Werkgruppen bündelt. Zwischen 2001 und 2005 führte Ernst ein Tagebuch, bei dem jeder Tag ein nummeriertes A5-Blatt erhält (gezeichnete Tage, 2001–2005); im Anschluss entstanden über elf Jahre hinweg täglich Tagebuchzeichnungen auf den Rückseiten von Ansichtspostkarten (Ansichtssachen, 2006–2017); 2017 nahm sie die Tagebuch-Zeichnungen auf A5-Papier wieder auf (gezeichnete Tage, seit 2017).

Seit 2004 unterhält sie zudem die Karteikartensammlung wo ich war mit Fotos sowie selbst verfassten Notizen und Beobachtungen zu von ihr besuchten Kulturveranstaltungen. Ausgewählte Karten erscheinen in der Berliner Kunstzeitschrift von hundert.Ausgaben abrufbar über die Suchfunktion der Webseite zur Zeitschrift

Sie ist oft auf Reisen und entwickelte ab 2007 ihre Reisezeichnungen, bei denen sie die sichtbare Umgebung, aber auch das Geschehen und ihre Gedanken festhält. In diesem Zuge entstehen an subjektive Kartierungsverfahren wie mental mapping anknüpfende, selbst gezeichnete Pläne, Wegverläufe und Szenen kombinierende Karten, mit denen Esther Ernst sowohl kleinere Orte und Plätze als auch größere Stadträume erschliesst. Ihre eigenen, vor Ort und aus dem Gedächtnis entstandenen Zeichnungen können dabei mit anderen Materialien wie Fotos, Zeitungsausschnitten oder gedruckten Karten kombiniert und collagiert werden.

2009 nahm sie am Goldrausch Künstlerinnenprojekt in Berlin und der zugehörigen Abschlussausstellung Splendid Isolation – Goldrausch 2009 teil. In einer Doppelausstellung stellte sie 2014 mit Luzia Hürzeler im Kunsthaus Grenchen aus, ihre erste große Einzelausstellung folgte zwei Jahre später im Kunsthaus Baselland. Seit dieser Zeit hatte Esther Ernst zahlreiche Einzelausstellungen und war an Gruppenausstellungen in Museen und anderen Kunst- und Kulturinstitutionen beteiligt.

Stipendienaufenthalte führten Ernst nach Argentinien und mit iaab nach Südafrika. 2015 hatte sie das Clara-und-Eduard-Rosenthal-Stipendium für Bildende Kunst in der Villa Rosenthal in Jena inne. Als Artist-in-Residence 2018 der Pro Helvetia arbeitete sie in Kairo. Zwei Jahre später erhielt sie ein Stipendium der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi in Olevano Romano. Der Kanton Solothurn zeichnete Ernst 2020 mit dem Fachpreis für Zeichnung und Malerei aus. 2021 erhielt sie ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds. Von Dezember 2022 bis März 2023 war sie vier Monate Stipendiatin der Kulturakademie Tarabyaim in Istanbul. 2024 war sie Stipendiatin des Atelier Mondial, das ihr einen Aufenthalt in Jerewan, Armenien, ermöglichte.

Werke in öffentlichen Sammlungen

2024: Historisches Museums Frankfurt, D 2023: Sammlung Kunstverein Solothurn, CH 2021: dotmov.bl – Sammlung Neue Medien Baselland, CH 2020: Sammlung Kunstmuseum Solothurn, CH 2019: Sammlung Kanton Solothurn, CH 2018: Stadtmuseum Berlin, Märkisches Museum, D, Kunstsammlung Migros Aare, CH 2017: dotmov.bl – Sammlung Neue Medien Baselland, CH 2016: Kunstsammlung F. Hoffmann-La Roche, Basel, CH 2015: Sammlung Kunstmuseum Olten, CH, Kunstsammlung Schweizerische Post, CH 2014: Kunstsammlung Credit Suisse, CH, Sammlung Kanton Solothurn, CH 2012: Sammlung Kunstkredit Kanton Basel-Landschaft, CH 2010: Sammlung Kunstkredit Kanton Basel-Stadt, CH

Literatur Esther Ernst. Monographisches Künstlerheft zur Ausstellung Splendid Isolation – Goldrausch 2009 vom 17. Oktober bis 29. Dezember 2009. Hrsg.: Goldrausch Künsterinnenprojekt art IT, Frauennetzwerk Berlin e.V., Berlin 2009, ISBN 978-3-941318-09-0 Splendid Isolation - Goldrausch 2009. Ausstellungskatalog Kunstraum Kreuzberg, Berlin (17. Oktober bis 29. Dezember 2009). Hrsg. Birgit Effinger, Goldrausch Künsterinnenprojekt art IT, Frauennetzwerk Berlin e.V., Berlin 2009, ISBN 978-3-941318-20-5 Esther Ernst: Ansichtssachen. Kein Tag ohne Zeichnung. Erschienen anlässlich der Ausstellung Ist Es Ich, Forum Vebikus, Schaffhausen (17. August bis 16. September 2012). Revolver Publications, Berlin 2012, ISBN 978-3-86895-243-8 Esther Ernst: The Pleasure of Strolling under Coconuts. Prisma #3 (Monographisches Künstlerinnenheft). Prisma Publications, Zürich 2012, ISSN 1664-6134 Esther Ernst: Hiebkrakel mitten im Ordnungssinn. Erschienen anlässlich der Ausstellung Hiebkrakel Mitten im Ordnungssinn, Museum Wilhelm-Morgner-Haus, Soest (11. August bis 15. September 2013). Ed. Sutstein, Berlin 2013, ISBN 978-3-932731-19-8 Esther Ernst. Karten, Mappe. Hrsg. Julia Draganović, Deutsche Akademie Rom Villa Massimo. Vexer Verlag, St. Gallen und Berlin 2021, ISBN 978-3-907112-43-4 Esther Ernst. Zierstiche. Kunst und Bau, Nummer 10. Hrsg. Vera Ida Müller. Vexer Verlag, St. Gallen und Berlin 2021, ISBN 978-3-907112-40-3 Esther Ernst: Verzeichnungen. Ausstellungskatalog Museum Franz Gertsch, Burgdorf. modo Verlag, Freiburg i.Br. 2024, ISBN 978-3-86833-342-8

Belege

Weblinks

Webpräsenz von Esther Ernst Goldrausch Künstlerinnenprojekt

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