Der Ford LTD der ModelljahreDie zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen in der Regel von Kalenderjahren ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen umgebaut werden, ein neues Modelljahr. 1973 bis 1978 ist ein Full-Size-Pkw des US-amerikanischen Automobilherstellers Ford, der in verschiedenen Karosserieversionen und Ausstattungslinien angeboten und in sechs Jahren mehr als 2,28 Millionen Mal verkauft wurde. Die Autos dieser Jahre werden vielfach als dritte Generation von Fords LTD-Reihe angesehen. Der LTD war in dieser Zeit (abgesehen vom exklusiven Thunderbird) das Spitzenmodell und zugleich der größte und schwerste Pkw der Marke Ford. Bis 1974 war er das höherpreisige Schwestermodell des Ford Custom und des Ford Galaxie. Weitgehend baugleich, aber besser ausgestattet und teurer waren die Monterey- und Marquis-Reihen von Mercury. In technischer Hinsicht hat der LTD außerdem Bezüge zum zeitgenössischen Lincoln Continental. Die Kombiversionen des LTD tragen die Zusatzbezeichnung Country Squire.

Entstehungsgeschichte Der LTD gehörte zu Fords Full-Size-Familie, die die größte Pkw-Reihe im Programm der Marke Ford darstellte.

Position in Fords Modellpalette mini|Schwestermodell: Ford Galaxie 500 (1973) In den 1960er-Jahren bestand Fords Full-Size-Reihe aus den Modellen Custom und Galaxie, wobei der Custom das preiswerte Basismodell war. Ab 1965 war die Galaxie-Reihe auf Wunsch mit einem luxuriösen, als „LTD“Der Code „LTD“ wird allgemein als Anagramm für Luxury Trim Decor (sinngemäß: Ausstattung mit luxuriös wirkendem Dekor) verstanden. bezeichneten Ausstattungspaket erhältlich. 1967 wurde der LTD zu einem eigenständigen Modell, das oberhalb des Custom und des Galaxie positioniert war.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 313. Diese Dreigleisigkeit setzte das Unternehmen auch bei der 1969 eingeführten und bis 1972 produzierten neuen Full-Size-Generation fort.

Zum Modelljahr 1973 erhielten die Custom-, Galaxie- und LTD-Modelle bei unveränderter Technik neue Karosserien. Zwei Jahre standen die drei bekannten Reihen nebeneinander im Programm; danach strukturierte Ford seine Full-Size-Palette neu: Vor Beginn des Modelljahrs 1975 wurde der Galaxie eingestellt, und der Custom wurde künftig nur noch an Flottenkunden wie Behörden, Taxiunternehmen und Autovermieter abgegeben. Damit war ab 1975 der LTD der einzige für Privatkunden angebotene Full-Size-Ford.

Wirtschaftliches und politisches Umfeld In die Produktionszeit dieser LTD-Generation fallen tiefgreifende regulatorische Maßnahmen der US-amerikanischen Behörden, die sowohl Reaktionen auf steigende Rohstoffpreise infolge der Ersten Ölkrise 1973 waren als auch veränderte Vorstellungen zum Umweltschutz und zur Fahrzeugsicherheit aufnahmen. Konkret waren das unter anderem gesetzliche Bestimmungen zur Begrenzung des Flottenverbrauchs, die 1975 unter der Bezeichnung Corporate Average Fuel Economy (CAFE) in Kraft traten und die US-amerikanischen Hersteller zwangen, Maßnahmen zur Senkung des Treibstoffverbrauchs ihrer Fahrzeuge zu ergreifen.Die Vorgaben verlangten einen Flottendurchschnittsverbrauch von 18 miles per gallon (mpg) (13,0 Liter/100 km) im Jahr 1978, 19 mpg (12,4 Liter/100 km) im Jahr 1979 und 20 mpg (11,8 Liter/100 km) im Jahr 1980. Vgl. Albert R. Bochroch: American Cars of the Seventies. Warne’s Transport Library, London 1982, ISBN 0-7232-2870-1, S. 33. Hinzu kam die im Januar 1973 aus Umweltschutzgründen angeordnete zwingende Verwendung von Abgaskatalysatoren für alle ab 1975 neu zugelassenen Autos, die die Anpassung der Motoren an bleifreies Benzin erforderte.EPA Presseerklärung (abgerufen am 24. Juni 2025)

In der Konsequenz waren die Hersteller gezwungen, in jedem Marktsegment kleinere, leichtere und damit verbrauchsgünstigere Fahrzeuge zu entwickeln. Ford ging diesen Schritt zögerlicher an als der Konkurrent General Motors. Der ehemalige Ford-Manager Lee Iacocca begründete das mit einer Realitätsverweigerung und vermutete als Hintergrund eine grundsätzliche Aversion des Konzernleiters Henry Ford II gegen kleinere Autos.Lee Iacocca, William Novak: Eine amerikanische Karriere. Ullstein, 1985, ISBN 3-548-34388-0, S. 183. Der Ford-Konzern begann vergleichsweise spät, für die Full-Size-Fahrzeuge eine kleinere, Panther genannte Plattform zu entwickeln. Sie erschien erst zum Modelljahr 1979, d. h. ein Jahr nach verkleinerten Full-Size-Cars von General Motors. Bis dahin blieb der LTD in seiner 1973 eingeführten Form im Programm und war zuletzt einer der größten Pkw aus US-amerikanischer Fertigung.

Modellbeschreibung

Chassis und Fahrwerk mini|Chassis eines Ford LTD (1973) Der Ford LTD hat einen separaten Rahmen mit aufgesetzter Karosserie. Der Radstand der ab 1973 gebauten LTD-Reihe entspricht der der 1969 eingeführten zweiten Generation. Technisch stimmen Rahmen und Fahrwerk des Ford LTD mit denen der zeitgenössischen Full-Size-Mercurys überein, allerdings ist der Radstand der zwei- und viertürigen Mercurys 76 mm länger als der des Ford. Auch der nochmal längere Lincoln Continental hat dieses Fahrgestell.

Die Vorderräder sind einzeln aufgehängt, hinten ist es eine Starrachse. An allen vier Rädern sind Schraubenfedern eingebaut. Vorn kommen serienmäßig Scheibenbremsen zum Einsatz, hinten Trommelbremsen. Eine Servolenkung gehörte zur Serienausstattung.

Karosserie Die Ford LTD der Modelljahre 1973 bis 1978 haben Stahlblechkarosserien, die auf das Fahrgestell aufgesetzt wurden.

Die Karosserie entspricht weitestgehend der der zeitgenössischen Mercury-Marquis-Modelle; lediglich die Front- und Heckmasken weichen voneinander ab. Der ab 1973 produzierte Aufbau ist länger, breiter und schwerer als die bis 1972 gebaute Form. Alle Ausführungen haben eine breite Kühlermaske und doppelte Rundscheinwerfer, die bei den höherwertigen Ausstattungsvarianten einzelner Jahrgänge hinter Abdeckungen verborgen sind. Die Neugestaltung der Karosserie fiel zeitlich mit der Einführung breiterer Stoßfänger zusammen: Mit Blick auf einen Frontalaufprall waren ab 1973 für alle neu hergestellten Autos vorne Sicherheitsstoßfänger vorgeschrieben, die bei einem Aufprall mit einer Geschwindigkeit von bis zu fünf Meilen pro Stunde (etwa 8 km/h) Karosserieschäden verhindern sollten. Im Jahr darauf wurde diese Vorschrift auch auf die hinteren Stoßstangen ausgeweitet.J. Kelly Flory: American Cars, 1973-1980. Every Model, Year by Year, McFarland, 2012, ISBN 978-0-7864-4352-9, S. 21. Die neue LTD-Karosserie nahm diese Vorgaben ab 1973 auf.

In dieser Zeit waren folgende Karosserievarianten erhältlich:

zweitürige Hardtop-Coupés ohne B-Säule mit breiter C-Säule (1973 und 1974) zweitürige Pillared-Hardtop-Coupés mit B-Säule (1975 bis 1978) viertürige Hardtop-Sedans ohne B-Säule (1973 und 1974) viertürige Pillared-Hardtop-Sedans mit B-Säule (1973 bis 1978) viertürige Kombis mit Heckklappe (1973 bis 1978)

Motorisierungen und Kraftübertragung Die Ford LTD dieser Generation waren ausschließlich mit Achtzylinder-V-Ottomotoren erhältlich. Basismotorisierung war wie bei der vorangegangenen Generation ein Motor mit 5752 cm³ Hubraum; darüber rangierte eine stärkere, 6555 cm³ große Variante. Die bis 1972 außerdem lieferbaren Motoren mit 6,4 und 7,0 Liter Hubraum entfielen; stattdessen führte Ford 1973 einen 7538 cm³ großen Achtzylinder-V-Motor als Spitzenmotorisierung ein, der vorher den großen Lincoln-Modellen vorbehalten gewesen war.

Wie die unmittelbaren Konkurrenten erreichte auch Ford die jährlich strenger werdenden Grenzwerte für Verbrauch und Schadstoffausstoß vor allem durch eine Senkung der Motorleistung. Verbreitete Maßnahmen waren die Herabsetzung des Verdichtungsverhältnisses und der Verzicht auf bis dahin verbreitete Doppel- oder Vierfachvergaser.Marc Cranswick: The Legend of American Motors, Veloce Publishing, 2024, ISBN 978-1-78711-765-5.

Alle Varianten des LTD waren serienmäßig mit einer Dreistufenautomatik ausgestattet.

Übersicht über die MotorisierungenRichard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 328–333. Achtzylinder-V-Ottomotoren Hubraum (cui) 351 400 460 Hubraum (cm³) 5752 6555 7538 SAE-PS (netto) 144 153 158 162 144 166 168 170 172 173 180 197 202 216 220 1973 – – S – – – O – – – – – O – – 1974 – – – S – – – O – – – – – – O 1975 – – – – S – – – O – – – – O – 1976 – S – – – – – – – – O – O – – 1977 – – S – – – – – – O – O – – – 1978 S – – – – O – – – – – – O – – S = Serienausstattung; O = aufpreispflichtige Wunschausstattung

Abmessungen und Gewichte Im Laufe der sechsjährigen Produktionszeit wuchs die Außenlänge des LTD von 5585 mm um mehr als 100 mm auf zuletzt 5692 mm. Im letzten Modelljahr gehörte der LTD zu den größten Serien-Pkw aus US-amerikanischer Herstellung; länger waren nur der LTD-Zwilling Mercury Marquis, der zeitgenössische Lincoln Continental und die Full-Size-Modelle des Chrysler-Konzerns (Newport und New Yorker).

Die nachstehenden Angaben zum Leergewicht beziehen sich auf den LTD mit Stufenheck und vier Türen. Das Leergewicht der zweitürigen Versionen liegt auf annähernd gleichem Niveau, die Kombis der Country-Squire-Reihe sind etwa 400 kg schwerer. Angegeben sind die Daten für die Basisversion und Basismotorisierung. Durch aufpreispflichtige Ausstattungsdetails und stärkere Motoren kann das Leergewicht um mehrere 100 kg steigen.

Ford LTD 4 Door SedanDaten für die Ford-LTD-Modelle der Jahrgänge 1969 bis 1974 auf www.automobil-catalog.com (abgerufen am 31. Juli 2025).Daten für die Ford-LTD-Modelle der Jahrgänge 1975 bis 1978 auf automobile-catalog.com (abgerufen am 31. Juli 2025).Daten für das Leergewicht nach Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 328 bis 333. Modelljahr Länge (mm) Breite (mm) Leergewicht (kg) 1973 5585 2019 1862 1974 5652 2019 1933 1975 5687 2019 1999 1976 5687 2019 1951 1977 5692 2019 1923 1978 5692 2019 1828

Ausstattungslinien Anfänglich war der LTD in einer Basisversion sowie als Ford LTD Brougham erhältlich, der besser ausgestattet und etwa 120 US-$ teurer als der Basis-LTD war. Mit der Einstellung des Ford Custom und des Ford Galaxie nach Ablauf des Modelljahrs 1974 war der LTD das einzige Full-Size-Modell der Marke Ford. Daraufhin fächerte Ford die LTD-Reihe bis 1976 in drei und danach in zwei verschiedene Linien auf:

mini|Spitzenmodell von Fords Full-Size-Reihe ab 1975: der LTD Landau Von 1975 bis 1978 war der einfache LTD (ohne Zusatzbezeichnung) das Basismodell; er trat an die Stelle des Ford Custom.

Der LTD Brougham war die mittlere Linie; er ersetzte den Ford Galaxie. Er blieb bis 1976 im Programm; danach wurde der Brougham eingestellt.

Als neues Spitzenmodell wurde 1975 der Ford LTD Landau eingeführt. Der Landau hat in Wagenfarbe lackierte Klappen vor den Scheinwerfern und gegen Aufpreis auch Teilabdeckungen über den Hinterrädern. Der Landau blieb bis 1978 im Programm.

LTD Country Squire mini|Ford LTD Country Squire (1974) Bis 1968 waren die Ford Custom, Galaxie und LTD nur als zwei- und viertürige Stufenheckfahrzeuge und als zweitürige Cabriolets erhältlich. Die Kombimodelle der Full-Size-Reihe bildeten eine formal eigenständige Modellreihe, auch wenn sie – abgesehen von der Heckpartie – technisch und stilistisch weitgehend mit den Stufenhecklimousinen der Full-Size-Reihe übereinstimmten. Mit der Einführung der neuen Full-Size-Reihe zum Modelljahr 1969 verloren die Kombis ihre formale Eigenständigkeit. Ford ordnete sie den Modellreihen Custom, Galaxie und LTD zu. Die Verkaufsbezeichnungen lauteten danach Custom Ranch Wagon, Galaxie Country Sedan und LTD Country Squire. Ab 1974 war nur noch der LTD Country Squire im Programm.